01.08.2026 - 08:35 | Quelle: dpa | Lesedauer: unter 5 Min.
FIFA-Council
Gianni Infantino
Abrupte Kehrtwende 

Nach massivem Widerstand: FIFA gibt Investorenpläne auf – Was Infantino sagt

Nach massivem Widerstand: FIFA gibt Investorenpläne auf
©IMAGO

Der Fußball-Weltverband FIFA gibt seine umstrittenen Investorenpläne auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten Stellungnahme. „Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete Infantino seine abrupte Kehrtwende.


Mitarbeiter
Gianni Infantino
G. Infantino Alter: 56
FIFA-Council
FIFA-Council


Die Pläne der FIFA um den mächtigen Präsidenten Infantino hatten vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Für die Umsetzung wollte die FIFA das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch.



Infantino erklärte weiter, Ziel der FIFA sei es, stets zu vereinen und zu verbessern. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“ Es sei seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen „im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen, insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen.“ Mit dem Projekt habe er die Mitgliedsverbände stärken wollen. Zur Umsetzung wäre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hätte, erklärte er in dem Statement.


UEFA drohte FIFA mit WM-Boykott


Die FIFA beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer größer geworden war. So hatte die europäische UEFA nicht nur die Pläne heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. „Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, teilte die UEFA nach einem Dringlichkeitstreffen mit. „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, schrieb die Europäische Fußball-Union.



Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband CONMEBOL bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der FIFA an.


Hochrangiger Infantino-Berater zurückgetreten


Zudem bröckelte auch innerhalb der FIFA die Unterstützung für Boss Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater des 56-Jährigen, trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück.



Dabei wählte er drastische Worte. „Als leitender Berater des FIFA-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußballfan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“, schrieb der Top-Funktionär auf der Plattform Linkedin.



Der ehemalige Präsident des US-Verbandes, der seit 2021 für die FIFA arbeitet, äußerte zudem: „Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.“ Dieses Geschäft wird es nun nicht geben.


Burnham für Ablösung von FIFA-Boss Infantino


Aber auch mit seiner Kehrtwende könnte es für Infantino schwierig werden, sich an der Spitze der FIFA zu halten. So sprach sich der britische Premierminister Andy Burnham nach Bekanntwerden der Pläne offen für die Ablösung Infantinos aus. Der Schweizer sei „der falsche Mann“ an der Spitze des Weltverbandes, sagte der neue Regierungschef.



UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte bei „Sky News“ nach der harschen Kritik an den Investorenplänen, die weltweite Einigkeit gegen die Vorschläge gebe der FIFA einige Anhaltspunkte dafür, was den Spielern, den Fans, den Vereinen und den Funktionären wichtig sei, wenn es darum gehe, wie der Fußball in Zukunft gestaltet werde. „Ich hoffe, dass dies für den Präsidenten und die FIFA ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben.“



Infantino steht auch wegen einer anderen Angelegenheit unter Druck: Er war während der WM in den USA, Kanada und Mexiko wegen einer auf Anruf von US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun schwer in die Kritik geraten. Damit wurde ein Einsatz des Spielers im Achtelfinale ermöglicht – ein äußerst ungewöhnliches Vorgehen. Nach Darstellung der FIFA wurde die umstrittene Entscheidung von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen.


Internationale Presse sieht Niederlage für Infantino und die FIFA


Die internationale Presse wertete den Rückzug von den Plänen als Schlappe für die FIFA und Infantino. Die englische „Daily Mail“ sprach von einer „peinlichen Kehrtwende“ und einer „demütigenden Niederlage“ für Infantino, während die spanische „AS“ von einem „globalen Rückschlag“ für den FIFA-Präsidenten schrieb. „El País“ urteilte, der Fußball mit seinen Millionen Fans habe über externe Akteure gesiegt und die FIFA verloren.


