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Fankultur in Köln

15.03.2012 - 23:46 Uhr
Fankultur in Köln |#7321
04.03.2026 - 14:35 Uhr
Aus meiner Sicht ist die Diskussion ethisch und moralisch daneben. Ich bin überhaupt kein Fan der Ultras und habe sogar etwas gegen den kleineren, gewaltbereiten und wenig sozialen Teil der Gruppe. Doch der Großteil ist in Ordnung. Ich kenne durch meine langjährige Arbeit in Köln linksrheinisch viele der älteren Jungs und deren Familien, auch wenn es nicht mein Milieu ist, mit dem ich in meiner Freizeit verkehre. Aus Erfahrung weiß ich, dass die richtigen Fans unter den Ultras, also die Mehrheit, so etwas aus Respekt im Stadion machen und nicht, weil sie Applaus erwarten. Ich muss auch sagen, dass ich diesen Teil der Fans immer als respektvoll und höflich erlebt habe. Sie zeigen viel Dankbarkeit, wenn man ihnen hilft, und sie selbst unterstützen gerne andere, wenn es in ihrer Hand liegt.
Das Einstellen des Supports und die Aussagen des Trainers hinterher bei der Pressekonferenz waren kein Thema für mich. Mir war sofort bewusst, dass Kwasniok keine Kenntnis davon haben konnte, was wirklich los war. Weder ist ihm hier ein bewusster Fehler unterlaufen, noch haben sich die Ultras falsch benommen, sondern haben sie ihre menschliche und mitfühlende Seite gezeigt.

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🍀
Fankultur in Köln |#7322
06.03.2026 - 15:37 Uhr
Ich habe das ganz interessiert gelesen und würde einfach mal die folgende Überlegung einwerfen wollen:

1. Jeder Zuschauer im Stadion kann und soll selbst darüber entscheiden, wie er sich in einer solchen Situation verhalten möchte und was er als angebracht empfindet. Das gilt für den halbstarken Teenager genauso wie für den Familienvater, den Geschäftsmann oder eben den Ultra. Problematisch ist es erst dann, wenn einzelnen ein individuell gewähltes Verhalten in die ein oder andere Richtung durch eine Gruppe faktisch oder moralisch unmöglich gemacht wird.

2. Die Mannschaft besteht aus Profis, die ungeachtet der äußeren Umstände ihrem Job nachgehen können sollten. Das war ja auch bei Corona so und findet heute bei (Teil)Zuschauerausschlüssen oder Testspielen immernoch statt. Wer ernsthaft meint, dass der organisierte Support der Ultras eine effektiv messbare Auswirkung auf ein Spielergebnis hat, überhöht den Einfluss dieser Gruppe in diesem Bezug klar.

3. Die vermeintlichen Wünsche des Betroffenen sind hier eigentlich irrelevant. Das mag zwar hart klingen, aber wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewege und ein Lebensrisiko realisiert muss ich schlichtweg damit klar kommen. Das heißt nicht, dass ich nicht vor Gaffern, etc. geschützt werden muss. Das steht außer Frage. Aber wie andere anwesende Personen emotional reagieren ist halt einfach eine Sache eben dieser Personen und nicht von mir, auch wenn ich Auslöser der Situation bin.

Soviel von mir dazu…
Fankultur in Köln |#7323
07.03.2026 - 03:02 Uhr
Zitat von Diggidy
Wer ernsthaft meint, dass der organisierte Support der Ultras eine effektiv messbare Auswirkung auf ein Spielergebnis hat, überhöht den Einfluss dieser Gruppe in diesem Bezug klar.

Ich würde es gar nicht nur auf die Ultras einschränken. Die initiieren meistens die Fangesänge. Aber dabei machen dann auch viele "normale" Zuschauer - d.h. keine Ultras - mit. Die Aussagen der Spieler dazu sind eindeutig. Die sagen bei fast jeder Gelegenheit in die Mikrofone der Medien, wie sehr sie der Support der Zuschauer motiviert.

