Fanproteste, Trainerverschleiß & Rekordverluste: Warum Chelseas Investoren die Zeit davonläuft
„Unsere Vision als Eigentümer ist klar: Wir wollen die Fans stolz machen.“ Mit diesen Worten stellte sich Todd Boehly im Mai 2022 als Anführer des Investorenbündnisses BlueCo beim FC Chelsea vor, nachdem der Premier-League-Klub für rund 5 Milliarden Euro von Roman Abramovich gekauft worden war. Knapp vier Jahre ist die teuerste Übernahme der Sportgeschichte her – und forderte am Mittwochabend mit Liam Rosenior den Kopf des achten Trainers in diesem Zeitraum. Konstanten sportlichen Erfolg sucht man trotz Rekordinvestitionen bisher vergeblich und auch finanziell war der Einstieg kaum lukrativ. Dass es den Investoren tatsächlich um den Stolz der Fans ging, dürfte ohnehin niemand geglaubt haben.
Im Fanlager der Blues herrscht nicht erst seit der Entlassung von Rosenior Krisenstimmung. Schon am vergangenen Wochenende gab es in London vor dem Spiel gegen Manchester United (0:1) Proteste gegen BlueCo. Gemeinsam mit den Fans von Partnerklub RC Straßburg gingen Tausende auf die Straße, um ihre Ablehnung der Investoren zu zeigen. Dabei sorgen nicht nur der sportliche Status quo für Frust, sondern auch die vielen Fragezeichen beim Blick in die Zukunft.
Chelsea droht im vierten Jahr unter Boehly zum dritten Mal die Champions League zu verpassen und ist weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben. Trotzdem werden weiter munter Spieler verpflichtet, Verträge verlängert und Trainer entlassen, die – wie im Fall von Rosenior – eine Abfindung von 28 Millionen Euro erhalten. Wie lange kann dieses Spiel mit dem finanziellen Feuer noch gut gehen? Müssen Boehly & Co. bald einsehen, dass die Investition fehlgeschlagen ist? Und falls ja: Wie groß wäre der Scherbenhaufen, der beim Champions-League-Sieger von 2021 zurückbleiben würde?
Chelsea-Investoren unter Druck: Warum BlueCo Gewinne erzielen muss
Um die Probleme von Chelsea verstehen zu können, ist ein Blick in die Strukturen des Investorenbündnisses nötig. Vorweg: Die gesamte Finanzierung vollumfänglich zu verstehen, ist ohne Doktortitel nahezu unmöglich und wird bewusst verschleiert. Einfach erklärt: BlueCo setzt sich zusammen aus „Blues Investment Midco, L.P.“, einer Investmentgesellschaft der Clearlake Capital Group und „Blueco 22 Holdings LP“, einer separaten Gruppe unter der Führung von Todd Boehly. Clearlake hält die Mehrheitsanteile von 61,8 Prozent und hat bereits rund 2,1 Milliarden Euro in das Projekt gesteckt, das finanzielle Risiko trägt allerdings einzig und allein die von Boehly geführte Gruppe. Im Falle eines zukünftigen Verkaufs, bei dem die Gruppe Verluste erleidet, ist Clearlake abgesichert.
Wichtig ist an dieser Stelle zu betonen, dass BlueCo im Gegensatz zu vielen anderen Eigentümern in der Premier League in den letzten Jahren Fremdkapital in den Verein investiert hat. Daraus resultiert, dass früher oder später Rendite erzielt werden muss – ein zeitlicher Druck, der bei anderen Klubs nicht in dieser Form vorhanden ist. Laut „The Athletic“ werden jährlich circa 65 Millionen Euro nur durch die Verzinsung von Krediten fällig.
Ein Beispiel: Ende 2023 schloss 22 Holdco Limited, das oberste in Großbritannien registrierte Unternehmen der BlueCo-Gruppe, einen Darlehensvertrag über 500 Millionen Pfund ab. Von diesem Geld wurde unter anderem die Übernahme von RC Straßburg finanziert. Dieses Darlehen soll bis August 2033 zurückgezahlt werden. Durch den Zinseszinseffekt wird erwartet, dass die Kosten bis dahin auf rund 926 Millionen Pfund ansteigen. Ursprünglich dürfte der Plan gewesen sein, den Kredit vorzeitig durch andere Einnahmequellen zurückzuzahlen. Mit jedem Jahr ohne schwarze Zahlen ist das allerdings nicht möglich und lässt die Kosten weiter steigen.
Teure Transfers, wenig Wachstum: Chelseas Problem mit dem Kaderwert
Die hohen Investitionen in den Klub sind ein Risiko, das darauf aufbaut, dass sich der Wert des Vereins, bzw. der Vereine, in naher Zukunft deutlich verbessert. Investiert wird seit Jahren vor allem in junge, entwicklungsfähige Spieler, von denen eine Marktwert-Steigerung erwartet wird. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, diese mit Gewinn zu verkaufen, sondern den Wert des Vereins zu steigern. Bisher ist das nur bedingt der Fall.
