02.07.2026 - 15:42 | Quelle: Transfermarkt | Lesedauer: unter 6 Min.
Sidney Sam
Nächster Schritt als Trainer 

Nach Station auf Schalke: Sam über Talente-Entwicklung und Voraussetzungen zum Profi

Schalke 04: Trainer Sidney Sam steht vor nächstem Schritt
©IMAGO

Sidney Sam hat im Fußball mit 37 Jahren schon viele Rollen durchlebt: Bundesliga-Profi, Nationalspieler, Champions-League-Teilnehmer – und inzwischen auch Trainer, Förderer und Entwickler junger Spieler. Nach dem Ende seiner Zeit beim Aufsteiger Schalke 04, die zum 30. Juni einvernehmlich auslief, steht er nun vor dem nächsten Schritt in seiner zweiten Karriere.


Mitarbeiter
Sidney Sam
S. Sam Alter: 38
Vereinslos
Vereinslos


Im Gespräch mit Transfermarkt blickt Sam auf seine Jahre in Gelsenkirchen zurück, in denen er zunächst als Co-Trainer unter Karel Geraerts und Kees van Wonderen arbeitete und später in der Betreuung der Schalker Leihspieler tätig war. Der gebürtige Kieler spricht über die besondere Arbeit an der Schnittstelle zwischen Nachwuchs- und Profibereich, die Entwicklung junger Talente, die Bedeutung von Vertrauen im Trainerjob – und darüber, wie es für ihn weitergehen könnte.



Die Zeit als Co-Trainer in der 2. Bundesliga sei „insgesamt sehr lehrreich“ gewesen, berichtet Sam. „Die Zusammenarbeit hat viel Spaß gemacht, auch wenn es sportlich für den Klub eine schwierige Phase war“, so der frühere Offensivspieler, der nach seinen Anfängen in Duisburg auf Schalke als Teil des Trainerteams „insbesondere in Sachen Taktik noch einmal viel mitnehmen“ konnte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit lag während der ersten Phase bei den Gelsenkirchenern allerdings auf dem Übergang junger Spieler aus dem Nachwuchs- in den Profibereich, er war für die Koordination zwischen Profibereich, U23, U19 und U17 mitverantwortlich. „Diese Schnittstellen-Funktion beinhaltet natürlich viel Kommunikation, viele Abstimmungsprozesse: Wann ist ein Spieler bereit für den Sprung ins Profitraining? Wann ist der Schritt über die U23 und Spielpraxis sinnvoll? Wann möglicherweise ein Leihgeschäft? Wie bereite ich die Jungs individuell auf den next Step vor?“



Die intensive Arbeit mit Talenten beschreibt Sam im TM-Gespräch detailliert. „Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der viel Beobachtung, individuelle Analysen, daraus resultierende maßgeschneiderte Trainingsinhalte und entsprechende Nach- sowie Vorbereitung der Spiele am Wochenende umfasst.“ Dabei gehe es nicht nur darum, junge Spieler möglichst schnell an die erste Mannschaft heranzuführen, sondern vor allem um den richtigen Zeitpunkt, betont der Ex-Nationalspieler.


Sam über Durchlässigkeit: „Viele brauchen nochmal den Zwischenschritt“


„Man muss sehr sorgfältig und genau abwägen. Natürlich gibt es Top-Talente, die man ohne große Bedenken auch mal ins kalte Wasser schmeißen und sich freischwimmen lassen kann. Weil sie die physischen und mentalen Voraussetzungen bereits früh mitbringen. Taylan Bulut war beispielsweise so ein Spieler, der vergleichsweise wenig Akklimatisierungszeit benötigte und relativ schnell zum Stammspieler wurde. Aber das sind Ausnahmen. Viele junge Spieler brauchen im Entwicklungsprozess nochmal diesen Zwischenschritt.“



Neben Bulut förderte Sam auf Schalke unter anderem Spieler wie Vitalie Becker, Mauro Zalazar, Zaid Tchibara, Max Grüger oder Peter Remmert. „Es ist immer das Ziel, die Jungs so umfassend wie möglich an das Profi-Niveau heranzuführen. Natürlich spielt im schnelllebigen Geschäft auch die Zeit dabei eine Rolle, wichtig ist aber vor allem die Nachhaltigkeit, um junge Spieler nicht – überspitzt gesagt – zu verheizen. Wenn es dann einer schafft, ist das natürlich immer ein tolles Gefühl der Bestätigung und der Belohnung für die intensive gemeinsame Arbeit.“


Marktwert
Max Grüger
M. Grüger Defensives Mittelfeld
1,20 Mio. €


Und welche Voraussetzungen muss ein Talent für den Sprung in den Profibereich mitbringen? „Natürlich muss man gewisse Attribute aufweisen, die unerlässlich sind, um Profi zu werden. Dazu zähle ich zum Beispiel hohe technische Qualitäten, ein taktisches Grundverständnis, eine gute Entscheidungsfindung auf dem Platz, mentale Stabilität, aber auch die richtige Einstellung, den Hunger auf Erfolg und die Bereitschaft hart an sich zu arbeiten und an die persönlichen Grenzen zu gehen, um sich stetig weiterzuentwickeln. Wenn man dann noch eine oder mehrere, ich nenne es mal ‚individuelle Top-Skills‘ zu seinen fußballerischen Eigenschaften zählen kann – sei es im Dribbling, Abschluss, Zweikampf oder Ähnlichem – , dann sind das schonmal gute Voraussetzungen. Und auch entscheidende Indikatoren dafür, wann ein junger Spieler bereit ist, den nächsten Schritt zu machen“, so Sam.


