Durchbrechen die Hearts Glasgows 41-Jahre-Serie? Schottlands Meisterkampf spitzt sich zu
Um der Beste zu sein, muss man die Besten schlagen. Das könnte das Mantra dieser Tage in der Kabine des Heart of Midlothian FC sein. Der Klub aus Edinburgh führt die Tabelle der Scottish Premiership kurz nach Beginn der Meisterrunde am vergangenen Wochenende mit drei Punkten vor Serienchampion Celtic und vier vor den Rangers an. Die Hearts, bei denen der frühere Berliner und Freiburger Alexander Schwolow das Tor hütet, könnten die 41 Jahre anhaltende Dominanz der Klubs aus Glasgow beenden. Als ob das noch nicht spannend genug wäre, treffen alle drei Teams vor dem Ende der Saison am 16. Mai noch aufeinander.
Denn für die letzten fünf Spieltage wird die Premiership aufgeteilt, wobei die sechs besten und die sechs schlechtesten Mannschaften in einer Rundentabelle gegeneinander antreten. Nachdem die Hearts am vergangenen Wochenende im Edinburgh-Derby die Hibs auswärts geschlagen haben (2:1) reisen nun die Rangers an. Danach geht es gegen Motherwell und Falkirk, ehe am letzten Spieltag Celtic wartet. Das Zünglein an der Waage könnte dabei womöglich sogar das letzte Old-Firm-Derby am 10. Mai im Ibrox Park der Rangers sein. Halten die Hearts ihren Vorsprung? Zwei wesentliche Faktoren dürften den Verlauf der nächsten Wochen bestimmen: die aktuelle Form der Mannschaft von Trainer Derek McInnes und ihre Bilanz in den direkten Duellen gegen beide Glasgower Vereine.
Was die Form angeht, hat der Verein aus Tynecastle bemerkenswerte Beständigkeit gezeigt. Zwar haben die Rangers den Abstand seit Beginn des Jahres 2026 um fünf Punkte verkürzt, doch die Hearts haben in den vergangenen zehn Spielen die gleiche Bilanz von 19 Zählern wie Celtic. Obwohl McInnes’ Mannschaft gelegentliche Ausrutscher hatte – wie die Niederlagen gegen St. Mirren (0:1) und Kilmarnock (0:1) –, bestätigen die vergangenen Wochen, warum das Team die Tabelle anführt. Was die Hearts-Fans jedoch am meisten ermutigen dürfte, sind die Stürmer Lawrence Shankland (30) und Cláudio Braga (26). Kapitän Shankland, der mittlerweile 85 Tore in 167 Spielen für den Verein erzielt hat, ist nach einer langen Oberschenkelverletzung in bester Form zurückgekehrt und hat in den letzten drei Spielen zwei Tore und zwei Vorlagen verbucht. Mit jeweils 23 Torbeteiligungen sind sie die Top-Scorer der Hearts in dieser Saison.
„Es besteht kein Zweifel, dass die letzten fünf Spiele dramatisch werden“, sagte McInnes nach dem Sieg über Motherwell am 11. April. „Ich spüre die Last der Verantwortung bei jeder Aufstellung, meine Spieler in die bestmögliche Form zu bringen. Wenn man in der Saison so weit gekommen ist und nur noch fünf Spiele zu spielen sind, ist es schwierig, immer wieder aus dem Vollen zu schöpfen und diese Leistungen zu bringen. Deshalb ist der Kader für uns so wichtig. Und im Moment haben wir keine Probleme mit Verletzungen.“
Wie Tony Bloom den Heart of Midlotiah FC revolutionierte
Seit einer Investition von 11,3 Millionen Euro durch Brightons Eigentümer Tony Bloom im Sommer 2025 befindet sich der Verein aus Edinburgh im sportlichen Aufwind. Die 5 Mio. Euro, die in dieser Saison in Ablösen für 15 Spieler aus 14 verschiedenen Ländern flossen, sind Vereinsrekord (Überblick: Alle Transfers des Heart of Midlothian FC). Die Transfers wiesen alle Merkmale von Jamestown Analytics auf, dem bekannten Datenanalysedienst von Investor Bloom, der bereits seinen anderen Vereinen in England und Belgien zum Erfolg verhelfen konnte. 520.000 Euro gingen für Braga zum Aalesunds FK nach Norwegen, der brasilianische Mittelfeldspieler Ageu (23, kam aus Santa Clara in Portugal) ist mit 2 Mio. Euro der Rekordzugang der Hearts.