Der Schweizer „Blick“ sah einen „ungewöhnlichen Rückzieher“ eines Präsidenten, „der in den vergangenen Jahren seine Vorhaben meist ohne größeren Widerstand durchsetzen konnte.“ Die französische „L’Équipe“ attestierte dem Weltverband eine Krise, während die italienische „Gazzetta dello Sport“ die Aufgabe der Investorenpläne mit den Worten „Die Vernunft hat gesiegt“ begrüßte.


Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du Transfermarkt als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge Transfermarkt hier als bevorzugte Quelle hinzu.

Letzte Beiträge Newsforum

Skanki Skanki 01.08.2026 - 21:45
Zitat von blauer_genauer

Nach diesem Tiefschlag kann Infantino eigentlich nur noch so einen Hauch seines Gesichts wahren. Sofortiger Rücktritt und Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Das wäre vor allem für die FIFA extrem wichtig.


Ich stimme dir ja zu, aber würde es danach besser werden oder nochmal schlimmer? Das System der FIFA ist relativ einfach zu durchschauen. Es hat zu viele Personen/Funktionäre im Hintergrund die die Hände aufhalten und stimmen gerade bei kleinen Verbänden so schlicht gekauft werden. Im Grunde war das ja auch bis zum Schluss. das Kalkül von Infantino war doch absehbar, dass durch die finanziellen Anreize für die vielen kleinen Verbände die Mehrheit schlicht gekauft werden kann… Ist ja nun wahrlich seit Jahrzehnten kein Geheimnis das es so läuft bei der FIFA und sollte spätestens seit dem Sommermärchen Skandal bzw.. die Vergabe an Katar klar sein wie das dort läuft…

Zitat von blauer_genauer

Infantino sprach 2016 von mehr Transparenz. Und dann haut der so einen Vorschlag raus und scheitert krachend damit. Ich glaube noch niemals ist in irgendeiner Organisation oder in irgendeinem Unternehmen ein Rücktritt einer führenden Person so essentiell wichtig und so selbstverständlich gewesen.


Das es nicht die beste Idee war den Blatter Zögling als Ersatz zu installieren sollte doch jedem klar gewesen sein… Im Endeffekt war das den Status Quo beibehalten und Aktivismus zu zeigen… Politik eben…

Zitat von blauer_genauer

Aber Infantino wird seine Macht erhalten wollen, auf egal welchem Weg auch immer.
Ich habe eh die Vermutung, dass dieses FFE Konstrukt von ihm so gedacht war:
"Ich gründe eine Tochter die quasi alles sportliche vermarkten und organisieren kann und setze mich als Geschäftsführer ein" Damit wäre egal, ob er - sollte er wieder gewählt werden - "nur" noch 5 Jahre im Amt sein würde.


Ich vermute er wollte ein höheres Gehalt (hätte ja 10x höher sein sollen) und den Machterhalt sichern den er wegen den die nach Blatter gemacht wurden automatisch diese verloren hätte.

Zitat von blauer_genauer

Denn als Geschäftsführer hätte er ein wesentlich dickeres Gehalt als jetzt (wobei man ja nicht weiß, ob und wieviel seit 2016 an Zuwendungen an Ihn herangetragen wurden und ob und was er angenommen hatte .. ) bekommen könnte. Und das ohne Amtzeitbegrenzung. Und darüber hinaus könnte er sich weiterhin in der Sonne von Politikern usw. sonnen. Wie gesagt, das ist eine Vermutung meinerseits, die in privaten Gesprächen dieser Tage gewachsen ist...


Es gibt ja viele Gerüchte. Aber das da viel im Grau Bereich agiert wird sollte klar sein… Ich habe mal in den Medien gelesen, dass Infantino, ganz überraschend, eine luxuriöse Wohnung in Katar besitzen soll…

Zitat von blauer_genauer

Es wäre einfach an der Zeit, dass er "abgesägt" wird. Ich glaube es hat noch nie ein Mensch allein dem Fußball solchen (Image-) Schaden zugefügt.


