Das Jahrzehnt der Finsternis: Eure Gründe
21.07.2026 - 21:42 Uhr
Das Jahrzehnt der Finsternis: Eure Gründe
Ok, ok, der Titel ist sehr melodramatisch. Aber ihr sollt ja auch klicken….
Worum geht es in diesem Thread?
Es gibt ja nun schon einige Threads, die sich mit der Zukunft der N11 beschäftigen und wie man wieder besser werden könnte. Dieser Thread hier soll sich mit der Vergangenheit beschäftigen.
Die N11 befindet sich gerade ergebnistechnisch in der längsten Durstrecke – zumindest seit es WMs und EMs gibt, das letzte Halbfinale bei einem großen Turnier (exclusive NL und Confed-Cup) erreichte man 2016. Das Verrückte: dieser von mir jetzt mal Jahrzehnt der Finsternis genannte Zeitraum schloss sich nahtlos an die eine echte Erfolgsära an: 6 ununterbrochene Halbfinalteilnahmen zwischen 2006 und 2016 (Rekord), 4 Halbfinalteilnahmen bei WMs in Folge (2002-2014) – Weltrekord!
Was also ging schief, was sind die Gründe für diesen nahtlosen drastischen Umschwung? Das soll in diesem Thread diskutiert werden.
Dazu werde ich zunächst die Phasen seit 2016 einzeln in Erinnerung rufen und rekapitulieren (da vieles wahrscheinlich in Vergessenheit geraten ist).
Sollte ich da irgendwas vergessen oder falsch in Erinnerung haben oder eurer Meinung nach auch nur falsch bewerten: korrigiert und ergänzt mich gerne. Am Ende werde ich dann versuchen meine Hauptgründe für das Scheitern des letzten Jahrzehnts herauszufiltern – in der Hoffnung, dass ihr dann eure Gründe darlegt – und vielleicht sogar aus unseren Erkenntnissen Lösungsmöglichkeiten herleiten könnt.
Phase 1: Fast ein Rekord, der letzte Titel und erste Risse (2016-2018)
Nach der EM folgte eine Phase von 22 ungeschlagenen Spielen (die zweitlängste Serie der DFB-Geschichte) und ich bin ehrlich, nach dem 1-1 gegen Spanien war ich überzeugt, dass beide Teams bei der WM das Halbfinale erreichen werden. Was also ging schief?
Zunächst einmal gewann man mit der B-Elf den Confed-Cup und im Nachhinein scheint ein Grund für alles, was folgte, in diesem Sieg zu liegen. Eine neue Generation an Spielern zog aus diesem Titel Ansprüche (z.B. der damals sehr gut spielende Goretzka) und sie erhielten in den Spielen auch durchaus Spielzeit. Aber dennoch wurden sie eben nur als Platzhalter gesehen und betrachtet man dann die WM, waren sie das auch und die noch vorhandenen Weltmeister blieben für Löw, wie es aussieht, unverhandelbare Stammspieler.
Für Außenstehende war das zunächst nicht erkennbar, aber man bekam einen ersten Blick auf das Problem bei Kroos´ legendärem Interview nach der Serie beendenden Niederlage gegen Brasilien, als er feststellte, dass in der auf sieben Positionen (im Vergleich zum Spanien-Spiel) geänderten Mannschaft viele „ihre Chance nicht genutzt“ hätten. Vor allem die Newcomer durften sich da natürlich angesprochen fühlen.
Es war das letzte Spiel vor der direkten Vorbereitung und das Interview setzte den Ton zwischen Platzhirschen und Newcomern. Und die bekamen in der Vorbereitung auf die Mütze. Sané wurde überraschend aussortiert (damals war das wirklich unglaublich), Wagner hatte das Nachsehen und die mMn fragwürdigste Entscheidung: MAtS musste den Platz räumen für einen Spieler, der ein Jahr lang verletzt gewesen war, keinerlei Leistungsnachweis zeigen musste und seit der EM 2016 lediglich drei Länderspiele (3x WM-Quali 2016) bestritten hatte.
Phase 2: Der Ur-Super-GAU: Die WM 2018
Zu den oben genannten Problemen gesellten sich politische Probleme: Der Ehrenspielführer des DFB, Lothar Matthäus, hatte ein Foto mit Wladimir Putin machen lassen, welches natürlich nun das Hauptthema war. Nein, war Spaß, das Foto des Özil/Gündogan-Kritikers gab es zwar, aber selbstverständlich war das nur ein Randaspekt. Es dominierte die allseits bekannte Özil/Gündogan-Thematik.