Marktwert
Taylan Bulut
T. Bulut Rechter Verteidiger
5,00 Mio. €


Für den 122-fachen Bundesliga-Spieler (46 Scorer) ist in der Talententwicklung vor allem Nähe zum Spieler wichtig. Der frühere Profi, der während seiner aktiven Laufbahn unter anderem für Bayer Leverkusen, den Hamburger SV, Bochum, Kaiserslautern und Schalke spielte, setzt dabei viel auf Vertrauen und eine persönliche Bindung. „Mein Anspruch ist es schon, so nah wie möglich am Spieler zu sein. Eine gewisse Vertrauensbasis, eine zwischenmenschliche Ebene und einfach eine coole Verbindung zu den Jungs ist grundlegend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Das gehört für mich neben den inhaltlichen Faktoren und Methoden dazu und ist in meinen Augen auch mitentscheidend für eine positive Gesamtentwicklung – und dazu zähle ich nicht nur das Sportliche, sondern auch die individuelle Persönlichkeit.“


Trainer Sam: „Will mich bestmöglich weiterentwickeln “


Zuletzt agierte Sam auf Schalke auch als Betreuer der Leihspieler. Über die Aufgabe sagt er rückblickend: „Man begleitet die Jungs sportlich natürlich eng weiter, auch wenn sie dann anderswo auflaufen. Vor- und Nachbereitung ihrer Spiele, gemeinsame Analyse und Lösungsfindung bei Problemen. Dazu gehört neben dem Austausch mit den Spielern selbst natürlich auch eine regelmäßige Kommunikation mit den Trainern oder Sportdirektoren und beidseitig transparentes Feedback. Es läuft ja nicht immer automatisch reibungslos ab, jeder Spieler braucht Eingewöhnungszeit, nicht immer spielt man direkt von Anfang an, da gibt es oftmals und gerade in der Anfangszeit viel Gesprächsbedarf.“


Gerade in dieser Rolle helfe Sam die Erfahrung aus der eigenen Profikarriere, aus der ihm die Herausforderungen junger Spieler, der Umgang mit Erwartungsdruck, Rückschlägen und neuen Umfeldern nach wie vor sehr präsent sind. „Man muss in alle Richtungen sensibel agieren und auch viel Empathie mitbringen. Der Spieler darf ja nicht in Panik geraten und muss das sichere Gefühl haben: ‚Ok, da ist jemand von meinem Klub, der immer da ist und ein Auge drauf hat.‘ Und wenn es eben nicht so anläuft, wie erwartet, muss man den Jungs Gründe und Potenziale aufzeigen. Die meisten nehmen das auch an und sind in diesen Situationen sehr dankbar und auch für kritisches Feedback offen.“


Leistungsdaten
Sidney Sam
S. Sam Rechtsaußen
Gesamte Leistungsdaten
Alle Wettbewerbe
Spiele
420
Tore
81
Vorlagen
57


Als ein Beispiel nennt der 37-Jährige Martin Wasinski, den Schalke in den vergangenen eineinhalb Jahren nach Belgien verliehen hatte. „Martin war eigentlich eher im defensiven Zentrum auf der Sechs oder in der Innenverteidigung unterwegs, ist in Lüttich aber zum Rechtsverteidiger avanciert. Wir haben es erfolgreich hinbekommen, dass der dort dann sehr gut bis herausragend performt hat, obwohl es ursprünglich nicht seine Stammposition war.“


Sidney Sam im Austausch mit Schalkes Martin Wasinski.
Sidney Sam im Austausch mit Schalkes Martin Wasinski.


Die Betreuung von Leihspielern und deren Weiterentwicklung sei stets auch als Teil der strategischen Entwicklung zu betrachten, betont Sam im TM-Gespräch. „Letztlich ist immer das Ziel, die Jungs über Leihen und entsprechende Entwicklung zum Kaderspieler zu machen oder aber eine Marktwertsteigerung zu erreichen, die dann unter Umständen zu einem gewinnbringenden Verkauf führt.“


Marktwert
Martin Wasinski
M. Wasinski Rechter Verteidiger
400 Tsd. €


Nach dem Ende seiner Zeit auf Schalke ist Sams nächste Station noch offen. Festgelegt ist er dabei nicht, klar ist aber: Der frühere Nationalspieler will seinen Weg als Trainer fortsetzen. „Ich kann mir gut vorstellen, die Co-Trainer-Rolle noch ein paar Jahre auszuüben und mich bestmöglich weiterzuentwickeln, um vielleicht irgendwann den nächsten Schritt zum Cheftrainer zu gehen. Dazu gehört natürlich auch die Pro-Lizenz, die ich absolvieren möchte. Und dann wird man sehen, wie es weiter geht – grundsätzlich habe ich große Freude an meiner Arbeit und daran, junge Spieler zu entwickeln und auf das nächste Level zu bringen. Ich habe aber keine Hektik, das Paket muss passen und im Vordergrund stehen mit Blick auf die nächste Aufgabe bei mir Sinnhaftigkeit, Perspektive und Spaß an der Herausforderung.“


Text und Interview: Thomas Deterding


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