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Fankultur in Köln

15.03.2012 - 23:46 Uhr
Fankultur in Köln |#7211
16.12.2025 - 21:04 Uhr
Zitat von 77-78
Zitat von Goatstar71

Wenn man sich nicht auf anekdotische Erfahrungen allein berufen will, um sich eine ausgewogene Meinung zu bilden, hilft ein Blich in die Datenlage. Die seriösen Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) zeigen ein zwiespältiges Bild: Die Stadien sind im Verhältnis zur Zuschauerzahl sehr sicher, aber es gibt Bereiche, in denen die Probleme zunehmen.

Grundsätzlich sollte man den Umstand, dass die Zuschauerzahlen deutlich steigen, in seine Bewertung einbeziehen. Zuletzt über 28 Millionen, nur in den drei deutschen Top-Ligen. Gleichzeitig, Saison 2024/25: 17% weniger Verletzte. Bei einer Gesamtzahl von über 28 Millionen Stadionbesuchern in einer Saison liegt die Wahrscheinlichkeit, als Stadionbesucher verletzt zu werden, bei unter 0,004 % (basierend auf ZIS-Daten zu Verletzten). Auf 100.000 Zuschauer kommen statistisch nur etwa 3 bis 4 Verletzte. Damit ist das Fußballstadion im Verhältnis zur Menschenmenge und zur berichteten Medienpräsenz extrem sicher. Die große Mehrheit der Fans (über 99,99 %) erlebt ein Spiel ohne jeglichen Schaden.

Pyrotechnik bleibt ein zentraler Konfliktpunkt zwischen Fankultur und Sicherheitspolitik. Und hier besteht der größte Dissens, zwischen Atmosphäre, die durch Pyrro "befeuert" wird, und dem Sicherheitsgefühl und dem Strafenkatalog. Wir haben hohe Strafzahlungen, die nahezu jeden Fan nerven. Die Zahlung sorgt für Unmut, egal ob man die Pyrro im Stadion befürwortet oder sie verdammt.

Pyrro ist Teil der deutschen Fankultur und zwar bundesweit. Nahezu jeder Verein mit einer relevanten Fanbase, zahlt Strafen oder muss diese in seiner Budgetplanung berücksichtigen. Bislang hat es noch keine Strafandrohung, bzw. Umsetzung geschafft, dieser Form der Unterstützung den Gar auszumachen. Es ist auch nicht so, als hätten wir diesbezüglich zu wenig Erfahrungswerte.

Meine anekdotische Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, ich habe keinerlei Sorgen mit meiner gesamten Familie ins Stadion zu gehen. Dass ich bei 50 Tausend Menschen auch auf ***** , entschuldigt bitte den Fachbegriff, treffe, preise ich ein unter Lebensrisiko. Dass sich seriöse, zweifelfrei nicht gewaltaffine Zuschauer im häufiger Kontrollen ausgesetzt sehen, die sogar den rechtzeitigen Zugang zum Spielanpfiff verhindern, ist der Gemengelage in meinen Augen nicht angemessen.

Dabei sind es nicht die Jungs in Uniform, bzw. mit Helm und Schutzausrüstung, sondern eher die jeweilige Einsatzleitung der Polizei vor Ort, die in engerem Kontakt zur Politik, alleinverantwortlich die Festlegung der Einsatzstrategie und der benötigten Mannschaftstärke verantwortet, die ich kritisiere. Die Methoden die dort zum Einsatz kommen, würden anderswo gesellschaftlich deutlich härter kritisiert.

Aus meiner Sicht haben wir als Gesellschaft einen ziemlich schiefen Blick auf den Fußball und seine Anhänger. Dieser Blick wird aber auch von bestimmten Seiten geführt. Ich finde es gut, wenn sich Fußballfans kritisch selbst reflektieren und erstmal vor ihrer eigene Haustür kehren. Dabei sollte es aber nicht päpstlicher als im Vatikan zugehen.

Mit sportlichen Grüßen
👍️


Ohne Daten ist alles nur ne Meinung. Da gebe ich dir Recht und hab meine Ausführungen deshalb ja auch als solche eingeleitet.

Ich glaub nur, dass selbst die Zahlen ja nicht das "gefühlte" Bild erklären bzw. widerlegen.

Wenn alle in der Stadt sich an die Verkehrsregeln halten, sind illegale Aurorennen dennoch große Kacke.

Wenn man die Statistik dann so dreht: Von denen, die abends mit dem Auto auf der Alfred-Schütte-Allee posen sind 30% "auffällig" (das ist ein fiktives Beispiel!!) klingt das halt anders, als würde ich 50.000 Verkehrsteilnehmer in die Statistik aufnehmen.

Nochmal: Ich gebe Dir Recht, dass ne Meinung als anekdotisch ist. Will nur sagen, dass du/man in dem Thema immer nicht nicht alles beschreiben kann, wann man Daten ohne den gesamten Kontext präsentiert.


Ich gehe ohnehin davon aus, dass es für die DFL/DFB eher ein wirtschaftlich interessantes Thema ist. Ähnlich der Tabaksteuer für den Staat. Jeder weiß, dass Rauchen ungesund ist, dennoch nimmt jeder in der Kette gern das Geld.