Die Ergebnisse sind bekannt. Man startete mit allen sieben möglichen Weltmeistern gegen Mexico und schonte (!) Marco Reus für den weiteren Turnierverlauf. Toni Kroos (später Fußballer des Jahres 2018) hatte beim Gegentor keine Lust zu sprinten (allerdings machte bis auf Özil eigentlich niemand groß Anstalten, den Konter zu unterbinden) und viel Ballbesitz führte zu wenig Chancen. Im zweiten Spiel gab es dann einen Nervensieg gegen Schweden und es war klar, dass man mit einem 2-0 (je nach Parallelspiel reichte auch ein einfacher Sieg) auf jeden Fall noch weiterkommen würde.
Im entscheidenden Spiel gegen Südkorea tauchte dann plötzlich Confed-Cup-Gewinner Goretzka in der Startelf auf (nominell Rechtsaußen, aber fragt mich nicht, was es tatsächlich war und warum man ausgerechnet in diesem Spiel auf einen echten Offensiven zugunsten Goretzkas verzichtete).
Man vergab seine Chancen, kassierte späte Gegentore und schied aus. Der Ur-Super-GAU dieses Jahrzehnts. Nach dem Turnier wurde das sehr viel realistischere (und bis heute verwendete ELO-System in der Weltrangliste eingeführt und das deutsche Team bekam auch dort die nackte Wahrheit vermittelt: Absturz von Platz auf Platz.
Von den Weltmeistern erklärten nur Özil und Khedira ihren Rücktritt, das reichte der Öffentlichkeit, die Sündenböcke unter den Spielern waren gefunden.
Auch Löw blieb (DAS wiederum war extremst umstritten), trotz der Probleme in der Mannschaft (Jung gegen Alt), trotz der arroganten (Reus) und später dann leicht panisch wirkenden Aufstellungen.
Phase 3: Schuld und Sühne (NL 2018)
Bis auf die Zurückgetretenen nahm Löw nahezu alle Spieler mit in die neugeschaffene Nations League. Ich habe das damals durchaus verstanden, da man schon auch eine gewisse Resthoffnung haben durfte, dass die WM ein spektakulärer Ausrutscher war, die Mannschaft aber mit einigen Nachjustierungen durchaus konkurrenzfähig sein sollte. Nach zwei Siegen in Freundschaftsspielen und vier sieglosen Spielen gegen FRA und NED (auch wenn nicht alles schlecht war) war aber klar, dass das Problem doch tiefer lag, die Stimmen, die Löws Ablösung forderten, mehrten sich.
Der trat die Flucht nach vorne an und goss die Erkenntnisse und Probleme des letzten Dreivierteljahres in eine Neuausrichtung des Kaders: Boateng, Hummels und Müller wurden in der Winterpause 2018/19 aussortiert.
Für mich damals die richtige Entscheidung. Die Mannschaft hatte ihre zweite Chance erhalten und gezeigt, dass sie sich überlebt hatte und mit der Entscheidung hatte man auch den Jung gegen Alt-Konflikt entschieden und Platz geschaffen für ein neues Gerippe. Dennoch hatte man schon damals das Gefühl, dass auch gewisse Kreise der Medien nur darauf warteten, die abgesägten Spieler wieder zurückschreiben zu können.
Phase 4: Neue Spielidee (2019 EM-Quali)
In den Spielen des Jahres 2019 (Testspiele und EM-Quali) konnte man erkennen, dass Löw den Spiel neu justieren wollte. Das Klein-klein wurde deutlich zurückgeschraubt, für die Balance wurde jetzt ein dritter ZM oder auch mal eine Dreierkette zur Dauerlösung und vorne wollte man auf Tempo setzen, indem man Mischungen aus Reus-Sané-Werner-Gnabry installierte (bis zu Sanés Verletzung). Es begann gut mit einem Sieg in den Niederlanden, das Rückspiel war dann eher ein Rückschlag, aber insgesamt konnte man einen Paradigmenwechsel erkennen und auch eine Weiterentwicklung. Das 6-1 zum Jahresabschluss gegen Nordirland war ein positiver Schlusspunkt, der massiv in die richtige Richtung im Hinblick auf die EM zeigte, auch wenn manche personelle Entscheidungen immer noch experimentell anmuteten (Goretzkas Rolle in einigen Spielen z.B.). Und obwohl Löw mit dieser Neuausrichtung durchaus Lernbereitschaft gezeigt hatte, wurde das nur in Teilen anerkannt. Angesichts der soliden bis guten Leistungen hielt man sich mit den Forderungen nach Rückholaktionen aber noch weitgehend zurück.