Kaderwerte Alle 18 Premier-League-Klubs seit 2022 Zum Vergleich Ein Blick auf den Kaderwert seit der Übernahme lässt zunächst eine positive Entwicklung vermuten. Am 1. Juni 2022 lag dieser bei 869,4 Millionen Euro und hat sich seither auf 1,16 Milliarden Euro erhöht. Hinzu kommen sieben verliehene Spieler um Nicolas Jackson und Aarón Anselmino, die zusammengerechnet einen Marktwert von 135 Mio. Euro aufweisen. Stellt man dem jedoch die Ausgaben im selben Zeitraum gegenüber, verdeutlicht sich das Problem schnell: Seit dem Sommer 2022 hat Chelsea 1,7 Mrd. Euro für Neuzugänge ausgegeben, auf der Einnahmenseite stehen 921,4 Mio. Euro. An den negativen Saldo von 778 Mio. Euro kommt weltweit kein anderer Verein auch nur ansatzweise heran.
Auch die Transfermarkt-Statistik „Einkaufswert“ macht deutlich, dass die Kaderwert-Steigerung nur wenig mit der Entwicklung von Spielern zu tun hat. Für die 31 Profis im Kader nahmen die Blues zusammengerechnet 1,1 Mrd. Euro in die Hand, also nur 62 Mio. Euro weniger als der heutige Wert beträgt. Nur bei sieben Klubs in der Premier League ist eine geringere Wertsteigerung zu erkennen.
Dass nur ein Blick auf die Transferaktivitäten eines Klubs nicht ausreicht, um die gesamte Finanzierung nachvollziehen zu können, liegt gerade bei Vereinen aus England auf der Hand. Die Vermarktung der Premier League als beste Liga der Welt lässt durch TV- und Sponsorengelder viele Jahre mit einem Transferminus zu, ohne dass ein Klub um die eigene Existenz fürchten muss. Bei Chelsea sieht es aber auch darüber hinaus alles andere als rosig aus.
Betrachtet man die vom Klub veröffentlichten Zahlen der letzten Saison und klammert 50,2 Millionen Pfund an Kosten im Zusammenhang mit Regelverstößen aus, beläuft sich das Defizit ohne Transfers auf 258 Millionen Pfund. In den drei Jahren unter BlueCo beliefen sich die Verluste auf insgesamt 689 Millionen Pfund – das sind 629.000 Pfund oder 725.000 Euro pro Tag. Laut UEFA-Berichten fällt diese Summe sogar noch höher aus.
Grund für diese Zahlen ist vor allem, dass der Umsatz seit dem Einstieg kaum gewachsen ist. 2025/26 lag dieser bei 565 Millionen Euro, nur etwa 11 Millionen Euro höher als vor drei Jahren. Zum einen liegt das an fehlenden Einnahmen aus dem Sponsoring. Lange Zeit liefen die Blues ohne Trikotwerbung auf der Brust auf, weil Angebote in den erhofften Sphären ausblieben. Darüber hinaus ist man seit 2017/18 an den über 15 Jahre ausgelegten Ausrüstervertrag mit Nike gebunden, der damals als gutes Geschäft galt, mittlerweile aber nicht mehr mit den großen Summen von anderen Vereinen mithalten kann und somit bis 2032 Einnahmen blockiert.
Auch die Gehaltskosten sind weiter ein wichtiges Thema. Laut einem Bericht von „The European Club Finance and Investment Landscape“ beliefen sich die Ausgaben 2025 auf 445 Mio. Euro, nur fünf Vereine gaben weltweit mehr Geld für Spielerverträge aus. Innerhalb von drei Saisons sind Chelseas Ausgaben um 30 Prozent gestiegen, die Einnahmen auf der anderen Seite aber nicht in gleichem Maße nach oben gegangen. Der große Unterschied zu den internationalen Top-Klubs, die jedes Jahr etwa mit dem Geld aus der K.o.-Runde der Champions League planen können, während Chelsea nun wahrscheinlich zum dritten Mal in vier Jahren nicht in der Königsklasse dabei sein wird.
Chelsea und die Angst vor Sanktionen – Wann greift die UEFA ein?
Das Ungleichgewicht zwischen Investitionen und sportlichem Erfolg hat nicht erst seit dieser Saison die UEFA auf den Plan gerufen. Schon 2023/24 verstießen die Blues gegen mehrere Regularien und wurden mit einer Geldstrafe sowie strikteren Auflagen für die Zukunft belegt. Dazu gehört etwa, dass in der laufenden Saison maximal ein Minus von 60 Millionen Euro in den Büchern auftauchen darf. In den darauffolgenden Jahren gelten ähnliche Bestimmungen. Überschreitet Chelsea diesen Betrag, werden weitere Geldstrafen fällig und im schlimmsten Fall droht der Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben, was wiederum fehlende Einnahmen bedeutet und einen nur schwer aufzuhaltenden Schneeballeffekt auslösen würde.
Dennoch geht BlueCo weiterhin davon aus, dass sich die Investitionen auszahlen werden. Das liegt zum einen daran, dass es sich nach wie vor um ein langfristig angelegtes Projekt handelt. Nimmt man das Ende des großen Darlehensvertrags von 22 Holdco Limited im Jahr 2033 als Deadline, ist noch nicht einmal die Hälfte der Zeit vergangen. Früher oder später muss sich das Blatt allerdings wenden und dafür ist man auch auf externe Faktoren angewiesen.
