Mainz-Leihgabe Bobzien hofft auf ähnlichen Weg wie Nebel: „Inspiration für mich“
Insgesamt fünf Profis hat der 1. FSV Mainz 05 derzeit verliehen. Davon sorgt momentan vor allem der Jüngste aus dem Quintett, Ben Bobzien, für Furore und macht bei seiner Leihstation beim SK Austria Klagenfurt auf sich aufmerksam. Der 21-Jährige gehört im Team von Trainer Peter Pacult zu den absoluten Leistungsträgern. Bei Transfermarkt spricht der deutsche U20-Nationalspieler über die letzten Jahre vor seinem Durchbruch, wie er sich von Lionel Messi und Florian Wirtz inspirieren ließ und warum er Paul Nebel nacheifert.
Manchmal bedarf es eines gewissen Abstands oder einer Auszeit, um erlebte Dinge zu verarbeiten. Genau diesen Abstand hat sich Ben Bobzien in Form eines Heimaturlaubs bei seiner Familie in Gießen genommen, denn hinter dem Stürmer liegt eine Hinrunde voller aufregender Momente. Nach seinem persönlichen Highlight der letzten Monate gefragt, platzt es aus ihm sofort heraus: „Mein schönster Moment war mein erstes Saisontor für Klagenfurt zu Hause gegen Rapid Wien. Ich hatte schon während der Sommervorbereitung das Gefühl, dass auf mich eine erfolgreiche Saison warten könnte. Der Treffer gegen Rapid war für mich auch eine Art Dosenöffner. Ab da wusste ich, ich bin in der Lage, mein Potenzial wirklich abzurufen und fortan ist mein Selbstbewusstsein mit jedem Spiel gestiegen.“
Obwohl die Hälfte der Saison erst rum ist, kann man jetzt schon sagen, dass der Angreifer seinen Durchbruch im Profifußball geschafft hat. Mit sieben Toren gehört er zu den absoluten Leistungsträgern bei der Austria Klagenfurt und hat sein anvisiertes Ziel, sportlich endlich anzukommen, erreicht. Etwas, was sich in dieser Form nicht abzeichnete, schließlich wurde Bobzien in den vergangenen zwei Jahren nicht gerade mit persönlichen Erfolgsmomenten verwöhnt.
In der Winterpause der Spielzeit 2022/23 wechselte er auf Leihbasis zum damaligen Tabellenführer der 3. Liga, der SV Elversberg. Doch über die Rolle des Ergänzungsspielers kam er nicht hinaus. In der vergangenen Saison folgte der Schritt zum österreichischen Bundesligisten Austria Lustenau, ebenfalls auf Leihbasis. In Lustenau nahm zwar die Spielzeit zu, doch erst zum Saisonendspurt konnte sich das Mainzer Eigengewächs einen Stammplatz ergattern.
Klinsmann, Schmidt & Co. Alle Transfermarkt-Interviews Hier entlang! „Ich würde die Zeit in Elversberg und Lustenau nicht schlecht oder negativ bewerten. Ich habe extrem viel lernen können. Als ich damals zu Elversberg gegangen bin, war ich quasi noch Jugendspieler. Mittlerweile bin ich ein gestandener Profi. Die Leihen haben mir auch noch mal verdeutlicht, wie wichtig es ist, anpassungsfähig und lernwillig zu sein. Innerhalb dieser sechs oder zwölf Monate prasseln viele neue Eindrücke auf dich ein, die man möglichst schnell verarbeiten muss. Für mich war es auch gut, raus aus dem Mainzer Umfeld zu kommen, um den Horizont zu erweitern und einen neuen Blickwinkel zu bekommen“, schildert Bobzien, der sich im Sommer wieder auf die Reise machte.
Bobzien hatte bei Austria Klagenfurt sofort gutes Gefühl
Erneut ging es nach Österreich, in diesem Falle zur Austria Klagenfurt. „Die Gespräche mit Peter Pacult und Günther Gorenzel-Simonitsch (Sportchef; d. Red.) waren von großem Vertrauen geprägt. Peter Pacult hat unter anderem gesagt, dass er in der Lage ist, mich zu einem Bundesliga-Spieler zu formen. Mir war aber aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen bewusst, dass das eine Gespräche und Pläne sind, das andere die Umsetzung. Für die Umsetzung bin ich jedoch ganz alleine und in jedem Training zuständig.“
Bobzien bereitete sich in der Sommerpause entsprechend akribisch auf seine neue Aufgabe vor: „Der derzeitige Erfolg hängt mit einigen Dingen zusammen. Beispielsweise habe ich meine Lehren aus den vergangenen Leihstationen gezogen. Ich habe mich weiterentwickelt und bestimmte Prozesse durchlaufen. Ich habe verstanden, dass neben der sportlichen Komponente auch die mentale Komponente elementar ist. Ohne mentale Stärke kann man sich nicht im Profifußball durchsetzen. Ein weiterer Faktor ist das Vertrauen, was ich jeden Tag vom Trainerteam, den Verantwortlichen und dem Umfeld spüre. Durch dieses Vertrauen steigt das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit auf dem Platz nimmt zu.“

Nachdem er sich gleich zu Saisonbeginn einen Platz in der Startelf erarbeiten konnte, erzielte er bereits im zweiten Saisonspiel seinen ersten Treffer im violett-weißen-Trikot. In Klagenfurt kommt Bobzien zugute, dass er mittlerweile von den Außen auf die Stürmerposition gerückt ist. „Ich glaube, durch den Wechsel kommt auch meine Variabilität zum Tragen. Ob ich jetzt rechts, links, als Mittelstürmer oder auf der Spielmacher-Position spiele, ich fühle mich auf jeder Position im Offensivbereich wohl“, sagt er.