Direkt messbar sind die Auswirkungen des organisierten Supports allerdings wohl nicht. Aber ein Vergleich von Heim- und Auswärtstabelle verdeutlicht meiner Meinung den Effekt - auch wenn sicher noch andere Faktoren eine Rolle dabei spielen, dass Heimspiele i.d.R. erfolgreicher verlaufen als Auswärtsspiele.

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Un wenn et Trömmelche jeht...
Fankultur in Köln |#7324
07.03.2026 - 07:23 Uhr
Zitat von Nandru
Zitat von Diggidy

Wer ernsthaft meint, dass der organisierte Support der Ultras eine effektiv messbare Auswirkung auf ein Spielergebnis hat, überhöht den Einfluss dieser Gruppe in diesem Bezug klar.

Ich würde es gar nicht nur auf die Ultras einschränken. Die initiieren meistens die Fangesänge. Aber dabei machen dann auch viele "normale" Zuschauer - d.h. keine Ultras - mit. Die Aussagen der Spieler dazu sind eindeutig. Die sagen bei fast jeder Gelegenheit in die Mikrofone der Medien, wie sehr sie der Support der Zuschauer motiviert.

Direkt messbar sind die Auswirkungen des organisierten Supports allerdings wohl nicht. Aber ein Vergleich von Heim- und Auswärtstabelle verdeutlicht meiner Meinung den Effekt - auch wenn sicher noch andere Faktoren eine Rolle dabei spielen, dass Heimspiele i.d.R. erfolgreicher verlaufen als Auswärtsspiele.


Ein sehr interessantes Thema, wie ich finde, besonders die Messbarkeit. Ich bin eigentlich geneigt dem Trainer und den Spielern zu glauben, wenn sie sagen, dass es sie (zusätzlich!) puscht.
Und während des Corona-Lockdowns konnten die Retorten- Clubs davon profitieren, dass bei ihnen im Stadion trotz leerer Ränge die Stimmung wie gewohnt gewesen ist. Das war sogar messbar.

Haben die Ultras also einen Effekt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit schon!
Wenn auch weniger mit ihrem Dauergesang, als vielmehr damit, dass sie initiieren und das Stadion anzünden können. Ich bin nicht unbedingt Fan vieler Aktionen die sich unsere Ultras herausnehmen, und würde mir nicht nur manchmal ein konsequenteres Vorgehen des Vereins, besonders bei Pyromantenwahnsinn und allem was mit Gewalt zu tun hat wünschen. Denn ich halte sie nicht für unverzichtbar, und bin der festen Überzeugung, dass sich der Support in relativ kurzer Zeit neu organisieren würde, sollte man alle Straftäter konsequent verfolgen und belangen und damit die Ultras von der Süd verschwinden.
Fankultur in Köln |#7325
07.03.2026 - 10:23 Uhr
Das mit dem Pushen und Motivieren geht allerdings auch andersrum. Man hört auch immer wieder Spieler des Auswärtsteams sagen wie geil es ist in so einer Atmosphäre zu spielen und dass sie das wiederum pusht den Partycrasher zu machen und das Stadion zum Schweigen zu bringen.
Das wird den Vorteil ein bisschen abschwächen.
Fankultur in Köln |#7326
07.03.2026 - 10:52 Uhr
Zitat von Diggidy
Wer ernsthaft meint, dass der organisierte Support der Ultras eine effektiv messbare Auswirkung auf ein Spielergebnis hat, überhöht den Einfluss dieser Gruppe in diesem Bezug klar.

Mit Betonung auf "organisiert", da gehe ich vollkommen d´accord mit dir.

