Kader- und Systemthread 2019/2020
05.05.2019 - 08:10 Uhr
22.09.2019 - 16:07 Uhr
Dieses Thema wurde ja bereits schon einige Male bei den PK's thematisiert... es wird halt auch darauf ankommen, dass die Jungs nach dem leistungsprinzip bewertet werden und Spieler, die womöglich über die letzten Spielzeiten eher gesetzt waren, auch ersetzt werden, wenn es mal nicht so läuft.
Grifo und Waldschmidt haben den Hang dazu doch einiges in Einzelleistung bewerkstelligen zu wollen und wenn der zwischenzeitlich schon etwas übertriebene Eigensinn da im Weg steht, dann gilt es den Spielern auch einmal klarzumachen, dass man damit nicht viel für das Team beiträgt.
Es wird die Vorrunde zeigen... lediglich zwei Spiele unter der Woche machen die Aufgabe auch etwas schwieriger, da die Rotation nicht unbedingt notwendig ist.
Grifo und Waldschmidt haben den Hang dazu doch einiges in Einzelleistung bewerkstelligen zu wollen und wenn der zwischenzeitlich schon etwas übertriebene Eigensinn da im Weg steht, dann gilt es den Spielern auch einmal klarzumachen, dass man damit nicht viel für das Team beiträgt.
Es wird die Vorrunde zeigen... lediglich zwei Spiele unter der Woche machen die Aufgabe auch etwas schwieriger, da die Rotation nicht unbedingt notwendig ist.
23.09.2019 - 09:19 Uhr
Vor allem kann eine solche Rotation ein Pfund gegenüber den Gegnern sein. Es macht einen Unterschied, ob ich die Mannschaft darauf einstelle gegen Schmid oder gegen Kwon zu spielen zB. Andere Spielanlage, andere Körperlichkeit. Ob auf der Außenbahn mit Flanken zu rechnen ist oder mit Schüssen. Das ist übrigens eine ganz starke Veränderung bei Günter mE, dass er nicht mehr so eindimensional ist, sondern inzwischen häufig auch nach Innen zieht und auch mal den Abschluss sucht.
01.10.2019 - 15:39 Uhr
So, Systemthread, ich hoffe, ich bin hier richtig.
Gerade habe ich die rocketbeans-bohndesliga international gesehen, ein launiges Format, das vielleicht der eine oder andere kennt - dabei ein paar fussballverrückte Moderatoren des rocketbeans-Senders und auch Tobi Escher von Spielverlagerung.de. Jederzeit interessant, die Einblicke von Tobias in taktische Belange.
Gerade ging es um Sheffield United, die etwas verrücktes machen. Die spielen eine Fünferkette, wobei die äusseren IV in der Vorwärtsbewegung die AV geben und hinterlaufen, die Schienenspieler rücken dafür ein. So sparen die sich die OA, und zudem rechnet man schlicht nicht damit, dass ein IV nach vorne geht. Taktisch ein sehr, sehr interessanter Kniff.
Und da komm ich zum SC und der "Stagnation", die angesprochen wurde.
Ich hatte es im Thread zum Hoffenheim-Spiel schonmal geschrieben, weil ich das im Stadion so genial fand, als ich das gesehen habe. Der SC macht sowas auch wie Sheffield! Oft hat sich da Höfler in die IV fallen lassen, Heintz ging auf LV, Lienhart RV, die IV waren dann im Spielaufbau Höfler und Koch. Die Folge war, dass Heintz eben auf LV extrem viel Raum hatte. Warum? Weil der "übliche" Job des äusseren IV ist, den Raum zum Spielaufbau zu besetzen, an der Mittellinie ist Schluss. Das weiß der Spieler, der ja seine taktischen Vorgaben hat, und stellt die Passwege zu. Allerdings, das ist der Clou, ist Heintz ja gar kein IV mehr, sondern LV, hat die Absicherung hinter sich und.. ja, wer die Konsequenz ansehen will, muss sich nur die Zusammenfassung des Spiels anschauen. 1-0 kam, weil Heintz mit Ball startet, ewig nicht angegriffen wird und den Ball zu Günter, der eben in die Halbposition gerückt ist ("LAM" sozusagen) spielen kann. Tor. In der gleichen Zusammenfassung sieht man noch eine Szene, in der Heintz in aller Seelenruhe mit dem Ball bis zum Strafraum laufen kann und dort abzieht - auch eine knappe Sache.
Das sind eben alles taktische Nuancen, die mit dem neuen System zusammenhängen. Auch die drei Assists und drei Tore unsere AV kommen aus solchen Spielereien. Wie oft Schmid respektive Günter zum Abschluss kommen oder an Abschlusssituationen beteiligt sind, wie oft die beiden von Aussen in den Strafraum einrücken können (wobei dann zumeist der jeweilige OA das Spiel breitmacht - wie beispielsweise Haberer beim 3-0 gegen Hoffenheim, der dann wieder auf Günter zurücklegt, der dann wiederum weiß, dass er den Ball flach zwischen Torwart und IV zum sich bereitlaufenden Petersen spielt), das ist eine ziemlich geniale Umsetzung des Systems. Übrigens eine Spielart, die man in Zukunft sicher häufiger sehen wird, dieses IV-abkippen auf AV.
Erinnert sich noch jemand, woher die schwimmende 9 in der Bundesliga kam? (Hint: Kruse)
Erinnert sich noch jemand, woher der abkippende 6er in der Bundesliga kam? (Hint: Makiadi/Schuster)
Alles Spielsysteme, die dem Taktiker mittlerweile ein absoluter Begriff sind, die in der Bundesliga von nahezu jedem Verein mal praktiziert wurden oder noch praktiziert werden, Sachen, die auch von der Nationalmannschaft übernommen wurden.
Standardsituationen: auch hier gibt es immer wieder Neuerungen, die man zuerst beim SC gesehen hat. Jetzt gerade der Trick, den Ball flach und hart reinzuspielen, nachdem man vorher alle Gegenspieler zum kurzen Pfosten gezogen hat, Ball mit dem Aussenrist nur touchieren, Mann läuft aus dem Hintergrund ein, im Idealfall kommt der Ball dahin. Hat gegen Hoffenheim fast geklappt (auf der Linie gerettet), jetzt gegen Düsseldorf war der erste Kontakt ungenau und der Gegner hat es gesehen. Erinnert sich noch jemand daran, wie man letztes Jahr dreimal in Folge das identische Tor nach Ecken geschossen hat? Das Schöne ist: der Startpunkt ist identisch wie jetzt. Alle am kurzen Pfosten. Dann ein hoher, aber kurzer Ball, Kopfballverlängerung, hinten am langen Pfosten läuft einer ein und Tor. Dreimal in kurzer Zeit hat das zum Tor geführt damals. Auch das Gondorf-Ding, wo der Paderborner am ersten Spieltag eigentlich einen glasklaren Elfer verursacht, hatte man gut einstudiert. Zur Erinnerung: drei Mann stehen um den Ball, der "Schütze" tippt den Ball nach rechts, Gondorf dreht sich um 180 Grad und kann so an der Mauer vorbeischießen. Wäre auch schön ins Tor.. jedenfalls arbeitet man da offensichtlich sehr viel an verschiedenen Varianten, die halt teilweise doof aussehen, wenn sie nicht klappen, weil sie auch wirklich verdammt präzise ausgeführt werden müssen, da müssen die Leute auf wenige Zentimeter genau wissen, wo sie stehen, wohin sie laufen müssen und der Ball muss auch genau dahin kommen. Aber effektiver als einfach nur den Ball reinschlagen ist das allemal!
Auch defensiv, und das kriegt man ja nunmal nur mit, wenn es NICHT klappt und irgendwo jemand freisteht am Ende, arbeiten die Jungs offenkundig wahnsinnig gut. Alle zehn Feldspieler arbeiten zusammen, übernehmen die Leute, drängen den Gegner in "ungefährliche" Räume. Das Zentrum soll dich sein, das ist so der Grundpunkt der Überlegungen. Abschlüsse von Halbaussen lässt man zu, Fernschüsse auch (Hoffenheim und Düsseldorf hatten beispielsweise relativ viele Torschüsse, gefährlich waren allerdings die wenigsten - die Karaman-Doppelchance wird ja auch nur so groß, weil der erste (ungefährlichere, weil kleinerer Winkel) Ball direkt zu Karaman zurückspringt. Und hier ist halt die Sache: alles KANNST du nicht verteidigen. Es geht nicht. Der Plan des SC ist es, dem Gegner ungefährliche Abschlüsse zu ermöglichen. Das hat zwei Effekte: wenn der Spieler sieht, er kann schießen, hat aber keine bessere Option, weil kein Spieler im besseren Raum freisteht, wird er es machen. Wenn die Chance dabei aber nur bei.. 5-10% ist, wenn der Ball nicht unglücklich abgefälscht oder perfekt getroffen ist, ist das ja gut, denn zumeist wechselt der Ballbesitz danach. Der andere Effekt ist, dass man Kräfte spart, weil es anstrengender ist, sich minutenlang zum Ball zu orientieren, zeitgleich dauernd zu übernehmen, Räume zu übernehmen, um eben "gar keine" Chance zuzulassen. Dann lieber mal eine Halbfeldflanke, einen Schuss von Aussen oder aus der ungefährlichen Zone 25 Meter vorm Tor zulassen - dafür danach wieder in Ballbesitz sein. Und: die Zahl der echten Großchancen, also wo Spieler unbedrängt zentral vor dem Tor zum Schuss oder Kopfball kommen, ist wirklich nicht so hoch. Gegen Paderborn hat man das noch schlecht gemacht, weil das DM zuweit vorgezogen war und man so drei gegen drei stand - danach aber nicht mehr wirklich.
