Nationalmannschaft: Doppelbürger mit Schweizer Pass
11.03.2011 - 17:40 Uhr
13.08.2015 - 12:59 Uhr
Quelle: www.blick.ch
Für welche Nation wird sich Francisco Rodriguez (19) entscheiden, Schweiz oder Chile? Wie der «Kicker» berichtet, haben die Südamerikaner nun ihr Werben um das Offensivtalent intensiviert. Verbandsleute flogen wegen ihm sogar extra nach Wolfsburg. Die
Cico Rodriguez wird von Chile umworben - ich hoffe, er kann warten. Immerhin der Copa Sieger...
13.08.2015 - 20:07 Uhr
Zitat von sching
Ausserdem wird hier auch immer von der irrigen Annahme ausgegangen, dass es wahnsinnig viel bringen würde, wenn die besagten Plätze in den U-Teams durch offensichtlich weniger talentierte Spieler eingenommen werden...
Zitat von Paganethos
Und genau aus dem Grund sollte man die besten Talente mit 18 oder 19 vor die Entscheidung stellen: entweder Kurzeinsatz in einem Pflichtspiel mit dem A Team oder keine Förderung mehr durch den SFV.
Zitat von globi_helveticus
Aber genau das wollen die nicht. Auch wenn einer nicht für die Schweiz spielen will... im Jugendteam bleibt er sicher gerne, so lange es geht.
Aber genau das wollen die nicht. Auch wenn einer nicht für die Schweiz spielen will... im Jugendteam bleibt er sicher gerne, so lange es geht.
Und genau aus dem Grund sollte man die besten Talente mit 18 oder 19 vor die Entscheidung stellen: entweder Kurzeinsatz in einem Pflichtspiel mit dem A Team oder keine Förderung mehr durch den SFV.
Ausserdem wird hier auch immer von der irrigen Annahme ausgegangen, dass es wahnsinnig viel bringen würde, wenn die besagten Plätze in den U-Teams durch offensichtlich weniger talentierte Spieler eingenommen werden...
Da kann ich so nicht zu 100% zustimmen. Was heisst irrige Annahme? Und was soll offensichtlich weniger talentiert heissen?
Da gibt's, wie überall sonst auch, die verborgenen Talente, denen der letzte Knopf etwas später auf geht... die aber genau deswegen immer nur zweite Geige spielen würden, solange sie im Schatten stehen müssen. Wären sie aber nicht seit der frühen Juniorenzeit in dieser Position... und könnten sie z.B. genau diese Förderung ab z.B. 18 nochmals "mitnehmen", da weiss man nie, was aus denen in kurzer Zeit wird.
Andersrum erdrückt der Jugendwahn alles. Am liebsten schon für 15-Jährige einen Mio. Vertrag... und da stehen Andere automatisch hinten an. Bis einer mit 19 oder 20 plötzlich für eine andere Nation spielt.
Talent ist in den meisten Fällen rein gar nichts, ohne Förderung. Und wer nur an das Supertalent der ersten Sekunde glaubt, unterschätzt Ehrgeiz und Einsatz.
Gerade wenn sich gewisse Vorlieben durch den Hype gebildet haben, hat man keine Garantie, dass einer in dessen Schatten - obwohl der vllt schon nachweislich das Niveau hat - der jede Gelegenheit nutzen würde, seine Chance bekommt.
Also so irrsinnig ist es bestimmt nicht. Der hat dann sonst einen wichtigen Sprung "endgültig" verpasst, oder ist als Doppelbürger plötzlich auch weg (weil man ihm geringe Chancen gab, obwohl er wollte), und blüht anderswo auf.
Da wär's schon um jeden Einzelfall schade drum.
Die Lösung ist nicht einfach. Aber dass dies keine Bedeutung hat, kann man nicht sagen. Vor allem, wenn dann eine kleine Schweiz auf gewissen Positionen knapp besetzt ist, und man wieder mal froh wäre, auch nur "gute Spieler" dafür zu haben.
