Dortmunder sprechen mit Alternativen
Köln-Trainer Wagner freut sich über geplatzten El-Mala-Transfer – BVB-Poker als Preistreiber?
©IMAGO
Said El Mala (19) befand sich am Freitagvormittag auf dem Trainingsplatz, als Borussia Dortmund die Verhandlungen mit dem 1. FC Köln offiziell als gescheitert erklärte. Nach der Einheit verließ das Offensivtalent schmunzelnd und gelassen den Rasen in Richtung Kabine – ohne Kommentar. Erfreut reagierte hingegen wenig überraschend Trainer René Wagner.
„Ich hab’s gehört, ich freue mich natürlich. Und noch mal: Ich bin von nichts anderem ausgegangen“, kommentierte der 38-Jährige grinsend den gescheiterten Poker gegenüber dem „Geissblog“. „Ich freue mich, dass Said da ist, er ist ein Top-Spieler für uns und gibt schon die gesamte Vorbereitung Gas. Ich kann ihn jeden Tag noch mal loben, das ist einfach so.“ Ein Verbleib könnte einen großen Effekt haben, denn El Mala sei ein Spieler, „der vorangeht und die ganze Mannschaft mitzieht. Deswegen freue ich mich, dass er bei uns bleibt und dass sich da aktuell nichts verändert.“
Kurz zuvor hatte BVB-Sportchef Lars Ricken die Gespräche mit den Kölnern für beendet erklärt, nachdem das vierte schriftliche Angebot von FC-Pendant Thomas Kessler abgewiesen worden war – dabei hätte dieses die viel zitierte Schmerzgrenze von 50 Millionen Euro inklusive leicht zu erreichender Boni wohl geknackt. Die Basisablöse soll bei 46 Mio. Euro gelegen haben, mit allen weiteren Zahlungen hätte die Summe sogar leicht über 50 Mio. Euro steigen können.
Laut „Sky“ hätte der BVB die fixe Ablöse in drei Raten gezahlt, die innerhalb der nächsten zwei Jahre auf dem Konto der Kölner eingegangen wären. Etwas mehr als 20 Mio. Euro sollten direkt fließen. Die Verantwortlichen am Geißbockheim blieben aber hart, vor allem bei der Basisablöse, die 50 Mio. Euro betragen sollte. Zudem sollen die FC-Bosse von der Dortmunder Salamitaktik, durch die die Offerten immer nur mit kleinen Aufschlägen verbessert wurden, und vom zwischenzeitlichen Zögern verärgert gewesen sein. Schon das erste Angebot, das bei 26 Mio. Euro plus Boni gelegen haben soll, sei als respektlos empfunden worden.
BVB-Poker um El Mala nur als Preistreiber für 1. FC Köln?
Für Verwunderung sorgte auf der anderen Seite aber auch die Verhandlungstaktik der Kölner. Über die letzte Offerte des BVB soll Kessler nicht mal den Gemeinsamen Ausschuss informiert haben, der bei finanziell bedeutenden Transfers eingebunden werden muss. Die Dortmunder glauben dem TV-Sender zufolge zudem, dass sich ein weiterer Klub um El Mala bemüht und der FC den Preis mit dem BVB-Poker nur in die Höhe treiben wollte. Die Verantwortlichen der Borussia wollten sich daher nicht mehr auf der Nase herumtanzen lassen.
„Wir haben uns gemeinsam bewusst dazu entschieden, kein weiteres Angebot mehr abzugeben. Wir hatten ein aus unserer Sicht sehr werthaltiges Angebot gemacht. Bei allen sportlichen Ambitionen ist es uns wichtig, dass die wirtschaftliche Vernunft nicht auf der Strecke bleibt“, unterstrich Geschäftsführer Carsten Cramer gegenüber der „Bild“. Der BVB geht nun zu Plan B über. Laut der „WAZ“ sind die Gespräche mit Alternativen zu El Mala bereits fortgeschritten, „Sky“ zufolge gibt es zwei konkrete Optionen.
BVB in Gesprächen mit Alternativen zu El Mala
Eine ist, wie zuvor unter anderem auch schon vom „Kicker“ berichtet, Giannis Konstantelias (23) von PAOK Thessaloniki. Der Grieche ist ebenfalls flexibel, dribbelstark, temporeich, beidfüßig und soll deutlich günstiger zu haben sein als El Mala. Die „L’Équipe“ bringt zudem Milan-Streichkandidat Christopher Nkunku (28) mit dem BVB in Verbindung, allerdings gebe es Konkurrenz von seinem Ex-Klub RB Leipzig und dem FC Barcelona. Auch der Name des ehemaligen Dortmunders Jadon Sancho (26) geistert seit Monaten im BVB-Umfeld umher, allerdings sollen die Verantwortlichen nicht von einer Rückholaktion überzeugt sein.
Ob in Köln nun wirklich noch ein anderer Klub für El Mala vorstellig wird, ist offen. Der Youngster soll anderen Vereinen bislang abgesagt haben, da er zum BVB wechseln wollte. FC-Trainer Wagner will sich damit nicht auseinandersetzen: „Wenn ich mir über Sachen Gedanken mache, die ich nicht beeinflussen kann, habe ich echt einen schweren Tag. Ich kümmere mich um die Jungs, wir haben viel, viel Spaß zusammen. Wenn ich dann noch zu Hause sitze und denke: Was könnte passieren, wenn – dann hört mein Kopf gar nicht mehr auf zu rattern.“
Vereinspräsident Jörn Stobbe ist sich sicher, dass sowohl der Spieler als auch der 1. FC Köln von einem Verbleib profitieren werden. „Ich glaube, das wäre genau der richtige Schritt für die Familie und den FC“, sagte der 60-Jährige in einer Medienrunde. „Wenn Said nächstes Jahr bei uns spielt, freue ich mich riesig. Das wäre großartig.“
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