Komplett Chancen verhindern - auch Großchancen - kannst du natürlich nicht. Das können die Gegner gegen uns ja auch nicht, obwohl sie wissen, welche Optionen der SC hat. Die wissen auch, dass viel über Günter geht - aber verhindern kann man es halt nicht, wenn man ihn nicht in Manndeckung nimmt. Aber die Arbeit, die die Mannschaft insgesamt reinsteckt, die taktischen Tricks, auch defensiv, finde ich schon ziemlich beeindruckend.
Höler und Haberer haben aktuell den Vorteil, dass sie im Training lange dabei waren und diese ganzen Abläufe kennen. Das sind so viele Kleinigkeiten, die ein Grifo verpasst hat, die er sich erstmal draufschaffen muss. Dessen individuelle Qualität ist unbestritten, auch, dass er taktisch hervorragend arbeitet (seit dem ersten halben Jahr kam da so unendlich viel dazu taktisch, defensiv wie offensiv), Höler hat gerade aber erstmal die Nase vorne auf der Position, und mit seinen Scorern gibt er Streich ja auch recht. Und ich hab schon verdammt oft über ihn geflucht im letzten Jahr, aber er macht das grad einfach wirklich gut! Und Haberers Rolle auf der Position kann man gar nicht hoch genug einschätzen. So viele kluge, leichte Bälle, diese unfassbare kluge Laufarbeit (gepaart mit der zugehörigen Lunge) - seit er drin ist, war er auch an so einigen Toren direkt oder indirekt beteiligt.
Probleme haben wir auf der Position neben Höfler (der übrigens unheimlich wichtig ist, defensiv wie offensiv, weil er all die taktischen Dinge kennt, aufnimmt, dirigiert, tatsächlich auch oft die absolut richtige, perfekte Entscheidung trifft, welchen Spieler er anspielen kann, in welchem Raum, mit welcher Geschwindigkeit des Balles, damit dieser sofort zum nächsten und übernächsten Spieler passen kann) - Frantz ist schlicht nicht fit genug, Abrashi insgesamt zu defensiv.
Waldschmidt durch sein Können und auch jetzt sein Tor wird unbedingt ein Kandidat für die Startelf. Grifo ohnehin, darüber muss man nicht diskutieren. Ganz aktuell spricht allerdings wenig dafür, zu behaupten, dass Streich falsch liegt mit der Aufstellung von Petersen, Höler und Haberer da vorne. Ginge es noch besser? Das geht es definitiv, dafür wird alleine die individuelle Qualität sorgen. Allerdings müssen die Abläufe, die seit der Länderspielpause übrigens nochmal erheblich besser wurden (Augsburg konnte ich nicht sehen, aber es hieß hier im Forum doch deutlich, dass eben jene Elf hätte deutlich höher führen müssen und mit der Einwechslung von Grifo ein Bruch kam), auch von Grifo und Waldschmidt verinnerlicht werden. Bis das voll da ist, spricht wenig dagegen, diese Waffen auch von der Bank gegen physisch nicht mehr bei 100% stehende Gegner zu bringen. Wie oft haben wir in den letzten Jahren Spiele noch verloren, weil der Gegner nochmal mit Tempo und Technik nachlegen konnte? Aktuell können wir das so machen!
Kwon sehe ich übrigens als den perfekten Spieler für das System. Waldschmidt könnte mMn taktisch auch reinrotieren, wenn er für Petersen spielt - dann mit einer "kleinen" Aufstellung und ohne Höler, mit Grifo/Waldschmidt/Kwon oder Haberer, wenn dieser die Position neben Höfler übernehmen würde.
Grifo wird meiner Ansicht nach - wenn er sich im Training voll reinhaut und vor allem die taktischen Neuerungen aufsaugt - den Platz von Höler übernehmen, eher früher als später. Wichtig ist eben, dass die "Neuen", Grifo, Waldschmidt, Kwon, Sallai, je nachdem, wen Streich reinnehmen will, die neue Taktik verinnerlicht haben. Sonst besteht eben kein Mehrwert gegenüber Höler oder Haberer.
Mittelfristig, beim bestehenden Kader und angenommen, dass das System beibehalten wird (irgendwann werden die Gegner Rezepte dagegen gefunden haben, defensiv wie offensiv - das ist der übliche Lauf der Dinge, zwischenzeitlich hat jeder Dreierkette gespielt, dann wurden Mittel dagegen gefunden, jetzt versucht man eben, die Kette anders zu interpretieren und damit das Gegenmittel ad absurdum zu führen (im Falle der Dreierkette: zwei Offensive, die nur die Passräume zum DM zustellen, AV, die die gegnerischen AV schon früher übernehmen und pressen, etc pp - und jetzt eben das situative Zurückstellen mit Viererkette und äusseren Innenverteidigern, die plötzlich AV sind und wo das Mittel, nur die Passwege zuzustellen zum DM scheitert, weil die neuen AV halt einfach mit dem Ball loslaufen), sehe ich folgende Elf als ideal an:
TW, IV, OAV sind klar, DM Höfler und Haberer, Dreierkette vorne mit Grifo, Petersen/Waldschmidt, Kwon/Waldschmidt. Sallai, der ja nunmal der "echteste" OA ist, den wir haben, ist in dem System ein bisschen verloren. Er kann allerdings RAV für Schmid spielen als noch offensivere Version, oder im Falle, dass der Gegner das System spiegelt oder sonstwie dichtmacht, bei einer Umstellung zur Viererkette im Spiel als echter OA auflaufen. Auch ist es möglich, bei Rückstand ein System mit nur einem Sechser zu spielen, dafür vier reine Offensive auf dem Platu zu haben, wobei die dann 2 Achter (Grifo, Haberer, Kwon) dann eben zentral vor dem Sechser agieren und die Schienenspieler wirklich reine Aussenspieler sind, also nicht mehr reinziehen, sondern den Raum breitmachen. Vorne dann zwei Stürmer. Das sind alles Möglichkeiten, und ich wäre gespannt, wie Streich reagiert, wenn man mal wirklich länger hinten liegt. Bislang war das ja alles noch machbar.. gegen Köln war man eine Minute im Rückstand (
), gegen Düsseldorf zwei Minuten (
) einzig in Paderborn war man von der 3. bis zur 21. Minute im Rückstand. Und das ist wirklich noch zu früh, um das System umzustellen. Man weiß also nicht, welche Pläne Streich hat, wenn man mal wirklich unbedingt ein Tor machen muss. Und man weiß auch noch nicht, wie das System gegen deutlich stärkere Gegner funktioniert. Das werden die kommenden Wochen zeigen, wo ich hoffe, dass alle Spieler einen normalen Tag haben (und nicht einer der Spieler einen Tag zum Vergessen hat, wodurch jegliche Spielideen über den Haufen geworfen werden durch individuelle Fehler).
Und es wird auch sehr interessant sein zu sehen, wie sich die anderen Mannschaften auf die Taktik des SC einstellen. Da sind durchaus so viele Kniffe dabei, auf die du dich als Gegner direkt vorbereiten musst - Standards, der "IV-Shuffle", allgemein die Art und Weise, wie man mit Günter und Schmid in ihrer Rolle umgeht, welche Schwächen man beim SC ausmacht. Streich hat Hoffenheim beispielsweise akribisch ausvorbereitet. Werden die Gegner das beim kleinen SC Freiburg auch so machen? Oder lässt man uns gewähren und wir sammeln nach und nach Punkt um Punkt, weil die Kleinigkeiten den Unterschied machen? Und was IST eigentlich die Taktik gegen unser System? Das klassische "Pressen und Passwege zum DM zustellen" von Hoffenheim gegen eine Dreierkette ging ja schonmal voll in die Hose, weil sie unsere IV einfach haben laufen lassen, Lienhart wie Heintz. Aber wenn du da dann auf den IV draufgehst - dann ist ja wieder der Passweg zum DM frei.. eine "leichte" Lösung auf diesen neuen kleinen Kniff gibt es nicht, da muss die ganze Mannschaft zusammenarbeiten. Und wie man das dann macht, das findest du halt nicht einfach nur so auf dem Platz direkt raus, das muss schon vorbereitet sein.
Samstag verpass ich schon wieder ein komplettes Spiel, und das gerade zu einer Zeit, in der ich taktisch fasziniert bin (wie man vermutlich merkt
) und wo es mich so sehr interessieren würde, wie das aussieht gegen eine so unheimlich starke Mannschaft wie die Dortmunder. Allein deren individuelle Qualität kann jederzeit ein Spiel entscheiden.. schafft man es, individuell dagegenzuhalten und gleichzeitig die Formation zu bewahren? Hilfreich ist sicher, dass Dortmund unter der Woche CL spielt und man so nicht Zeit hat, sich genau auf Freiburg vorzubereiten. Ich krieg dann nur irgendwann um 20 Uhr mit, wie das Spiel ausgegangen ist.. wirklich ärgerlich. Von 3-0 bis 0-5 ist alles drin.