Letzte Saison waren wir übrigens hinter Eintracht Frankfurt auf Platz 2 in der Höhe der Strafzahlungen mit 725k€.

In Summe flossen im Summe 12,5 Mio Euro an Strafzahlungen, nicht ausschließlich für Pyro. Womit der DFB quasi seine Verbands/- und Stiftungsarbeit finanziert.

Somit ist das Geld dann zweckdienlich und nicht im eigeninteresse verteilt und alle halten die Klappe. 😂
Fankultur in Köln |#7212
16.12.2025 - 22:11 Uhr
Zitat von Ronaldinho-09
Zitat von Valen

Zitat von broichinator

Zitat von amtsschimmel

Auch zeigt es, dass es richtig und wichtig ist, das strenge Kontrollen, personalisierte Tickets und Videoüberwachung kommen. Die ***** en unter den Ultras wirst Du nur los, wenn sie überführt und bestraft werden.
Ich finde dieses Geschrei nach strengen Kontrollen, personalisierten Tickets und Videoüberwachung ja immer wieder interessant. Was genau erhofft ihr euch davon, was nicht sowieso schon vorhanden ist?

Videoüberwachung im Umlauf des Stadions gibt es. Genauso wie die Videoüberwachung hinter dem Block als auch im Block. Habt ihr euch mal die Einsatzleitstellen der Polizei im Stadion angesehen? Der Kölner Keller ist neidisch darauf, auf wie viele Kameras die Polizei Zugriff hat und wie viele Leute die Bilder sichten. Was für Kameras fordert ihr noch? Die dann was genau aufnehmen sollen, was nicht sowieso schon aufgenommen wird? Nennt mir ein Stadion oder Sporteventlocation wo Videoüberwachung nicht eh schon auf der Tagesordnung steht?

Das Gebrüll nach personalisierten Tickets ist auch immer wieder faszinierend und die Diskussion darüber älter als RB Leipzig. Zuletzt gab es diese Diskussion hier in Köln nach den beschissenen Vorfällen in Nizza. Was hätten personalisierte Tickets damals verhindert? Wer vor Ort war oder Leute kennt, die es waren, die wissen wie die Einlasssituation war. Neben 1000 anderen Fehlleistungen an diesem Abend.

Auch die Situation jetzt in Leverkusen hätten personalisierte Tickets doch null entspannt, da die zwei aufgegriffenen Fans ja wohl versucht haben ohne gültiges Ticket ins Stadion zu gelangen. Auch den Einsatz von Pyro verhindert kein personalisiertes Ticket. Personalisiert die Sturmhauben oder die Fahnen unter denen sich versteckt wird, hätte wohl mehr präventiven Erfolg. Der Kram kommt doch oft nicht über den normalen Weg ins Stadion.

Jeder der in der aktuellen Situation schon mal im Stadion war, weiß, was für ein nerviges, zeitaufwendiges Verfahren der Einlass ins Stadion ist. Ihr wollt mir dann noch erklären, die Ordner sollen die Personalien der Leute kontrollieren? Wann wollt ihr die Stadiontore öffnen? 48 Stunden vorher? Mal davon ab, dass, so wie ich zuletzt gelesen habe, es rechtlich gar nicht klar ist, ob Sicherheitsmitarbeiter überhaupt nach einem Personalausweis fragen dürfen.

Die Logistik und der Nutzen hinter personalisierten Tickets beim Einlass ist absolut in keinem Verhältnis. Auch den Zweitmarkt machen personalisierte Tickets zu einem absoluten Krampf.

Ich kann verstehen, dass man sich grundsätzlich Maßnahmen wünscht, nur sehe ich hier einfach null Mehrwert bei personalisierten Tickets und weiterer Videoüberwachung.


Was denn für eine Logistik beim Teilen der Tickets? Du kannst dich jetzt schon beim Teil Len deiner Karte über Eventim freiwillig einen Namen angeben. Der Mehraufwand beim Teilen beschränkt sich auf das eintippen des Namens.


Na dann frag mal Verantwortliche von aktiven Fanclubs, wie schwer die Ticketverteilung jetzt schon ist.
Wird danach sicher nicht einfacher. Zudem sorgt eine Personalisierung nicht gerade dafür, dass Leute spontan vor Ort noch eine Karte erhalten, wenn doch mal jemand krank wird. Einer bleibt auf dem Geld sitzen, einer kann seinen Stadionbesuch nicht wahrnehmen. Und wofür genau? Was willst du genau damit verhindern?


Ich bin selbst in einem Fanclub. Meine Karte läuft über den Fanclub. Trotzdem kann ich sie selbst digital teilen und dabei auch heute schon den Namen freiwillig hinterlegen. Teilen muss man die Karte sowieso. Wissen wem man den Link schickt auch. Der Mehraufwand ist minimal und beschränkt sich auf das hinterlegen des vor und Nachname.
Fankultur in Köln |#7213
17.12.2025 - 01:50 Uhr
Zitat von Winkekatze12
Zitat von 77-78

Zitat von Goatstar71

Wenn man sich nicht auf anekdotische Erfahrungen allein berufen will, um sich eine ausgewogene Meinung zu bilden, hilft ein Blich in die Datenlage. Die seriösen Statistiken der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) zeigen ein zwiespältiges Bild: Die Stadien sind im Verhältnis zur Zuschauerzahl sehr sicher, aber es gibt Bereiche, in denen die Probleme zunehmen.