15.08.2015 - 16:24 Uhr
Garcia bei Werder Bremen in der Offensive ganz gut finde ich, er harmoniert gut mit Selassie Schalke mit grösseren und besseren Chancen daher auch verdient in Führung trotz Eigentor Selassies, Garcia hat einiges drauf, technisch, und er konnte ein paar Möglichkeiten kreieren, Defensiv ist er noch nicht ganz so gut in diesem Spiel wie Offensiv, aber ein sehr Guter LV. Das wäre das erste GC Talent seit gefühlt 14 Jahren das es im Ausland einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Soll nicht als Provokation gedacht werden.
16.08.2015 - 11:31 Uhr
Kicker meldet, dass Francisco Rodriguez für Chile spielen wolle...
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
16.08.2015 - 11:40 Uhr
Zitat von globi_helveticus
Kicker meldet, dass Francisco Rodriguez für Chile spielen wolle...
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
Kicker meldet, dass Francisco Rodriguez für Chile spielen wolle...
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
Also das würde ich jetzt hinten und vorne nicht verstehen. Was hätte er davon zur chilenischen Auswahl zu gehören? Beide Nationalmannschaften sind etwa auf dem selben Level, ergo gleich schwierig um eingesetzt zu werden. Was erhofft er sich denn sonst? Weite Reisen an Spiele, eine Kultur die ihm nur ansatzweise bekannt ist...ich sehe einfach nicht einen einzigen Grund, weshalb die chilenische Auswahl attraktiver sein soll als die schweizer.
Ich hoffe, dass Ricardo seinem Bruder mal etwas die Ohren lang zieht.
16.08.2015 - 11:52 Uhr
Zitat von Giann
Also das würde ich jetzt hinten und vorne nicht verstehen. Was hätte er davon zur chilenischen Auswahl zu gehören? Beide Nationalmannschaften sind etwa auf dem selben Level, ergo gleich schwierig um eingesetzt zu werden. Was erhofft er sich denn sonst? Weite Reisen an Spiele, eine Kultur die ihm nur ansatzweise bekannt ist...ich sehe einfach nicht einen einzigen Grund, weshalb die chilenische Auswahl attraktiver sein soll als die schweizer.
Ich hoffe, dass Ricardo seinem Bruder mal etwas die Ohren lang zieht.
Zitat von globi_helveticus
Kicker meldet, dass Francisco Rodriguez für Chile spielen wolle...
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
Kicker meldet, dass Francisco Rodriguez für Chile spielen wolle...
Abgesehen von Embolo, hat sich das in der letzten Zeit eigentlich mehrheitlich negativ für die Schweiz entwickelt... aber wenn einer nicht will, wie gesagt, ziehen lassen.
Also das würde ich jetzt hinten und vorne nicht verstehen. Was hätte er davon zur chilenischen Auswahl zu gehören? Beide Nationalmannschaften sind etwa auf dem selben Level, ergo gleich schwierig um eingesetzt zu werden. Was erhofft er sich denn sonst? Weite Reisen an Spiele, eine Kultur die ihm nur ansatzweise bekannt ist...ich sehe einfach nicht einen einzigen Grund, weshalb die chilenische Auswahl attraktiver sein soll als die schweizer.
Ich hoffe, dass Ricardo seinem Bruder mal etwas die Ohren lang zieht.
Also... er stehe im Aufgebot für ein Testspiel gegen Paraguay... so stand's... und nicht nur 20 min, sondern auch die NZZ haben das so übernommen (NZZ gilt ja immerhin als Symbol für etwas Qualität).
Ob er jetzt wirklich zugesagt hat, das weiss ich nicht.
Könnte doch noch sein, dass er - provokativ - einfach auf die Liste gesetzt wurde... wobei...