Phase 5: Coronaspiele und das Ende vom Ende des Endes (2020; NL 2020)
Es folgte die unwirkliche Phase der Pandemie. Die N11 wurde auf Eis gelegt, parallel pflügte der FC Bayern durch Europa und war der heißeste Schei** auf dem Kontinent – und mit ihm seine (Ex)Nationalspieler.
Man mag mir widersprechen, aber das beendete letztlich die Hoffnungen, dass man das klägliche Ende der „Generation 2014“ von 2018 für beendet hätte erklären können.
Zunächst einmal bedeutete das, dass man zwischen dem 3.9. und 17.11. acht Länderspiele absolvieren musste (NL und Tests). Am Ende des Jahres stand eine Bilanz von 3-4-1, was nicht gut aber auch nicht katastrophal war und angesichts der Umstände eigentlich weit weniger dramatisch hätte eingeordnet werden sollen, als man es tat.
Aber der Reihe nach.
Da der Spielplan vollgestopft war und Löw nach 2018 nicht mehr mächtig/stark genug war den Vereinen die Stirn zu bieten, ließ man sich auf einen Kompromiss ein, der besagte, dass von jedem Verein nur eine gewisse (gleiche) Zahl an Spielern für die N11 nominiert werden durfte.
Es folgten wilde Spiele (zwei Mal gab man den Sieg in der Schlussminute ab) und noch wildere Aufstellungen, man wechselte munter zwischen Dreierkette und Viererkette (je nachdem, wen man bei der Proporznominierung zur Verfügung hatte) und das alles gipfelte dann in jenem Spiel, dass Löw endgültig über die Kante schubste: dem 0-6 gegen Spanien. Jedem, der das nicht mehr auf dem Schirm hatte, empfehle ich einen Blick auf die Bank der nicht eingewechselten Spieler.
Realistisch hätte man auch medial sagen müssen: Schwamm drüber, wir haben hier das Interesse der Vereine priorisiert, also sollte man die Ergebnisse und die Spiele auch mit einer gewissen Milde beurteilen. Meiner Erinnerung nach, gab es jedoch (auch jenseits des Spanienspiels) keinen Corona-Nominierungs-Rabatt, sondern man tat einfach so, als sei das, was da die acht Spiele runterreißen musste, wirklich DIE N11.
Und das wichtigste Thema: wann kommen endlich Hummels, Boateng und vor allem Müller zurückfordern, denn ohne sie klappt es ja nicht.
Wie gesagt ich empfand das als unfair und nicht nur das. Es war mutwillig widersinnig, einen Bayernspieler zu fordern und sich über dessen Nichtberücksichtigung zu ärgern, in einer Zeit, in der sowieso die meisten Bayernspieler aufgrund des Coronaproporzes gar nicht nominiert wurde. Aber es ging vordergründig mMn nur noch darum Löw loszuwerden.
Noch vor den nächsten Länderspielen im Jahr 2021 erklärte Löw, dass er nach der EM zurücktreten werde.
Phase 6: Eine Niederlage zu viel und Rückholaktionen (Frühjahr 2021; Beginn WM-Quali)
Dennoch blieb Löw zunächst bei seiner Entscheidung, die Aussortierten aussortiert zu lassen.
Doch nach zwei guten Siegen in der WM-Quali (ein 3-0 gegen Island ein Auswärtssieg beim potenziell stärksten Gegner Rumänien) sorgte eine Niederlage gegen Nordmazedonien dafür, dass Hummels und Müller wieder zurück durften. Es war ein Freak-Spiel, das man niemals hätte verlieren dürfen, aber wie schon mehrfach erwähnt, die Lame Duck Löw musste nachgeben.
Und so versuchte man sich an der Quadratur des Kreises. Hummels ist über die Jahre nochmals langsamer geworden und Müller funktioniert eigentlich nur noch zentral hinter einem (Weltklasse)Mittelstürmer. Das scheitert schon daran, dass man einen solchen im eigentlichen Sinne nicht hat (Volland, Werner). Zudem ist der Fixpunkt im MF Toni Kroos, der in der 21er-Version wenig Defensivdenken mitbringt und in einem Dreier-MF eigentlich am besten aufgehoben ist (dann allerdings mit einem echten 6er, den gibt es im Kader nur bedingt). Außerdem sollte man Gündogan und Kimmich noch unterbringen und wenn der zu Beginn des Turniers verletzte Goretzka auch noch seine Minuten bekäme, wäre das auch schön.
Es darf sich jeder gerne den Kader von 2021 zur Brust nehmen und versuchen, all die von mir genannten Voraussetzungen zu erfüllen. Schwierig.