Grundsätzlich sollte man den Umstand, dass die Zuschauerzahlen deutlich steigen, in seine Bewertung einbeziehen. Zuletzt über 28 Millionen, nur in den drei deutschen Top-Ligen. Gleichzeitig, Saison 2024/25: 17% weniger Verletzte. Bei einer Gesamtzahl von über 28 Millionen Stadionbesuchern in einer Saison liegt die Wahrscheinlichkeit, als Stadionbesucher verletzt zu werden, bei unter 0,004 % (basierend auf ZIS-Daten zu Verletzten). Auf 100.000 Zuschauer kommen statistisch nur etwa 3 bis 4 Verletzte. Damit ist das Fußballstadion im Verhältnis zur Menschenmenge und zur berichteten Medienpräsenz extrem sicher. Die große Mehrheit der Fans (über 99,99 %) erlebt ein Spiel ohne jeglichen Schaden.

Pyrotechnik bleibt ein zentraler Konfliktpunkt zwischen Fankultur und Sicherheitspolitik. Und hier besteht der größte Dissens, zwischen Atmosphäre, die durch Pyrro "befeuert" wird, und dem Sicherheitsgefühl und dem Strafenkatalog. Wir haben hohe Strafzahlungen, die nahezu jeden Fan nerven. Die Zahlung sorgt für Unmut, egal ob man die Pyrro im Stadion befürwortet oder sie verdammt.

Pyrro ist Teil der deutschen Fankultur und zwar bundesweit. Nahezu jeder Verein mit einer relevanten Fanbase, zahlt Strafen oder muss diese in seiner Budgetplanung berücksichtigen. Bislang hat es noch keine Strafandrohung, bzw. Umsetzung geschafft, dieser Form der Unterstützung den Gar auszumachen. Es ist auch nicht so, als hätten wir diesbezüglich zu wenig Erfahrungswerte.

Meine anekdotische Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, ich habe keinerlei Sorgen mit meiner gesamten Familie ins Stadion zu gehen. Dass ich bei 50 Tausend Menschen auch auf ***** , entschuldigt bitte den Fachbegriff, treffe, preise ich ein unter Lebensrisiko. Dass sich seriöse, zweifelfrei nicht gewaltaffine Zuschauer im häufiger Kontrollen ausgesetzt sehen, die sogar den rechtzeitigen Zugang zum Spielanpfiff verhindern, ist der Gemengelage in meinen Augen nicht angemessen.

Dabei sind es nicht die Jungs in Uniform, bzw. mit Helm und Schutzausrüstung, sondern eher die jeweilige Einsatzleitung der Polizei vor Ort, die in engerem Kontakt zur Politik, alleinverantwortlich die Festlegung der Einsatzstrategie und der benötigten Mannschaftstärke verantwortet, die ich kritisiere. Die Methoden die dort zum Einsatz kommen, würden anderswo gesellschaftlich deutlich härter kritisiert.

Aus meiner Sicht haben wir als Gesellschaft einen ziemlich schiefen Blick auf den Fußball und seine Anhänger. Dieser Blick wird aber auch von bestimmten Seiten geführt. Ich finde es gut, wenn sich Fußballfans kritisch selbst reflektieren und erstmal vor ihrer eigene Haustür kehren. Dabei sollte es aber nicht päpstlicher als im Vatikan zugehen.

Mit sportlichen Grüßen
👍️


Ohne Daten ist alles nur ne Meinung. Da gebe ich dir Recht und hab meine Ausführungen deshalb ja auch als solche eingeleitet.

Ich glaub nur, dass selbst die Zahlen ja nicht das "gefühlte" Bild erklären bzw. widerlegen.

Wenn alle in der Stadt sich an die Verkehrsregeln halten, sind illegale Aurorennen dennoch große Kacke.

Wenn man die Statistik dann so dreht: Von denen, die abends mit dem Auto auf der Alfred-Schütte-Allee posen sind 30% "auffällig" (das ist ein fiktives Beispiel!!) klingt das halt anders, als würde ich 50.000 Verkehrsteilnehmer in die Statistik aufnehmen.

Nochmal: Ich gebe Dir Recht, dass ne Meinung als anekdotisch ist. Will nur sagen, dass du/man in dem Thema immer nicht nicht alles beschreiben kann, wann man Daten ohne den gesamten Kontext präsentiert.


Ich gehe ohnehin davon aus, dass es für die DFL/DFB eher ein wirtschaftlich interessantes Thema ist. Ähnlich der Tabaksteuer für den Staat. Jeder weiß, dass Rauchen ungesund ist, dennoch nimmt jeder in der Kette gern das Geld.

Letzte Saison waren wir übrigens hinter Eintracht Frankfurt auf Platz 2 in der Höhe der Strafzahlungen mit 725k€.

In Summe flossen im Summe 12,5 Mio Euro an Strafzahlungen, nicht ausschließlich für Pyro. Womit der DFB quasi seine Verbands/- und Stiftungsarbeit finanziert.