Gerade habe ich die rocketbeans-bohndesliga international gesehen, ein launiges Format, das vielleicht der eine oder andere kennt - dabei ein paar fussballverrückte Moderatoren des rocketbeans-Senders und auch Tobi Escher von Spielverlagerung.de. Jederzeit interessant, die Einblicke von Tobias in taktische Belange.
Gerade ging es um Sheffield United, die etwas verrücktes machen. Die spielen eine Fünferkette, wobei die äusseren IV in der Vorwärtsbewegung die AV geben und hinterlaufen, die Schienenspieler rücken dafür ein. So sparen die sich die OA, und zudem rechnet man schlicht nicht damit, dass ein IV nach vorne geht. Taktisch ein sehr, sehr interessanter Kniff.
Und da komm ich zum SC und der "Stagnation", die angesprochen wurde.
Ich hatte es im Thread zum Hoffenheim-Spiel schonmal geschrieben, weil ich das im Stadion so genial fand, als ich das gesehen habe. Der SC macht sowas auch wie Sheffield! Oft hat sich da Höfler in die IV fallen lassen, Heintz ging auf LV, Lienhart RV, die IV waren dann im Spielaufbau Höfler und Koch. Die Folge war, dass Heintz eben auf LV extrem viel Raum hatte. Warum? Weil der "übliche" Job des äusseren IV ist, den Raum zum Spielaufbau zu besetzen, an der Mittellinie ist Schluss. Das weiß der Spieler, der ja seine taktischen Vorgaben hat, und stellt die Passwege zu. Allerdings, das ist der Clou, ist Heintz ja gar kein IV mehr, sondern LV, hat die Absicherung hinter sich und.. ja, wer die Konsequenz ansehen will, muss sich nur die Zusammenfassung des Spiels anschauen. 1-0 kam, weil Heintz mit Ball startet, ewig nicht angegriffen wird und den Ball zu Günter, der eben in die Halbposition gerückt ist ("LAM" sozusagen) spielen kann. Tor. In der gleichen Zusammenfassung sieht man noch eine Szene, in der Heintz in aller Seelenruhe mit dem Ball bis zum Strafraum laufen kann und dort abzieht - auch eine knappe Sache.
Das sind eben alles taktische Nuancen, die mit dem neuen System zusammenhängen. Auch die drei Assists und drei Tore unsere AV kommen aus solchen Spielereien. Wie oft Schmid respektive Günter zum Abschluss kommen oder an Abschlusssituationen beteiligt sind, wie oft die beiden von Aussen in den Strafraum einrücken können (wobei dann zumeist der jeweilige OA das Spiel breitmacht - wie beispielsweise Haberer beim 3-0 gegen Hoffenheim, der dann wieder auf Günter zurücklegt, der dann wiederum weiß, dass er den Ball flach zwischen Torwart und IV zum sich bereitlaufenden Petersen spielt), das ist eine ziemlich geniale Umsetzung des Systems. Übrigens eine Spielart, die man in Zukunft sicher häufiger sehen wird, dieses IV-abkippen auf AV.
Erinnert sich noch jemand, woher die schwimmende 9 in der Bundesliga kam? (Hint: Kruse)
Erinnert sich noch jemand, woher der abkippende 6er in der Bundesliga kam? (Hint: Makiadi/Schuster)
Alles Spielsysteme, die dem Taktiker mittlerweile ein absoluter Begriff sind, die in der Bundesliga von nahezu jedem Verein mal praktiziert wurden oder noch praktiziert werden, Sachen, die auch von der Nationalmannschaft übernommen wurden.
Standardsituationen: auch hier gibt es immer wieder Neuerungen, die man zuerst beim SC gesehen hat. Jetzt gerade der Trick, den Ball flach und hart reinzuspielen, nachdem man vorher alle Gegenspieler zum kurzen Pfosten gezogen hat, Ball mit dem Aussenrist nur touchieren, Mann läuft aus dem Hintergrund ein, im Idealfall kommt der Ball dahin. Hat gegen Hoffenheim fast geklappt (auf der Linie gerettet), jetzt gegen Düsseldorf war der erste Kontakt ungenau und der Gegner hat es gesehen. Erinnert sich noch jemand daran, wie man letztes Jahr dreimal in Folge das identische Tor nach Ecken geschossen hat? Das Schöne ist: der Startpunkt ist identisch wie jetzt. Alle am kurzen Pfosten. Dann ein hoher, aber kurzer Ball, Kopfballverlängerung, hinten am langen Pfosten läuft einer ein und Tor. Dreimal in kurzer Zeit hat das zum Tor geführt damals. Auch das Gondorf-Ding, wo der Paderborner am ersten Spieltag eigentlich einen glasklaren Elfer verursacht, hatte man gut einstudiert. Zur Erinnerung: drei Mann stehen um den Ball, der "Schütze" tippt den Ball nach rechts, Gondorf dreht sich um 180 Grad und kann so an der Mauer vorbeischießen. Wäre auch schön ins Tor.. jedenfalls arbeitet man da offensichtlich sehr viel an verschiedenen Varianten, die halt teilweise doof aussehen, wenn sie nicht klappen, weil sie auch wirklich verdammt präzise ausgeführt werden müssen, da müssen die Leute auf wenige Zentimeter genau wissen, wo sie stehen, wohin sie laufen müssen und der Ball muss auch genau dahin kommen. Aber effektiver als einfach nur den Ball reinschlagen ist das allemal!
Auch defensiv, und das kriegt man ja nunmal nur mit, wenn es NICHT klappt und irgendwo jemand freisteht am Ende, arbeiten die Jungs offenkundig wahnsinnig gut. Alle zehn Feldspieler arbeiten zusammen, übernehmen die Leute, drängen den Gegner in "ungefährliche" Räume. Das Zentrum soll dich sein, das ist so der Grundpunkt der Überlegungen. Abschlüsse von Halbaussen lässt man zu, Fernschüsse auch (Hoffenheim und Düsseldorf hatten beispielsweise relativ viele Torschüsse, gefährlich waren allerdings die wenigsten - die Karaman-Doppelchance wird ja auch nur so groß, weil der erste (ungefährlichere, weil kleinerer Winkel) Ball direkt zu Karaman zurückspringt. Und hier ist halt die Sache: alles KANNST du nicht verteidigen. Es geht nicht. Der Plan des SC ist es, dem Gegner ungefährliche Abschlüsse zu ermöglichen. Das hat zwei Effekte: wenn der Spieler sieht, er kann schießen, hat aber keine bessere Option, weil kein Spieler im besseren Raum freisteht, wird er es machen. Wenn die Chance dabei aber nur bei.. 5-10% ist, wenn der Ball nicht unglücklich abgefälscht oder perfekt getroffen ist, ist das ja gut, denn zumeist wechselt der Ballbesitz danach. Der andere Effekt ist, dass man Kräfte spart, weil es anstrengender ist, sich minutenlang zum Ball zu orientieren, zeitgleich dauernd zu übernehmen, Räume zu übernehmen, um eben "gar keine" Chance zuzulassen. Dann lieber mal eine Halbfeldflanke, einen Schuss von Aussen oder aus der ungefährlichen Zone 25 Meter vorm Tor zulassen - dafür danach wieder in Ballbesitz sein. Und: die Zahl der echten Großchancen, also wo Spieler unbedrängt zentral vor dem Tor zum Schuss oder Kopfball kommen, ist wirklich nicht so hoch. Gegen Paderborn hat man das noch schlecht gemacht, weil das DM zuweit vorgezogen war und man so drei gegen drei stand - danach aber nicht mehr wirklich.
Komplett Chancen verhindern - auch Großchancen - kannst du natürlich nicht. Das können die Gegner gegen uns ja auch nicht, obwohl sie wissen, welche Optionen der SC hat. Die wissen auch, dass viel über Günter geht - aber verhindern kann man es halt nicht, wenn man ihn nicht in Manndeckung nimmt. Aber die Arbeit, die die Mannschaft insgesamt reinsteckt, die taktischen Tricks, auch defensiv, finde ich schon ziemlich beeindruckend.
Höler und Haberer haben aktuell den Vorteil, dass sie im Training lange dabei waren und diese ganzen Abläufe kennen. Das sind so viele Kleinigkeiten, die ein Grifo verpasst hat, die er sich erstmal draufschaffen muss. Dessen individuelle Qualität ist unbestritten, auch, dass er taktisch hervorragend arbeitet (seit dem ersten halben Jahr kam da so unendlich viel dazu taktisch, defensiv wie offensiv), Höler hat gerade aber erstmal die Nase vorne auf der Position, und mit seinen Scorern gibt er Streich ja auch recht. Und ich hab schon verdammt oft über ihn geflucht im letzten Jahr, aber er macht das grad einfach wirklich gut! Und Haberers Rolle auf der Position kann man gar nicht hoch genug einschätzen. So viele kluge, leichte Bälle, diese unfassbare kluge Laufarbeit (gepaart mit der zugehörigen Lunge) - seit er drin ist, war er auch an so einigen Toren direkt oder indirekt beteiligt.
