16.06.2026 - 12:00 | Quelle: Transfermarkt.at | Lesedauer: unter 4 Min.
Weltmeisterschaft
Helge Payer
Turnier-Vorschau & Jordanien-Ausblick 

WM-Kolumne von Helge Payer: „Österreich wird die Gruppenphase überstehen“

WM-Kolumne von Helge Payer: „Österreich wird die Gruppenphase überstehen“
©IMAGO

In den folgenden Tagen & Wochen wird der ORF- & DAZN-Experte und 20-fache Nationalspieler Helge Payer auf Transfermarkt seine Gedanken zum ÖFB-Team bei der Weltmeisterschaft teilen. In der ersten Ausgabe befasst sich der Ex-Torwart mit einem generellen Überblick über die ÖFB-Auswahl und einem Ausblick auf den Gegner Jordanien.


Wie schätzt du die ÖFB-Elf ein?


Ich lege mich fest: Österreich wird die Gruppenphase überstehen. Nicht, weil ich Österreicher bin, sondern weil ich sehe, was in den letzten Jahren entstanden ist. Diese Mannschaft hat eine klare Identität. Jeder Spieler weiß, was seine Aufgabe ist. Es gibt keine Diskussion darüber, wie Österreich Fußball spielen möchte. Natürlich schmerzt der Ausfall von Christoph Baumgartner sportlich enorm. Aber dass er der Mannschaft nachgeflogen ist, zeigt, warum er für dieses Team so wertvoll ist. Große Turniere werden nicht nur durch Taktik entschieden, sondern auch durch Führungspersönlichkeiten.


Man hat das beim EM-Titel Portugals gesehen, als Cristiano Ronaldo verletzt auf der Bank mehr Einfluss hatte als viele Spieler am Platz. Man hat es bei David Alaba bei der letzten EM gesehen. Und man sieht es jetzt bei Christoph Baumgartner. Teams erreichen heute nur noch Großes, wenn ihre Leader führen. Österreich verfügt über genau diese Mischung aus Qualität, Mentalität und Führung.


Und eines möchte ich den deutschen Freunden mit einem Augenzwinkern mitgeben: Während ihr noch diskutiert, ob Österreich vielleicht überraschen könnte, sind wir Österreicher längst überzeugt, dass wir weiterkommen werden.


Wie schätzt du Jordanien ein?


Jordanien ist für mich der ideale Auftaktgegner. Sie sind deutlich kompakter und disziplinierter als beispielsweise Curaçao, gleichzeitig aber nicht auf dem Niveau der Top-Nationen. Genau deshalb wird dieses Spiel ein guter Gradmesser. Jordanien wird tief verteidigen, die Räume eng machen und versuchen, Österreich den Rhythmus zu nehmen. Trotzdem glaube ich, dass Österreich seine Identität kompromisslos ausspielen wird. Hohes Pressing, viele Ballgewinne, permanenter Druck und eine Intensität, die Jordanien kaum Luft zum Atmen lassen wird.


Der Schlüssel wird die erste Halbzeit sein. Fällt vor der Pause das 1:0, wird Österreich das Spiel kontrollieren und gewinnen. Bleibt es hingegen lange 0:0, wird das Tor mental kleiner, der Platz enger und Jordanien bekommt mit jeder Minute mehr Brust. Das ist die größte Gefahr – nicht der Gegner selbst.


Wie wird Österreich das Spiel anlegen? Wer könnte überraschen?


Ich glaube, dass wir bei Österreich mittlerweile an einem Punkt angekommen sind, an dem weniger die Frage ist, wer spielt, sondern vielmehr, wie gespielt wird. Das ist für mich eine der größten Stärken dieser Mannschaft.


Vor ein paar Jahren waren wir noch stark von einzelnen Spielern abhängig. Heute hat Österreich eine Spielidee, die unabhängig von einzelnen Namen funktioniert. Deshalb würde ich mich auch nicht zu sehr auf mögliche Überraschungen in der Startelf fokussieren. Die eigentliche Überraschung wäre für mich eher, wenn Österreich plötzlich etwas anderes macht als das, was sie seit Jahren erfolgreich macht. Und genau das erwarte ich nicht.


Wenn ich das Trainerteam rund um Ralf Rangnick betrachte, dann sehe ich dort Menschen, die wahrscheinlich schon Antworten auf Fragen haben, die Jordanien selbst noch gar nicht gestellt hat. Mit Lars Kornetka und Stefan Oesen sitzen zwei absolute Spezialisten im Hintergrund, die jedes Detail analysieren. Da wird kein Einwurf, keine Pressinglinie und vermutlich nicht einmal der Platzwart dem Zufall überlassen. Natürlich ist Fußball nicht Schach. Sonst würden die Computer längst Weltmeister werden. Aber genau deshalb gefällt mir diese österreichische Mannschaft so gut: Sie verbindet Struktur mit Emotion. Sie weiß genau, was sie tun will – und hat trotzdem Spieler, die im richtigen Moment aus dem Plan ausbrechen können.


Und genau diese Mischung macht bei Turnieren oft den Unterschied.


Helges Zahl der Woche


104
104 Spiele werden bei dieser Weltmeisterschaft ausgetragen – mehr als jemals zuvor.
104 Spiele bedeuten aber nicht nur mehr Fußball.
104 Spiele bedeuten mehr Reisen, mehr Belastung, mehr Anpassung und mehr mentale Herausforderungen.


Deshalb reicht es bei dieser WM nicht, 100 Prozent zu geben. Wer hier erfolgreich sein will, muss bereit sein, 104 Prozent in die Waagschale zu werfen.


Mein bisheriges Fazit nach den ersten Eindrücken: Diese Weltmeisterschaft gefällt mir; viele unterschiedliche Spielstile, neue Nationen, neue Geschichten und eine große Portion Unberechenbarkeit. Ich bin schon sehr gespannt, welche Erkenntnisse wir haben werden, wenn jede Mannschaft ihr erstes Spiel absolviert hat.


Bis dahin halte ich euch auf dem Laufenden.


Vom Tor zur Taktik – euer WM-Insider Helge Payer.


Rahmen und Fragen von Dorian Schuster.

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Weitere News
Helge Payer
Karriereende
Helge Payer
Geb./Alter:
09.08.1979 (47)
Nat.:  Österreich
Akt. Verein:
Karriereende
Vertrag bis:
-
Position:
Torwart
Marktwert:
-
Österreich
Gesamtmarktwert:
243,20 Mio. €
Kadergröße:
25
Jordanien
Gesamtmarktwert:
20,30 Mio. €
Wettbewerb:
AFC Asian Cup
Trainer:
Badou Zaki
Kadergröße:
26
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