Vertrauen nach Investorenplan verloren
UEFA und CONCACAF attackieren Infantino weiter – Spanien-Boss Tebas fordert Rücktritt
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Der Artikel erschien in erster Fassung am 1. August um 12:50 und wurde mit weiteren Aussagen aktualisiert
Die Europäische Fußball-Union und der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF haben den Weltverband FIFA und Präsident Gianni Infantino auch nach der Aufgabe der Investorenpläne hart attackiert. „Die derzeitige FIFA-Führung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der Fußballfamilie“, teilte der Kontinentalverband mit. Dass die FIFA zuvor ihre Pläne verworfen hatte, die kommerziellen WM-Rechte an Investoren zu verkaufen, begrüßte die UEFA. Spaniens Liga-Chef Javier Tebas forderte später sogar Infantinos Rücktritt.
Der FIFA-Entscheidung waren massive Proteste vor allem aus Europa unter der Leitung von Präsident Aleksander Ceferin vorausgegangen – aber auch die Kontinentalverbände in Asien sowie Nord- und Mittelamerika lehnten Infantinos Pläne ab. Der Schweizer steht heftig unter Druck, viele in der Fußballwelt und selbst der Politik fordern seinen Rücktritt. Die UEFA schrieb dazu: „Der schäbige, hinter verschlossenen Türen ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefädelt und anschließend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz.“ Infantino habe es zudem nicht geschafft, die milliardenschweren Rücklagen der FIFA den Verbänden und damit dem Fußball zukommen zu lassen.
Stattdessen hatte Infantino zuletzt vorgeschlagen, einen Teil der WM-Rechte in ein Tochterunternehmen auszulagern und durch den Verkauf an Investoren hohe Summen einzunehmen. Berichten zufolge setzte der Weltverband dann den Verbänden für die Zustimmung zu den Plänen eine Frist bis zum 19. September und stellte im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht.
UEFA fordert: Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen
„So können wir nicht weitermachen – mit geheimen Machenschaften, die im Eiltempo von gesichtslosen Individuen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport fragwürdig ist“, hieß es dazu bei der UEFA. „Wir müssen die Verantwortlichen ausfindig machen und sie zur Rechenschaft ziehen.“
Der europäische Verband kündigte an, unmittelbar mit Partnern weltweit in den Dialog zu treten, um neue Wege zu finden, die FIFA-Gelder zu verteilen. „Das ist ein Sieg für das ganze Spiel“, schrieb die UEFA. „Aber es darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Vorschlag wurde zurückgenommen. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wieder aufzubauen, hat gerade erst begonnen.“
CONCACAF schießt gegen Infantino: „Ungeheuerliche Handlung“
Der Investoren-Deal der FIFA sei „Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen“, teilte die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF in einer Stellungnahme mit. Die 41 Mitglieder begrüßten die Rücknahme des vorgeschlagenen Projekts, sehen das Thema damit aber alles andere als abgeschlossen an. „Diese jüngste einseitige und ungeheuerliche Handlung, die von schlechter Regierungsführung und Führungsschwäche zeugt, reiht sich ein in eine Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten. Eine umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft ist unerlässlich.“
Die CONCACAF lobte das entschiedene Vorgehen der Verbände gegen die FIFA-Pläne. „Die in dieser Woche von unseren Mitgliedsverbänden gezeigte Einheit hat bestätigt: Wenn Mut, Integrität und solide Führung im Vordergrund stehen, bleibt der Sport dort, wo er hingehört – in den Händen des Fußballs – und nicht in den Händen einer einzelnen Person“, hieß es in Richtung Infantinos. „Wir alle sind lediglich Verwalter, die einem Spiel dienen, das uns allen gehört.“
Spaniens Liga-Boss fordert Rücktritt von Infantino
Infantino ist nach Ansicht von Spaniens Liga-Chef Tebas im Amt nicht mehr tragbar. „Der Weltfußball braucht eine neue Führung, die die Verbandsstrukturen modernisiert, die institutionelle Glaubwürdigkeit wiederherstellt und künftige Entscheidungen gemeinsam mit den betroffenen Akteuren entwickelt“, forderte Tebas in den Sozialen Medien den Rücktritt Infantinos. „Dabei müssen die sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Vorfeld sorgfältig geprüft werden, anstatt Entscheidungen einseitig durchzusetzen.“
Das Problem sei nie nur dieser eine Vorschlag gewesen, so Tebas: „Das Problem ist ein Modell der Verbandsführung, das Macht konzentriert, Kontrollmechanismen schwächt und diejenigen an den Rand drängt, die von den Entscheidungen unmittelbar betroffen sind. Der Rückzug eines Vorschlags macht das Geschehene nicht ungeschehen. Er ist lediglich die Spitze des Eisbergs.“
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