Lüftl über Schalkes Zielkader & Scouting-Philosophie: S04-DNA „steht für uns über allem“
Maximilian Lüftl ist erst seit einem halben Jahr auf Schalke – und bereits einer der zentralen Köpfe hinter dem sportlichen Kurs des Aufsteigers. Als Direktor der neu geschaffenen Einheit Scouting und Transfers soll der 31-Jährige mithelfen, den Kader von S04 nicht nur bundesligatauglich zu machen, sondern Schritt für Schritt nach einer klaren Idee zu formen. Im großen Transfermarkt-Interview spricht Lüftl unter anderem über seinen gelungenen Start in Gelsenkirchen, seine Scouting-Philosophie und die elementare Bedeutung von funktionierenden Netzwerken.
Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die vielzitierte Schalke-DNA: Welche Spielertypen passen zum Klub? Wie hilft das hauseigene Tool „Stats Libuda“ bei der Suche? Und warum reicht Datenanalyse allein nie aus, wenn am Ende Menschen, Charaktere und Kabinengefüge entscheiden? Lüftl erklärt außerdem, wie Schalke nach dem Aufstieg den Zielkader für die Bundesliga denkt – nicht als kurzfristiges Transferfenster-Projekt, sondern als mittel- bis langfristigen Entwicklungsprozess. Es gehe um Beständigkeit, Marktwertpotenzial, Durchlässigkeit aus der Knappenschmiede, kreative Transfermodelle und den Anspruch, eine Mannschaft aufzubauen, „für die die Fans gerne ins Stadion gehen“.
Transfermarkt: Herr Lüftl, Sie sind letzte Woche zum Direktor Scouting und Transfers ernannt worden – können Sie eingangs erläutern, welche Änderungen und Herausforderungen das für Ihre persönliche Rolle, aber auch in den generellen Abläufen auf der Schalker Führungsebene mit sich bringt?
Maximilian Lüftl: Die Themen und Schwerpunkte sind durch die Anpassung und das Schaffen der neuen Direktion nochmal klarer gezogen und festgezurrt. An unserer von Beginn an sehr engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit ändert sich durch diese grundsätzliche strukturelle Maßnahme nichts. Mein persönlicher Alltag stellt sich auch nicht auf den Kopf, sondern ich werde die Dinge genauso handhaben wie zuvor.
Transfermarkt: Werden Sie in der neuen Funktion ein Stück weit weniger operativ tätig sein und mehr delegieren?
Lüftl: Nein, ich bin grundsätzlich viel im Markt präsent und unterwegs. Das zählt auch weiterhin zu meinen Aufgaben und ändert sich durch die neue Position nicht. Ich werde auch weiterhin sehr operativ tätig sein und dabei an meinen Grundprinzipien festhalten. Gleichzeitig geht es in meiner Rolle auch stark um konzeptionelle Ansätze und Entwicklungen.
Transfermarkt: Auf die Grundprinzipien wollen wir gleich noch zu sprechen kommen, vorab vielleicht noch: Was bedeutet diese Beförderung Ihnen persönlich – insbesondere mit Blick auf die Tatsache, dass sie erst ein halbes Jahr im Klub sind?
Lüftl: Natürlich freut mich dieser Vertrauensbeweis, der nach so kurzer Zeit sicher nicht selbstverständlich ist. Gerade bei so einem Klub wie Schalke 04 ist das etwas ganz Besonderes, was ich persönlich sehr zu schätzen weiß. Ich bin mir der Größe dieser Aufgabe bewusst und ich gehe sie positiv und optimistisch an.
Transfermarkt: Sie waren fast vier Jahre als Chefscout bei Hannover 96 tätig. Gibt es generell Unterschiede, die Sie in der Arbeit bei den beiden Traditionsklubs im letzten halben Jahr festgestellt haben?
Lüftl: Alles ist bei Schalke sicherlich nochmal ein bisschen größer, was die Gesamtstruktur, die Themenfelder des Vereins und somit natürlich auch die Kommunikationswege angeht. Das war mir vom ersten Tag an bewusst und ist nichts, was mich überrascht oder wo ich Anpassungsschwierigkeiten gehabt hätte.
Lüftls Scouting-Prinzipien: Ganzheitlicher Ansatz schlägt „Schema F“
Transfermarkt: Wie fällt nach rund sechs Monaten ihr erstes persönliches Schalke-Fazit aus, wie sind Sie angekommen?