Probleme haben wir auf der Position neben Höfler (der übrigens unheimlich wichtig ist, defensiv wie offensiv, weil er all die taktischen Dinge kennt, aufnimmt, dirigiert, tatsächlich auch oft die absolut richtige, perfekte Entscheidung trifft, welchen Spieler er anspielen kann, in welchem Raum, mit welcher Geschwindigkeit des Balles, damit dieser sofort zum nächsten und übernächsten Spieler passen kann) - Frantz ist schlicht nicht fit genug, Abrashi insgesamt zu defensiv.
Waldschmidt durch sein Können und auch jetzt sein Tor wird unbedingt ein Kandidat für die Startelf. Grifo ohnehin, darüber muss man nicht diskutieren. Ganz aktuell spricht allerdings wenig dafür, zu behaupten, dass Streich falsch liegt mit der Aufstellung von Petersen, Höler und Haberer da vorne. Ginge es noch besser? Das geht es definitiv, dafür wird alleine die individuelle Qualität sorgen. Allerdings müssen die Abläufe, die seit der Länderspielpause übrigens nochmal erheblich besser wurden (Augsburg konnte ich nicht sehen, aber es hieß hier im Forum doch deutlich, dass eben jene Elf hätte deutlich höher führen müssen und mit der Einwechslung von Grifo ein Bruch kam), auch von Grifo und Waldschmidt verinnerlicht werden. Bis das voll da ist, spricht wenig dagegen, diese Waffen auch von der Bank gegen physisch nicht mehr bei 100% stehende Gegner zu bringen. Wie oft haben wir in den letzten Jahren Spiele noch verloren, weil der Gegner nochmal mit Tempo und Technik nachlegen konnte? Aktuell können wir das so machen!
Kwon sehe ich übrigens als den perfekten Spieler für das System. Waldschmidt könnte mMn taktisch auch reinrotieren, wenn er für Petersen spielt - dann mit einer "kleinen" Aufstellung und ohne Höler, mit Grifo/Waldschmidt/Kwon oder Haberer, wenn dieser die Position neben Höfler übernehmen würde.
Grifo wird meiner Ansicht nach - wenn er sich im Training voll reinhaut und vor allem die taktischen Neuerungen aufsaugt - den Platz von Höler übernehmen, eher früher als später. Wichtig ist eben, dass die "Neuen", Grifo, Waldschmidt, Kwon, Sallai, je nachdem, wen Streich reinnehmen will, die neue Taktik verinnerlicht haben. Sonst besteht eben kein Mehrwert gegenüber Höler oder Haberer.
Mittelfristig, beim bestehenden Kader und angenommen, dass das System beibehalten wird (irgendwann werden die Gegner Rezepte dagegen gefunden haben, defensiv wie offensiv - das ist der übliche Lauf der Dinge, zwischenzeitlich hat jeder Dreierkette gespielt, dann wurden Mittel dagegen gefunden, jetzt versucht man eben, die Kette anders zu interpretieren und damit das Gegenmittel ad absurdum zu führen (im Falle der Dreierkette: zwei Offensive, die nur die Passräume zum DM zustellen, AV, die die gegnerischen AV schon früher übernehmen und pressen, etc pp - und jetzt eben das situative Zurückstellen mit Viererkette und äusseren Innenverteidigern, die plötzlich AV sind und wo das Mittel, nur die Passwege zuzustellen zum DM scheitert, weil die neuen AV halt einfach mit dem Ball loslaufen), sehe ich folgende Elf als ideal an:
TW, IV, OAV sind klar, DM Höfler und Haberer, Dreierkette vorne mit Grifo, Petersen/Waldschmidt, Kwon/Waldschmidt. Sallai, der ja nunmal der "echteste" OA ist, den wir haben, ist in dem System ein bisschen verloren. Er kann allerdings RAV für Schmid spielen als noch offensivere Version, oder im Falle, dass der Gegner das System spiegelt oder sonstwie dichtmacht, bei einer Umstellung zur Viererkette im Spiel als echter OA auflaufen. Auch ist es möglich, bei Rückstand ein System mit nur einem Sechser zu spielen, dafür vier reine Offensive auf dem Platu zu haben, wobei die dann 2 Achter (Grifo, Haberer, Kwon) dann eben zentral vor dem Sechser agieren und die Schienenspieler wirklich reine Aussenspieler sind, also nicht mehr reinziehen, sondern den Raum breitmachen. Vorne dann zwei Stürmer. Das sind alles Möglichkeiten, und ich wäre gespannt, wie Streich reagiert, wenn man mal wirklich länger hinten liegt. Bislang war das ja alles noch machbar.. gegen Köln war man eine Minute im Rückstand (
), gegen Düsseldorf zwei Minuten (
) einzig in Paderborn war man von der 3. bis zur 21. Minute im Rückstand. Und das ist wirklich noch zu früh, um das System umzustellen. Man weiß also nicht, welche Pläne Streich hat, wenn man mal wirklich unbedingt ein Tor machen muss. Und man weiß auch noch nicht, wie das System gegen deutlich stärkere Gegner funktioniert. Das werden die kommenden Wochen zeigen, wo ich hoffe, dass alle Spieler einen normalen Tag haben (und nicht einer der Spieler einen Tag zum Vergessen hat, wodurch jegliche Spielideen über den Haufen geworfen werden durch individuelle Fehler). Und es wird auch sehr interessant sein zu sehen, wie sich die anderen Mannschaften auf die Taktik des SC einstellen. Da sind durchaus so viele Kniffe dabei, auf die du dich als Gegner direkt vorbereiten musst - Standards, der "IV-Shuffle", allgemein die Art und Weise, wie man mit Günter und Schmid in ihrer Rolle umgeht, welche Schwächen man beim SC ausmacht. Streich hat Hoffenheim beispielsweise akribisch ausvorbereitet. Werden die Gegner das beim kleinen SC Freiburg auch so machen? Oder lässt man uns gewähren und wir sammeln nach und nach Punkt um Punkt, weil die Kleinigkeiten den Unterschied machen? Und was IST eigentlich die Taktik gegen unser System? Das klassische "Pressen und Passwege zum DM zustellen" von Hoffenheim gegen eine Dreierkette ging ja schonmal voll in die Hose, weil sie unsere IV einfach haben laufen lassen, Lienhart wie Heintz. Aber wenn du da dann auf den IV draufgehst - dann ist ja wieder der Passweg zum DM frei.. eine "leichte" Lösung auf diesen neuen kleinen Kniff gibt es nicht, da muss die ganze Mannschaft zusammenarbeiten. Und wie man das dann macht, das findest du halt nicht einfach nur so auf dem Platz direkt raus, das muss schon vorbereitet sein.
Samstag verpass ich schon wieder ein komplettes Spiel, und das gerade zu einer Zeit, in der ich taktisch fasziniert bin (wie man vermutlich merkt
) und wo es mich so sehr interessieren würde, wie das aussieht gegen eine so unheimlich starke Mannschaft wie die Dortmunder. Allein deren individuelle Qualität kann jederzeit ein Spiel entscheiden.. schafft man es, individuell dagegenzuhalten und gleichzeitig die Formation zu bewahren? Hilfreich ist sicher, dass Dortmund unter der Woche CL spielt und man so nicht Zeit hat, sich genau auf Freiburg vorzubereiten. Ich krieg dann nur irgendwann um 20 Uhr mit, wie das Spiel ausgegangen ist.. wirklich ärgerlich. Von 3-0 bis 0-5 ist alles drin.
01.10.2019 - 20:26 Uhr
Danke für die tolle Diskussion dieser Tage hier. Es steckt viel drin, ich finde in Vielem viel subjektiv Wahres.
Ich möchte noch einen Aspekt betonen, der mir zuletzt hier noch nicht klar betont schien:
- Waldschmidt hatte etwas mehr als zwei Wochen Sommerpause.
- Sallai kommt aus einer langen Verletzung.
- Kwon kommt aus einer langen Verletzung.
- Borrello kommt aus einer langen Verletzung.
- Grifo hat die Vorbereitung nicht mitgemacht beim SC hat und tut sich in diesem System schwerer als im 4-4-2.
- Kübler, der einzige echte RV, kommt aus einer langen Verletzung.
- Das Spiel des SC ist extrem laufintensiv, Muskelverletzungen sind da wahrscheinlicher, die Belastungssteuerung besonders wichtig.
- In der letzten Saison sind wichtige Spieler lange ausgefallen.
- Viele Spieler hatten letzte Saison hinten heraus kaum noch Körner, auch Günter nicht, weil die Saison physisch und psychisch extrem anspruchsvoll war, und man aus Verletzungs- und Qualitätsgründen nicht so rotieren konnte.
In der Summe scheint man die Größe des Kaders zu nutzen, und das Momentum des gerade erfolgreichen 3-4-3, um gut in die Saison zu kommen. Die anderen Spieler können sich über das Training eine stabile Physis aufbauen, bis sie ganz im Saft stehen und müssen nicht an 34 Spieltagen die Kohlen aus dem Feuer holen.