Phase 7: Nicht Fisch nicht Fleisch (EM 2021)
Am Ende spielte man ohne echten 6er, aber mit Dreierkette (um Hummels Langsamkeit und Kroos´ Zweikampfschwäche zu kaschieren), Kimmich gab den Schienenspieler und Müller spielte Rechtsaußen (weil er halt spielen musste, auch wenn es seine Position gar nicht mehr gab).
Man hatte ein gutes Spiel (gegen Portugal), Hummels schoss ein Eigentor zur Niederlage, Müller ließ gegen England alleine vor dem Torwart den Ausgleich liegen und obwohl man tatsächlich schwierige Gegner hatte, hatte zumindest ich das Gefühl, dass man sich selbst einen Rucksack aufgeladen hatte, der alles noch viel schwieriger gemacht hatte, indem man als Priorität hatte, bestimmte Spieler in der Mannschaft zu haben, ob das dann systematisch Sinn ergab oder nicht.
An der Stelle sein noch erwähnt, dass Goretzka tatsächlich seine wichtigste Szene für die N11 in diesem Turnier hatte (der späte Ausgleich gegen Ungarn), der blutjunge Musiala dort auch seine Füße im Spiel hatte (und unverständlicherweise gegen England dann erst in der Nachspielzeit kam) und Neuer so anonym spielte wie er es mMn in der N11 seit 2016 im besten Fall tat.
Und auch Löw hatte sich zwischen seiner Rücktrittsankündigung und seiner personellen Rolle rückwärts verloren. Ach ja, Toni Kroos erklärte seinen Rücktritt.
Ein Turnier,
Phase 7: Flicks Einstieg (Herbst 2021 WM Quali)
Mit Hansi Flick übernahm die logische Lösung. Erfahrung beim DFB (inkl. Turniererfahrung), große Erfolge in München und mittlerweile sagte man über ihn in Bezug auf Löw das, was man zu Beginn über Löw zu Beginn in Bezug zu Klinsmann gesagt hatte: er sei das eigentliche Gehirn der Erfolge gewesen.
Es standen die restlichen Spiele in der WM-Quali an und alle acht wurden z.T. klar gewonnen, auch wenn die Gegner natürlich nicht aus der ersten Riege stammten.
Und: Flick verzichtet auf Hummels.
Insgesamt reagiert die Öffentlichkeit positiv: die Ergebnisse stimmen, Löw ist weg, die meisten sind halbwegs beruhigt – auch wenn man doch noch erst abwarten will und sich fragt, wie es gegen die Großen läuft.
Phase 8: Das Siegen verlernt (NL 2022)
Die Antwort lautet: keine Ahnung. In den acht Spielen, bis zur direkten WM-Vorbereitung holt man zwei Siege (darunter ein überzeugender gegen Italien B, fünf Unentschieden (2x Eng, 1 x ITA, 1x NED) und eine Niederlage gegen Ungarn (Flicks erster), mit der man die Chance erstmals in der NL weiterzukommen, liegen ließ. Auch hier gab es unter den Unentschieden hergeschenkte Siege, bei denen man durchaus Flicks Wechsel und Ausrichtung kritisch bewerten konnte.
Allerdings bei aller Kritik stand eben auch die Bilanz, dass man seit der EM eben auch nur ein einziges Spiel verloren hatte.
Phase 9: Ein Aus zum Kopfschütteln: die WM 2022
Zwei Monate nach dem letzten Länderspiel gab es vor der Winter-WM nur ein Testspiel: Flick nutzte es, um eine durchgewürfelte Mannschaft aufzustellen und dort dann auch noch sechs Mal zu wechseln (Mats Hummels war trotz großer Medienunterstützung allerdings nicht dabei). Der nach langem (für mich aber durchaus verständlichen Zögern) nominierte Füllkrug traf zum Sieg.
Hat aber niemand interessiert, weil der mediale Fokus in erster Linie auf der Frage lag, wie sich die N11 zur politischen Lage äußern soll. Leider lag wohl auch die Mannschaft in dieser Frage über Kreuz. Wer eine Auffrischung der Thematik braucht, sollte sich nochmals die Viertelstunde vor dem ersten Spiel anschauen und die mMn schon leicht hysterische Moderation von Tom Bartels anhören, der sinngemäß verlauten ließ, dass „wir alle“ in erster Linie wissen wollen, was die N11 nun machen werde und nach der Mundgeste dann auch leicht pampig verlauten ließ, dass das ja das Mindeste gewesen sei, nachdem man etwas angekündigt habe.