Lüftl: Schalke ist ein cooler, ein besonderer Verein mit vielen tollen Menschen, die mir den Start hier sehr einfach gemacht haben. Ich wurde offen und herzlich empfangen, und insbesondere in der Anfangszeit bin ich auf viel Hilfsbereitschaft und Unterstützung getroffen – das ist ja immer eine Grundvoraussetzung dafür, dass man gut ankommen kann. Es herrscht hier nach meinem bisherigen Empfinden ein sehr vertrauensvolles und positives Miteinander, so dass sich die Zusammenarbeit schnell einspielen konnte. Es war ein gelungener Start und ich freue mich auf das, was jetzt vor uns liegt und wir nach dem gelungenen Aufstieg gemeinsam anpacken wollen.
Transfermarkt: In der Pressemitteilung zu Ihrem Amtsantritt hieß es im Januar: „Er denkt Fußball wie wir: von der grundsätzlichen DNA des Vereins, der dazu passenden Philosophie eines Trainers bis zur Auswahl der Spieler. Dabei setzt er auf eine Mischung aus Daten-, Video- und Live-Scouting, die perfekt zu unserem Setup passt.“ Wie würden Sie Ihre persönliche Scouting-Philosophie grob umreißen?
Lüftl: Grundsätzlich sollte Scouting immer ganzheitlich betrachtet werden und als ein Prozess, der nicht endet. Es gibt kein „Schema F“ und stets zahlreiche Faktoren, die ins Gewicht fallen können und bei denen man im Laufe dieses Prozesses noch tiefer reingehen kann. Gründlichkeit ist das A & O. Dazu gehört, dass man alle zur Verfügung stehenden Tools nutzt, um die Wahrscheinlichkeit maximal zu erhöhen, eine gute Entscheidung zu treffen. Das ist der zentrale Kern meiner Arbeit und zugleich der Antrieb und das Ziel. Eine hundertprozentige Garantie, dass ein Spieler passt, wird es nie geben – aber diesem Punkt muss man im Rahmen der Möglichkeiten so nahe wie möglich kommen.

Transfermarkt: Wie gewichten Sie persönlich Daten-, Video- und Live-Eindrücke beim Scouting?
Lüftl: Das ist immer individuell zu bewerten, daher würde ich keine Gewichtung vornehmen. Wir differenzieren dahingehend auf Schalke auch nicht, vielmehr gehören all die angesprochenen Dinge zu einer vollumfänglichen Rekrutierung dazu. Bei manchen Spielern bringt man bereits ein größeres Wissen aus Live-Erfahrungen und in diesem Zuge gesammelten Beobachtungen mit, weil man diese vielleicht schon seit mehreren Jahren verfolgt. Bei anderen, bei denen man aus unterschiedlichen Gründen nicht jedes Wochenende vor Ort sein kann, liegt der Fokus logischerweise zunächst auf dem Datenbestand. Am Ende geht es immer um eine 360-Grad-Abdeckung und darum, die richtige Mischung zu finden, die am Ende passt.
Transfermarkt: Im Winter haben Sie Adil Aouchiche nicht zuletzt aufgrund Ihres Insider-Wissens über dessen Vertragskonstellation nach Gelsenkirchen gelotst. Zu Ihrer Rolle gehört es auch, die Berater-Netzwerke zu intensivieren – wie wichtig sind diese heute im Scouting?
Lüftl: Ein funktionierendes Netzwerk ist elementar, das gilt grundsätzlich für alle Ebenen im Profifußball. Diese Kontakte können sich positiv auswirken und ausschlaggebend werden, wie der Aouchiche-Transfer gezeigt hat. Den so zügig über die Bühne zu bringen, wäre ohne diese Vernetzungen nicht möglich gewesen.
Transfermarkt: Wie greift Ihr Scouting-Netzwerk grundsätzlich – können Sie die idealen Arbeitsabläufe anhand eines konkreten oder fiktiven Beispiels einmal skizzieren?