Somit ist das Geld dann zweckdienlich und nicht im eigeninteresse verteilt und alle halten die Klappe. 😂


Diese Statistiken, die belegen sollen, dass Stadionbesuche sicher wären, sind doch total schräg.
Sicher sind doch Stadionbesuche nur deswegen, weil der Steuerzahler und die Vereine jedes Wochenende drölf Milliarden Dollar ausgeben für Polizei, Securitys, Schutzkonzepte usw.

Man müsste ja mal eine Saison ganz ohne Schutzmaßnahmen, Security und Polizei durchführen. Da wäre es aber sehr schnell vorbei mit dem formulierten Gefühl der „sicheren Fußballstadien“

Und ja klar, die „normale Welt“ funktioniert auch nicht komplett ohne Polizei usw. aber die Intensität in Quantität und Qualität ist wohl nur in den wenigsten Ausnahmen vergleichbar.
Fankultur in Köln |#7214
17.12.2025 - 10:48 Uhr
Zitat von broichinator

Wann warst du das letzte mal bei einem Auswärtsspiel? Wie oft ich schon eingekesselt und in meiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden bin, nur weil ich "anwesend" war.

Kann mich da zB an ein 0815 Spiel in Bielefeld erinnern, wo wir mit x anderen FC-Fans normal per Bahn (nicht Sonderzug) angereist, herausgefiltert, in einen separaten Bereich "getrieben" und dann in Busse gezwungen worden sind. War richtig geil.


Ich bin auch schon eingekesselt worden, ist kein schönes Gefühl, deshalb kann ich das durchaus nachvollziehen. Ich habe daraus meine Lehren gezogen und bewege mich nicht mehr mit dem Pulk. Das funktioniert sehr gut und auch der Dialog mit der Polizei funktioniert, wenn sie einen auffordern Schritt zu halten. Wenn man natürlich die ganze Zeit klatschend mit dem "Mob" unterwegs sein möchte, sollte man sich solch agoraphobischen Szenarien auch bewusst sein.

Zitat von broichinator

Auch an dich gerne die Frage, die valen mir nicht beantworten möchte. Was für Kameras wünscht du dir denn, die nicht eh schon vorhanden sind. Wie auf der Seite zuvor schon geschrieben. Die Polizei hat mehr Blickwinkel in den Umlauf, hinter die Blöcke und in die Blöcke als der Kölner Keller auf den Platz gerichtet hat.


Die Erweiterung von Überwachungssystemen in deutschen Stadien gibt es noch nicht so lange und auch nicht jedes Stadion ist so gut ausgerüstet wie in Berlin bspw. Hinzu kommt, dass zu den fest installierten noch mobile Stationen der Polizei eingesetzt werden, weil Vereine für Festinstallationen selbst aufkommen müssen.
Es stellt sich deshalb nicht die Frage, wieviele Kameras "wir" uns wünschen, sondern inwieweit Vereine bereit sind mehr in Sicherheitskonzepte zu investieren.

Im Übrigen, abseits der Thematik der Videoüberwachung, dass effizientere Polizeipräsenz und verschärfte Gesetze in der Tat was bringen, zeigen viele Beispiele gesunkener Zahlen von Gewalttätern, die in europäischen Stadien wüten. Der Einwand, den @EmJaade gebracht hat ist derweil ein interessanter Punkt, der bei der Diskussion über die Sicherheit in Fussballstadien viel zu kurz kommt.

•     •     •

Premier League: 1931, 1933, 1934, 1935, 1938, 1948, 1953, 1971, 1989, 1991, 1998, 2002, 2004, 2026
FA Cup: 1930, 1936, 1950, 1971, 1979, 1993, 1998, 2002, 2003, 2005, 2014, 2015, 2017, 2020
EFL Cup: 1987, 1993
• • •
Lehmann – Lauren, Touré, Campbell, Cole – Ljungberg, Vieira, Gilberto Silva, Pirès – Bergkamp, Henry
Raya – Timber, Saliba, Gabriel, Calafiori – Guimarães, Rice - Saka, Ødegaard, Eze - Havertz
• • •
Victoria Concordia Crescit
North London Forever
Arsenal F.C.

Dieser Beitrag wurde zuletzt von DonMarvel am 17.12.2025 um 11:02 Uhr bearbeitet
Fankultur in Köln |#7215
17.12.2025 - 11:55 Uhr
Das Argument, dass das Stadionerlebnis "nur" wegen der hohen Polizeipräsenz sicher sei, ist in meinen Augen ein Scheinargument. Ja, es gibt Polizeipräsenz. Ja, es gibt niedrige Gewalt. Aber daraus folgt nicht zwingend, dass A die Ursache für B ist.

Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf.
In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau. Skandinavische Länder fahren ebenfalls einen kooperativeren Ansatz mit weniger uniformierter Präsenz.
Wenn hohe Polizeipräsenz der entscheidende Faktor wäre, müssten diese Länder signifikant schlechtere Werte aufweisen. Tun sie aber nicht. Die Sicherheit in deutschen Stadien ist also offensichtlich nicht monokausale Folge der Staatsgewalt, sondern eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren.

