Fall Balogun: Unklare Erklärung der FIFA zur Aufhebung der Sperre – Trump bestätigte Anruf
Dieser Artikel erschien auf Transfermarkt in seiner ersten Fassung um 13:28 Uhr und wird fortlaufend aktualisiert.
Der Fußball-Weltverband FIFA hat sich erstmals zu seiner umstrittenen Entscheidung geäußert, die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun zur Bewährung auszusetzen. In 13 Absätzen erklärte die FIFA noch vor dem Anpfiff der Partie gegen Belgien die Abläufe aus ihrer Sicht. Bei einer Erklärung zu den Gründen der Revidierung der Sperre blieb man jedoch vage.
Die FIFA argumentiert, dass Baloguns Rote Karte Bestand habe und auch die automatische Sperre von einer Partie, die eine solche Tatsachenentscheidung nach sich zieht. Die Entscheidung zur Roten Karte war demnach nicht falsch. Die FIFA habe aber das Recht, eine Strafe anzupassen und zur Bewährung auszusetzen. Warum sie das tat, wird jedoch nicht deutlich. Die FIFA schrieb lediglich: „Die Aussetzung der Vollstreckung der genannten Sperre wurde unter Berücksichtigung aller besonderen Umstände des Vorfalls sowie der verfügbaren Beweismittel beschlossen.“ Was die besonderen Umstände sind und auf welche Beweismittel sich die FIFA stützte, wurde nicht mitgeteilt.
Balogun hatte beim 2:0 der USA im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina eine Rote Karte gesehen. In der Situation hatte der Videoschiedsrichter eingegriffen, zunächst gab es für die Aktion nur Freistoß. Nach Roten Karten ist ein Spieler automatisch für die folgende Partie gesperrt. Einen Tag vor dem Achtelfinale zwischen den USA und Belgien wurde bekannt, dass die FIFA die Sperre zur Bewährung aussetzt. Für harsche Kritik sorgte insbesondere, dass es zuvor ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino gegeben hatte. Daraufhin hatten sich zahlreiche Personen aus dem Fußballgeschäft, darunter Jürgen Klopp, zu Wort gemeldet. Auch vom Deutschen Fußball-Bund und dem europäischen Verband UEFA waren deutliche Aussagen zu hören.
UEFA: FIFA hat „rote Linie überschritten“
„Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Bewährung von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten“, schrieb die UEFA in einem Statement. „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“
US-Präsident Trump räumte am Montag ein, bei FIFA-Boss Infantino angerufen zu haben, widersprach aber der Darstellung, Druck ausgeübt und Einfluss genommen zu haben. „Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich nicht dachte, dass es ein Foul war“, sagte Trump auf einer Pressekonferenz im Oval Office. „Ich habe lediglich eine Überprüfung gefordert, weil ich es nicht für ein Foul hielt, und ich kenne mich mit solchen Dingen aus“, so der US-Präsident, der daraufhin aber erklärte, zunächst nicht gewusst zu haben, was die Folgen einer Roten Karte im Fußball sind.
Belgiens Einspruch zurückgewiesen
Der belgische Fußballverband machte der FIFA derweil am Montagnachmittag schwere Vorwürfe zu einem Berufungsverfahren und kündigte weitere Schritte an. Man sehe „keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten“, hieß es in einer Stellungnahme des Königlichen Belgischen Fußballverbands (RBFA) kurz vor dem Achtelfinale am Dienstag (2 Uhr).