Lüftl: Nehmen wir beispielhaft Spieler X: Dann ist es zunächst unsere Aufgabe und Pflicht, so viele Meinungen wie möglich über ihn einzuholen. Das geht beim internen Scouting los, in dessen Rahmen wir über das Netzwerk an Scouts so viele Blickwinkel wie möglich einbeziehen. Im nächsten Schritt holen wir weitere Meinungen und Perspektiven ein, sei es über ehemalige Trainer, Mitspieler oder weitere sportliche Bezugspersonen – immer mit dem Ziel, ein vollumfängliches Bild vom Spieler zu bekommen. Komplettiert wird dieses durch den persönlichen Eindruck, den man sich im direkten Austausch holt und dann mit dem gesammelten Input abgleichen und entsprechend einordnen kann.
Transfermarkt: Welche Rolle spielen neben den sportlichen Faktoren bei einem Spieler auch Charakter- und Umfeldrecherche?
Lüftl: Das ist unabdingbar und fester Teil unseres Rekrutierungsprozesses. Es ist deshalb sehr wichtig, weil wir einen Mannschaftssport betreiben. Die Überzeugung, dass ein Spieler auch charakterlich in die Kabine passt und dass er über den notwendigen Antrieb sowie die richtige Motivation verfügt, die ihn letztlich im Gesamtpaket für Schalke passend macht, muss immer gegeben sein.
Lüftl über den idealen Schalke-Profi: „Hohe Aktivität und Intensität“
Transfermarkt: Sie haben die Relevanz und Besonderheit der Schalke-DNA schon bei Ihrem Antritt im Januar mehrfach betont – wie machen Sie diese bei einem Spieler konkret sichtbar?
Lüftl: Eine wichtige Rolle dabei spielt sicherlich unser Scouting-Tool „Stats Libuda“. Damit lässt sich zügig ein erstes Bild vom Spieler zeichnen, und sehen, in welchem Maße er die für uns notwendigen Kriterien bereits mitbringt. Deswegen besitzt das Tool auch einen wichtigen Stellenwert für unsere Kaderplanung und das Scouting.
Transfermarkt: … und darauf kommen wir gleich noch konkreter zu sprechen …
Lüftl: … ja. Natürlich kommt es auch vor, dass wir erste Eindrücke von Spielern in der Live-Betrachtung im Stadion generieren und unsere Beobachtungen danach ins Tool geben und abgleichen. Andersherum ploppen Spieler aufgrund ihrer hohen Schalke-DNA in „Stats Libuda“ auf und wir gehen auf der Basis ins Live- oder Video-Scouting. Basis eines jeden Findungsprozesses ist immer das Bewusstsein darüber, für welche grundsätzlichen Werte man steht und wie ein Spieler diese auf dem Platz und auf der jeweiligen Position verkörpern soll. Das bildet die vielzitierte DNA ab und steht für uns über allem. Heutzutage werden unendlich viele Daten erhoben, so dass man sich ohne einen roten Faden ohnehin schnell darin verlieren kann.

Transfermarkt: Welche Eigenschaften muss der ideale Schalke-Profil also Stand jetzt mitbringen?
Lüftl: Wenn man weiß, wo Schalke herkommt und welche Werte der Klub verkörpert, ist es relativ klar, auf welche Spielertypen wir einen besonderen Fokus legen. Wir wollen grundsätzlich Spieler mit einer hohen Aktivität und Intensität, sowohl mit als auch gegen den Ball. Das lässt sich anhand der entsprechenden Parameter gut auf die jeweilige Position herunterbrechen. Logischerweise bewerten wir einen Stürmer dabei anders als einen Innenverteidiger und legen dann auch andere Anforderungen zugrunde, die unsere DNA abbilden. Wir werden in der nächsten Zeit sehr hart im Spiel gegen den Ball arbeiten müssen, um uns auf Sicht in der Bundesliga stabilisieren zu können. Es ist es dafür extrem wichtig, Spieler zu haben, die das beschriebene Volumen mitbringen.
Transfermarkt: Wie erfolgten vor diesen Hintergründen beispielsweise die getätigten Transfers von Junior Adamu und Satoshi Tanaka?
Lüftl: Wir haben unabhängig von den beiden für jede Position ein Profil erstellt, um zu wissen, wie wir uns beispielsweise den Schalker Sechser oder den Schalker Stürmer vorstellen, der bestmöglich in unsere Spielphilosophie und zu unseren Abläufen passt. Dann ist relativ zügig herausgekommen, dass die beiden sehr gut zu uns passen. (lacht) Beide Spieler zeichnet neben allen anderen Qualitäten unter anderem diese beschriebene hohe Aktivität und Intensität aus, was für uns einfach ein elementarer Bestandteil ist.
