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Hip Hop Hertha

06.01.2007 - 23:18 Uhr
wußt net, wo ich das sonst reinmachen sollte. schonmal sorry for that.


Hip-Hop Hertha
Von MATHIAS SONNENBERG, FLORIAN SCHOLZ und PETER MÜLLER (Fotos)

Die coolen Hertha-Stars Boateng, Fathi und Chahed. Sie lieben schwarze Hip-Hop-Musik und ihre Multi-Kulti-Wurzeln: die Mutter Deutsche, der Vater Ausländer. Hier erzählen sie ihren harten Weg von der Straße in die Bundesliga.

BILD am SONNTAG: Was sagt Ihr, wenn die Leute fragen: Wo kommt Ihr eigentlich her?

Boateng: Ich komm aus Wedding.

Wedding, was ist das?

Boateng: Na ja, Wedding ist schon hart. Das ist Ghetto, mitten in Berlin! Ich schätze mal, dass 90 Prozent der Bewohner arbeitslos sind. Und damit steigt die Kriminalität. Und dann kommst du damit irgendwann in Berührung.

Sie auch?

Boateng: Der Fußball hat mich davor beschützt, auf die schiefe Bahn zu kommen. Anders als bei meinem großen Bruder, der hat viele dumme Sachen gemacht. Dabei hatte er das Zeug, Profi zu werden.

Fathi: Sofi und ich kommen zwar aus Zehlendorf, da ist die Welt behüteter als in Wedding. Aber als Fußballer lernst du schon als Jugendlicher die Jungs aus den anderen Stadtteilen kennen. Deshalb ist Wedding für uns auch keine fremde Welt.


Fühlt Ihr Euch so richtig als Deutsche?

Chahed: So richtig als Deutscher nicht! Ich bin hier in Berlin aufgewachsen, ich habe eine deutsche Mutter. Aber mein Vater ist Tunesier, ich fühle mich zu beiden Ländern hingezogen.

Fathi: Wir sind alle stolz darauf, dass wir halb-halb sind!

Boateng: Man soll immer stolz darauf sein, wo man herkommt!

Fühlt Ihr euch als Botschafter Eurer Nationen?

Fathi: Auf jeden Fall. Ich würde sagen: Wir sind Botschafter für Toleranz!

Habt Ihr denn überall Toleranz erfahren?

Boateng: Ganz bestimmt nicht! Wenn ich noch daran denke, wenn wir in der Jugend gegen Sachsen Leipzig gespielt haben. Da wusstest du schon vorher: Heute gibt’s wieder richtig Zoff!

Chahed: Aber auch im Osten von Berlin war das heftig in der Hertha-Jugend! Da wurden wir nicht nur von den gegnerischen Fans, sondern auch von den Gegenspielern bepöbelt.

Was habt Ihr erlebt?

Chahed: Ich war in meiner Jugendzeit mit Malik zusammen in der Disko. Als wir um 3 Uhr morgens rauskamen, saßen ein paar Glatzen draußen.

Fathi: (unterbricht) Schwarzköppe wie wir haben es allgemein schwieriger. Wir sind mit unseren beiden Freunden schnell zur Bushaltestelle gegangen. Doch die sind zu acht hinter uns her.

Chahed: Plötzlich zogen sie Messer und Schlagringe. Wir sind schnell weggerannt.

Boateng: So etwas kenne ich auch. Wedding liegt an der Grenze zu Prenzlauer Berg. Von da kamen immer wieder Glatzen zu uns rüber. Da kam es oft zu Schlägereien. Ich bin immer schnell abgehauen.

Kann man sich da emotional schützen?

Chahed: Eigentlich müsste man das, aber es geht nicht immer.

Boateng: Das ist sehr, sehr schwer. Ich habe fast zwei Jahre dafür gebraucht, damit es links rein und rechts raus ging. Jetzt hab ich’s endlich geschafft.

In Berlin seid Ihr Stars. Wie ist es für Kevin Boateng, wenn er mit einem dicken Auto im Ghetto in Wedding auftaucht? Wie die Hip-Hopper in einem MTV-Video?

Boateng: Yo, so’n bisschen ist es jetzt auch bei uns so.

Wie finden Sie Xavier Naidoo und seinen WM-Song „Dieser Weg“?

Boateng: Das ist ja kein Hip-Hop für mich, sondern deutscher Soul. Seine Lieder, die Texte, finde ich gut. Sein WM-Lied kennt jeder. Das war einfach super.

Habt Ihr eine eigene Sprache?

Fathi: Logo!