16.08.2015 - 13:50 Uhr
Zitat von lurechi
Ich Fordere, dass eben das nicht gemacht wird - ich habe irgendwie grosses Verständnis für Chiumiento, der sich entschieden hatte, ohne, dass er ein Aufgebot des Landes bekommen hätte, für das er lieber gespielt hätte. Und Eldin Jakupovic ist in meinen Augen immer noch ein richtig armes Schw***, dass er wegen einem Länderspiel für die Schweiz, welche danach nie mehr auf ihn setzte / setzen musste, gesperrt ist für BiH.
Hier höchst egoistisch zu fordern, dass wir einfach mal alle reservieren und damit einigen eine Karriere in einer anderen Nationalmannschaft verbauen finde ich übertrieben, unnötig und der Schweiz nicht würdig. Das haben wir nicht nötig. Noch immer kommt mir nur einer in den Sinn, den ich wirklich haben möchte momentan - Rakitic. Mit einigen Abstrichen eventuell Neuville, di Matteo und Petric mal. Aber wegen den 3en, die man unter Umständen auch dann nciht bekommen hätte, eine ganze Reihe potentieller Jakupovics zu fordern halte ich für übertrieben. Wir sind besser als das. Plus - es würde darin enden, dass Spieler Aufgebote nicht annehmen, weil sie fürchten, nur einmal "reserviert zu werden", obwohl gar kein echtes Interesse besteht. Wer ein Aufgebot erhält, soll es sich verdient haben, unabhängig von seinem Doppelbürgerstatus.
Ich Fordere, dass eben das nicht gemacht wird - ich habe irgendwie grosses Verständnis für Chiumiento, der sich entschieden hatte, ohne, dass er ein Aufgebot des Landes bekommen hätte, für das er lieber gespielt hätte. Und Eldin Jakupovic ist in meinen Augen immer noch ein richtig armes Schw***, dass er wegen einem Länderspiel für die Schweiz, welche danach nie mehr auf ihn setzte / setzen musste, gesperrt ist für BiH.
Hier höchst egoistisch zu fordern, dass wir einfach mal alle reservieren und damit einigen eine Karriere in einer anderen Nationalmannschaft verbauen finde ich übertrieben, unnötig und der Schweiz nicht würdig. Das haben wir nicht nötig. Noch immer kommt mir nur einer in den Sinn, den ich wirklich haben möchte momentan - Rakitic. Mit einigen Abstrichen eventuell Neuville, di Matteo und Petric mal. Aber wegen den 3en, die man unter Umständen auch dann nciht bekommen hätte, eine ganze Reihe potentieller Jakupovics zu fordern halte ich für übertrieben. Wir sind besser als das. Plus - es würde darin enden, dass Spieler Aufgebote nicht annehmen, weil sie fürchten, nur einmal "reserviert zu werden", obwohl gar kein echtes Interesse besteht. Wer ein Aufgebot erhält, soll es sich verdient haben, unabhängig von seinem Doppelbürgerstatus.
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Breaveheart am 16.08.2015 um 14:01 Uhr bearbeitet
16.08.2015 - 21:28 Uhr
Zitat von Breaveheart
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Zitat von lurechi
Ich Fordere, dass eben das nicht gemacht wird - ich habe irgendwie grosses Verständnis für Chiumiento, der sich entschieden hatte, ohne, dass er ein Aufgebot des Landes bekommen hätte, für das er lieber gespielt hätte. Und Eldin Jakupovic ist in meinen Augen immer noch ein richtig armes Schw***, dass er wegen einem Länderspiel für die Schweiz, welche danach nie mehr auf ihn setzte / setzen musste, gesperrt ist für BiH.