Die Belgier teilten mit, ein Schreiben an die FIFA gerichtet zu haben mit der Bitte, eine Kopie der Entscheidung im Fall Balogun und eine Erläuterung des angewandten Verfahrens zu bekommen. Als einzige Reaktion habe der RBFA ein Schreiben der FIFA erhalten, in dem sie erklärte, die Korrespondenz als Berufung zu werten. Zudem teilte der Weltverband den Angaben nach mit, dass bereits ein Richter bestellt worden sei und dem RBFA nur wenige Stunden blieben, um diese Berufung zu vervollständigen. Am Abend wurde der Antrag der Belgier mit der Begründung für unzulässig erklärt, dass der belgische Verband „nicht Verfahrenspartei sei und somit keine Beschwerdebefugnis gegen die Entscheidung besitze“, hieß es in der Entscheidung von der FIFA. Grund dafür ist offenbar, dass die Rote Karte aus einer Begegnung stammt, an der Belgien nicht beteiligt war.
„Unabhängig vom sportlichen Ausgang dieser Partie ist der RBFA über den Verlauf der Ereignisse zutiefst besorgt“, schrieb der Verband weiter. Der RBFA werde sich „auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen“. Zuvor hatte „The Athletic“ berichtet, die FIFA habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Entscheidung vorzugehen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das keinem UEFA- oder CONCACAF-Verband angehört, sollte demnach über den Fall entscheiden.
UEFA sieht keinen Ermessensspielraum
Die UEFA hob derweil in ihrer Mitteilung weiter hervor: „Der Fußball stützt sich, wie jede andere Sportart auch, auf Regeln, die die Grundlage für einen fairen, ehrlichen und transparenten Wettbewerb bilden. Manchmal lassen Regeln Raum für Interpretationen. In diesem Fall jedoch nicht. Eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte ist keine Ermessensentscheidung und erfordert keine Entscheidung einer zuständigen Instanz, um in Kraft zu treten. Es handelt sich um einen in den Vorschriften verankerten Grundsatz, der keinen Ausnahmen unterliegen darf.“ Andere Spieler in ähnlicher Situation hätten ihre Sperre verbüßt.
„Wenn die Rechtssicherheit der Regeln nicht mehr von ihren Hütern gewährleistet wird, steht die Integrität des Spiels auf dem Spiel und die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs wird untergraben“, warnte der europäische Dachverband. Außerdem würden Präzedenzfälle geschaffen. Gerade Turniere wie die Weltmeisterschaft hätten die Macht, „positive oder negative Auswirkungen auf den Sport als Ganzes zu haben.“
Kritik an FIFA: Klopp wütet, Neuendorf warnt, Blatter kritisiert
Auch der womöglich künftige Bundestrainer Jürgen Klopp ist nach der Einflussnahme von US-Präsident Trump außer sich. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel. Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt. Das stellt alles infrage“, sagte Klopp als „MagentaTV“-Experte und meinte: „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben.“ Auch inhaltlich kann Klopp das Aufheben der Sperre nicht nachvollziehen. „Da gibt es gar keine zwei Meinungen. Das ist eine Rote Karte. So leid uns das tut, weil der Balogun das nicht will. Das sind die Regeln“, sagte Klopp. Der 59-Jährige erinnerte daran, dass die Entscheidung selbst dann schwierig sei, wenn man die Rote Karte als falsch einordnen würde: „Unser Spiel, da leiden wir alle unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir im Laufe des Lebens damit zu leben. Das ist einfach eine Tatsachenentscheidung.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat mit einer scharfen Aufforderung an den Weltverband auf den Fall Balogun reagiert. „Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll“, sagte der Spitzenfunktionär in einer Stellungnahme. „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA“, sagte Neuendorf weiter.