Wegen der offensiven AV und RA beim BVB ist schon im nächsten Spiel eine Rückkehr zum 4-4-2 beim SC nicht so unwahrscheinlich. Günter links, mit Unterstützung durch Grifo/Haberer oder Sallai ist möglich, und rechts ist das Pärchen Kübler/Schmid wahrscheinlich, genauso wie nicht unwahrscheinlich Waldschmidt neben Petersen rücken könnte, oder Haberer (wenn Koch und Höfler im DM spielen sollten). We will see.
Ich möchte noch einen Aspekt betonen, der mir zuletzt hier noch nicht klar betont schien:
- Waldschmidt hatte etwas mehr als zwei Wochen Sommerpause.
- Sallai kommt aus einer langen Verletzung.
- Kwon kommt aus einer langen Verletzung.
- Borrello kommt aus einer langen Verletzung.
- Grifo hat die Vorbereitung nicht mitgemacht beim SC hat und tut sich in diesem System schwerer als im 4-4-2.
- Kübler, der einzige echte RV, kommt aus einer langen Verletzung.
- Das Spiel des SC ist extrem laufintensiv, Muskelverletzungen sind da wahrscheinlicher, die Belastungssteuerung besonders wichtig.
- In der letzten Saison sind wichtige Spieler lange ausgefallen.
- Viele Spieler hatten letzte Saison hinten heraus kaum noch Körner, auch Günter nicht, weil die Saison physisch und psychisch extrem anspruchsvoll war, und man aus Verletzungs- und Qualitätsgründen nicht so rotieren konnte.
In der Summe scheint man die Größe des Kaders zu nutzen, und das Momentum des gerade erfolgreichen 3-4-3, um gut in die Saison zu kommen. Die anderen Spieler können sich über das Training eine stabile Physis aufbauen, bis sie ganz im Saft stehen und müssen nicht an 34 Spieltagen die Kohlen aus dem Feuer holen.
Wegen der offensiven AV und RA beim BVB ist schon im nächsten Spiel eine Rückkehr zum 4-4-2 beim SC nicht so unwahrscheinlich. Günter links, mit Unterstützung durch Grifo/Haberer oder Sallai ist möglich, und rechts ist das Pärchen Kübler/Schmid wahrscheinlich, genauso wie nicht unwahrscheinlich Waldschmidt neben Petersen rücken könnte, oder Haberer (wenn Koch und Höfler im DM spielen sollten). We will see.
01.10.2019 - 21:01 Uhr
Zitat von scooff
Wegen der offensiven AV und RA beim BVB ist schon im nächsten Spiel eine Rückkehr zum 4-4-2 beim SC nicht so unwahrscheinlich. Günter links, mit Unterstützung durch Grifo/Haberer oder Sallai ist möglich, und rechts ist das Pärchen Kübler/Schmid wahrscheinlich, genauso wie nicht unwahrscheinlich Waldschmidt neben Petersen rücken könnte, oder Haberer (wenn Koch und Höfler im DM spielen sollten). We will see.
Wegen der offensiven AV und RA beim BVB ist schon im nächsten Spiel eine Rückkehr zum 4-4-2 beim SC nicht so unwahrscheinlich. Günter links, mit Unterstützung durch Grifo/Haberer oder Sallai ist möglich, und rechts ist das Pärchen Kübler/Schmid wahrscheinlich, genauso wie nicht unwahrscheinlich Waldschmidt neben Petersen rücken könnte, oder Haberer (wenn Koch und Höfler im DM spielen sollten). We will see.
Hach, das Dortmund-Spiel und die Taktik dagegen lässt mich auch nicht los. Was völlig verrückt ist, weil das noch lang hin ist, aber ich bin wirklich gespannt, wie man denen begegnet, nachdem man bisher ja relativ oft auf Gegner traf, die das Spiel selber auch nicht machen wollten. Selbst Hoffenheim legt einen guten Teil seiner Taktik darauf, bei Ballgewinnen schnell umzuschalten, das hat man mit der Spiegelung des Systems aber gut hingekriegt, zu verhindern. Und mit dem Ball hatten die dann kaum Automatismen (auch klar bei neuem Trainer und neuen Spielern bzw Stammspielerabgängen), das war also relativ leicht zu verteidigen.
Dortmund ist da ne ganz andere Kiste. Wie man ihnen begegnen kann, haben Union, Bremen und Co gezeigt, die jedoch andere Systeme verfolgen als wir. Sich da anzupassen und deswegen umzustellen wäre meines Erachtens nicht klug, weil es die eigenen Stärken verlieren würde..
Jetzt gibt es zwei Herangehensweisen:
A) Mehr oder minder gleich agieren wie in den Spielen zuvor, unabhängig vom Gegner, natürlich defensiv und offensiv gewisse Abläufe ändern, wenn man Schwächen oder besondere Stärken beim Gegner ausgemacht hat. Dann stellt sich nur die Frage, ob man das Personal ändert auf ein, zwei Positionen oder nicht.
B) Das System ändern wegen des Gegners, und in ein altbekanntes eigenes System (eben das 4-4-2) zurückzuswitchen mit den jeweiligen Spielern. So wie du sagst, könnte man da Kübler reinnehmen und Schmid auf RA setzen. Sancho ist ganz klar der überragende Spieler aktuell dort und ich stimme zu, dass Schmid defensiv da Probleme kriegen wird.. Aber im Umkehrschluss würde man durch den Systemwechsel die aktuell größte Stärke wegnehmen, die Ausflüge von Günter und Schmid. All das, um einen Spieler zu bekämpfen?
Ich halte beide Optionen für nicht ideal, und plädiere für eine Mischung. Ich glaube, man sollte und wird beim 3-4-3 bleiben. Sich der eigenen Stärken zu berauben, ist selten eine gute Idee. Allerdings muss man über das Personal nachdenken. Schmid allein wird gegen Sancho plus LV echte Probleme kriegen, daher wird man entweder den rechten DM oder den rechten 8er in der Defensivbewegung rüberbeordern müssen zum Doppeln. Und da ist dann mein Problem, dass ich eigentlich gerne Haberer auf der 6 sehen würde neben Höfler und vorne dann Waldschmidt, aber defensiv würde das dann nicht funktionieren. Weder Haberer noch Waldschmidt haben ihre Stärken in der Defensive. Insbesondere Waldschmidt wäre da ein großes Risiko, weswegen ich auch nicht glaube, dass er spielt (wenn, dann statt Petersen, was ich für eine überragende Lösung halte btw für das Spiel gegen Dortmund, weil der Spielertyp Waldschmidt der starken IV von Dortmund mehr Probleme bereiten würde als der "alte Hase" Petersen, den einer wie Hummels aber halt schon auswendig kennt), sondern Haberer vorne bleibt, um zusätzlich zum DM mit abzusichern, jeweils einer nach Absprache. Und dann bleibt eigentlich nur Abrashi neben Höfler für mich.. das wäre dann nahezu die selbe Aufstellung, einzig Höler könnte durch Grifo ersetzt werden (und eben Petersen durch Waldschmidt). Das ist für mich gerade das wahrscheinlichste, dass tatsächlich die gleiche Elf aufgestellt wird - allerdings mit leichten taktischen Veränderungen im Defensivverhalten. Oder eben Grifo für Höler und möglicherweise noch Waldschmidt für Petersen. Abrashi wird wohl, weil er defensiv sehr stark ist und man die Unterstützung auf rechts für Schmid braucht, drin bleiben. Auch möglich, dass er komplett auf Schmid verzichtet und direkt Kübler bringt, Schmid aber draussen lässt.
Aber an eine Rückkehr zum 4-4-2 glaube ich eigentlich nicht. Die Dreierkette in der Ausführung ist ja genau das Gegenmittel zum 4-2-3-1, wie es Dortmund spielt, da wäre es wenig sinnvoll, dafür zur Viererkette zurückzukehren, gegen die ja wiederum das 4-2-3-1 eine der besten Varianten ist. Die Erklärungen sind jeweils recht komplex, aber die Systementwicklung ist schon prägnant. Irgendwann haben alle 4-4-2 gespielt, dann hat man dagegen mit 4-2-3-1 sehr erfolgreich agiert, gegen das 4-2-3-1 dann die Dreierkette mit Schienenspielern ausgepackt und das wird jetzt wiederum sehr flexibel bearbeitet. Eine Idee ist dieser verrückte Switch, im Spielaufbau doch wieder mit Viererkette zu agieren, die AV aber hauptsächlich hinten zu lassen, aber situativ die Räume auszunutzen, die sich auftun, weil der Gegner noch glaubt, gegen eine Dreierkette zu spielen (und daher den äusseren Innenverteidigern viel Raum zu lassen, da diese üblicherweise mit Ball wenig agieren, sondern den Ball verteilen) und den Gegenspieler nicht angreifen. Aber eben, aktuell glaube ich nicht, dass man zum 4-4-2 zurückgehen wird für dieses Spiel, sondern andere Möglichkeiten ausschöpfen wird, über rechts wenig zuzulassen. Vielleicht Kübi - dann könnte ja eben auch Haberer zurück und Waldschmidt vor, da Kübler defensiv erheblich besser steht als Schmid.
02.10.2019 - 08:51 Uhr
Wirklich schön geschrieben, ich denke im Spiel gegen den BvB wird es für den Sc vor allem darum gehen bei Ballverlusten kein Tempospiel des BvB zuzulassen. das ist im vergleich der Systeme meiner Meinung nach das größte Missmatch. Sowie der BvB momentan geordnete Defensiven bespielt mache ich mir wenig sorgen darüber. Eventuell wäre es eine Option mit nur einem Stürmer defensiv etwas tiefer zu stehen und mit einem zusäztlichem Mittelfeldspieler zu agieren und Überzahlsituationen zu schaffen.