„Von außen betrachtet liegt es nahe, den Erfolg der Hearts auf Tony Blooms Rekrutierungsmodell – Jamestown Analytics – zurückzuführen, doch das wäre irreführend“, sagt Euan Robertson, Schottland-Experte und Content Manager bei Transfermarkt UK. „In Wahrheit ist es noch viel zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wie erfolgreich dieses Modell umgesetzt werden wird, zumal Hearts es bisher nur bei drei Transfers angewendet hat. Natürlich hofft der Klub, den bemerkenswerten Erfolg Brightons nachzuahmen, indem man Spieler identifiziert, fördert und mit beträchtlichem Gewinn verkauft. Das wird für den langfristigen Erfolg der Hearts entscheidend sein, um die Lücke zu den Old-Firm-Teams dauerhaft zu verkleinern, denn die jüngste Bilanz der Jambos beim Verkauf von Spielern ist miserabel – sie belegen in Schottland den sechsten Platz in den letzten zehn Jahren bei Transfereinnahmen.“
Wer sind die Schlüsselspieler bei den Hearts im aktuellen System? „Während der Klub mithilfe von Jamestown Analytics noch nicht allzu viele Rohdiamanten entdeckt hat, ist Claudio Braga der Transfer der Saison in Schottland“, sagt Robertson. „Der Stürmer, der aus der relativen Unbekanntheit der norwegischen zweiten Liga geholt wurde, hat schon 23 Torbeteiligungen verbucht und ist maßgeblich am Erfolg von Hearts beteiligt. Sein Marktwert ist von 500.000 € auf 6 Millionen Euro gestiegen, und die Hearts sollten darauf abzielen, ihn diesen Sommer zu verkaufen, da dies zentral für Blooms Transferstrategie ist.“ Sturmpartner Shankland sei ebenso zu nennen wie Cammy Devlin, der zwar seine Grenzen habe, im Mittelfeld aber hervorragende Leistungen gezeigt habe. „Alexandros Kyziridis’ Form ist zwar eingebrochen, aber er war gut, und Alexander Schwolow war die sprichwörtlich sichere Bank. Auch Derek McInnes verdient großes Lob. Er ist ein unglaublich erfahrener Trainer in Schottland und weiß genau, was nötig ist, um Siege zu erringen. Die Hearts – zusammen mit Partick Thistle – weisen in dieser Saison die einzige ungeschlagene Heimbilanz in Schottland auf, und Tynecastle ist eine Festung.“
Ein Spieler, der vermutlich nicht erst in einer Datenbank gefunden werden musste, ist Torwart Schwolow, der nach drei enttäuschenden Jahren bei Union Berlin ablösefrei kam und gesetzt ist. In 29 Spielen hielt der frühere deutsche Jugendnationalspieler seinen Kasten 14-mal sauber. Nur Motherwells Calum Ward hat mit 17 Weißen Westen einen noch besseren Wert in dieser Saison. „Ehrlicherweise hatte ich vorher noch keine konkrete Vorstellung vom Klub oder der Liga. Mein Berater schwärmte nach dem ersten Kontakt von den Bedingungen, den Fans und dem Stadion – also habe ich gesagt: Ich fahre hin und schaue es mir an“, sagte er Ende Oktober im Transfermarkt-Interview. „Die Hearts sind ein großer Traditionsverein in Schottland und ich habe sehr schnell gemerkt, welche Power dahintersteckt. Während meiner Zeit auf Schalke hatte ich auch den einen oder anderen Teamkollegen wie zum Beispiel Moritz Jenz, der von seinen positiven Erfahrungen in Schottland berichtete und von der krassen Atmosphäre erzählte.“

Hearts mit deutlichem Anstieg beim Kaderwert
Seit Saisonbeginn weisen die Hearts in Sachen Kaderwert ein Plus von 59,4 Prozent auf nun 27,85 Mio. Euro auf. Nur Falkirk hatte mit 67,4 Prozent auf 5,9 Mio. Euro einen höheren relativen Anstieg. Celtic und die Rangers sind mit aktuell 144,8 Mio. bzw. 121,4 Mio. Euro in dieser Messgröße dennoch weiterhin deutlich enteilt. Braga ist mit 6 Mio. Euro Marktwert der einzige Premiership-Profi unter den wertvollsten 25, der nicht in Glasgow unter Vertrag steht.
Der Anstieg des Kaderwerts sei ein „faszinierendes Thema“, so Experte Robertson. „Wie bereits erwähnt, wird der Transfermarkt entscheidend dafür sein, ob die Hearts den Rückstand auf Celtic und die Rangers verkürzen können. Sie können einfach nicht mit der Finanzkraft der Glasgower Giganten mithalten, aber sie können durch den Verkauf von Spielern dazu beitragen, die Kluft zu verringern. Der Marktwert des Hearts-Kaders ist in dieser Saison erheblich gestiegen, aber er ist noch nicht mit zukünftigen Stars gespickt … noch nicht. Sie haben einen starken schottischen Kern, doch diese Spieler nähern sich dem Ende ihrer Karriere und haben deshalb keinen nennenswerten Marktwert.“
Glasgow-Krise genutzt: Machen die Hearts das Märchen perfekt?