Hier höchst egoistisch zu fordern, dass wir einfach mal alle reservieren und damit einigen eine Karriere in einer anderen Nationalmannschaft verbauen finde ich übertrieben, unnötig und der Schweiz nicht würdig. Das haben wir nicht nötig. Noch immer kommt mir nur einer in den Sinn, den ich wirklich haben möchte momentan - Rakitic. Mit einigen Abstrichen eventuell Neuville, di Matteo und Petric mal. Aber wegen den 3en, die man unter Umständen auch dann nciht bekommen hätte, eine ganze Reihe potentieller Jakupovics zu fordern halte ich für übertrieben. Wir sind besser als das. Plus - es würde darin enden, dass Spieler Aufgebote nicht annehmen, weil sie fürchten, nur einmal "reserviert zu werden", obwohl gar kein echtes Interesse besteht. Wer ein Aufgebot erhält, soll es sich verdient haben, unabhängig von seinem Doppelbürgerstatus.
Ich Fordere, dass eben das nicht gemacht wird - ich habe irgendwie grosses Verständnis für Chiumiento, der sich entschieden hatte, ohne, dass er ein Aufgebot des Landes bekommen hätte, für das er lieber gespielt hätte. Und Eldin Jakupovic ist in meinen Augen immer noch ein richtig armes Schw***, dass er wegen einem Länderspiel für die Schweiz, welche danach nie mehr auf ihn setzte / setzen musste, gesperrt ist für BiH.
Hier höchst egoistisch zu fordern, dass wir einfach mal alle reservieren und damit einigen eine Karriere in einer anderen Nationalmannschaft verbauen finde ich übertrieben, unnötig und der Schweiz nicht würdig. Das haben wir nicht nötig. Noch immer kommt mir nur einer in den Sinn, den ich wirklich haben möchte momentan - Rakitic. Mit einigen Abstrichen eventuell Neuville, di Matteo und Petric mal. Aber wegen den 3en, die man unter Umständen auch dann nciht bekommen hätte, eine ganze Reihe potentieller Jakupovics zu fordern halte ich für übertrieben. Wir sind besser als das. Plus - es würde darin enden, dass Spieler Aufgebote nicht annehmen, weil sie fürchten, nur einmal "reserviert zu werden", obwohl gar kein echtes Interesse besteht. Wer ein Aufgebot erhält, soll es sich verdient haben, unabhängig von seinem Doppelbürgerstatus.
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Ich bin auch nicht dafür, alle gleich einzuwechseln... sagte ich ja.
Aber die Schweiz braucht nicht den Wohltäter der Welt zu markieren... wenn gleichzeitig die Konkurrenz mit Geldboni die Spieler lockt. Wäre etwa so, wie wenn die Schweiz glaubt, mit eigenem Umweltschutz rette man die Welt (obwohl der eigene Umweltschutz eben auch wichtig ist).
... also "bio" ist's ja eigentlich, wenn keine "Verschmutzer" dazu kommen, wie Pestizide... naturgerecht halt.
Da ist der Vergleich Secondo vs Bio-Schweizer doch unglücklich... gefällt mir Eidgenosse einiges besser.
16.08.2015 - 21:50 Uhr
Zitat von globi_helveticus
Ich bin auch nicht dafür, alle gleich einzuwechseln... sagte ich ja.
Aber die Schweiz braucht nicht den Wohltäter der Welt zu markieren... wenn gleichzeitig die Konkurrenz mit Geldboni die Spieler lockt. Wäre etwa so, wie wenn die Schweiz glaubt, mit eigenem Umweltschutz rette man die Welt (obwohl der eigene Umweltschutz eben auch wichtig ist).
... also "bio" ist's ja eigentlich, wenn keine "Verschmutzer" dazu kommen, wie Pestizide... naturgerecht halt.
Da ist der Vergleich Secondo vs Bio-Schweizer doch unglücklich... gefällt mir Eidgenosse einiges besser.
Zitat von Breaveheart
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Ich bin auch nicht dafür, alle gleich einzuwechseln... sagte ich ja.
Aber die Schweiz braucht nicht den Wohltäter der Welt zu markieren... wenn gleichzeitig die Konkurrenz mit Geldboni die Spieler lockt. Wäre etwa so, wie wenn die Schweiz glaubt, mit eigenem Umweltschutz rette man die Welt (obwohl der eigene Umweltschutz eben auch wichtig ist).