Bobzien ließ sich von Messi & Wirtz inspirieren – Unter deutschen Top-Torschützen
Wirbelwind, Publikumsliebling, Leistungsträger – all diese Bezeichnung passen auf Bobzien. Was zudem sofort auffällt, ist die Spielfreude, mit der der 21-Jährige agiert, aber auch die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen und entsprechend freie Räume zu erkennen, bringt er mit. Für diese spielerischen Elemente ließ er sich auch von Lionel Messi und Florian Wirtz inspirieren.
„Ich habe mir in der Vergangenheit immer wieder Videos von Messi und Wirtz angeschaut und versuche, sie auch in mein Spiel einfließen zu lassen, wenngleich ich meinen eigenen Style entwickeln möchte. Mein Spiel ist geprägt von Spielfreude, Leichtigkeit und Spaß am Fußball. Dabei vertraue ich auch mehr auf meine Intuition und denke nicht so viel nach. Ein großer Vorteil ist die Tatsache, dass uns Peter Pacult viele Freiräume im Spiel lässt. Natürlich sind bestimmte Laufwege oder die Taktik einstudiert, aber er lässt uns zum Beispiel frei entscheiden, welche Räume wir besetzen, in welche Räume wir vorstoßen. Er fordert von uns auch, dass wir kreative und freie Lösungen suchen“, so Bobzien, der trotz seines jungen Alters auf dem Platz vorangehen will: „Aus meiner Sicht ist es egal, ob man 21 oder 31 Jahre alt ist, Verantwortung kann man in jedem Alter übernehmen. Ich möchte meine Mitspieler mitziehen und mitpushen.“
Seine Leistungen beförderten ihn zwischendurch auf einen der vordersten Plätze im Vergleich der besten deutschen Torschützen der Top-15-Ligen – aktuell liegt er mit zehn Treffern in 19 Pflichtspielen auf Rang fünf. Diese Statistik überraschte ihn sehr: „Mich habe viele Freude bei WhatsApp und Instagram auf die Statistik hingewiesen. Natürlich habe ich mich sehr gefreut, meinen Namen neben den ganzen Stars aus den großen europäischen Ligen lesen zu dürfen. Es war und ist Bestätigung und Motivation zugleich. Auf der einen Seite Bestätigung dafür, dass der jetzige Weg der richtige ist, aber auch Motivation, sich nicht auszuruhen, sondern weiterzumachen. Ehrgeizig aber auch demütig zu bleiben.“
Mit einem Schmunzeln erzählt er aber auch, dass die Duelle mit den Gegenspielern mit der Zeit härter geworden sind: „Am Anfang der Saison hatten mich nur die Wenigsten auf dem Schirm, mittlerweile werde ich in den Spielen gedoppelt. Es geht viel körperlicher zu. Aber das motiviert mich noch mehr, weil ich dadurch angewiesen bin, handlungs- und reaktionsschneller zu werden. Dies kommt meiner Entwicklung zu Gute.“
Trainer Pacult wichtiger Ansprechpartner – Will Mainzer Nebel nacheifern
Ein wichtiger Ansprechpartner für Bobzien ist auch sein aktueller Coach. Dabei treffen vermeintlich unterschiedliche Welten aufeinander: Auf der einen Seite der auch als Schleifer und harter Hund bekannte Pacult und auf der anderen Seite der Wirbelwind, Künstler und Freigeist Bobzien. Doch Pacult bewies schon in der Vergangenheit immer wieder, dass er Talente fördern und fordern kann, wie zum Beispiel in der vergangenen Saison Klagenfurts Top-Scorer Sinan Karweina.
„Tatsächlich hatte ich bisher noch nicht diese Art von Trainertyp. Deshalb war es für mich zu Anfang etwas ungewohnt, wenn Herr Pacult sehr impulsiv auf dem Platz agiert hat. Aus meiner Sicht passt die Zusammenarbeit hervorragend. Peter Pacult hat als aktiver Spieler unfassbar viel erlebt, entsprechend weiß er, wie Spieler ticken und was sie brauchen, um auf ein höheres Level zu kommen. Mag sein, dass sein Training sehr hart und anspruchsvoll ist, aber gleichzeitig ist er neben dem Platz immer für uns da, wenn wir Fragen oder Probleme haben. Für mich ist er ein Top-Trainer“, betont Bobzien, der auf einen ähnlichen Weg wie der sich derzeit bei Mainz im Aufwind befindende Paul Nebel hofft.
Dieser nutzte eine zweijährige Leihe beim Karlsruher SC, um Spielpraxis zu sammeln. Mittlerweile erarbeitete sich der 22-Jährige nach seiner Rückkehr einen Stammplatz bei den Nullfünfern. „Paul kenne ich schon seit einigen Jahren, deshalb freue ich mich sehr für ihn. In gewisser Weise ist sein Weg auch eine Art Inspiration für mich. Jeder weiß, dass ich Mainzer durch und durch bin, deshalb wäre es ein Traum für mich, wenn ich irgendwann für den FSV in der Bundesliga auflaufen dürfte“, sagt Bobzien.
Für die Rückrunde hat er mehrere Ziele anvisiert: „Mit der Mannschaft möchte ich natürlich so weit wie möglich oben in der Tabelle landen. Solange Platz sechs in Sichtweite ist, sollte das auch unser Ziel sein. Bezogen auf meine persönliche Situation bin ich zunächst einmal dankbar, dass die Hinrunde extrem erfolgreich verlaufen ist. Vor der Saison hatte ich mir zum Ziel gesetzt, zehn Tore zu schießen. Dieses Ziel möchte ich in der Rückrunde möglichst schnell erreichen und dann wird man weitersehen. 15 oder mehr Tore wären schon schön.“
Von Henrik Stadnischenko
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