Wer sich die Entwicklung der letzten 30 Jahre in deutschen Stadien anschaut, erkennt einen klaren Trend: Die Gewalt ist trotz phasenweise reduzierter Polizeipräsenz kontinuierlich zurückgegangen.
In den 90er-Jahren gab es deutlich mehr polizeiliche Großaufgebote und gleichzeitig deutlich mehr Gewaltdelikte.

Die nachhaltige Befriedung der Fanszenen gelang nicht durch mehr Knüppel, sondern durch professionelle Fanprojekte, Sozialarbeit und Dialog. Städte wie Bremen, Dortmund oder Frankfurt haben mit ihren Fanprojekten Pionierarbeit geleistet. Präventive Fanarbeit, Einbindung der Szenen und deeskalierende Kommunikation haben mehr zur Sicherheit beigetragen als die reine Polizeipräsenz.

Die Polizei ist wichtig als Ultima Ratio, als Rückfallebene für den Ernstfall. Aber die eigentliche Sicherheitsarbeit findet woanders statt, nämlich in Fanprojekten, in Gesprächen, in der Einbindung der Szenen. Wer das nicht anerkennen will, hat in meinen Augen entweder die letzten 30 Jahre verschlafen oder ein ideologisches Brett vor dem Kopf.

Fußball ist für alle da und damit sind auch die gemeint, die einem persönlich nicht besonders angenehm sind. Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. Dass bestimmte Regeln aber auf Sinn, Zweck und Verhältnismäßigkeit, ja sogar auf gesellschaftliche Akzeptanz überprüft gehören und zur Überprüfung auch eine kritische Auseinandersetzung mit Regeln gehört, stößt noch nicht bei allen auf Gegenliebe.

Persönlich habe ich ein sehr entspanntes, gutes Verhältnis zur deutschen Polizei. Begründet vor allem durch den gelegentlichen Kontakt zu einzelnen Individuen in Uniform. Bei aller Sympathie für die Ordnungshüter sollte man sich aber bei Kontakt mit der Ordnungsmacht nicht naiv und bedenkenlos geben.

Fußballfans und damit meine ich "Lück wie Du und ich", sprich keine Ultras, Hooligans oder in sonst irgendeiner Weise extremistisch angehaucht, berichten regelmäßig und landesweit von unangemessenen Vorgehen der Polizei gegenüber Auswärtsfahrern. Bei europäischen Partien ist es teilweise noch viel krasser.
Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt.

Mit sportlichen Grüßen
👍️

•     •     •

Iehrefeld,Raderthal,Nippes,Poll,Esch,Pesch un Kalk
Üvverall jitt et Fans vom FC Kölle!
En Rio, en Rom, Jläbbisch, Prüm un Habbelrath,
Üvverall jitt et Fans vom FC Kölle!
...
Fankultur in Köln |#7216
17.12.2025 - 12:42 Uhr
Zitat von Goatstar71
Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf. In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau.


Auf der Insel muss das Polizeiaufkommen "dosiert" werden, weil du in Ballungsgebieten sprichwörtlich von Stadion zu Stadion fällst. An Spieltagen gibt es überall Bereitschaftstruppen, die notfalls in alle Himmelsrichtungen ausrücken können. Die vom Innenministerium herbeigeführte Taylor-Reform konnte übrigens den starken Anstieg gewaltbereiter Fussballfans in Englands Stadien auch nicht verhindern.

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Premier League: 1931, 1933, 1934, 1935, 1938, 1948, 1953, 1971, 1989, 1991, 1998, 2002, 2004, 2026
FA Cup: 1930, 1936, 1950, 1971, 1979, 1993, 1998, 2002, 2003, 2005, 2014, 2015, 2017, 2020
EFL Cup: 1987, 1993
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Lehmann – Lauren, Touré, Campbell, Cole – Ljungberg, Vieira, Gilberto Silva, Pirès – Bergkamp, Henry
Raya – Timber, Saliba, Gabriel, Calafiori – Guimarães, Rice - Saka, Ødegaard, Eze - Havertz
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Fankultur in Köln |#7217
17.12.2025 - 12:59 Uhr
Zitat von DonMarvel
Zitat von Goatstar71

Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf. In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau.


Auf der Insel muss das Polizeiaufkommen "dosiert" werden, weil du in Ballungsgebieten sprichwörtlich von Stadion zu Stadion fällst. An Spieltagen gibt es überall Bereitschaftstruppen, die notfalls in alle Himmelsrichtungen ausrücken können. Die vom Innenministerium herbeigeführte Taylor-Reform konnte übrigens den starken Anstieg gewaltbereiter Fussballfans in Englands Stadien auch nicht verhindern.


Ist denn die Polizeipräsenz und die Bereitschaftstruppen höher als bei anderen Großereignissen mit vergleichbarer Anzahl an Menschen? Also bspw. auf einem Konzert, Festival o.ä.?
Fankultur in Köln |#7218
17.12.2025 - 14:30 Uhr
Zitat von Goatstar71
Das Argument, dass das Stadionerlebnis "nur" wegen der hohen Polizeipräsenz sicher sei, ist in meinen Augen ein Scheinargument. Ja, es gibt Polizeipräsenz. Ja, es gibt niedrige Gewalt. Aber daraus folgt nicht zwingend, dass A die Ursache für B ist.

Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf.
In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau. Skandinavische Länder fahren ebenfalls einen kooperativeren Ansatz mit weniger uniformierter Präsenz.
Wenn hohe Polizeipräsenz der entscheidende Faktor wäre, müssten diese Länder signifikant schlechtere Werte aufweisen. Tun sie aber nicht. Die Sicherheit in deutschen Stadien ist also offensichtlich nicht monokausale Folge der Staatsgewalt, sondern eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren.

Wer sich die Entwicklung der letzten 30 Jahre in deutschen Stadien anschaut, erkennt einen klaren Trend: Die Gewalt ist trotz phasenweise reduzierter Polizeipräsenz kontinuierlich zurückgegangen.
In den 90er-Jahren gab es deutlich mehr polizeiliche Großaufgebote und gleichzeitig deutlich mehr Gewaltdelikte.

Die nachhaltige Befriedung der Fanszenen gelang nicht durch mehr Knüppel, sondern durch professionelle Fanprojekte, Sozialarbeit und Dialog. Städte wie Bremen, Dortmund oder Frankfurt haben mit ihren Fanprojekten Pionierarbeit geleistet. Präventive Fanarbeit, Einbindung der Szenen und deeskalierende Kommunikation haben mehr zur Sicherheit beigetragen als die reine Polizeipräsenz.

Die Polizei ist wichtig als Ultima Ratio, als Rückfallebene für den Ernstfall. Aber die eigentliche Sicherheitsarbeit findet woanders statt, nämlich in Fanprojekten, in Gesprächen, in der Einbindung der Szenen. Wer das nicht anerkennen will, hat in meinen Augen entweder die letzten 30 Jahre verschlafen oder ein ideologisches Brett vor dem Kopf.

Fußball ist für alle da und damit sind auch die gemeint, die einem persönlich nicht besonders angenehm sind. Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. Dass bestimmte Regeln aber auf Sinn, Zweck und Verhältnismäßigkeit, ja sogar auf gesellschaftliche Akzeptanz überprüft gehören und zur Überprüfung auch eine kritische Auseinandersetzung mit Regeln gehört, stößt noch nicht bei allen auf Gegenliebe.

Persönlich habe ich ein sehr entspanntes, gutes Verhältnis zur deutschen Polizei. Begründet vor allem durch den gelegentlichen Kontakt zu einzelnen Individuen in Uniform. Bei aller Sympathie für die Ordnungshüter sollte man sich aber bei Kontakt mit der Ordnungsmacht nicht naiv und bedenkenlos geben.

Fußballfans und damit meine ich "Lück wie Du und ich", sprich keine Ultras, Hooligans oder in sonst irgendeiner Weise extremistisch angehaucht, berichten regelmäßig und landesweit von unangemessenen Vorgehen der Polizei gegenüber Auswärtsfahrern. Bei europäischen Partien ist es teilweise noch viel krasser.
Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt.

Mit sportlichen Grüßen
👍️


Ich finde es schwierig dem Vorredner Scheinargumente vorzuwerfen und gleichzeitig den englischen Fußball als Vergleich hinzuzuziehen ohne die Unterschiede zu berücksichtigen. Die massiv teureren Ticketpreise und die damit verbundene Businessorientierung ist z. b. ein wesentlicher Unterschied. Auch die Abschaffung der Stehplätze verändert das Publikum massiv.

Ob das alles so nach Deutschland und die Deutsche fanszene übertragbar ist, würde ich bezweifeln.
Fankultur in Köln |#7219
17.12.2025 - 16:28 Uhr
Zitat von Goatstar71
Das Argument, dass das Stadionerlebnis "nur" wegen der hohen Polizeipräsenz sicher sei, ist in meinen Augen ein Scheinargument. Ja, es gibt Polizeipräsenz. Ja, es gibt niedrige Gewalt. Aber daraus folgt nicht zwingend, dass A die Ursache für B ist.

Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf.
In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau. Skandinavische Länder fahren ebenfalls einen kooperativeren Ansatz mit weniger uniformierter Präsenz.
Wenn hohe Polizeipräsenz der entscheidende Faktor wäre, müssten diese Länder signifikant schlechtere Werte aufweisen. Tun sie aber nicht. Die Sicherheit in deutschen Stadien ist also offensichtlich nicht monokausale Folge der Staatsgewalt, sondern eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren.

Wer sich die Entwicklung der letzten 30 Jahre in deutschen Stadien anschaut, erkennt einen klaren Trend: Die Gewalt ist trotz phasenweise reduzierter Polizeipräsenz kontinuierlich zurückgegangen.
In den 90er-Jahren gab es deutlich mehr polizeiliche Großaufgebote und gleichzeitig deutlich mehr Gewaltdelikte.

Die nachhaltige Befriedung der Fanszenen gelang nicht durch mehr Knüppel, sondern durch professionelle Fanprojekte, Sozialarbeit und Dialog. Städte wie Bremen, Dortmund oder Frankfurt haben mit ihren Fanprojekten Pionierarbeit geleistet. Präventive Fanarbeit, Einbindung der Szenen und deeskalierende Kommunikation haben mehr zur Sicherheit beigetragen als die reine Polizeipräsenz.