Transfermarkt: Sie haben mögliche Herausforderungen in der Bundesliga schon angerissen, inwiefern hat sich das Anforderungsprofil an den Kader durch den Aufstieg nochmal verändert?
Lüftl: Natürlich kommen mit einem Aufstieg neue Herausforderungen hinzu, und es wird sportlich deutlich schwieriger, weil die Konkurrenzsituation eine ganz andere ist. Aber das heißt nicht, dass wir unseren Fokus im Scouting grundsätzlich verändern. Die gesuchten Spielerprofile bleiben die gleichen. Wir befinden uns gemeinsam auf einem sehr guten Weg, der schon im Sommer 2025 eingeschlagen wurde und im Aufstieg ein erfolgreiches erstes Ergebnis fand. Aber das bedeutet nicht, dass wir alles über den Haufen werfen und uns jetzt neu orientieren – ganz im Gegenteil. Es bekräftigt uns eher darin, weiter bei unseren Prinzipien zu bleiben und unserem Weg konsequent fortzuführen.
Transfermarkt: Wie würden Sie mit Blick auf die neue Spielzeit den Schalker Zielkader definieren?
Lüftl: Der Begriff Zielkader ist nie kurz, sondern immer mittel- bis langfristig zu definieren. Man setzt ihn nicht binnen einer Transferperiode um. Vielmehr benötigt es als Basis auch eine gewisse Beständigkeit in der Liga, um irgendwann zum anvisierten Ziel zu kommen. Wir haben dahingehend einen großen ersten Schritt gemacht. Jetzt geht es darum, in den nächsten Jahren und Transferperioden darauf aufzubauen und in der Kaderplanung beständig weiter auf unsere grundsätzlichen Vorstellungen hinzuarbeiten. Dazu zählt nach wie vor, auch die Jungs aus der Knappenschmiede permanent einzubauen und daneben immer wieder Säulen in die Mannschaft zu integrieren, an denen sich junge Spieler orientieren und mit deren Hilfe sie sich weiterentwickeln können. Natürlich beinhaltet es Spieler, die eine gewisse Marktwertsteigerung mit sich bringen oder das Potenzial dazu haben.
Transfermarkt: Wie wichtig ist für Schalke der Faktor Wiederverkaufswert?
Lüftl: Natürlich spielt der eine wichtige Rolle. Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren, wissen aber, dass es für dieses Ziel in den nächsten Jahren mit Blick auf eine anvisierte finanzielle Stabilität weiterhin zu Verkäufen kommen wird. Nur dann können wir es schaffen, dass wir uns aus einer wirtschaftlichen Stärke heraus sukzessive sportlich weiter nach vorne entwickeln.
Lüftl über Scouting-Tool „Stats Libuda“: „Viele Vereine wären froh darüber“
Transfermarkt: Kommen wir nochmal auf „Stats Libuda“ zu sprechen. Das Tool ist dynamisch, welche Rolle spielen Sie und ihr Team in der Weiterentwicklung?
Lüftl: Grundsätzlich entwickeln wir das Tool permanent weiter. Es handelt sich nicht um ein Werkzeug, das jetzt da ist und dann in den nächsten zehn Jahren so bleibt. Wir füttern es beständig mit unserem Input, um nachhaltige und bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Der Klub kann sehr stolz darauf sein, was man mit „Stats Libuda“ geschaffen hat.
Transfermarkt: Würden Sie es als Wettbewerbsvorteil bezeichnen?
Lüftl: Ich würde es so ausdrücken: Ich glaube, viele Vereine wären glücklich darüber, ein solches Tool nutzen zu können.
Transfermarkt: Welche Grenzen hat „Stats Libuda“?
Lüftl: Letztlich darf man nie vergessen, dass es um Menschen geht. Und deswegen werden der persönliche Austausch und Kontakt im Rekrutierungsprozess – unabhängig von jeder technischen Hilfe – immer unabdingbar bleiben. Wir fokussieren uns in unserer Arbeit auf die Vorteile, die wir durch das Tool haben.
Transfermarkt: Kann ein Spieler mit schwachen „Stats Libuda“-Werten trotzdem noch zu einem Schalke-Transfer werden?
