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Historisches

13.04.2023 - 19:18 Uhr
Aufgrund der Feiertage habe ich leider versäumt tagesgenau darauf hinzuweisen: Am 9. April 1933 unterzeichneten (in vorauseilendem Gehorsam) 14 der 16 Teilnehmer der Endrunde der Süddeutschen Meisterschaft die sogenannte "Stuttgarter Erklärung". Laut Bericht im "kicker" erklärten die Vereine die Absicht, sich der nationalen Regierung zur Verfügung zu stellen, den Ausschluss von Juden aus den Vereinen zu vollziehen und den Wehrsport in ihre Ausbildungsprogramme zu übernehmen.

Mitunterzeichner waren der Karlsruher FV und mit Phönix Karlsruhe einer unserer Vorgängervereine. Walter Bensemann, Gründervater des Vereinsfußballs in Karlsruhe (KFV, Karlsruher Kickers) und weit darüber hinaus sowie Begründer und Chefredakteur des Fachblatts "kicker" (Erstausgabe mit KA-Bezug: https://www.historische-magazine.de/kicker-erstausgabe-14-juli-1920/) War schon Ende März in die Schweiz ins Exil gegangen. Julius Hirsch reagierte in einem Brief auf seinen Ausschluss: "Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen."

Vielleicht sollte nicht unerwähnt bleiben, dass zwei teilnehmende Vereine der Endrunde die Erklärung (aus mir nicht bekannten Gründen) nicht unterzeichneten: FSV Mainz 05 und Wormatia Worms.
Historisches |#1
13.04.2023 - 19:32 Uhr
Zitat von Dr_Knipser

Aufgrund der Feiertage habe ich leider versäumt tagesgenau darauf hinzuweisen: Am 9. April 1933 unterzeichneten (in vorauseilendem Gehorsam) 14 der 16 Teilnehmer der Endrunde der Süddeutschen Meisterschaft die sogenannte "Stuttgarter Erklärung". Laut Bericht im "kicker" erklärten die Vereine die Absicht, sich der nationalen Regierung zur Verfügung zu stellen, den Ausschluss von Juden aus den Vereinen zu vollziehen und den Wehrsport in ihre Ausbildungsprogramme zu übernehmen.

Mitunterzeichner waren der Karlsruher FV und mit Phönix Karlsruhe einer unserer Vorgängervereine. Walter Bensemann, Gründervater des Vereinsfußballs in Karlsruhe (KFV, Karlsruher Kickers) und weit darüber hinaus sowie Begründer und Chefredakteur des Fachblatts "kicker" (Erstausgabe mit KA-Bezug: https://www.historische-magazine.de/kicker-erstausgabe-14-juli-1920/) War schon Ende März in die Schweiz ins Exil gegangen. Julius Hirsch reagierte in einem Brief auf seinen Ausschluss: "Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen."

Vielleicht sollte nicht unerwähnt bleiben, dass zwei teilnehmende Vereine der Endrunde die Erklärung (aus mir nicht bekannten Gründen) nicht unterzeichneten: FSV Mainz 05 und Wormatia Worms.


Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Schlimm, dass die Vereine aus KA mit unterschrieben haben. Vermutlich war der Druck sehr hoch.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Villicus am 13.04.2023 um 19:35 Uhr bearbeitet
Historisches |#2
13.04.2023 - 19:42 Uhr
Zitat von Villicus
Zitat von Dr_Knipser

Aufgrund der Feiertage habe ich leider versäumt tagesgenau darauf hinzuweisen: Am 9. April 1933 unterzeichneten (in vorauseilendem Gehorsam) 14 der 16 Teilnehmer der Endrunde der Süddeutschen Meisterschaft die sogenannte "Stuttgarter Erklärung". Laut Bericht im "kicker" erklärten die Vereine die Absicht, sich der nationalen Regierung zur Verfügung zu stellen, den Ausschluss von Juden aus den Vereinen zu vollziehen und den Wehrsport in ihre Ausbildungsprogramme zu übernehmen.

Mitunterzeichner waren der Karlsruher FV und mit Phönix Karlsruhe einer unserer Vorgängervereine. Walter Bensemann, Gründervater des Vereinsfußballs in Karlsruhe (KFV, Karlsruher Kickers) und weit darüber hinaus sowie Begründer und Chefredakteur des Fachblatts "kicker" (Erstausgabe mit KA-Bezug: https://www.historische-magazine.de/kicker-erstausgabe-14-juli-1920/) War schon Ende März in die Schweiz ins Exil gegangen. Julius Hirsch reagierte in einem Brief auf seinen Ausschluss: "Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen."