So wie viele Leser hier bin ich bereits zu FC-Spielen gefahren, als solche Wichtigtuer noch nicht anderen Vorschriften machen wollten. Kleiderordnung z. B. ugly
Zu der Zeit stimmte halt irgendeine(r) ein Lied an und es gehörte zum guten Ton unter den Fans, einzustimmen und sie/ihn zu unterstützen. Das ist zwar heute auch noch ähnlich - die Organisierten stimmen ebenfalls ein wenn zufällig grad nix anderes gesungen wird - es zeigt aber dass man einen organisierten Vorsänger usw. überhaupt nicht braucht.
Die können gern als friedliche Einzelpersonen ins Stadion gehen, meinetwegen stimmen die dann besonders viel an, halten besonders viele Doppelhalter hoch, etc... Aber "brauchen" tut die Fankurve eine selbsternannte Leitgruppe nicht, im Gegenteil.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Ondrasek am 07.03.2026 um 10:55 Uhr bearbeitet
Fankultur in Köln |#7327
07.03.2026 - 16:13 Uhr
Sind jetzt natürlich nicht unbedingt komplett repräsentativ, aber da mich das tatsächlich immer sehr interessiert, wie Profis die Fan-Unterstützung wahrnehmen, habe ich bislang mit drei mir bekannten Ex-Profis (HSV, BVB, Bochum) gesprochen und alle haben mehr oder minder gleichbedeutend gesagt, dass sie das Drumherum zwar wirklich cool und beeindruckend finden, es aber auf dem Platz selten wirklich wahrgenommen haben. Vor allem die Dauergesäge seien wohl eher irgendwann nicht mehr als ein statisches Rauschen.
Fankultur in Köln |#7328
10.03.2026 - 11:40 Uhr
Zitat von Haui_FC
Sind jetzt natürlich nicht unbedingt komplett repräsentativ, aber da mich das tatsächlich immer sehr interessiert, wie Profis die Fan-Unterstützung wahrnehmen, habe ich bislang mit drei mir bekannten Ex-Profis (HSV, BVB, Bochum) gesprochen und alle haben mehr oder minder gleichbedeutend gesagt, dass sie das Drumherum zwar wirklich cool und beeindruckend finden, es aber auf dem Platz selten wirklich wahrgenommen haben. Vor allem die Dauergesäge seien wohl eher irgendwann nicht mehr als ein statisches Rauschen.


Das glaube ich auch und wenn man weiter denkt, wäre es auch eher schlimm, wenn es andersherum wäre, nämlich dass Topleistungen nur unter Anfeuerung abgerufen werden können.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch hier wie bei jeder anderen vergleichbaren Situation Gewöhnungseffekte, so dass spätestens nach dem xten Spiel die Wahrnehmung oder der subjektive Effekt bei den Spielern nachlässt und man noch mal einen Drauf setzen müsste, um Dasselbe zu erreichen.

Das aktive Fußballer sich so äußern, wie sie es tun ist doch klar. Würde ich auch machen. Man stelle sich nur mal vor, was passieren würde, wenn alle sagen: ja ist ja ganz nett was ihr im Publikum so macht, aber das nehme ich vor allem vor und nach dem Spiel wahr sowie in Trinkpausen… das ganze ist ein Geschäft, das vor allem von den Fans getragen wird. Wenn man denen offen erzählt, dass sie nicht so relevant sind, wie sie selbst denken, wäre das schlichtweg dumm.

Ich will auch gar nicht sagen, dass es Momente gibt, wo einem ein Publikum pushen kann und man sich sowas sogar nutzbar macht, um doch nochmal über die Grenze zu gehen. Aber das ist mit sicher - betrachtet auf die Spielzeit - eher eine zu vernachlässigende Ausnahme.

Das heißt jetzt nicht, dass ich der Meinung bin, dass man aufhören sollte anzufeuern. Es kann ja tatsächlich sein, dass in der einen Situation es mal einen Einfluss auf das Spiel hat (ich glaube am ehesten ist im Übrigen der subjektive Einfluss auf den Schiedsrichter - aber das ist ein anderes Thema). Allerdings sollte man zumindest so ehrlich sein, dass man die ganze Chose primär für sich selbst macht, weil es eben eine (gemeinsame) Erfahrung und ein tolles Erlebnis ist, dass bei einem selbst zu unterschiedlichsten Hormonausschüttungen führt. Aus meiner Sicht reicht das auch schon als Grund, warum man im Stadion Stimmung macht.
Fankultur in Köln |#7329
10.03.2026 - 15:57 Uhr
Zitat von Diggidy
Zitat von Haui_FC

Sind jetzt natürlich nicht unbedingt komplett repräsentativ, aber da mich das tatsächlich immer sehr interessiert, wie Profis die Fan-Unterstützung wahrnehmen, habe ich bislang mit drei mir bekannten Ex-Profis (HSV, BVB, Bochum) gesprochen und alle haben mehr oder minder gleichbedeutend gesagt, dass sie das Drumherum zwar wirklich cool und beeindruckend finden, es aber auf dem Platz selten wirklich wahrgenommen haben. Vor allem die Dauergesäge seien wohl eher irgendwann nicht mehr als ein statisches Rauschen.