Die Polizei ist wichtig als Ultima Ratio, als Rückfallebene für den Ernstfall. Aber die eigentliche Sicherheitsarbeit findet woanders statt, nämlich in Fanprojekten, in Gesprächen, in der Einbindung der Szenen. Wer das nicht anerkennen will, hat in meinen Augen entweder die letzten 30 Jahre verschlafen oder ein ideologisches Brett vor dem Kopf.

Fußball ist für alle da und damit sind auch die gemeint, die einem persönlich nicht besonders angenehm sind. Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. Dass bestimmte Regeln aber auf Sinn, Zweck und Verhältnismäßigkeit, ja sogar auf gesellschaftliche Akzeptanz überprüft gehören und zur Überprüfung auch eine kritische Auseinandersetzung mit Regeln gehört, stößt noch nicht bei allen auf Gegenliebe.

Persönlich habe ich ein sehr entspanntes, gutes Verhältnis zur deutschen Polizei. Begründet vor allem durch den gelegentlichen Kontakt zu einzelnen Individuen in Uniform. Bei aller Sympathie für die Ordnungshüter sollte man sich aber bei Kontakt mit der Ordnungsmacht nicht naiv und bedenkenlos geben.

Fußballfans und damit meine ich "Lück wie Du und ich", sprich keine Ultras, Hooligans oder in sonst irgendeiner Weise extremistisch angehaucht, berichten regelmäßig und landesweit von unangemessenen Vorgehen der Polizei gegenüber Auswärtsfahrern. Bei europäischen Partien ist es teilweise noch viel krasser.
Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt.

Mit sportlichen Grüßen
👍️


"Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. " Seit wann? Von Wem?
"Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt."


TLDR: Wir leben in einem Polizeistaat. Böller in die Unterhose packen und Reise nach Jerusalem unterm Blockbanner spielen sind Geniestreiche... Entschuldigung "strategische Kniffe"..., die die Ordnungsmacht zu akzeptieren hat und jegliche Maßnahmen dagegen sind natürlich generell überzogen, Makulatur und höchsttraumatische Erlebnisse von übergriffiger Staatsgewalt.

Egal wie man es verpackt: Die Fanreisen von RWE-FC-BVB waren und sind keine Bildungsreisen. Mit Mundschutz und Quarzhandschuhen geht man nicht aus Selbstschutz auf Auswärtsfahrt oder weil man gerade vom Boxtraining kam. Man kann sich die Frage stellen, ob Vereins-Highlights wie das Nizza-Spiel so ablaufen müssen oder man kann sich in aller Öffentlichkeit mit den Kollegen aus Paris solidarisieren - dabei ist man ja provoziert worden.

Die "aktiven Fanszenen" haben gewaltig Anteil an der Entwicklung. Die Innenminister beschließen sowas nicht, weil sie sonst nichts zu tun haben. Diese elendige Relativierung in Social Worker Rhetorik kennen wir jetzt auch schon seit 20 Jahren. Der Dialogansatz hat unzweifelhaft wichtige Fortschritte gebracht und muss weiterverfolgt werden. Nur für einen Dialog braucht es mündige Gesprächspartner. Die aktiven Fanszenen disqualifizieren sich mit ihrer Polemik und mangelnden Selbstreflektion und Verantwortungsübernahme ("Was kann ich denn dafür, wenn irgend ein Duli einen Bengalo im Block zündet") zunehmend dafür.

Sind wir ehrlich: Es ist ein ziemlicher nackter und auch dreckiger Machtkampf, nicht mehr, nicht weniger.
Fankultur in Köln |#7220
17.12.2025 - 23:10 Uhr
Zitat von masterpbh
Zitat von Goatstar71

Das Argument, dass das Stadionerlebnis "nur" wegen der hohen Polizeipräsenz sicher sei, ist in meinen Augen ein Scheinargument. Ja, es gibt Polizeipräsenz. Ja, es gibt niedrige Gewalt. Aber daraus folgt nicht zwingend, dass A die Ursache für B ist.

Länder mit deutlich geringerer Polizeipräsenz weisen vergleichbare oder sogar bessere Sicherheitswerte auf.
In England beispielsweise wurde nach der Taylor-Report-Reform bewusst auf De-Eskalation und Fanarbeit gesetzt – mit messbarem Erfolg. Die Polizeipräsenz in britischen Stadien ist im Direktvergleich zu deutschen Verhältnissen geradezu homöopathisch dosiert, und dennoch liegt die Gewaltrate auf ähnlich niedrigem Niveau. Skandinavische Länder fahren ebenfalls einen kooperativeren Ansatz mit weniger uniformierter Präsenz.
Wenn hohe Polizeipräsenz der entscheidende Faktor wäre, müssten diese Länder signifikant schlechtere Werte aufweisen. Tun sie aber nicht. Die Sicherheit in deutschen Stadien ist also offensichtlich nicht monokausale Folge der Staatsgewalt, sondern eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren.

Wer sich die Entwicklung der letzten 30 Jahre in deutschen Stadien anschaut, erkennt einen klaren Trend: Die Gewalt ist trotz phasenweise reduzierter Polizeipräsenz kontinuierlich zurückgegangen.
In den 90er-Jahren gab es deutlich mehr polizeiliche Großaufgebote und gleichzeitig deutlich mehr Gewaltdelikte.