Aus einem 4-2-3-1 ist halt auch schnell ein 4-4-2 gebastelt ....im 4-2-3-1 würde ich tatsächlich Höler asl alleinige Spitze eher als Nils sehen, allerdings wäre dies nur meine favorisierte Option wenn Streich etwas wechselwütiger wäre.
Dann würde sich der Sc natürlich hauptsächlich am Gegner orientieren......
Ich bin auf alle Fälle mal happy das wir knappe Spiele gewinnen und hoffe das sich das Spielerische mit dem gewachsenen Selbstvertrauen und etwas Rotation noch findet.
Aus einem 4-2-3-1 ist halt auch schnell ein 4-4-2 gebastelt ....im 4-2-3-1 würde ich tatsächlich Höler asl alleinige Spitze eher als Nils sehen, allerdings wäre dies nur meine favorisierte Option wenn Streich etwas wechselwütiger wäre.
Dann würde sich der Sc natürlich hauptsächlich am Gegner orientieren......
Ich bin auf alle Fälle mal happy das wir knappe Spiele gewinnen und hoffe das sich das Spielerische mit dem gewachsenen Selbstvertrauen und etwas Rotation noch findet.
03.10.2019 - 06:46 Uhr
Zitat von Virri
Warum denn gegen Dortmund mal nicht mit mehr Risiko rangehen? Rein mit den Tricksern, Wuslern, Kreativen - also Kwon, Sallai, Grifo von Anfang an. Die sollen sich so richtig auspowern - und dann in der Pause dem Spielverlauf entsprechend stark einwechseln - z.B. Petersen, Höler, eventuell Ravet. Einfach mal das Überraschungsmoment reinbringen.
Wenns schief ginge - glaub ich aber nicht - wärs auch nicht weiter schlimm. Dann geht man halt mal mit wehenden Fahnen unter. Jedenfalls besser als nach ausrechenbarem Muster und großartigem Kampf 1:2 verlieren. Gerade gegen eine Mannschaft wie Dortmund brauchts was anderes als "den Gegner niederringen",
frische Ideen, Unvorhergesehenes könnten helfen.
Warum denn gegen Dortmund mal nicht mit mehr Risiko rangehen? Rein mit den Tricksern, Wuslern, Kreativen - also Kwon, Sallai, Grifo von Anfang an. Die sollen sich so richtig auspowern - und dann in der Pause dem Spielverlauf entsprechend stark einwechseln - z.B. Petersen, Höler, eventuell Ravet. Einfach mal das Überraschungsmoment reinbringen.
Wenns schief ginge - glaub ich aber nicht - wärs auch nicht weiter schlimm. Dann geht man halt mal mit wehenden Fahnen unter. Jedenfalls besser als nach ausrechenbarem Muster und großartigem Kampf 1:2 verlieren. Gerade gegen eine Mannschaft wie Dortmund brauchts was anderes als "den Gegner niederringen",
frische Ideen, Unvorhergesehenes könnten helfen.
So oder so ähnlich wünschten sich das vermutlich einige hier, mich eingeschlossen, zumal man gg. Dortmund daheim auch gefühlt eh immer verliert.
Allein, es wird nicht so kommen, vielleicht kommt Grifo ODER kommt Waldschmidt rein und Haberer wird ins ZM zurückgezogen, das wird es aber auch schon gewesen sein. Alles andere wäre eine Überraschung ...
Dieser Beitrag wurde zuletzt von baya7 am 03.10.2019 um 06:48 Uhr bearbeitet
03.10.2019 - 10:25 Uhr
Ich glaube auch das zumindest rein personell eine andere Herangehensweise gefragt ist. Und das liegt am Gegner. Gegen Hoffenheim und Duesseldorf wollte man offensiv zentral die Oberhand gewinnen und so mit gutem Pressing das gegnerisch Umschaltspiel unterbinden. Was auch geklappt hat.
Nur hat Dortmund so viel Qualität und Speed auf den Aussen - sowohl offensiv als auch defensiv - das ich hier anders Gewichten würde. Letzte Saison hat man Hakimi und Sancho überhaupt nicht in den Griff bekommen - Gueirrero als ähnlicher Spielertyp war verletzt. Also der BVB unter Favre spiet derzeit gerne ein 4-2-3-1. Wie kann man dem begegnen, die Zweikamfstarke Mittelfeldzentrale ausschalten und Spieler wie Hakimi binden? Also das wird mMn eine Mammutaufgabe - auch wenn der BVB ergebnistechnisch unglücklich spielt Aber das gehört dann in den BVB Thread.
Nur hat Dortmund so viel Qualität und Speed auf den Aussen - sowohl offensiv als auch defensiv - das ich hier anders Gewichten würde. Letzte Saison hat man Hakimi und Sancho überhaupt nicht in den Griff bekommen - Gueirrero als ähnlicher Spielertyp war verletzt. Also der BVB unter Favre spiet derzeit gerne ein 4-2-3-1. Wie kann man dem begegnen, die Zweikamfstarke Mittelfeldzentrale ausschalten und Spieler wie Hakimi binden? Also das wird mMn eine Mammutaufgabe - auch wenn der BVB ergebnistechnisch unglücklich spielt Aber das gehört dann in den BVB Thread.
07.10.2019 - 09:47 Uhr
Gegen Dortmund nahm Streich den erwartbaren Wechsel Waldschmidt für Petersen vor. Meine große Hoffnung vor der Partie war, dass Waldschmidt auch gegen diesen überlegenen Gegner Argumente sammeln kann, um Streich davon zu überzeugen, ihn vermehrt in der Startformation zu bringen.
Mein Eindruck danach: Das war eines seiner besten Spiele für den SC.
Waldschmidt lief immer wieder gegen den ballführenden Spieler an. Wenn dieser nicht in seinem Aktionsradius war, achtete er darauf, Hummels/Akanji im Deckungsschatten zu haben, um die Anspielstationen zu nehmen. Zudem immer aufmerksam. So empfand ich defensiv insbesondere die Kombination Waldschmidt/Höler als Offenbarung:
Diese beiden Spieler im Verbund haben es Dortmund extrem schwer gemacht, überhaupt mal die erste Reihe zu überspielen. Wenn Höler den ballführenden Gegner an der Seitenlinie (unserer linken) gebunden hatte, rückte sofort Waldschmidt nach, um dem Spieler von der anderen Seite die restlichen Optionen zu nehmen. So blieb Dortmund in solchen Situationen oft nur der Rückpass auf Bürki und das Spiel ging von vorne los. Das ist Sisyphosarbeit und erfordert ein brutales Arbeitspensum von Freiburgs 3 vordersten Verteidigern. Doch damit entnervst Du gerade so ein Spitzenteam, weil es seine Weltklassespieler in der Offensive nicht an den Ball bekommt. Sicher, es gab auch Phasen, in denen Dortmund es sich um den Freiburger Strafraum bequem gemacht hatte. Das ist gegen einen solchen Gegner nicht zu verhindern.
Es war absehbar, dass Freiburg mit zunehmender Spieldauer Konterchancen erhalten wird - in der 17. Minute war das bereits relativ früh der Fall, als Waldschmidt alleine auf Bürki zulaufen kann.
Leider macht er das technisch schwach. Ballmitnahme nach Außen, obwohl innen der direkte Weg zum Tor frei ist. Bis er zum Abschluss kommt, ist nicht nur Hummels zurück, Waldschmidt hat sich auch ohne Not den Schusswinkel versaut. Zu sehen bei Minute 0:39
https://oms.vidstreamup.com/player/html/3s2wJFTxBv?popup=yes&autoplay=1
Diese Chancen muss man in so einem schwierigen Spiel eigentlich nutzen. Sicherlich nicht, wenn man Kübler oder Höfler heißt. Selbst Höler hat nicht diese Qualität im Abschluss, dass man von einem sicheren Tor ausgehen kann. Aber für Waldschmidt gilt inzwischen ein anderer Maßstab. Die Mindesterwartung ist, dass er hier einen guten Abschluss hinbekommt und den Ball aufs Tor bringt. Aber das weiß er selbst.
Quasi im Gegenzug fällt das Tor für Dortmund (19.). Ich möchte nicht von Zufall sprechen. Dennoch fällt das Tor in dieser Form als absolut perfekt getroffene Volleyabnahme von Witsel in den Winkel nicht oft. Das passiert ihm in seiner gesamten Karriere vielleicht 2-mal so. Schade, ich emfpand die Leistung des SC bis hierhin als sensationell. Jeder Spieler am Limit, Einsatz und Körperlichkeit ohne Ende, Laufbereitschaft von ausnahmslos jedem Spieler auf dem Feld, insbesondere den genannten Offensiven:
Dass Höler unermüdlich arbeitet, ist man inzwischen gewohnt. Daher möchte ich explizit Waldschmidt hervorheben, von dem ich das in der Ausprägung bislang nicht kannte. Streich pushte ihn auch ohne Ende von der Seitenlinie, rief in einem Fort "Luca! Luca!", um ihn in seinem Anlaufen zu bestärken.