... also "bio" ist's ja eigentlich, wenn keine "Verschmutzer" dazu kommen, wie Pestizide... naturgerecht halt.
Da ist der Vergleich Secondo vs Bio-Schweizer doch unglücklich... gefällt mir Eidgenosse einiges besser.
"Bio" ist nicht in dem Sinne gemeint
Ich hätte schreiben können "Schweizer ohne Migrationshintergrund".
Am Inhalt meines Posts ändert das aber nicht viel.
Ich wollte darauf hinaus, wie schwierig es für viele Secondos ist, so früh zwischen zwei Ländern zu entscheiden zu müssen, falls von nun an jedem U-Nationalspieler sagt: "bis 18 musst du dich definitiv entschieden haben".
Auch wenn der Vorschlag durchaus verständlich ist, bei der Welle an Spielern, die momentan dem SFV den Rücken kehren.
Bei Francisco Rodriguez wäre ich schon etwas überrascht, wenn er für Chile spielen würde. Hätte ich vom Bauchgefühl her nicht unbedingt erwartet. Es ist aber möglich, dass er Chiles Aufgebot ausschlägt. Selbst wenn er im Freundschaftsspiel für Chile auflaufen sollte, wäre er noch nicht endgültig für Chile festgespielt.
Hat sich Rodriguez mal pro Schweiz oder pro Chile geäussert? Spanien war, wenn ich mich richtig erinnere, weniger ein Thema bei ihm.
17.08.2015 - 06:33 Uhr
Zitat von Breaveheart
"Bio" ist nicht in dem Sinne gemeint
Ich hätte schreiben können "Schweizer ohne Migrationshintergrund".
Am Inhalt meines Posts ändert das aber nicht viel.
Ich wollte darauf hinaus, wie schwierig es für viele Secondos ist, so früh zwischen zwei Ländern zu entscheiden zu müssen, falls von nun an jedem U-Nationalspieler sagt: "bis 18 musst du dich definitiv entschieden haben".
Auch wenn der Vorschlag durchaus verständlich ist, bei der Welle an Spielern, die momentan dem SFV den Rücken kehren.
Bei Francisco Rodriguez wäre ich schon etwas überrascht, wenn er für Chile spielen würde. Hätte ich vom Bauchgefühl her nicht unbedingt erwartet. Es ist aber möglich, dass er Chiles Aufgebot ausschlägt. Selbst wenn er im Freundschaftsspiel für Chile auflaufen sollte, wäre er noch nicht endgültig für Chile festgespielt.
Hat sich Rodriguez mal pro Schweiz oder pro Chile geäussert? Spanien war, wenn ich mich richtig erinnere, weniger ein Thema bei ihm.
Zitat von globi_helveticus
Ich bin auch nicht dafür, alle gleich einzuwechseln... sagte ich ja.
Aber die Schweiz braucht nicht den Wohltäter der Welt zu markieren... wenn gleichzeitig die Konkurrenz mit Geldboni die Spieler lockt. Wäre etwa so, wie wenn die Schweiz glaubt, mit eigenem Umweltschutz rette man die Welt (obwohl der eigene Umweltschutz eben auch wichtig ist).
... also "bio" ist's ja eigentlich, wenn keine "Verschmutzer" dazu kommen, wie Pestizide... naturgerecht halt.
Da ist der Vergleich Secondo vs Bio-Schweizer doch unglücklich... gefällt mir Eidgenosse einiges besser.
Zitat von Breaveheart
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Besser hättest Du meinen Standpunkt nicht vertreten können
Für mich ist das auch egoistisch, von solch jungen Menschen so früh eine definitive Entscheidung zu fordern. Man sollte sich ein wenig in deren Lage versetzen. Diese jungen Spieler sind häufig leicht beeinflussbar, sei es vonseiten von Beratern (die dem Spieler die stärkere Schweizer U-Nationalmannschaft empfehlen) oder vor allem vonseiten der Eltern (die i.d.R. eine Bindung an das Herkunftsland befürworten).