Lüftl: Ja, definitiv. Wir arbeiten hier bereichsübergreifend mit der Überzeugung, dass wir Spieler mit Blick auf die Schalke-DNA innerhalb unserer Prinzipien entwickeln können. Zur Verdeutlichung: Wenn Du einen Spieler hast, der in einer extrem ballorientierten Mannschaft spielt, dann wird er in der Statistik im Normalfall deutlich weniger intensive Läufe und weniger intensive Meter gegen den Ball aufweisen. Also die DNA der jeweiligen Mannschaft muss beim Blick auf die Daten stets berücksichtigt werden. Wir hatten auch schon Spieler, die wir richtig gut fanden, deren Schalke-DNA-Werte aufgrund solcher Hintergründe aber weniger ausgeprägt waren. Das muss man stets in den Kontext setzen und das sind auch Themen, bei denen wir unsere Arbeit permanent weiterentwickeln. Und hier komme ich dann wieder zum ganzheitlichen Prozess zurück – an solchen Punkten geht man dann ins Video- oder Live-Scouting mit dem Wissen: ‚Okay, die Schalker DNA ist aus Gründen X oder Y bei diesem Spieler nicht so stark ausgeprägt, aber wir sehen in seinem Profil dennoch vielversprechende Ansätze und die Möglichkeit, dass er sich in unserem Sinne entwickeln kann.‘
Das ist das Spannende. Und um es auch andersherum nochmal deutlich zu machen: Wenn wir Spieler mit einer bereits sehr hohen S04-DNA verpflichten, wie zum Beispiel in den Fällen von Soufiane El-Faouzi oder auch Aouchiche, dann hat sich gezeigt, dass diese nur eine sehr kurze Anlaufzeit benötigen, um sich bei uns zurechtzufinden.
Transfermarkt: Ein TM-User fragte bei uns im Forum: Inwiefern wird „Stats Libuda“ auch je nach Ligazugehörigkeit angepasst?
Lüftl: Das ist möglich und auch ein wichtiger Faktor für unsere Arbeit sowie für eine saubere Einschätzung der Datenlage. Wir differenzieren Ligen in Clustern, denn ein Spieler mit sehr guten Werten in einer kleineren Liga kann logischerweise nicht gleichgestellt sein mit einem Spieler, der Top-Werte in einer der großen europäischen Ligen aufweist.
Lüftl über Schalker Märkte und Transfermodelle: Keine Einschränkungen
Transfermarkt: Stichwort Cluster – gibt es Märkte, die in Ihren Augen für Schalke in diesem Sommer besonders interessant sind?
Lüftl: Wir verschließen uns grundsätzlich keinem Markt. Am Ende geht es immer um den Spieler. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es unterschiedlichste Spieler geschafft haben, hier auf Schalke gut zu spielen.
Transfermarkt: Legen Sie in der aktuellen Situation einen Fokus auf bestimmte Transfermodelle wie Leihen oder ablösefreie Spieler?
Lüftl: Ich denke, wir haben in den vergangenen Wochen und auch im vergangenen Winter mit unseren Transfers gezeigt, dass wir grundsätzlich in der Lage sind, kreative Lösungen zu finden. Wir sind im Liga-Vergleich ein Stück weit finanziell gedeckelt, was für uns aber gar nicht schlimm ist. Wir wussten um den Umstand und trotzdem hindert es uns nicht daran, gute Entscheidungen zu treffen. Das kann sowohl über eine Leihe, über eine ablösefreie Verpflichtung oder eine Ausstiegsklausel der Fall sein – wir beschäftigen uns mit allen Möglichkeiten intensiv und lassen uns nicht einschränken.
Transfermarkt: Mal grundsätzlich gefragt: Wie oft scheitern gute Ideen Ihrer bisherigen Erfahrung nach am Finanziellen?
Lüftl: Aufgrund der großen Summen, die im internationalen Fußball zur Normalität geworden sind, kommt das vor. Es gibt immer den einen oder anderen Verein, der einfach mehr bezahlt. Das ist aber nicht schlimm. Wir wissen, was wir wollen, wir wissen, was wir brauchen und agieren am Markt mit entsprechendem Selbstbewusstsein. Wir sind absolut überzeugt davon, dass wir in unserem Rahmen die passenden Spieler finden. Wir wollen den Verein langfristig und Schritt für Schritt entwickeln. Deswegen beschäftigen wir uns nicht damit, was nicht geht, sondern stellen in den Fokus, was wir zu bieten haben. Und das sind eine Menge weitere Aspekte als nur Geld. Wir wissen, dass wir uns nicht verstecken müssen.