Infantino hat das eingeläutet was früher oder später schon aus finanziellen Gründen eh passieren wird. Die Abkapselung des elitären Spitzenfußballs einzelner Vereine (vermutlich aus Europa) aus den FIFA/UEFA Wettbewerben. Wenn du dir anschaust was die Top 10 Vereine Jahr für Jahr treiben und wie das die anderen 95 % machen ist das einfach ein massiver unterschied in Sachen Wirtschaften und Qualität auf den Platz..
blauer_genauer DJK Ottenhofen blauer_genauer 01.08.2026 - 17:28
Nach diesem Tiefschlag kann Infantino eigentlich nur noch so einen Hauch seines Gesichts wahren. Sofortiger Rücktritt und Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Das wäre vor allem für die FIFA extrem wichtig.

Infantino sprach 2016 von mehr Transparenz. Und dann haut der so einen Vorschlag raus und scheitert krachend damit. Ich glaube noch niemals ist in irgendeiner Organisation oder in irgendeinem Unternehmen ein Rücktritt einer führenden Person so essentiell wichtig und so selbstverständlich gewesen.

Aber Infantino wird seine Macht erhalten wollen, auf egal welchem Weg auch immer.
Ich habe eh die Vermutung, dass dieses FFE Konstrukt von ihm so gedacht war:
"Ich gründe eine Tochter die quasi alles sportliche vermarkten und organisieren kann und setze mich als Geschäftsführer ein" Damit wäre egal, ob er - sollte er wieder gewählt werden - "nur" noch 5 Jahre im Amt sein würde. Denn als Geschäftsführer hätte er ein wesentlich dickeres Gehalt als jetzt (wobei man ja nicht weiß, ob und wieviel seit 2016 an Zuwendungen an Ihn herangetragen wurden und ob und was er angenommen hatte .. ) bekommen könnte. Und das ohne Amtzeitbegrenzung. Und darüber hinaus könnte er sich weiterhin in der Sonne von Politikern usw. sonnen. Wie gesagt, das ist eine Vermutung meinerseits, die in privaten Gesprächen dieser Tage gewachsen ist...

Es wäre einfach an der Zeit, dass er "abgesägt" wird. Ich glaube es hat noch nie ein Mensch allein dem Fußball solchen (Image-) Schaden zugefügt.
Torpogo Borussia Mönchengladbach Torpogo 01.08.2026 - 12:51
Hier mal ein Zitat aus dem Kicker, was Christian Streich über die FIFA sagt:
„ Der FIFA um Präsident Infantino attestierte er indes nicht nur ein "hochgradig korruptes" System, sondern obendrein "mafiöse Strukturen". “

Habe etwas ähnliches während der WM gesagt und bin dafür dann gesperrt worden.

Ich hoffe sehr, dass es jetzt diesem geldgierigen Menschen an den Kragen geht und er bei der nächsten Gelegenheit abgesetzt wird.
Problematisch ist allerdings das System an sich. Wer sich der Meinung von Streich anschließt (wie ich z.B.) hat wenig Hoffnung, dass mit einem neuen Vorsitzenden irgendetwas besser wird. Aber wenn es nur so läuft wie früher bei Blatter wäre eine deutliche Verbesserung erreicht. Warum aber musste der nochmal gehen? Ich schreibe das nicht, sonst werde ich wieder gesperrt…
Gianni Infantino
FIFA-Council
Gianni Infantino
Geb./Alter:
23.03.1970 (56)
Nat.:  Schweiz Italien
Akt. Verein:
FIFA-Council
Aktuelle Funktion:
Präsident
Vertrag bis:
31.03.2027
Im Amt seit:
26.02.2016
Widerruf Tracking & Cookies

Du hast erfolgreich deine Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die du zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt hast. Du kannst dich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden. Bitte beachte, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wende dich diesbezüglich an datenschutz@transfermarkt.de.