„Alle verrückt“: Köln unter besten Bundesliga-Aufsteigern – Kaminski-Tor auch in Europa top
Nach drei Spielen weiterhin unbesiegt, ein eingeschlagener Königstransfer, spektakuläre Partien und ganz viel Euphorie: Beim 1. FC Köln hätte man sich den Bundesliga-Auftakt nach der Rückkehr ins Oberhaus kaum schöner ausmalen können. Ein Blick in die TM-Datenbank zeigt, dass die Domstädter einen der besten Starts eines Aufsteigers in der Ligahistorie hingelegt haben.
Sieben Zähler nach drei Spieltagen, acht Treffer erzielt, vier kassiert – lediglich fünf Teams wiesen historisch betrachtet zu diesem Zeitpunkt der Saison eine bessere Bilanz auf als die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok. RB Leipzig (2016/17), Bayer 05 Uerdingen (1983/84) sowie Hertha BSC (2013/14) kamen ebenfalls auf je sieben Punkte nach drei absolvierten Partien, konnten jedoch eine um einen bzw. zwei Treffer bessere Tordifferenz verbuchen. Makellos blieben nur Eintracht Frankfurt (2012/13, 9 Punkte, 9:3 Tore) sowie der VfL Bochum (2002/03, 9 Punkte, 12:3 Tore). Der von Peter Neururer trainierte VfL, der zum Saisonabschluss mit Thomas Christiansen den geteilten Torschützenkönig stellen sollte, kam damals gar auf die meisten Tabellenführungen (2) hinter dem späteren Meister FC Bayern (31). Zwar rutschte man zwischenzeitlich nach 28 Spieltagen nochmal bis auf Rang 15 ab, lief am Ende aber auf einem gesicherten neunten Tabellenplatz ein.
Kaminski-Tor: Nur zwei Spieler trafen in Europas Top-Ligen später
RB Leipzig spielte sich 2017 als Aufsteiger gar in die Champions League, Uerdingen wurde 1984 stabiler 10., Hertha schloss 2014 auf Rang 11 ab und die Eintracht ein Jahr zuvor auf Platz 6 und in den internationalen Rängen. Keine schlechten Vorzeichen also für den FC, für den der Klassenerhalt in diesem Jahr an erster Stelle steht. Gedanken daran scheint man am Rhein dieser Tage allerdings noch nicht mehr als nötig zu verschwenden. Vielmehr lebt und genießt der FC im Moment, die Euphorie beim Aufsteiger dominiert. Auch Neuzugang Jakub Kaminski, der beim turbulenten 3:3 in Wolfsburg eine historische Marke setzte, hat das nach den ersten Wochen am Geißbockheim gemerkt: „Die Leute hier sind alle verrückt“, bilanzierte der 23 Jahre alte Stürmer in Wolfsburg schmunzelnd, nachdem seine Mannschaft allerlei Verrücktheiten in einen überlangen Nachmittag gepresst hatte.
Enttäuschung in der neunten Minute der Nachspielzeit, Ekstase in der 14., dazu das späteste Tor der Bundesliga-Geschichte vom Stürmer: Das alles gab es zu sehen in einem Spiel mit drei längeren Unterbrechungen und einer 14-minütigen Extrazeit, in der am Ende ausgerechnet die polnische Leihgabe der Niedersachsen für Köln den Schlusspunkt setzte.
Kaminskis Treffer sucht auch europaweit seinesgleichen, wie ein erneuter Tiefgang in die TM-Datenbank zutage förderte: So gab es in den Top-5-Ligen lediglich zwei spätere Treffer während einer Nachspielzeit. Der heutige Bournemouth-Profi Enes Ünal traf 2023 in LaLiga für den FC Getafe gegen Cádiz 16 Minuten nach Ablauf der regulären Spielzeit, ebenso lange Zeit ließ sich der Engländer Ainsley Maitland-Niles im Frühjahr 2024 beim 4:3-Sieg Olympique Lyons gegen Stade Brest in der französischen Ligue 1.