Transfermarkt: Gibt es Länder oder Mannschaften bei dieser WM, die für Schalke aus Scouting-Sicht interessant sind?
Lüftl: Es gehört natürlich zu unseren grundsätzlichen Pflichten und unserem Anspruch, dass wir auch solche Turniere sorgfältig abdecken und dort scoutingtechnisch unterwegs sind. Logischerweise werden wir jetzt nicht die Top-3-Spieler von Frankreich verpflichten können, aber es gibt dann doch auch die ein oder andere Nation, wo vielleicht auch ein Spieler für uns dabei ist ...
Lüftl über Schalker Nachwuchs: Zentraler Faktor der Kaderplanung
Transfermarkt: Sie haben die Knappenschmiede bereits erwähnt, welche Rolle spielt das Thema Nachwuchs konkret in der Schalker Kaderplanung?
Lüftl: Die erfolgreiche Vergangenheit der Knappenschmiede ist bekannt, jetzt wollen wir gemeinsam die Zukunft gestalten. Unser Bestreben ist es, eine intensive Durchlässigkeit zum Profibereich aufrechtzuerhalten. Das bedeutet konkret, dass wir versuchen, gewisse Kaderplätze für unsere eigenen Spieler freizuhalten. Wir haben in der Vergangenheit dank der tollen Arbeit unserer Trainer in der Knappenschmiede wiederholt bewiesen, dass Jungs der Sprung in unsere erste Mannschaft gelingt. Grundlage dafür ist die Bereitschaft in der sportlichen Führung, diese Chance zu gewährleisten und den Nachwuchs als einen zentralen Faktor der Kaderplanung zu betrachten. Das ist gegeben, genauso wie der Mut, die Jungs bei entsprechender Gelegenheit ins kalte Wasser zu schmeißen und sich freischwimmen zu lassen.
Transfermarkt: Sehen Sie aktuell Kandidaten, denen Sie den Sprung in der kommenden Saison zutrauen würden?
Lüftl: Ich würde diese Frage nicht auf nächstes Jahr reduzieren und möchte auch niemanden explizit herauspicken. Wir haben gesehen, dass es sowohl in der U17, U19 und U23 definitiv Kandidaten mit dem Potenzial gibt, den Weg in unsere Lizenzmannschaft zu gehen. Wir kennen die Jungs bestens und versuchen sie Stück für Stück heranzuführen. Ob es der eine oder andere dann dieses Jahr schafft oder in zwei Jahren, das spielt keine Rolle.
Transfermarkt: Nachwuchscoach Norbert Elgert besitzt auf Schalke längst Legendenstatus und feiert demnächst sein 30-jähriges Dienstjubiläum – wie ist ihr Verhältnis?
Lüftl: Wir haben einen sehr guten Austausch, ich schätze ihn und seine Expertise sehr. Er ist immer ein super Gesprächspartner, und ich habe danach immer das Gefühl, wieder etwas Neues gelernt zu haben. Wenn man direkt eine gute Ebene und ein gutes Gefühl hat, vereinfacht das natürlich die Zusammenarbeit und deswegen fühle ich mich auch dahingehend hier sehr gut angenommen und angekommen.
Schalkes Transferentscheidungen: „Konstruktive Diskussionskultur“
Transfermarkt: Wie würden Sie eine Transferentscheidung bei Schalke auf Entscheider-Ebene – dazu zählen wir neben Ihnen Frank Baumann, Youri Mulder und Miron Muslic – von der ersten Idee bis zur finalen Entscheidung skizzieren?
Lüftl: Basis ist das gemeinsame Bewusstsein für das anvisierte Ziel. Und bis dahin ist es eine fortlaufende Diskussion, die sich über mehrere Monate oder auch über die ganze Saison hinweg ziehen kann. Grundsätzlich empfinde ich persönlich es als eine unserer großen Schalker Stärken, dass wir in dem angesprochenen Kreis eine sehr offene und konstruktive Diskussionskultur pflegen. Und dieser fortlaufende Austausch trägt auch nachhaltig zur Schärfung der gesuchten Profile bei. Es nimmt sich selbst keiner wichtiger als die anderen, es wird keine Einzelmeinung höher gewichtet und wir treffen Entscheidungen aus dem Team und aus einer gemeinsamen Überzeugung heraus.