Angenommen, sie binden sich an die Schweiz, die Karriere scheitert und sie verbauen sich so die Chance, ihrem sportlich schwächeren Herkunftsland zu helfen. Dann hat die Schweiz davon nix, Thailand, Albanien, Angola oder Kamerun noch weniger und der Spieler am wenigsten.
Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Väter wünschen, dass ihr Sohnemann die Heimat (des Vaters) nicht vergisst. Muss bei Spielern wie Tarashaj nicht so sein, möglich ist es aber. Kürzlich habe ich in der Aargauer Zeitung einen Artikel über Tarashaj gelesen: http://www.aargauerzeitung.ch/sport/fussball/als-kleiner-bub-verehrte-gcs-shani-tarashaj-ronaldo-129423977
Er wirkt wohlüberlegt bei dem, was er sagt: «Es ist eine schwierige Entscheidung. Die Schweiz hat mir sehr viel gegeben, aber ein Teil meines Herzens ist natürlich auch albanisch.»
Wenn man sich auf dem Facebook-Profil von Tarashaj umschaut, erkennt man seine starke Verbundenheit mit dem Kosovo: Er schreibt, er komme „aus Prizren“, mag albanische Musik und Bücher eines albanischen Autors und hat als Hintergrundbild ein Bild einer Moschee im Kosovo.
Auf der anderen Seite sieht er sich auch als Adliswiler: „Du bisch en ächte Adliswiler, wänn…“
Wie kann man von einer solchen Person erwarten, dass sich diese klar zur Schweiz bekennt? Da schlägt das Herz einfach für zwei Länder.
Zudem gibt es in der Schweiz gerade aus dem Kosovo einige Personen in meinem Umfeld, die das ganze Leben in der Schweiz verbracht haben, sich aber trotzdem nicht als Schweizer fühlen. Paradoxerweise besitzen sie zum Teil trotzdem den Schweizer Pass, einige sind aber konsequent und beantragen diesen gar nicht erst. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, kann von der aggressiven politischen Stimmung gegen Ausländer beeinflusst sein, von sprachlichen und kulturellen Differenzen. Zum Teil wird die Abschottung gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen auch bewusst gewählt, um sich ein Stück "alte Heimat" in die Schweiz zu transportieren.
Eine Nominierungspolitik, die das Festspielen von Doppelbürgern zum Ziel hätte, hätte durchaus etwas Rassistisches, weil es Secondos bevorteilt und "Bio-Schweizer" benachteiligt. "Bio-Schweizer" bräuchte man ja nicht mehr nominieren, weil sie von keinem anderen Verband abgeworben werden können.
Der französische Ex-Nati-Trainer Laurent Blanc hat vor einiger Zeit den umgekehrten Weg vorgeschlagen: Frankreich solle künftig in den U-Nationalmannschaften im Zweifel "Bio-Franzosen" statt Migranten nominieren, weil letztere abgeworben werden könnten. Das wäre ebenfalls eine radikale Lösung. In der Schweiz fällt ein extremer Mangel an Offensivspielern ohne Migrationshintergrund auf, die meisten Schweizer Offensivtalente sind Secondos. Offensiv wäre die Schweiz dann kaum noch konkurrenzfähig.
Es ist einfach schwierig, von jemandem zu fordern, er solle sich mit 18 klar zu einem Land bekennen, wenn seine Wurzeln in 2 (oder noch mehr) Ländern liegen.
Ich finde die Diskussion zu diesem Thema sehr wichtig und sinnvoll. Es ist ein Thema, das uns noch lange beschäftigen wird - auch bei gesellschaftlichen Fragen, die weit über den Fussball hinausgehen.
Ich bin auch nicht dafür, alle gleich einzuwechseln... sagte ich ja.