Vielleicht sollte nicht unerwähnt bleiben, dass zwei teilnehmende Vereine der Endrunde die Erklärung (aus mir nicht bekannten Gründen) nicht unterzeichneten: FSV Mainz 05 und Wormatia Worms.


Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Schlimm, dass die Vereine aus KA mit unterschrieben haben. Vermutlich war der Druck sehr hoch.

Ob 1933 der Druck tatsächlich schon sehr hoch war kann ich nicht einschätzen. Aber indem man einfach pauschal darauf verweist macht man es sich vielleicht auch etwas einfach. Fakt ist, das nationalistisches Gedankengut zu dieser Zeit weit verbreitet war, gerade weil sich die ganzen abscheulichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs ab 1939 noch nicht in die Köpfe eingebrannt haben. Von daher kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man damals sehr wohl aus Überzeugung gehandelt hat und nicht weil irgendwelche Repressalien drohten. Ein äußerst dunkles Kapitel, das auch in unseren Geschichtsbüchern steht!
Historisches |#3
13.04.2023 - 19:53 Uhr
Zitat von betaeuber83

Zitat von Villicus

Zitat von Dr_Knipser

Aufgrund der Feiertage habe ich leider versäumt tagesgenau darauf hinzuweisen: Am 9. April 1933 unterzeichneten (in vorauseilendem Gehorsam) 14 der 16 Teilnehmer der Endrunde der Süddeutschen Meisterschaft die sogenannte "Stuttgarter Erklärung". Laut Bericht im "kicker" erklärten die Vereine die Absicht, sich der nationalen Regierung zur Verfügung zu stellen, den Ausschluss von Juden aus den Vereinen zu vollziehen und den Wehrsport in ihre Ausbildungsprogramme zu übernehmen.

Mitunterzeichner waren der Karlsruher FV und mit Phönix Karlsruhe einer unserer Vorgängervereine. Walter Bensemann, Gründervater des Vereinsfußballs in Karlsruhe (KFV, Karlsruher Kickers) und weit darüber hinaus sowie Begründer und Chefredakteur des Fachblatts "kicker" (Erstausgabe mit KA-Bezug: https://www.historische-magazine.de/kicker-erstausgabe-14-juli-1920/) War schon Ende März in die Schweiz ins Exil gegangen. Julius Hirsch reagierte in einem Brief auf seinen Ausschluss: "Ich lese heute im Sportbericht Stuttgart, dass die großen Vereine, darunter auch der KFV, einen Entschluss gefasst haben, dass die Juden aus den Sportvereinen zu entfernen seien. Leider muss ich nun bewegten Herzens meinem lieben KFV, dem ich seit 1902 angehöre, meinen Austritt anzeigen."

Vielleicht sollte nicht unerwähnt bleiben, dass zwei teilnehmende Vereine der Endrunde die Erklärung (aus mir nicht bekannten Gründen) nicht unterzeichneten: FSV Mainz 05 und Wormatia Worms.


Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Schlimm, dass die Vereine aus KA mit unterschrieben haben. Vermutlich war der Druck sehr hoch.

Ob 1933 der Druck tatsächlich schon sehr hoch war kann ich nicht einschätzen. Aber indem man einfach pauschal darauf verweist macht man es sich vielleicht auch etwas einfach. Fakt ist, das nationalistisches Gedankengut zu dieser Zeit weit verbreitet war, gerade weil sich die ganzen abscheulichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs ab 1939 noch nicht in die Köpfe eingebrannt haben. Von daher kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man damals sehr wohl aus Überzeugung gehandelt hat und nicht weil irgendwelche Repressalien drohten. Ein äußerst dunkles Kapitel, das auch in unseren Geschichtsbüchern steht!


Ja, aber der Druck war sofort da. Mein Opa musste sofort als Bürgermeister seines Heimatdorfs zurücktreten, da er sich weigerte, der Partei beizutreten. Das war bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung.

Es gibt aber auch Fälle, in denen Leute selbst übles Gedankengut hatten und deshalb üblerweise gern mitgemacht haben.

Ergo: Mit dem Vorwurf des sich Einfachmachens würde ich vorsichtig sein. Ohne Zweifel wäre es wünschenswert und erforderlich gewesen, Widerstand zu leisten. Aber als Spätgeborener hat man leicht reden.

VOR dem 30. Januar hätten die Dinge noch aufgehalten werden müssen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Villicus am 13.04.2023 um 20:01 Uhr bearbeitet
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