Auch der 90 Jahre alte frühere FIFA-Präsident Sepp Blatter hat den Weg des Weltverbandes kritisiert. „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, FIFA?“, schrieb Blatter bei X. „Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“
Der langjährige DFB-Sportgerichtschef Hans E. Lorenz warnte vor möglichen Folgen. „Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt. Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen“, sagte Lorenz dem „Kicker“. Es werde größter Anstrengungen bedürfen, um diese Entwicklung einzufangen, betonte der frühere Vorsitzende des DFB-Sportgerichts zum Urteil des Weltverbands FIFA, für den er bis vor vier Wochen noch als Mediator tätig war. „Bei diesem Foul – auch wenn sicher keine Verletzungsabsicht dabei war – nur ein Spiel Sperre zu geben, ist ein Geschenk. Dies nun auszusetzen, ist ein Skandal“, meinte Lorenz und kritisierte, dass die FIFA allen Verbänden seit Jahrzehnten mit Sanktionen drohe, sollten sie das Prinzip der Mindestsperre von einem Spiel missachten. „In der Bundesliga hätte Balogun wohl drei Spiele bekommen wegen rohen Spiels, dann hätte man über eine Reduzierung auf zwei diskutieren können. Aber so ist das nun wirklich skandalös.“
Sportrechtsexperten sehen die Entscheidung ebenfalls sehr kritisch. „Der Beschluss der FIFA, die Rote Karte für das nächste Spiel aufzuheben und zur Bewährung auszusetzen, ist rechtswidrig. Die FIFA ignoriert die fundamentalen Grundsätze des Sportrechts, nämlich Regeltreue und die Unumstößlichkeit von Tatsachenentscheidungen durch die Schiedsrichter“, erklärte Thomas Summerer, Fachanwalt für Sportrecht in München, der „Deutschen Presse-Agentur“. „Die Sperre für das nächste Spiel tritt automatisch in Kraft und eröffnet keinen Ermessensspielraum. Das hatte die FIFA in einem Schreiben an die Fußballverbände vor Beginn der WM sogar noch bekräftigt. Deshalb ist ein Rückgriff auf die Aussetzungsoption nach Artikel 27 Disziplinar-Code systemwidrig.“ Der Fall könnte somit sogar juristische Folgen nach sich ziehen.
Auch auf EU-Ebene sorgt die ausgesetzte Sperre für Balogun für Verärgerung. „Entscheidungen über sportliche Regeln und sportliche Angelegenheiten obliegen den Sportverbänden, nicht den Politikern“, schrieb der EU-Kommissar für Sport, Glenn Micallef, in den sozialen Netzwerken. „Eine Beeinflussung sportlicher Entscheidungen würde die Autonomie des Sports untergraben.“ Als Fan halte er die Entscheidung für falsch. In der belgischen Politik hält die Empörung ebenfalls an. Außenminister Maxime Prévot sprach gegenüber „Politico“ in einem Statement von einer Entscheidung, die „zweifellos viele Fragen aufwirft“. Sollte ein Telefonanruf ursächlich für die Entscheidung gewesen sein, entspräche dies der Untergrabung der grundlegendsten Regeln des Fußballs und des Sports. Ebenso würde der Vorgang die Fähigkeit der FIFA infrage stellen, glaubwürdig Fairplay zu unterstützen.
WM in der Jauchegrube: Medien zur FIFA und zum Fall Balogun
Die FIFA hat mit der Aufhebung der Sperre für Balogun auch in den etablierten Medien eine heftige Kontroverse ausgelöst. Es gibt viel Kritik von internationalen Publikationen.