Als Bloom in die Hearts investierte, erklärte er, dass er das in Schottland „seit viel zu langer Zeit bestehende Dominanzmuster durchbrechen“ wolle. Dass Letzteres so schnell gelang, dazu trugen zweifellos der Niedergang Celtics sowie die Schwierigkeiten der Rangers bei. Bei Ersteren trat Trainer Brendan Rodgers Ende Oktober infolge einer Krise zurück, und Nachfolger Wilfried Nancy musste Anfang des Jahres nach nur drei Spielen schon wieder gehen. Seitdem ist Altmeister Martin O‘Neill am Ruder. Bei den Rangers folgte Ex-DFB-Co-Trainer Danny Röhl ebenfalls im Oktober auf Russell Martin. Er ist der fünfte Chefcoach in vier Jahren.
Während also die schottischen Rekordmeister auf und abseits des Spielfeldes zu kämpfen hatten, blühten die Hearts auf und nutzten das große Machtvakuum an der Spitze der Premiership. Die Hearts haben in dieser Saison in drei Spielen gegen Celtic keine Niederlage hinnehmen müssen und zwei ihrer drei Duelle gegen die Rangers gewonnen; nur ihr letztes Spiel gegen den Ibrox-Klub endete mit einer 2:4-Niederlage in Glasgow. Kaum jemand würde bezweifeln, dass die Hearts in dieser Saison gezeigt haben, dass sie die wichtigen Spiele gewinnen können, doch ob sie dies in den letzten Wochen der schottischen Premiership-Saison erneut schaffen, bleibt abzuwarten. Wenn ja, ist das Fußballmärchen der Titanen von Tynecastle perfekt.
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Letzte Beiträge Newsforum
41 Jahre - das muss frustrierend für alle schottischen Fans sein die es nicht mit Celtic oder den Rangers halten. Ich meine der letzte Meister davor war Aberdeen unter (damals noch nicht Sir) Alex Ferguson.
Könnte mir also vorstellen, dass viele den Hearts die Daumen drücken. Wäre auch Schwolow zu gönnen, das wäre ein Titel auf den er stolz sein könnte.
Ist in der Türkei ähnlich. Da ist es ein Weltwunder, wenn der Meister nicht aus Istanbul kommt. Aber im Zeitraum von 1985 bis heute gab es schon zwei Meister, die ihren Sitz nicht in Istanbul haben (Bursaspor 2010 und Trabzonspor 2022). Gönne es Hearts, wenn sie den Meistertitel holen. Spielen die dann nicht in der CL?
- Geb./Alter:
- 10.08.1995 (31)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- Glasgow Rangers
- Vertrag bis:
- 31.05.2028
- Position:
- Mittelstürmer
- Marktwert:
- 3,00 Mio. €
- Geb./Alter:
- 28.10.1999 (26)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- Heart of Midlothian FC
- Vertrag bis:
- 31.05.2028
- Position:
- Mittelstürmer
- Marktwert:
- 7,00 Mio. €
- Geb./Alter:
- 02.06.1992 (34)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- 1.FSV Mainz 05
- Vertrag bis:
- -
- Position:
- Torwart
- Marktwert:
- 450 Tsd. €
- Geb./Alter:
- 05.07.1971 (55)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- Glasgow Rangers
- Aktuelle Funktion:
- Trainer
- Vertrag bis:
- 30.06.2029
- Im Amt seit:
- 17.06.2026
- Gesamtmarktwert:
- 22,05 Mio. €
- Wettbewerb:
- Scottish Premiership
- Tabellenstand:
- 4.
- Trainer:
- Wouter Vrancken
- Kadergröße:
- 32
- Letzter Transfer:
- Kieran Wright
- Gesamtmarktwert:
- 116,50 Mio. €
- Wettbewerb:
- Scottish Premiership
- Tabellenstand:
- 1.
- Trainer:
- Martin O'Neill
- Kadergröße:
- 27
- Letzter Transfer:
- Mika Baur
- Gesamtmarktwert:
- 136,15 Mio. €
- Wettbewerb:
- Scottish Premiership
- Tabellenstand:
- 9.
- Trainer:
- Derek McInnes
- Kadergröße:
- 29
- Letzter Transfer:
- Kosta Nedeljkovic











