AFC beendet mit typischer DNA den HEBC-Traum – Obloch: „Altona war unser Frankreich“
Noch bevor er inhaltlich werden wollte, schob Philipp Obloch vorweg: „Altona hat verdient gewonnen!“ Und weiter: „Es ist halt das 100-fache unseres Budgets und viel Qualität auf dem Platz – das muss man einfach sagen. Und in der Summe waren es einfach zu viele Zweikämpfe, die wir gegen eine gute Mannschaft verloren haben. Aber ich finde, wir haben uns dagegengestemmt“, so der Cheftrainer des HEBC. Und dennoch: Die Pokalreise des Titelverteidigers ist in der Auftaktrunde der neuen Pokal-Saison beendet. Altona 93 hat die lila-weiße Invasion eliminiert (alle Highlights im LIVE-Ticker zum Nachlesen) und den abermaligen Traum des BVB-Gegners jäh beendet!
Allerdings zog Obloch einen Vergleich zur WM – und betonte: „Wenn Deutschland bei einer WM auf Frankreich trifft und ausscheidet, sagt auch keiner was. Und Altona war nicht Paraguay, sondern unser Frankreich. Wir wollten einen Fight liefern – und den haben wir geliefert. Natürlich wären wir gerne eine Runde weitergekommen. Aber das kann passieren und war trotzdem ein Highlight-Spiel“, vor einer stattlichen Kulisse am Reinmüller.
„Sehr viele Zweikämpfe, die alle in eine Richtung gekippt sind“
Und nachdem Obloch seine faire Einschätzung, dass der AFC als verdienter Sieger den Platz verlassen hat, kundtat, sprang er in eine ganz ähnliche Kerbe wie ein emotional geladener Liga-Manager Eduardo Avarello. Aber mit etwas weniger Feuer. Denn Avarello war nach Schlusspfiff noch immer aufgebracht. „Ein Riesen-Dankeschön an die Dreier-Kombo“, sprach er auf das Schiedsrichter-Gespann an – und meinte: „Ich hoffe, dass die ihr Spiel selbst und sehr ehrlich analysieren werden“, haderte er. Während Obloch nicht nur angesichts jener Szene, die zum 1:2 aus Hausherren-Sicht führte, haderte: „Ein Zweikampf, den ich gerne nochmal sehen möchte. Und das waren sehr viele in dieser Phase, die alle in die eine Richtung gekippt sind. Das ist natürlich bitter! Denn in der Phase dachte ich noch: Vielleicht geht da was. Aber nach dem 1:2 wurde es dann schon schwer. Und man muss auch sagen, dass Altona das dann echt gut runtergespielt hat. Das ist schon eine stabile Mannschaft.“
„Wollten gerade einen frischen Impuls nachlegen“
Die Situation, die Obloch ansprach, ereignete sich in der 64. Spielminute, als Hammed Nawaz im Mittelkreis unsanft von Gianluca Przondziono ausgebremst wurde, die Pfeife von Referee Dominik Kopmann jedoch stumm blieb. Altona schaltete blitzschnell um. Niklas Jovanovic bediente den starken Luis Jahraus – und der erwischte den ansonsten überragenden HEBC-Fänger Jannik Schoon von der Strafraumgrenze auf dem falschen Fuß! Es war der Moment, in dem Obloch mit den Einwechslungen von Moses und Meraja Magens „einen frischen Impuls nachlegen“ wollte. „Und als sie sich gerade an die Seitenlinie stellen, um zu wechseln, fällt das 1:2“, hatte der HEBC-Trainer auf den einen, entscheidenden Umschaltmoment gehofft.
„Wenn sich alle Seiten einig sind, ist das zu wenig für einen Elfmeter“
Stattdessen hieß es 1:2 – und das Zustandekommen des Treffers war umstritten. Aber nicht nur die Eimsbütteler haderten mit den Schiri-Entscheidungen. Auch AFC-Coach Jan-Philipp Rose war nicht nur mit einem „Call“ des Unparteiischen nicht einverstanden: „Ich muss mir das nochmal angucken. Aber ich glaube, wenn sich alle Seiten, auch die Spieler von HEBC, schon abgedreht haben, und sich mehr oder weniger einig waren, dann ist das zu wenig für einen Elfmeter“, sprach er auf die 31. Minute an, als Phillip Onnen nach einer zu weit scheinenden Rechtsflanke von Christopher Grünewald im Duell mit Jahraus urplötzlich zu Boden sank und Kopmann auf den ominösen Punkt zeigte. „Der Schiedsrichter hat heute auf beiden Seiten keine gute Partie gezeigt. Aber man kann sich da Woche für Woche drüber aufregen. Es ist immer schwierig, das zu beurteilen. Aber ich denke, da waren auf beiden Seiten ein paar Situationen dabei“, befand Rose – während Bastian Stech, der später verletzt vom Platz musste, den Spielverlauf komplett auf den Kopf stellte und den Strafstoß wuchtig unters Gebälk jagte. Der Ausgleich!