1. FC Köln im Aufwind: „Erinner’ ich mich in 20 Jahren dran“
„Wenn du was Langweiliges erleben willst, dann wirst du Verwaltungsbeamter. Das kann ich sagen, weil ich's gelernt habe“, gab FC-Coach Kwasniok am Samstag im Anschluss an das Remis in Wolfsburg zu Protokoll. Als Fußballtrainer dagegen könne es „schonmal hektisch und wild werden“. Der 44-Jährige erklärte die überzeugende Kölner Frühform wie folgt: „Die Mannschaft hat verstanden: Sie bekommt ganz viele Freiheiten außerhalb des Platzes. Aber auf dem Platz gibt es kein Pardon. Unabhängig von irgendwelchen Hindernissen oder Spielständen. Ob das Spiel groß ist oder klein. Deshalb sitzt vor Ihnen ein relativ glücklicher Coach.“
Dieser ist zweifelsfrei eines der Kölner Erfolgselemente – das Temperament und die Emotionalität des Trainers passen wie angegossen zum Traditionsklub. Gleichzeit ist Kwasniok fachlich so überzeugend, dass er die rund um den Verein schnell aufkommende Aufgeregtheit sehr gut kanalisiert. Auch die Transfers des FC zahlen sich bislang aus. So sorgte der im Sommer gemeinsam mit seinem Bruder Malek vom Stadtrivalen Viktoria gekommene Youngster Said El Mala (18) gegen Wolfsburg mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke für einen Assist und heimste im Anschluss ein Kwasniok-Lob ein: „Er ist eine Waffe“, sagte der Trainer über sein Toptalent und fügte zugleich warnend an: „In der Bundesliga von Beginn an eine Waffe zu sein, ist noch ein weiter Weg. Deswegen müssen wir aufpassen, dass wir aus einer Waffe keine Platzpatrone machen, wenn er zu früh 90 Minuten performen muss.“
Auch der Kölner Königstransfer Marius Bülter (32, kam für 1 Million Euro von der TSG Hoffenheim) konnte seinen Status mit mit zwei Toren und zwei Vorlagen bis dato bestätigen und findet sich im Scorer-Ranking der Bundesliga neben klangvollen Namen wie Michael Olise, Serhou Guirassy oder Serge Gnabry wieder. „Besser kann ein Start nicht laufen“, attestierte der Angreifer im Interview mit der Zeitung „Express“ und attestierte seiner Mannschaft zugleich noch reichlich Luft nach oben. Schon jetzt blicke er dem nächsten Heimspiel der Kölner (28. September gegen Stuttgart) voller Vorfreude entgegen und schwärmte mit Blick auf die Atmosphäre in Müngersdorf: „Da werde ich mich noch in 20 Jahren dran erinnern.“
So läuft das im Moment in Köln: Die Energie von den Rängen, von der Trainerbank sowie innerhalb der Mannschaft reißt alle mit. Stürmer Luca Waldschmidt war neben Kaminski am Samstag der zweite Spieler, der in der Volkswagen Arena gegen seinen Ex-Klub traf. Beiden war es in Wolfsburg ein bisschen zu steril und beide blühen in dem Kölner Trubel nun auf. „Der eine Spieler sagt: Lass mich in Ruhe, das ist mir zu viel. Der andere findet's geil. Ich mag diese Energie von draußen“, so Waldschmidt. Man darf gespannt sein, wohin sie den FC in dieser Saison noch trägt.
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Letzte Beiträge Newsforum
Das Spiel war unfassbar spannend und hat richtig Bock gemacht. Alles hat gestimmt, die Einstellung der Teams, Trainer und Spieler, das Ergebnis ist absolut fair und die Tore waren alle super stark gemacht. Das ist Werbung für die Bundesliga.
Die El Mala Brüder sind natürlich spannend. Ich war wirklich überrascht, dass man den Angeboten aus England widerstanden hat.
Fast alle Einkäufe zeigen sich bislang stark.. zudem das Riesen-Talent El Mala von der Bank. Auch bei El Mala blieb man trotz krassen Angebote hartnäckig.. Auch Kwasniok passt wie die Faust aufs Auge nach Köln.
Hier scheint was gutes zu Entstehen!
- Gesamtmarktwert:
- 132,90 Mio. €
- Wettbewerb:
- Bundesliga
- Trainer:
- René Wagner
- Kadergröße:
- 29
- Letzter Transfer:
- Thijs Dallinga