Die Daten scheinen diesen guten subjektiven Eindruck von Waldschmidt zu bestätigen: Seine Laufleistung beträgt 12.08 km. Das ist sehr viel (teamintern Höchstwert nach Haberer). Die Passquote des Spielers ist mit 81% für einen zumindest auf dem Papier nominellen Stürmer ebenfalls eine kleine Sensation. 26 von 32 gespielten Pässen kamen an. Diese Werte wurden beim SC nur von Kübler und Heintz erreicht bzw. übertroffen - zwei Innenverteidigern.
Götzes Chipball auf Brandt in der 34. ist dann schon die einzige wirklich hochprozentige Chance, die Dortmund im gesamten Spiel hat. Das Tor hätte übrigens gezählt: Günter (ganz oben zu sehen, erkennbar an der Binde) ist nicht auf Linie (siehe Minute 2:25 im zuvor verlinkten Video).
Bei Waldschmidts zweiter Chance klappt es wieder nicht mit dem Abschluss. Auch den bekommt er nicht einmal aufs Tor, obwohl er von Günter (der schon den fabelhaften Pass bei seiner 1. Chance lieferte) traumhaft freigespielt wird. Ich weiß nicht, ob er eventuell zu sehr in Rücklage gerät. Tendenz nein. Bezeichnend übrigens fürs gesamte Team an dem Tag die Art und Weise, in der Günter zuvor Hakimi den Ball an der Seitenlinie abnimmt.
Wenn man dann noch Günters Torschuss einrechnet, der einen Meter neben dem rechten Pfosten landet, ist dieses Spiel zur Halbzeit ein Remis, vielleicht eine Führung für Freiburg, aber kein 1-0 für Dortmund. Streichs Taktik ging nach meinem Empfinden voll auf. Dazu trugen nicht zuletzt Höfler und insbesondere Abrashi bei, die Dortmunds Zentrumsspieler brutal unter Druck setzten. Delaney und Witsel wirkten teilweise wie abgeschnitten von ihren Vorderleuten. Auch die Daten legen das nahe, denn beide Spieler hatten zusammen genau 0 Torschussvorlagen im gesamten Spiel. Das ist auffällig. Und es scheint mir zumindest ein Schlüsselfaktor für den Punktgewinn gewesen zu sein.
Ich schrieb es an anderer Stelle: Insgesamt hatte Dortmund 8 Torabschlüsse. Weniger als in jedem anderen Pflichtspiel in dieser Saison. In der gesamten zweiten Hälfte hatte Dortmund nur einen Torschuss. Das ist schier unglaublich für so ein Team. Ein derartiges Singulär schlicht mit Mentalitätsproblemen von Dortmund zu erklären, anstatt hier die in puncto Raumaufteilung, Pressing und Disziplin herausragende Leistung des Gegners als Argument anzuführen, ist Unsinn.
Zum Ballverlust von Koch vor dem Gegentor muss an dieser Stelle nichts gesagt werden. Das ist schlecht. Aber es passiert nunmal bei einem Ausbildungsverein wesentlich häufiger als bei anderen Teams und ist genau so einkalkuliert.
Interessanter finde ich da die Leistung Schwolows. Seine Bälle auf die Außen waren in dieser Partie auffällig schwach und gingen oft ins Seitenaus. Auch beim Schuss von Hazard in der 45. +1 Minute - im ersten Moment fand ich die Parade atemberaubend. In der Wiederholung fällt jedoch auf, dass Schwolow eigentlich in die komplett falsche Richtung unterwegs ist (spekuliert?), die Abwehr des Balls mit der linken flachen Hand schien alles andere als sicher. Allerdings kenne ich mich zu wenig mit Torwartspiel aus, um das abschließend beurteilen zu können, andere User in diesem Forum können das besser, vielleicht möchte jemand was dazu sagen.
Ich hoffe jedenfalls, dass Schwolow nach seinem kürzlich verschuldeten Gegentor gegen Hennings nicht plötzlich anfängt zu wackeln, nachdem er in den vergangenen Jahren gefühlt nur anderthalb gravierende Fehler pro Saison drin hatte und eine enorme Sicherheit bot, die auch auf die jungen Innenverteidiger ausstrahlt.
Fazit: Abrashi, Günter, Höler, Höfler - alle so gut, dass es mir schwerfällt, einen hervorzuheben. Absolute Teamleistung. Dennoch ist meine Erkenntnis, dass Waldschmidt dabei ist, ein neues Level zu erreichen. Dass offensiv nicht alles geklappt hat, ist für Streich unerheblich. Aber wenn Waldschmidt bei seinen Qualitäten in der Offensive jetzt auch noch so stark gegen den Ball arbeitet, ist er auf Dauer aus der Startelf nicht wegzudenken. Und kann für Freiburg in dieser Saison ein game changer werden wie damals Kruse.
Es schien, als wollte Waldschmidt unbedingt beweisen, dass er in die erste Elf gehört. Mit allem, was er hat. So langsam glaube ich, Streich hat über die Jahre ein ausgeprägtes Gespür dafür entwickelt, wie er mit so einem Spieler umgehen muss, um wirklich alles rauszukitzeln. Wer weiß, was im Kopf eines frischgebackenen U-21-Torschützenkönigs vorgeht, der plötzlich seinen Namen in Verbindung mit Topklubs aus aller Welt gebracht sieht. Ob Du dann wirklich den allerletzten Meter bis zur Schmerzgrenze machst, wenn Du über Nacht zum Star geworden bist und zurück ins kleine Freiburg kommst?
Stand jetzt scheint es fast, als hätte Streich Waldschmidt angestachelt und ihm dadurch eine große Hilfestellung geboten. Dass das methodisch richtig gut zu funktionieren scheint, kennen wir bereits von Petersen.
Lobhudelei für Streich spare ich mir heute. Dass er Dortmund durch seine Taktik im Verlauf des Spiels an einen Punkt bringt, in dem das Team anfängt Wirkung zu zeigen, nachzudenken, kam nicht aus heiterem Himmel. GENAU dann in HZ 2 macht es Sinn, höher zu schieben und selbst aktiv zu werden gegen einen individuell haushoch überlegenen, aber angeknockten Gegner. Dem ein Spiel gegen Prag sowie eine sinnlose Mentalitätsdebatte in den Knochen steckt. Genau in diesem Moment. Machst Du das ab Minute 1., schenkst Du das Spiel ab.
Dass Dortmund entgegen der Spieldynamik in HZ 2 per Eigentor in Führung geht, gab das Spiel nicht her. Ein Sieg für Dortmund hätte sich nach Spielende glücklicher angefühlt als ein Sieg für Freiburg. Dazu hatte der Gegner einfach viel zu wenige hochwertige Abschlüsse. Wie gesagt: 1 Schuss in der gesamten 2. Halbzeit, das ist geradezu aberwitzig. Der Punktgewinn für Freiburg war alles andere als "Glück und Zufall".
Dortmund konnte sich am Ende nur noch über die Zeit retten. Die Einwechslung von Schmelzer für Brandt in der Schlussphase dient als Indikator dafür, dass Favre das zumindest nicht gravierend anders sieht. Freiburg hat den Punkt erzwungen. So nah an einem Heimsieg gegen Dortmund waren wir seit 5-10 Jahren nicht.
Was freu ich mich auf Waldschmidt. Was freu ich mich auf dieses Team.
Mein Eindruck danach: Das war eines seiner besten Spiele für den SC.
Waldschmidt lief immer wieder gegen den ballführenden Spieler an. Wenn dieser nicht in seinem Aktionsradius war, achtete er darauf, Hummels/Akanji im Deckungsschatten zu haben, um die Anspielstationen zu nehmen. Zudem immer aufmerksam. So empfand ich defensiv insbesondere die Kombination Waldschmidt/Höler als Offenbarung:
Diese beiden Spieler im Verbund haben es Dortmund extrem schwer gemacht, überhaupt mal die erste Reihe zu überspielen. Wenn Höler den ballführenden Gegner an der Seitenlinie (unserer linken) gebunden hatte, rückte sofort Waldschmidt nach, um dem Spieler von der anderen Seite die restlichen Optionen zu nehmen. So blieb Dortmund in solchen Situationen oft nur der Rückpass auf Bürki und das Spiel ging von vorne los. Das ist Sisyphosarbeit und erfordert ein brutales Arbeitspensum von Freiburgs 3 vordersten Verteidigern. Doch damit entnervst Du gerade so ein Spitzenteam, weil es seine Weltklassespieler in der Offensive nicht an den Ball bekommt. Sicher, es gab auch Phasen, in denen Dortmund es sich um den Freiburger Strafraum bequem gemacht hatte. Das ist gegen einen solchen Gegner nicht zu verhindern.
Es war absehbar, dass Freiburg mit zunehmender Spieldauer Konterchancen erhalten wird - in der 17. Minute war das bereits relativ früh der Fall, als Waldschmidt alleine auf Bürki zulaufen kann.