Boateng: Ich würde sagen, bei uns in der Kabine herrscht gemäßigte Ghetto-Sprache.

Chahed: Aber wenn wir mit älteren Spielern oder dem Trainer reden, geht das auch.

Fathi: Wir kommen praktisch mit jeder Schicht klar.

Würde Manager Dieter Hoeneß Eure Sprache verstehen?

Fathi: Ohne Probleme. Aber wir können auch reden, ohne dass uns alle verstehen.

Dann gebt mal ein Beispiel.

Chahed: Opfer zum Beispiel. Das sagst du, wenn du total sauer bist auf jemanden. Opfer, das kommt von „Opfer der Gesellschaft“. Ich persönlich rede nicht so – eher die anderen!

Gibt es manchmal Druck vom Manager, wenn Ihr so redet?

Boateng: Nö, nicht so direkt. Aber er hat mal zu mir gesagt, dass ich keine Tattoos mehr brauche. Ich wäre hübsch genug.

Und was haben Sie gesagt?

Boateng: Dass es aber mein Körper ist. Meine Tattoos haben alle eine Bedeutung, jedes einzelne. Andere in der Mannschaft haben zum Beispiel komische Frisuren. Da regt sich auch keiner auf.

Habt Ihr manchmal das Gefühl, einen Traum zu leben?

Chahed: Wenn ich daran zurückdenke, dass ich immer Profi werden wollte – und jetzt hat’s geklappt! Das ist Wahnsinn. Aber man darf nie zu schnell zufrieden sein.

Fathi: Erst wenn du als Fußballer mal aufhörst, weißt du wahrscheinlich, wie geil die Zeit war! Aber es ging bei uns ja schrittweise nach oben.

Und dann schaut man sich seine dicken Kontoauszüge an?

Boateng: Klar, das ist schon ein geiles Gefühl. Für mich ist das noch immer was ganz Besonderes!

Warum?

Boateng: Weil ich weiß, dass ich mir um Geld jetzt nicht mehr die großen Gedanken machen muss. Dabei bin ich ja ganz anders aufgewachsen, da hat die Kohle vorne und hinten nicht gereicht.

Unterstützen Sie Ihre Familie?

Boateng: Na, logo, das ist doch klar.

Fathi: Auf jeden Fall. Du hast doch den Instinkt, deiner Familie zu helfen.

Helfen, was heißt das?

Fathi: Dass ich ihnen sage: Wenn ihr Probleme habt, sagt es mir. Aber meine Familie, besonders mein Vater, nimmt Geld nur sehr ungern an. Das ist okay. Aber ich habe eben die Möglichkeit, ihm mal was zu geben.

Boateng: Sie wissen, dass meine Hilfe von Herzen kommt. Und nicht, weil ich damit irgendwas bezwecke.

Wofür gebt Ihr sonst gern Geld aus?

Boateng: Ich liebe Mode, einmal die Woche gehe ich shoppen.

Und gucken Sie auf den Preis?

Boateng: Natürlich! Nicht mehr so wie früher, aber es gibt trotzdem Obergrenzen.

Fathi: Shoppen ist überhaupt nicht mein Ding! Dafür mag ich Autos! Ich habe mir jetzt einen Mustang gekauft. Aber Luxus ist auch, dass ich ab und an meine ganzen Kumpels abends mal einladen kann. Das ist Luxus. Und nicht jeder genau schaut, wer was zahlen muss.

Erwarten die Kumpels das? Ihr verdient ja auch mit Abstand am meisten!

Fathi: Ich hoffe nicht, dass die das erwarten.

Chahed: Das soll nicht zur Regelmäßigkeit werden, da musst du schon aufpassen.

Wie läuft das mit den Frauen? Liegen Euch die Mädels zu Füßen?

Chahed: Für längere Beziehungen ist es nicht einfach. Weil du echt nie weißt, ob die wirklich dich oder doch nur den Fußball-Profi wollen.

Boateng: Deshalb ist es am besten, du hast eine Frau, die dich schon vor der Karriere kannte.

Fathi: Natürlich hast du als Fußballer erst mal ein Plus bei den Mädels! Aber auf Dauer hilft dir das doch auch nicht, dann zählt auch nur der Mensch.


http://www.bild.t-online.de/BTO/sport/bundesliga/2007/01/07/hertha-stars-multi-kulti/hertha-stars-multi-kulti.html
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Exsample am 06.01.2007 um 23:19 Uhr bearbeitet
Hip Hop Hertha |#1
07.01.2007 - 14:37 Uhr
Ein sehr interessantes Interview mal ganz abseits vom Sport.