Beim Einstieg vor vier Jahren war BlueCo davon überzeugt, dass die Speerspitze im Milliardenmarkt Fußball noch nicht erreicht ist. Steigen die Summen im gesamten Markt wie Ablösen, Gehälter, Prämien und Vermarktung weiter an, könnte sich das Investment langfristig auszahlen, da ein sportlicher Komplettabfall von Chelsea nicht zu erwarten ist. Auch das Verpassen der Champions League dürfte dem vorerst nicht entgegenstehen.
Stagniert das Produkt Fußball allerdings, ist es quasi unmöglich, den Wert des Vereins so schnell zu steigern, wie man gleichzeitig Verbindlichkeiten abtragen muss. Spielerverkäufe sollen in dieser Hinsicht einen großen Teil ausmachen, setzen aber sowohl kluge Investitionen als auch ein Quäntchen Glück voraus. Und die letzten Jahre haben gezeigt, dass nahezu jeder große Klub bei der Jagd auf junge, entwicklungsfähige Talente mitspielt.
Fakt ist: Bei allen Misserfolgen der ersten Jahre ist es noch immer zu früh, um das Projekt BlueCo als gescheitert anzusehen. Noch bleibt genug Zeit, um die Investition in eine positive Richtung umzuwandeln, die Verbindlichkeiten rechtzeitig abzutragen und trotz der UEFA-Restriktionen sportlichen wie finanziellen Erfolg zu haben. Was sicher ist, ist aber auch, dass es nahezu unmöglich ist, den zu Beginn erwähnten Stolz der Fans zurückzugewinnen. Und im schlimmsten Fall? Dann wäre den Chelsea-Fans zu wünschen, dass Boehly & Co. rechtzeitig die weiße Fahne schwenken. Denn mit jeder weiteren gescheiterten Investition, jeder weiteren UEFA-Sanktion und jeder nach hinten verschobenen Abschreibung wächst der Scherbenhaufen für den zukünftigen Eigentümer.
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Letzte Beiträge Newsforum
Ich verstehe nicht, wieso sie nicht schon längst deutlich stärker und strenger sanktioniert wurden?!
Kleinere VEreine kriegen für viel weniger Punkteabzüge und werden von WEttbewerben ausgeschlossen - ich vermute wegen prozentualler Werte, aber die Absoluten Werte von Chelsea sind einfach krank...
ich hoffe, das ganze Projekt scheitert und implodiert. Tut mir für wahre Chelsea Fans leid, aber Chelsea hat so viel die letzten Transferperioden versaut, da leidet jeder andere Verein drunter. Oder einfach mit viel Geld Trainer mitten in der Saison abkaufen, was mMn gar nicht geht!
Man muss zuguten halten, dass das alles si ch noch irgendwie dennoch stabil hält, trotz riesiger defizite. Hertha hat ihr deutlich kleineres Geld schon ach 1-2 Saisons komplett verprasst und ist in den Abgrund gefallen 😶🌫️😏🥲 hachja... Investoren
Auch wieder ein schönes Beispiel für alle, die bei uns die Aufhebung von 50+1 fordern.
Eins von vielen negativen.
Also wer den Wegfall von 50+1 fordert um Bayern etwas naeher zu kommen will den Fussball noch kommerzieller machen als er schon ist und man kommt dem Original "Rollerball" Movie noch ein bissel naeher, wo nicht Vereine gegeneinander spielen sondern Cooperations. Wer das will, ganz doll....
Zudem, es ist ja nicht so das z.B. Dortmund nicht die gleichen Chancen wie Bayern hatte, oder Schalke. Und ausserdem gibt es Vereine wie RB Leipzig, Hoffenheim, Bayer 04, Wolfsburg mit Milliardenunternehmen dahinter. Ich mag Bayern nicht sonderlich, aber man sollte einen Verein nicht runtermachen weil sie zu erfolgreich sind und sich diesen Erfolg erarbeitet haben.
Chelsea ist das Paradebeispiel fuer gut dotierten Menschenhandel, wo der Erfolg eigentlich nur noch zweitrangig ist, solange der Wert nicht grossartig beeintraechtigt wird. Die haben "Farm" Vereine, wie Strassburg oder City mit Girona usw usw. Die Liste die gegen ein solches Unterfangen spricht ist ellenlang, muss aber nicht aufgelistet werden.
Aber wer das auch in DE moechte, ok, bloss vergiss nicht danach das Licht auszumachen...wenn in 50Jahren Amazon Muenchen gegen Meta Dortmund spielt!
- Geb./Alter:
- 20.09.1973 (52)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- FC Chelsea
- Aktuelle Funktion:
- Besitzer
- Im Amt seit:
- 30.05.2022
- Gesamtmarktwert:
- 1,36 Mrd. €
- Wettbewerb:
- Premier League
- Trainer:
- Xabi Alonso
- Kadergröße:
- 40
- Letzter Transfer:
- Pep Chavarría