Leider macht er das technisch schwach. Ballmitnahme nach Außen, obwohl innen der direkte Weg zum Tor frei ist. Bis er zum Abschluss kommt, ist nicht nur Hummels zurück, Waldschmidt hat sich auch ohne Not den Schusswinkel versaut. Zu sehen bei Minute 0:39
https://oms.vidstreamup.com/player/html/3s2wJFTxBv?popup=yes&autoplay=1
Diese Chancen muss man in so einem schwierigen Spiel eigentlich nutzen. Sicherlich nicht, wenn man Kübler oder Höfler heißt. Selbst Höler hat nicht diese Qualität im Abschluss, dass man von einem sicheren Tor ausgehen kann. Aber für Waldschmidt gilt inzwischen ein anderer Maßstab. Die Mindesterwartung ist, dass er hier einen guten Abschluss hinbekommt und den Ball aufs Tor bringt. Aber das weiß er selbst.
Quasi im Gegenzug fällt das Tor für Dortmund (19.). Ich möchte nicht von Zufall sprechen. Dennoch fällt das Tor in dieser Form als absolut perfekt getroffene Volleyabnahme von Witsel in den Winkel nicht oft. Das passiert ihm in seiner gesamten Karriere vielleicht 2-mal so. Schade, ich emfpand die Leistung des SC bis hierhin als sensationell. Jeder Spieler am Limit, Einsatz und Körperlichkeit ohne Ende, Laufbereitschaft von ausnahmslos jedem Spieler auf dem Feld, insbesondere den genannten Offensiven:
Dass Höler unermüdlich arbeitet, ist man inzwischen gewohnt. Daher möchte ich explizit Waldschmidt hervorheben, von dem ich das in der Ausprägung bislang nicht kannte. Streich pushte ihn auch ohne Ende von der Seitenlinie, rief in einem Fort "Luca! Luca!", um ihn in seinem Anlaufen zu bestärken.
Die Daten scheinen diesen guten subjektiven Eindruck von Waldschmidt zu bestätigen: Seine Laufleistung beträgt 12.08 km. Das ist sehr viel (teamintern Höchstwert nach Haberer). Die Passquote des Spielers ist mit 81% für einen zumindest auf dem Papier nominellen Stürmer ebenfalls eine kleine Sensation. 26 von 32 gespielten Pässen kamen an. Diese Werte wurden beim SC nur von Kübler und Heintz erreicht bzw. übertroffen - zwei Innenverteidigern.
Götzes Chipball auf Brandt in der 34. ist dann schon die einzige wirklich hochprozentige Chance, die Dortmund im gesamten Spiel hat. Das Tor hätte übrigens gezählt: Günter (ganz oben zu sehen, erkennbar an der Binde) ist nicht auf Linie (siehe Minute 2:25 im zuvor verlinkten Video).
Bei Waldschmidts zweiter Chance klappt es wieder nicht mit dem Abschluss. Auch den bekommt er nicht einmal aufs Tor, obwohl er von Günter (der schon den fabelhaften Pass bei seiner 1. Chance lieferte) traumhaft freigespielt wird. Ich weiß nicht, ob er eventuell zu sehr in Rücklage gerät. Tendenz nein. Bezeichnend übrigens fürs gesamte Team an dem Tag die Art und Weise, in der Günter zuvor Hakimi den Ball an der Seitenlinie abnimmt.
Wenn man dann noch Günters Torschuss einrechnet, der einen Meter neben dem rechten Pfosten landet, ist dieses Spiel zur Halbzeit ein Remis, vielleicht eine Führung für Freiburg, aber kein 1-0 für Dortmund. Streichs Taktik ging nach meinem Empfinden voll auf. Dazu trugen nicht zuletzt Höfler und insbesondere Abrashi bei, die Dortmunds Zentrumsspieler brutal unter Druck setzten. Delaney und Witsel wirkten teilweise wie abgeschnitten von ihren Vorderleuten. Auch die Daten legen das nahe, denn beide Spieler hatten zusammen genau 0 Torschussvorlagen im gesamten Spiel. Das ist auffällig. Und es scheint mir zumindest ein Schlüsselfaktor für den Punktgewinn gewesen zu sein.
Ich schrieb es an anderer Stelle: Insgesamt hatte Dortmund 8 Torabschlüsse. Weniger als in jedem anderen Pflichtspiel in dieser Saison. In der gesamten zweiten Hälfte hatte Dortmund nur einen Torschuss. Das ist schier unglaublich für so ein Team. Ein derartiges Singulär schlicht mit Mentalitätsproblemen von Dortmund zu erklären, anstatt hier die in puncto Raumaufteilung, Pressing und Disziplin herausragende Leistung des Gegners als Argument anzuführen, ist Unsinn.
Zum Ballverlust von Koch vor dem Gegentor muss an dieser Stelle nichts gesagt werden. Das ist schlecht. Aber es passiert nunmal bei einem Ausbildungsverein wesentlich häufiger als bei anderen Teams und ist genau so einkalkuliert.
Interessanter finde ich da die Leistung Schwolows. Seine Bälle auf die Außen waren in dieser Partie auffällig schwach und gingen oft ins Seitenaus. Auch beim Schuss von Hazard in der 45. +1 Minute - im ersten Moment fand ich die Parade atemberaubend. In der Wiederholung fällt jedoch auf, dass Schwolow eigentlich in die komplett falsche Richtung unterwegs ist (spekuliert?), die Abwehr des Balls mit der linken flachen Hand schien alles andere als sicher. Allerdings kenne ich mich zu wenig mit Torwartspiel aus, um das abschließend beurteilen zu können, andere User in diesem Forum können das besser, vielleicht möchte jemand was dazu sagen.
Ich hoffe jedenfalls, dass Schwolow nach seinem kürzlich verschuldeten Gegentor gegen Hennings nicht plötzlich anfängt zu wackeln, nachdem er in den vergangenen Jahren gefühlt nur anderthalb gravierende Fehler pro Saison drin hatte und eine enorme Sicherheit bot, die auch auf die jungen Innenverteidiger ausstrahlt.
Fazit: Abrashi, Günter, Höler, Höfler - alle so gut, dass es mir schwerfällt, einen hervorzuheben. Absolute Teamleistung. Dennoch ist meine Erkenntnis, dass Waldschmidt dabei ist, ein neues Level zu erreichen. Dass offensiv nicht alles geklappt hat, ist für Streich unerheblich. Aber wenn Waldschmidt bei seinen Qualitäten in der Offensive jetzt auch noch so stark gegen den Ball arbeitet, ist er auf Dauer aus der Startelf nicht wegzudenken. Und kann für Freiburg in dieser Saison ein game changer werden wie damals Kruse.
Es schien, als wollte Waldschmidt unbedingt beweisen, dass er in die erste Elf gehört. Mit allem, was er hat. So langsam glaube ich, Streich hat über die Jahre ein ausgeprägtes Gespür dafür entwickelt, wie er mit so einem Spieler umgehen muss, um wirklich alles rauszukitzeln. Wer weiß, was im Kopf eines frischgebackenen U-21-Torschützenkönigs vorgeht, der plötzlich seinen Namen in Verbindung mit Topklubs aus aller Welt gebracht sieht. Ob Du dann wirklich den allerletzten Meter bis zur Schmerzgrenze machst, wenn Du über Nacht zum Star geworden bist und zurück ins kleine Freiburg kommst?
Stand jetzt scheint es fast, als hätte Streich Waldschmidt angestachelt und ihm dadurch eine große Hilfestellung geboten. Dass das methodisch richtig gut zu funktionieren scheint, kennen wir bereits von Petersen.
Lobhudelei für Streich spare ich mir heute. Dass er Dortmund durch seine Taktik im Verlauf des Spiels an einen Punkt bringt, in dem das Team anfängt Wirkung zu zeigen, nachzudenken, kam nicht aus heiterem Himmel. GENAU dann in HZ 2 macht es Sinn, höher zu schieben und selbst aktiv zu werden gegen einen individuell haushoch überlegenen, aber angeknockten Gegner. Dem ein Spiel gegen Prag sowie eine sinnlose Mentalitätsdebatte in den Knochen steckt. Genau in diesem Moment. Machst Du das ab Minute 1., schenkst Du das Spiel ab.
Dass Dortmund entgegen der Spieldynamik in HZ 2 per Eigentor in Führung geht, gab das Spiel nicht her. Ein Sieg für Dortmund hätte sich nach Spielende glücklicher angefühlt als ein Sieg für Freiburg. Dazu hatte der Gegner einfach viel zu wenige hochwertige Abschlüsse. Wie gesagt: 1 Schuss in der gesamten 2. Halbzeit, das ist geradezu aberwitzig. Der Punktgewinn für Freiburg war alles andere als "Glück und Zufall".
Dortmund konnte sich am Ende nur noch über die Zeit retten. Die Einwechslung von Schmelzer für Brandt in der Schlussphase dient als Indikator dafür, dass Favre das zumindest nicht gravierend anders sieht. Freiburg hat den Punkt erzwungen. So nah an einem Heimsieg gegen Dortmund waren wir seit 5-10 Jahren nicht.
Was freu ich mich auf Waldschmidt. Was freu ich mich auf dieses Team.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Zweitligameister am 07.10.2019 um 10:14 Uhr bearbeitet
07.10.2019 - 13:50 Uhr
Mal schauen, ob du nach den Ausfällen von Hector, Ginter, jetzt wohl auch Werner und Gündogan nicht den Chrischtian noch aus deiner Liste entfernen werden musst..
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