Lachen musste ich bei DHs Kommentar zu den Tatoos von Boateng. :D

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Krummer Storch lernt fliegen.

Alles hat zwei Seiten, nur die Wurst hat eine.
Hip Hop Hertha |#2
07.01.2007 - 14:38 Uhr
Zitat von heizinger:
Ein sehr interessantes Interview mal ganz abseits vom Sport.

Lachen musste ich bei DHs Kommentar zu den Tatoos von Boateng. :D


So ganz unrecht hat er ja nicht :ugly

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I have the simplest tastes. I am always satified with the best.

- Oscar Wilde
Hip Hop Hertha |#3
07.01.2007 - 18:09 Uhr
Zitat von BVBtillIdie:
Zitat
Fühlt Ihr Euch so richtig als Deutsche?

Chahed: So richtig als Deutscher nicht!


Dann kann er seinen Pass ja gelich wieder abgeben :rolleyes


Würde behaupten, dass war ne klassische Überinterpretation.

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Hip Hop Hertha |#4
07.01.2007 - 18:12 Uhr
sehr interessantes interview, schon hart, wenn man so aufwächst. das durchsetzungsvermögen imponiert mir.
Hip Hop Hertha |#5
07.01.2007 - 18:47 Uhr
Christian Müller als Kreuzberger hätte auch gut in ein "Ghetto-Interview" gepasst, aber er is nu mal kein Mischling :D (ick darf det sagen, weil mein bester freund iss halbchilene und heisst bei uns auch nur "Mischling" :cool )

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Der Zweck von Taktik ist es, attraktiven Fußball zu unterbinden.
Phrasenstatus für "unfassbar" und "erschreckend schwach" ;)

Hip Hop Hertha |#6
07.01.2007 - 18:49 Uhr
Zitat von hotburrito:

wedding ist da schon anders, aber selbst in berlin gibts haertere ecken.


Naja, wir wissen ja auch nicht, von wo im Wedding er kommt, aber Soldiner- und Koloniestraße is schon übel, da möchte wohl keiner von uns leben. Was viel schlimmeres fällt mir in Berlin nicht ein, wobei Teile Neuköllns oder Kreuzbergs sicher ähnlich sind. Aber es gibt natürlich auch (wenn auch nicht allzu viele) weitaus nettere Ecken im Wedding.

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- Oscar Wilde
Hip Hop Hertha |#7
07.01.2007 - 20:02 Uhr
Im Osten gibt es auch einige Bezirke in denen ich vielleicht noch weniger gerne leben möchte als im Wedding. Andererseits sind unsere Berliner Ghettos harlmos im Vergleich zu anderen Metropolen alla London, New York, L.A. oder Paris.
Hip Hop Hertha |#8
07.01.2007 - 20:13 Uhr
Zitat von marcello84:
Im Osten gibt es auch einige Bezirke in denen ich vielleicht noch weniger gerne leben möchte als im Wedding. Andererseits sind unsere Berliner Ghettos harlmos im Vergleich zu anderen Metropolen alla London, New York, L.A. oder Paris.


Stimmt schon, Marzahn is sicher auch nicht grad einladend, aber Wedding find ich doch schon recht übel...

Stimmt, andere haben weitaus größere Probleme damit, was aber nicht heißen sollte, dass bei uns alles harmlos wäre.

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- Oscar Wilde
Hip Hop Hertha |#9
09.01.2007 - 19:28 Uhr
Willste etwa sagen, ich wohn im Ghetto? :D Wohne keine Alves-Schusslänge vom Kotti entfernt, und hier ist alles voller großer alter Bäume, Yogastudios und Biobäcker.

Also ist das Kottbusser Tor sicher kein Ghetto, sondern einfach nur ein großer, hässlicher Platz mitten in einem lebendigen, multikulturellen Stadtviertel. Denke aber, wenn Du hier zur Schule gehst, sieht es schon anders aus. Werde mein Kind wohl später auch nicht hier zur Schule schicken.

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Hip Hop Hertha |#10
12.01.2007 - 16:13 Uhr
Vielleicht meinte er ja: Grunewald und Reinickendorf als "VIP-Bezirke"! Wobei die beiden wohl kaum miteinander zu vergleichen sind. Auch wenn das hier gar nicht hingehört, aber die meisten Reicheren Mitbürger oder wie hier viele sagen "Bonzen" (finde dass sehr abwertend, ist ja kein Verbrechen Kohlen zu haben) wohnen in Grunewald, Dahlem und um den Kufürstendamm rum! In Mitte wahrscheinlich auch noch!
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