Aber die Schweiz braucht nicht den Wohltäter der Welt zu markieren... wenn gleichzeitig die Konkurrenz mit Geldboni die Spieler lockt. Wäre etwa so, wie wenn die Schweiz glaubt, mit eigenem Umweltschutz rette man die Welt (obwohl der eigene Umweltschutz eben auch wichtig ist).
... also "bio" ist's ja eigentlich, wenn keine "Verschmutzer" dazu kommen, wie Pestizide... naturgerecht halt.
Da ist der Vergleich Secondo vs Bio-Schweizer doch unglücklich... gefällt mir Eidgenosse einiges besser.
"Bio" ist nicht in dem Sinne gemeint
Ich hätte schreiben können "Schweizer ohne Migrationshintergrund".
Am Inhalt meines Posts ändert das aber nicht viel.
Ich wollte darauf hinaus, wie schwierig es für viele Secondos ist, so früh zwischen zwei Ländern zu entscheiden zu müssen, falls von nun an jedem U-Nationalspieler sagt: "bis 18 musst du dich definitiv entschieden haben".
Auch wenn der Vorschlag durchaus verständlich ist, bei der Welle an Spielern, die momentan dem SFV den Rücken kehren.
Bei Francisco Rodriguez wäre ich schon etwas überrascht, wenn er für Chile spielen würde. Hätte ich vom Bauchgefühl her nicht unbedingt erwartet. Es ist aber möglich, dass er Chiles Aufgebot ausschlägt. Selbst wenn er im Freundschaftsspiel für Chile auflaufen sollte, wäre er noch nicht endgültig für Chile festgespielt.
Hat sich Rodriguez mal pro Schweiz oder pro Chile geäussert? Spanien war, wenn ich mich richtig erinnere, weniger ein Thema bei ihm.
Nein, ändert sich natürlich nicht. Mir persönlich würde jetzt Schweizer vs Eidgenosse (so wie beim Witz) am besten gefallen... weil schon jeder weiss, dass die Ur-Schweizer-Abstammung beim Einen "symbolisch" noch drin ist... und ich glaube, da können beide Seiten schmunzeln
Ich sag ja nicht, man soll die erpressen - und reihenweise einfach schnell 2 min in der Nachspielzeit bei Pflichtspielen reinwerfen, das seh ich auch nicht...
Aber man könnte ihnen "positiven Druck machen" - in dem man halt wirklich (ich weiss aber ja nicht, was der SFV alles macht) im Gespräch recht früh mal Optionen durch gibt. Da kann man gegen "Versprechen von Konkurrenzverbänden" viellecht was bewirken, anstatt das man sie so passiv gehen lässt.
Ist schon lange her... aber Petric sagte damals jedenfalls (und man wusste, dass er was drauf hatte)... ihn hätte von schweizer Seite nie einer gefragt. Das ist jetzt hoffentlich grundsätzlich besser.
Man kann jedenfalls den Jungen den Druck trotzdem machen, ohne "wenn'd jetzt grad zögerst, bist weg..." ... oder "fliegst aus dem U-Team"... oder "komm, du musst jetzt noch diese 2 Min mitspielen, damit's klar ist".
Ich weiss es nicht. Aber ich glaube, dass... wenn einer Anstand und Klasse, Stil hat... dann sagt er das dem SFV zuerst. Deshalb glaube ich, Chile hat Rodriguez zum "Druck machen" ins Aufgebot geschrieben, damit der Ball bei ihm liegt.
Jedenfalls hat ja der Kicker das gemeldet... das ist so, als erfährt die Frau/der Mann von der Verlobung über die Zeitung
Da erwarte ich von dem Spieler schon mehr... und ich bin nicht überzeugt, dass er das unbedingt so mitbekommen hat, bevor es so weit war...
Dieser Beitrag wurde zuletzt von globi_helveticus am 17.08.2015 um 06:35 Uhr bearbeitet
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