Die nachhaltige Befriedung der Fanszenen gelang nicht durch mehr Knüppel, sondern durch professionelle Fanprojekte, Sozialarbeit und Dialog. Städte wie Bremen, Dortmund oder Frankfurt haben mit ihren Fanprojekten Pionierarbeit geleistet. Präventive Fanarbeit, Einbindung der Szenen und deeskalierende Kommunikation haben mehr zur Sicherheit beigetragen als die reine Polizeipräsenz.

Die Polizei ist wichtig als Ultima Ratio, als Rückfallebene für den Ernstfall. Aber die eigentliche Sicherheitsarbeit findet woanders statt, nämlich in Fanprojekten, in Gesprächen, in der Einbindung der Szenen. Wer das nicht anerkennen will, hat in meinen Augen entweder die letzten 30 Jahre verschlafen oder ein ideologisches Brett vor dem Kopf.

Fußball ist für alle da und damit sind auch die gemeint, die einem persönlich nicht besonders angenehm sind. Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. Dass bestimmte Regeln aber auf Sinn, Zweck und Verhältnismäßigkeit, ja sogar auf gesellschaftliche Akzeptanz überprüft gehören und zur Überprüfung auch eine kritische Auseinandersetzung mit Regeln gehört, stößt noch nicht bei allen auf Gegenliebe.

Persönlich habe ich ein sehr entspanntes, gutes Verhältnis zur deutschen Polizei. Begründet vor allem durch den gelegentlichen Kontakt zu einzelnen Individuen in Uniform. Bei aller Sympathie für die Ordnungshüter sollte man sich aber bei Kontakt mit der Ordnungsmacht nicht naiv und bedenkenlos geben.

Fußballfans und damit meine ich "Lück wie Du und ich", sprich keine Ultras, Hooligans oder in sonst irgendeiner Weise extremistisch angehaucht, berichten regelmäßig und landesweit von unangemessenen Vorgehen der Polizei gegenüber Auswärtsfahrern. Bei europäischen Partien ist es teilweise noch viel krasser.
Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt.

Mit sportlichen Grüßen
👍️


"Dass Regeln grundsätzlich respektiert werden müssen, ist Konsens. " Seit wann? Von Wem?
"Dass man sich dann als Individuum strategischen Kniffen bedienen soll/muss, um halbwegs unbeschadet von staatlichen Eingriffen, einem Fußballspiel beizuwohnen, kann nicht im Sinne unseres Sports sein und ist meiner Meinung nach auch nicht durch die aktuelle Situation gerechtfertigt."


TLDR: Wir leben in einem Polizeistaat. Böller in die Unterhose packen und Reise nach Jerusalem unterm Blockbanner spielen sind Geniestreiche... Entschuldigung "strategische Kniffe"..., die die Ordnungsmacht zu akzeptieren hat und jegliche Maßnahmen dagegen sind natürlich generell überzogen, Makulatur und höchsttraumatische Erlebnisse von übergriffiger Staatsgewalt.

Egal wie man es verpackt: Die Fanreisen von RWE-FC-BVB waren und sind keine Bildungsreisen. Mit Mundschutz und Quarzhandschuhen geht man nicht aus Selbstschutz auf Auswärtsfahrt oder weil man gerade vom Boxtraining kam. Man kann sich die Frage stellen, ob Vereins-Highlights wie das Nizza-Spiel so ablaufen müssen oder man kann sich in aller Öffentlichkeit mit den Kollegen aus Paris solidarisieren - dabei ist man ja provoziert worden.

Die "aktiven Fanszenen" haben gewaltig Anteil an der Entwicklung. Die Innenminister beschließen sowas nicht, weil sie sonst nichts zu tun haben. Diese elendige Relativierung in Social Worker Rhetorik kennen wir jetzt auch schon seit 20 Jahren. Der Dialogansatz hat unzweifelhaft wichtige Fortschritte gebracht und muss weiterverfolgt werden. Nur für einen Dialog braucht es mündige Gesprächspartner. Die aktiven Fanszenen disqualifizieren sich mit ihrer Polemik und mangelnden Selbstreflektion und Verantwortungsübernahme ("Was kann ich denn dafür, wenn irgend ein Duli einen Bengalo im Block zündet") zunehmend dafür.

Sind wir ehrlich: Es ist ein ziemlicher nackter und auch dreckiger Machtkampf, nicht mehr, nicht weniger.


Mega guter Beitrag. Du sprichstir aus der Seele.

Vor allem die Passage über Nizza trifft voll und ganz einen Nerv bei mir. Das die RWW-BvB-FC-Uktra Connection als Fanfreundschaft bezeichnet wird, das es Schals mit BVB und FC Wappen gibt, finde ich einfach nur widerlich. Dabei geht es nicht um Freundschaft. Es geht um Hass und gewalt wo dann, wie in Nizza, Menschen von Messern verletzt werden, oder von der Tribüne fallen. Das zerstört meine Lust auf Auswärtsfahrten im Europapokal und damit einen fast lebenslangen Traum.

Eines Tages wird es für mich nicht geben solange solche Typen nicht wirksam vom Spiel ferngehalten werden können.
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