„Zur Halbzeit kann es 4:0 stehen“
Dass das Spiel zu eben jenem Zeitpunkt komplett offen war, lag einzig und allein an der „ärgerlichen Chancenverwertung“ der Gäste, sah Rose einen erheblichen Wucher seiner Mannen und einen glänzend aufgelegten HEBC-Schlussmann Schoon. Aber auch die noch vorhandene „fehlende Cleverness, das dann auch zu Ende zu bringen. Da müssen wir noch hinkommen“, konstatierte er – und fügte an: „Zur Halbzeit kann es 3:0 oder 4:0 stehen.“ Letztlich war es aber nur Lesley Karschau, der das Runde nach einer Jahraus-Ecke und einer Kopfballverlängerung von Michael Ambrosius – im Luftduell mit Luca Garcia, dem wohl kleinsten Mann auf dem Platz – völlig ungehindert ins Eckige nickte (3.). „Wir waren gut im Spiel, haben die Tore nicht gemacht – und dann gehst du mit einem 1:1 in die Halbzeit“, fasste Rose den ersten Abschnitt zusammen.
„Hatte gar keine Bedenken, dass wir das Spiel nicht gewinnen“
„Aber ich war mir immer sicher und hatte gar keine Bedenken, dass wir das Spiel nicht gewinnen werden“, machte er eine Reaktion seiner Equipe auf die schwache Vorstellung in der Liga gegen Sasel (0:2) aus „Vollkommen! Man hat von der ersten Minute gesehen, dass wir mit einer ganz anderen Mentalität aufgetreten sind. Von daher bin ich unfassbar stolz, dass wir heute die AFC-DNA eingebracht haben: Einerseits tollen Fußball zu spielen, aber auch ein hohes Maß an Leidenschaft an den Tag zu legen. Das ist uns komplett gelungen. So, wie wir gespielt und gefightet haben, das war ansehnlich. Und es ist nicht einfach, hier zu gewinnen – dazu noch beim Titelverteidiger. Von daher bin ich sehr, sehr glücklich und freue mich, dass wir die nächste Runde erreicht haben.“
„Kenne Dominik eigentlich viel, viel besser“
Auch sein Gegenüber gab unumwunden zu: „Am Anfang hatten wir Probleme und sind wirklich geschwommen. Aber wir haben uns ins Match reingearbeitet“, über einen umstrittenen Elfmeter, den Obloch wie folgt wahrnahm: „Man kann die Frage stellen, ob er an den Ball gekommen wäre. Wahrscheinlich nicht. Aber ein Stoßen ist da. Dann muss er das halt weglassen.“ Denn: „Wenn ich stoße, bin ich mir als Gegenspieler nicht sicher, ob er noch rankommt. Ich würde sagen: ‚It's a easy one maybe.‘ Aber ich habe das Gefühl, dass das in der Schiedsrichter-Kabine in der Halbzeit vielleicht auch nochmal ein Thema war – und es da gefühlt Korrekturbedarf gab. Mehr will ich dazu nicht sagen. Aber ich finde und kenne Dominik meistens eigentlich viel, viel besser“, brachte Obloch seinen Unmut zum Ausdruck. Nicht nur aufgrund der Szene, die zum erneuten Rückstand führte.
„Hauptsache eine Runde weiter“
Kurz vor Ultimo machte Przondziono mit seiner exorbitanten Schusstechnik den Deckel drauf. Aus 18 Metern halblinker Position setzte er einen Flatterball ins linke Toreck (89.)! Und in der Folge vergab der AFC noch unzählige Großchancen, um das Ergebnis weiter in die Höhe schnellen zu lassen, ehe sich nach Schlusspfiff die Emotionen entluden und Me. Magens sowie Muhamed Ajruli in Folge einer Rudelbildung noch glatt Rot sahen. Nichtsdestotrotz: „Das ist Pokal. Die Hauptsache ist, dass wir eine Runde weiter sind“, bilanzierte Rose nach dem Erfolg beim Titelverteidiger.
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