Großbritannien
„The Telegraph“: „Für Infantino ist keine Demütigung zu peinlich, wenn es darum geht, dem Anführer der freien Welt zu schmeicheln. Und so erleben wir nun einen der bislang beschämendsten Momente: Balogun kommt gerade noch rechtzeitig davon – genau so, wie Trump es von Anfang an wollte.“
„The Times“: „Warum haben die Leute eine so schlechte Meinung von der FIFA? Es spart einfach Zeit. Es hat fast einen Monat gedauert, bis es so weit war, doch am Sonntag hat der Fußball-Weltverband sein eigenes Turnier ruiniert.“
„Daily Mail“: „Der schamlose Donald Trump und seine unterwürfige Marionette Gianni Infantino haben diese Weltmeisterschaft in eine Jauchegrube gezogen, als sie die Sperre für Folarin Balogun aufgehoben haben. Jetzt wissen wir ganz sicher, dass es ein Regelwerk für die USA gibt und ein anderes für alle anderen.“
„The Sun“: „Jetzt wissen wir, wie viel der FIFA die Integrität des Fußballs wirklich bedeutet: absolut gar nichts. Indem sie vor der offensichtlichen Forderung des Weißen Hauses eingeknickt ist, ihr eigenes Regelwerk über den Haufen zu werfen und dem US-Stürmer Folarin Balogun die Spielberechtigung für die Partie gegen Belgien zu erteilen, hat die FIFA die Vorstellung, dass der Fußball an erster Stelle steht, für immer zerstört.“
Schweiz
„Blick“: „Diese Entscheidung ist vor allem eines: ein historischer und skandalöser Eingriff in einen laufenden Wettbewerb. Eine Rote Karte gehört zu den härtesten Sanktionen im Fussball. Genau deshalb ist sie für Spieler, Trainer und Fans verständlich. Wer eine Grenze überschreitet, trägt die Konsequenzen. Wird dieses Prinzip mitten in einer Weltmeisterschaft aufgeweicht, stellt die Fifa nicht nur ihr eigenes Regelwerk infrage. Sie öffnet die Büchse der Pandora.“
Italien
„Corriere dello Sport“: „Eine juristische Farce – wenngleich durch eine Vorschrift gedeckt (die, wie es heißt, deshalb respektiert werden muss) –, die wohl auf ganz anderen Voraussetzungen und Grundlagen beruhte. Sie schafft einen gefährlichen Präzedenzfall, da sie jahrelang etablierte Regeln (und Gepflogenheiten) bei Disziplinarstrafen aushebelt und den Erfordernissen des Augenblicks unterordnet.“
Spanien
„AS“: „Der größte Skandal überhaupt bei einer WM.“
„Marca“: „Die FIFA hebt Baloguns Rote Karte auf, und Trump bedankt sich.“
Schweden
„Aftonbladet“: „So weit sind wir also gekommen; so läuft die Weltmeisterschaft heutzutage. 48 Länder nehmen teil, Fußball wird zur Schau gestellt, die ganze Welt schaut zu. Donald Trump gibt die Anweisungen; die FIFA setzt sie um.“
Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du Transfermarkt als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge Transfermarkt hier als bevorzugte Quelle hinzu.
Letzte Beiträge Newsforum
Ist doch ganz klar warum die Fifa das tat, ich kann mir das Telefonat gut vorstellen.
"Trump hier am Telefon, Bologun bitte frei machen von der Roten Karte, sonst kommen die Bomben geflogen."
Das ist der faktische Tod der Tatsachenentscheidung. Natürlich war das immer ein Kompromiss, denn auch wenn eine solche "unglückliche" Entscheidung wie bei Balogun mal ab und zu vorkommt, ist die Alternative jede "Kann" oder "50/50"-Entscheidung eines Schiris im Nachhinein per Sportsgerichtsbarkeit aufzuheben eine sprichwörtliche Büchse der Pandora die Trump und Infantino hier gemeinsam aufgrund ihres Egos und ihrer Unwissenheit geöffnet haben.
Naja, würde irgendwie passen, dass auf der WM in der der Fußball entgültig in den Kommerz abdriftet(Werbetrinkpausen + Mondeintrittspreise) er auch den zugrunde liegenden Sportsgeist verliert ...
Cheers and Press F
🫡
- Geb./Alter:
- 03.07.2001 (25)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- AS Monaco
- Vertrag bis:
- 30.06.2028
- Position:
- Mittelstürmer
- Marktwert:
- 50,00 Mio. €
- Gesamtmarktwert:
- 402,15 Mio. €
- Wettbewerb:
- Freundschaftsspiele
- Trainer:
- Mauricio Pochettino
- Kadergröße:
- 26
- Gesamtmarktwert:
- 567,50 Mio. €
- Wettbewerb:
- UEFA Nations League A
- Trainer:
- Mark van Bommel
- Kadergröße:
- 26
