Das glaube ich auch und wenn man weiter denkt, wäre es auch eher schlimm, wenn es andersherum wäre, nämlich dass Topleistungen nur unter Anfeuerung abgerufen werden können.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch hier wie bei jeder anderen vergleichbaren Situation Gewöhnungseffekte, so dass spätestens nach dem xten Spiel die Wahrnehmung oder der subjektive Effekt bei den Spielern nachlässt und man noch mal einen Drauf setzen müsste, um Dasselbe zu erreichen.

Das aktive Fußballer sich so äußern, wie sie es tun ist doch klar. Würde ich auch machen. Man stelle sich nur mal vor, was passieren würde, wenn alle sagen: ja ist ja ganz nett was ihr im Publikum so macht, aber das nehme ich vor allem vor und nach dem Spiel wahr sowie in Trinkpausen… das ganze ist ein Geschäft, das vor allem von den Fans getragen wird. Wenn man denen offen erzählt, dass sie nicht so relevant sind, wie sie selbst denken, wäre das schlichtweg dumm.

Ich will auch gar nicht sagen, dass es Momente gibt, wo einem ein Publikum pushen kann und man sich sowas sogar nutzbar macht, um doch nochmal über die Grenze zu gehen. Aber das ist mit sicher - betrachtet auf die Spielzeit - eher eine zu vernachlässigende Ausnahme.

Das heißt jetzt nicht, dass ich der Meinung bin, dass man aufhören sollte anzufeuern. Es kann ja tatsächlich sein, dass in der einen Situation es mal einen Einfluss auf das Spiel hat (ich glaube am ehesten ist im Übrigen der subjektive Einfluss auf den Schiedsrichter - aber das ist ein anderes Thema). Allerdings sollte man zumindest so ehrlich sein, dass man die ganze Chose primär für sich selbst macht, weil es eben eine (gemeinsame) Erfahrung und ein tolles Erlebnis ist, dass bei einem selbst zu unterschiedlichsten Hormonausschüttungen führt. Aus meiner Sicht reicht das auch schon als Grund, warum man im Stadion Stimmung macht.


Ich glaube schon dass das Publikum in entscheidenden Momenten einen enormen Impact haben kann. Mit Sicherheit nicht die Dauergesänge, aber eben umso mehr wenn es um richtig was geht. Bspw. nach dem Anschlusstreffer am Samstag war das gesamte Stadion nochmal da, mit Sicherheit ist die Mannschaft sowieso schon gepusht aber von den Rängen kann da nochmal der eine Extra-Sprint mit Sicherheit rausgeholt werden.
Andererseits gibt es bestimmt sogar auch Fußballer die das eher einschüchtert und eher hektisch/unsicherer werden. Ob der Effekt also immer positiv ist lass ich mal im Raum, aber dass es ihn gibt würde ich schon bejahen

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Wir träumen von Europa vom Europapokal... Nur einmal Erste Runde wo wir spielen ist uns egal...
Fankultur in Köln |#7330
10.03.2026 - 17:34 Uhr
Hatte am Samstag das Vergnüngen mal in S5 zu stehen, also direkt neben den Ultras.

Wollte einfach mal nach etlichen Besuchen auf dem Unterrang/Oberrang Ost oder West erleben wie dies aus der nächsten Nähe ist.
Anfangs fand ich es noch geil, wie die Mannschaft angefeiert wurde. aber nach knapp einer halben Stunde war ich ehrlich gesagt genervt von den Ultras. Es wurde ständig 10 Minuten am Stück dasselbe Lied angestimmt vollkommen unabhängig von der jeweiligen Spielsituation.
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