Vier Spieler aus WM-Gruppe C: Schottlands Ass im Ärmel und Vinicius' Chance auf den Wandel
Der Countdown zur Weltmeisterschaft 2026 läuft: 48 Nationen kämpfen ab kommendem Donnerstag, 11. Juni, um die begehrteste Trophäe des internationalen Fußballs. Wir haben die globale Expertise unserer Transfermarkt-Mitarbeiter von fünf Kontinenten gebündelt und präsentieren im Vorfeld des Turniers je einen Spieler jedes Teams, den man in den kommenden knapp sechs Wochen auf dem Zettel haben muss: Von potenziellen Rising Stars, über mögliche Überraschungen bis hin zu erfolgshungrigen Routiniers – weiter geht's mit Gruppe C, bestehend aus Brasilien, Haiti, Schottland und Marokko.
WM 2026: 48 Teams, 48 Spieler
- Gruppe A: Das Mexiko-Juwel, das Real, City und Arsenal elektrisiert
- Gruppe B: Ein Star am Scheideweg und drei Hoffnungsträger im Fokus
Vinicius Junior: WM 2026 als Chance zum Image-Wandel?
Thiago Rabelo, Journalist und Redakteur bei Transfermarkt Brasilien: Neymar war bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften der prägende Name der brasilianischen Nationalmannschaft. Obwohl er für 2026 nominiert wurde, ist der Star, der einst für Barcelona und PSG spielte, nicht mehr derselbe. Seine körperliche Verfassung lässt ebenso zu wünschen übrig wie seine Intensität im Spiel. Das Talent ist noch immer vorhanden, doch es ist schwer vorstellbar, dass Neymar zu den größten Stars Brasiliens zählen wird. Der Name der Stunde im Land ist Vinicius Junior, Angreifer von Real Madrid und 2024 von der FIFA zum Weltfußballer gewählt.
Die WM 2026 ist Vinicius’ Chance, sein Image in Brasilien zu verändern. Trotz all seiner Erfolge mit Real Madrid hat er für die Nationalmannschaft sehr schwache Zahlen vorzuweisen – lediglich acht Tore in 47 Spielen. Der Unterschied ist nun Carlo Ancelotti. Unter der Leitung des Italieners hat Vinicius die bislang besten Momente seiner Länderspielkarriere erlebt. Die Trainer vor Ancelotti richteten ihre besondere Aufmerksamkeit auf Neymar. Vinicius wurde stets nur als ein weiterer Spieler im Kader behandelt. Unter Ancelotti ist er der Starspieler – und genau das könnte 2026 für Brasilien den entscheidenden Unterschied machen.
Neil El Aynaoui: Roma-Profi ist Marokkos Waffe im Umschaltspiel
O’Neal Keamogetse Radinne, Area Manager Afrika bei Transfermarkt: Neil El Aynaoui, kürzlich mit der marokkanischen Nationalmannschaft AFCON-Sieger geworden, ist ein 24 Jahre alter zentraler Mittelfeldspieler der AS Rom in der Serie A. Vor seinem Wechsel ins benachbarte Italien kam er von Nancy zur zweiten Mannschaft des RC Lens und wurde rasch in die Stammelf befördert, für die er anschließend zwei Spielzeiten absolvierte. Aufgrund seiner Spielweise wird er häufig als Box-to-Box-Mittelfeldspieler beschrieben. Sein Profil zeichnet sich durch hohe Laufintensität, progressives Passspiel und außergewöhnliche Fähigkeiten in der Ballführung aus, was ihn besonders geeignet für Umschalt- und Pressingspiel macht.
El Aynaoui hat mit konstanten Leistungen überzeugt: Auf Klubebene bewies er sich mit 164 Einsätzen sowie 29 Torbeteiligungen im französischen und italienischen Fußball als gestandener Profi. Sein Debüt für Marokko gab er unter dem früheren Trainer Walid Regragui und spielte beim jüngsten AFCON-Erfolg jede einzelne Minute. Ach ja: Er ist außerdem der Sohn von Younes El Aynaoui, einem marokkanischen Trainer und ehemaligen Tennisprofi.
Wilson Isidor: Wertvollster Spieler aus Haitis Reihen
Manuel Veth, Area Manager Nordamerika bei Transfermarkt: Es ist eine fantastische Geschichte, dass Haiti die Qualifikation für die WM 2026 geschafft hat. Nun steht die Mannschaft vor Herausforderungen sowohl auf als auch neben dem Platz. Haiti, eines der ärmsten Länder der Karibikregion, wird stark auf Spieler mit doppelter Staatsbürgerschaft angewiesen sein, die in Ligen wie der MLS, der USL Championship und niedrigeren Spielklassen in Europa aktiv sind.
Die eine Ausnahme ist Wilson Isidor. Der in Rennes, Frankreich, geborene Isidor hat einen Marktwert von 18 Millionen Euro und ist damit mit großem Abstand der wertvollste Spieler im Kader. Für Sunderland in der Premier League erzielte Isidor in dieser Saison sechs Tore in 32 Ligaspielen. Angesichts des Mangels an weiteren Stürmern, die in einer der fünf europäischen Topligen spielen, wird Haiti stark darauf angewiesen sein, dass Isidor im Angriff Präsenz zeigt.
Ben Gannon-Doak: Schottlands Ass im Ärmel?
Euan Robertson, Content Manager bei Transfermarkt.co.uk: Man kann wohl sagen, dass Schottland nicht die aufregendste Nation sein wird, die man bei der WM beobachten kann. Steve Clarke ist bekannt für seinen äußerst vorsichtigen Ansatz, was sich bereits am mutlosen Ausscheiden bei der EM 2024 zeigte. Im schottischen Kader fehlt es deutlich an Tempo – doch Ben Gannon-Doak ist die große Ausnahme. Der Flügelspieler des AFC Bournemouth bietet etwas völlig anderes, und seine enorme Geschwindigkeit wird entscheidend sein, wenn Schottland gegen Marokko und Brasilien tief steht – gegen Außenseiter Haiti muss die Handbremse allerdings gelöst werden. Doak ist einer der wenigen Spieler im Kader, die ihren Gegenspieler im Eins-gegen-eins schlagen können, und er könnte auf der großen Bühne explodieren.
Verletzungen haben seine Saison nach dem Wechsel von Liverpool zu Bournemouth beeinträchtigt, doch es gibt einen Grund dafür, dass die Verantwortlichen an der Anfield Road eine Rückkaufklausel in seinen Vertrag aufnehmen ließen. Der 20-Jährige hat naturgemäß noch Bereiche in seinem Spiel, in denen er sich verbessern muss – insbesondere beim letzten Pass und Abschluss. Doch er besitzt das Profil, um für Schottland wirklich den Unterschied zu machen. Es wäre naheliegend, John McGinn oder Scott McTominay auszuwählen, da beide für Schottland eine prägende Rolle einnehmen. Doch Doak könnte Clarkes Ass im Ärmel sein.
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