Transfermarkt: Und wenn doch mal Uneinigkeit herrscht?
Lüftl: Natürlich gibt es auch Situationen, in denen man an diesen Punkt kommt. Auch wenn ich mich wiederhole: Es macht uns tatsächlich stark, dass wir auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel unterschiedliche Meinungen zulassen. Es wird immer Spieler geben, die der eine anders bewertet und einstuft als ein anderer, aber das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass wir vor dem Hintergrund des gemeinsamen Ziels zu einer gemeinsamen Entscheidungen kommen können, von der alle überzeugt sind – auch, wenn es mal länger dauert. (lacht)
Transfermarkt: An welchen Stellen im Kader sehen Sie aktuell mit Blick auf den Sommer die größten Baustellen?
Lüftl: Wir werden versuchen, uns in jedem Mannschaftsteil zu verstärken. Wir sind in die Bundesliga aufgestiegen und uns ist bewusst, dass da oben noch mal ein anderer Wind weht. Wir sind auch der festen Überzeugung, dass der Kern der Mannschaft stimmt, und dass wir viele Spieler im aktuellen Kader haben, die sich durch die Hereinnahme des ein oder anderen neuen Mitspielers noch weiter verbessern und entwickeln können. Ein gesunder Konkurrenzkampf kitzelt ein paar Prozent mehr heraus. Es geht darum, dass wir in der Gesamtkompetenz und in der sportlichen Qualität den nächsten Schritt machen – das ist unsere Aufgabe.
Transfermarkt: Was muss passieren, damit Sie am 2. September sagen: ‚Das war ein gelungener Schalker Transfersommer‘?
Lüftl: Dass ich das Gefühl habe: Wir sind als Mannschaft besser geworden. Das steht über allem. Wir sind eine Mannschaft, die über das Kollektiv kommen muss und die Auswahl der richtigen Charaktere spielt dabei eine zentrale Rolle. Darüber hinaus muss ich das Gefühl haben, dass wir sowohl als Team als auch Verein mit diesem Kader den nächsten Schritt gehen können. Am Ende ist es im Fußball ein Stück weit banal: Wenn du gewinnst, dann waren die Entscheidungen richtig – wenn du verlierst, dann waren sie weniger gut. Das können wir einordnen und wissen, wo wir herkommen und dass wir Schritt für Schritt gehen. Das Ergebnis sehen wir dann vielleicht schon am 2. September. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir mit dem jetzigen Kader bereits auf einem sehr guten Weg dahin sind.

Transfermarkt: Abschließend: Was möchten Sie im Schalker Scouting langfristig bewirken?
Lüftl: Das Wichtigste ist für mich eine permanente und erfolgreiche Weiterentwicklung im Rahmen unserer geschilderten Ziele und mitsamt aller dabei zu bestehenden Herausforderungen – für die Profis wie für die Knappenschmiede. Ich denke, sowohl die Transfers im Winter als auch die der vergangenen Wochen haben relativ gut gezeigt, wo unser Fokus liegt. Am Ende ist es für mich wichtig, dass wir eine Mannschaft aufs Feld schicken können, für die die Fans gerne ins Stadion gehen, die die Schalker Tugenden widerspiegelt und mit der sich die Menschen hier identifizieren können.
Interview: Thomas Deterding
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Inhaltlich ist das Interview leider weniger spannend. Alles langweilige generische 08/15-Aussagen, die wahrscheinlich jeder PR-geschulte Verantwortliche in vergleichbarer Position im Profifussball ähnlich treffen würde. Aber so ist das ja heutzutage in dem Geschäft. Man kann es als Zeichen von Professionalität werten und froh sein, dass man nicht wie bei seinem Vorgänger Ben Manga nach einem Interview die wilden Diskussionen einfangen muss.
Wie die meisten Leute seines Alters wurde er schon sehr jung geboren.

- Geb./Alter:
- 24.09.1994 (31)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- FC Schalke 04
- Aktuelle Funktion:
- Direktor Profifußball und Scout
- Im Amt seit:
- 22.06.2026
- Gesamtmarktwert:
- 67,33 Mio. €
- Wettbewerb:
- Bundesliga
- Trainer:
- Miron Muslic
- Kadergröße:
- 30
- Letzter Transfer:
- Junior Dina Ebimbe









