Geklaut, inspiriert, kooperiert: Wenn Vereinslogos Zwillinge in aller Welt haben
Den FC Bayern gibt es in der Transfermarkt-Datenbank fünfmal: Als FC Bayern München, FC Bayern Alzenau, FC Bayern Kickers Nürnberg, FC Bayern Fladungen und den bis 2005 aktiven FC Bayern Hof. Die beiden erstgenannten teilen sich dabei nicht nur den Namen, auch das Vereinslogo weist große Gemeinsamkeiten auf. Reiner Zufall beim 1900 gegründeten Rekordmeister und dem 1920 in die Fußballwelt gekommenen Alzenau oder steckt mehr dahinter? Ein Blick in die Datenbank zeigt: Die beiden Vereine sind damit bei weitem nicht allein und teilweise liegen zwischen Klubs mit Logo-Zwillingen fast 10.000 Kilometer.
Letzteres ist etwa zwischen der katalanischen Hauptstadt, in der der FC Barcelona zuhause ist, und dem in Ecuador beheimateten Barcelona SC Guayaquil der Fall. Die Südamerikaner sind als Stammgast in der Copa Libertadores auch über die Landesgrenzen hinaus hinlänglich bekannt, die Logo-Gemeinsamkeiten mit dem spanischen Vorbild entsprechend kein Geheimnis – sollten sie auch nie sein. Der ecuadorianische Klub wurde 1925 unter anderem vom gebürtig aus Barcelona stammenden Einwanderer Eutimio Pérez in der heutigen Millionenstadt Guayaquil gegründet: als klare Hommage an Barça.
Heute läuft das Team vornehmlich in Gelb auf, hatte einst aber auch mal das klassische rot-blaue Trikot Barcelonas. Das brachte der Legende nach aber kein Glück und nach einer Niederlagenserie in den 1940er Jahren soll der damalige Präsident entschieden haben, diese Farben tragen zu lassen. 2013 gab es aufgrund der Gemeinsamkeiten sogar eine kleinen rechtlichen Disput: Der FC Barcelona wollte die Marke „Barcelona“ in Ecuador für sich beanspruchen, Guayaquil wehrte sich: „Es ist allgemein bekannt, dass der Name ‚BARCELONA‘ in Ecuador den Barcelona Sporting Club bezeichnet. Der Futbol Club Barcelona hat die Eintragung der Marke ‚BARCELONA‘ in Ecuador beantragt“, hieß es damals in einem Statement. „Unsere Reaktion darauf ist, dass wir über auf geistiges Eigentum spezialisierte Anwälte beim IEPI unseren begründeten Widerspruch eingereicht haben. Es ist wichtig zu betonen, dass es keine Streitigkeiten zwischen den beiden Institutionen gibt und dass derzeit die Möglichkeit einer rechtlichen Einigung über die Koexistenz der Marke im Land geprüft wird.“
In einem anderen Fall setzte indes der bekanntere Klub durch, dass ein Vereinsname geändert wird. ASC Daco-Getica Bukarest aus Rumänien wurde 1992 als Juventus Colentina București gegründet – nicht verwandt oder verschwägert mit dem 1924 gegründeten Juventus București, das heute Petrolul Ploiesti heißt. 2017 stieg der Klub erstmals in die 1. Liga auf und blieb dort eine Saison. 2018 änderte Juventus jedoch auf Druck der aus Italien stammenden Alten Dame Vereinsname und Logo, welches dem der Turiner nachempfunden war.
Wer war zuerst da? Ewige Frage für Bayern München & Bayern Alzenau
Davon ist zwischen Bayern München und Bayern Alzenau nicht die Rede. „Manchmal ist es ein bisschen nervig“, sagte der 1. Vorsitzende des Klubs, der seit 1992/93 dem hessischen und nicht mehr bayerischen Regionalverband angehört, Andreas Trageser im Sommer 2025 der „Hessenschau“. Die Gründungsmitglieder könne man heute auch nicht mehr befragen: „Das hat man sich vor 120 Jahren ausgedacht.“ In dem Beitrag heißt es, dass es logisch erscheine, dass die Namenswahl aus „einem damals noch vorherrschenden Zugehörigkeitsgefühl für den Freistaat resultiert“. Das sei heute anders: „Wir gehören absolut zur Metropolregion Rhein-Main. Wir fühlen uns komplett hessisch, auch von der Sprach'."
Zudem habe es das Alzenau-Logo in aktueller Form vor dem des FC Bayern gegeben, dessen Wappen zu Beginn eher an Hertha BSC erinnerte. „Es kann ja auch alles Zufall sein“, meinte dazu Vorstandsmitglied Mathias Simon. „Das runde Logo hat man damals oft verwendet, weil der Kreis Unendlichkeit symbolisiert.“
Mainz 05 kooperiert mit ivorischer Akademie von Aristide Bancé
Und dann gibt es da noch die Fälle, bei denen es sogar eine offizielle Kooperation gibt – etwa beim 1.FSV Mainz 05 und der ivorischen Akademie FC Mainz 05 de Jacqueville. Leiter dort ist der frühere FSV-Profi Aristide Bancé und im vergangenen Oktober reisten 20 Talente zwischen 14 und 17 Jahren aus dem westafrikanischen Land nach Mainz, um dort zu trainieren. Auf der 05-Website sagte Bancé damals: „Der Kontakt nach Mainz ist nie abgebrochen. Wenn ich hierher zurückkomme, habe ich das Gefühl, ich komme nach Hause. (…) Ohne die Akademie würden die Kinder vielleicht auf der Straße leben. Es geht also um junge Menschen, die einerseits Talent haben, aber andererseits auch Hilfe neben dem Platz benötigen. Wir haben Christian Heidel das Projekt vorgestellt und er war sofort bereit, zu helfen. Aber er wollte das selbst sehen. Wir hätten nie damit gerechnet, dass er sogar zu uns nach Côte d’Ivoire kommt.“
Heidel sah sich die Bedingungen vor Ort gemeinsam mit Ex-Sportdirektor Martin Schmidt an: „Sowohl die Spieler als auch Aristide Bancé sind mit absolutem Herzblut bei der Sache. Die Akademie leistet einen wichtigen Beitrag zur sozialen und sportlichen Entwicklung junger Talente in Jacqueville, entsprechend möchten wir sie durch diese Partnerschaft darin unterstützen.“
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