Das Spiel selbst geht verloren. Ich denke immer noch, dass dieses Spiel von allen Turnierniederlagen, die der DFB je einstecken musste, die unnötigste war. Nach 60 Minuten wäre ein 3-0 kein Ergebnis gewesen, das irgendeiner Erklärung bedurft hätte, man hatte (gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit) Chancen für zwei Spiele. Spätestens als mit Gündogan der Taktgeber im ZM zugunsten Goretzkas ausgetauscht wurde, gab es aber einen Bruch und man verlor die Kontrolle (im Nachhinein gab es dann die Gerüchte, dass Flick den enttäuschten Goretzka zur Stimmungspflege gebracht habe).
Das 1-2 wird dann durch Stellungsfehle eingeleitet, ist aber für mich am langen Ende ein klarer Torwartfehler, des kurz vor dem Turnier aus einer Verletzung ins DFB-Tor zurückgekehrten Neuer, der unerklärlicherweise nach innen abkippt und somit den Platz zwischen sich und Pfosten öffnet.
Es folgen ein gutes 1-1 gegen Spanien und ein 4-2 Sieg gegen CRI, bei dem man es auch nochmals spannend machte. Prinzipiell sind das aber zwei normale Ergebnisse, sodass das Ausscheiden letztlich an den 20 Minuten gegen Japan lag. Klar, kann man sagen, dass man Spanien im Fernduell mehr hätte unter Druck setzen können, wenn man mit der geeigneten Aufstellung (Füllkrug) von Anfang an auf möglichst viele Tore gegangen wäre, aber der Kontrollverlust gegen Japan und die inneren politischen Konflikte dürften es eher gewesen sein.
Vergleicht man dieses Aus mit dem von 2018 würde ich behaupten, dass man 2022 sehr viel unglücklicher ausschied und da wirklich viel zusammenkommen musste.
Leider sah man das naturgemäß in den Medien und der Öffentlichkeit nicht so. Manchmal hatte man das Gefühl, dass man gar nicht mehr mitbekommen hatte, dass man noch drei Tore geschossen hatte.
Beide Turnierleistungen wurden ohne Differenzierung in einen Topf geworfen. Bierhoff trat zurück und Flick blieb in der Löw-Rolle als Lame Duck.
Phase 10: Aktionismus trifft Panik (Testspiele 2023; 1. Halbjahr)
Es begann das Jahr 2023 und in seiner Gesamtheit war es leistungstechnisch das wohl schlimmste Jahr seit ich die N11 verfolge und emotional nur deshalb vielleicht (aber nur vielleicht) nicht der emotionale Tiefpunkt, weil es kein Turnier gab, bei dem man ausscheiden konnte: 3 Siege (verteilt auf drei Trainer!), zwei Remis und sechs Niederlagen (in den 2,5 Jahren seither gab es insgesamt fünf…). Und jede dieser Niederlagen auf ihre Art und Weise grusliger als die andere. Den Anfang durfte Flick noch machen, der nach der WM offensichtlich all die falschen Lehren gezogen hatte. Es wurde mit Dreierketten experimentiert, mit Viererketten, die in der Offensive zu Dreierketten wurde, gegen Kolumbien durfte Musiala im ZM Goretzkas Vorstöße absichern, Gündogan tauchte im gleichen Spiel auf Linksaußen auf, Füllkrug bekam trotz starker Leistungen nicht immer die Spielzeit, die man sich gewünscht hätte und immer wieder wurde versucht, das über Jahre misslungene Experiment Kimmich und Goretzka in die Zentrale zu setzen am Leben erhalten. Thomas Müller bekam die ersten fünf Spiele eine Pause.
Phase 11: Es gibt nur ein Mal Rudi Völler (FRA)
Nach dem Desaster gegen Japan wird Flick von seinen Aufgaben entbunden. Völler übernimmt gegen FRA – und gewinnt. Die Mannschaft spielt Karo einfach, rechts hinten spielt ein IV, auf der sechs ein defensiver 6er. Man geht früh in Führung (Müller) und lässt die Franzosen im weiteren Verlauf abtropfen. Ein Spielplan als Antithese zu den sechs Spielen davor. Einer der neuen Co-Trainer: Sandro Wagner (mit Hannes Wolf). Völler macht aber klar, dass er nur dieses eine Spiel zur Verfügung stand.
Phase 12: Nagelsmanns Lernstunden (Testspiele 2023 Teil 2)
Nagelsmann erhält den schwierigen Auftrag, die Mannschaft für das Heimturnier fit zu machen. Es beginnt mit der Amerika-Reise (gegen Mexiko und die USA) – und Mats Hummels, der wieder sein Comeback feiern darf. Eigentlich hat die Öffentlichkeit keinen Bock mehr auf Experimente, gerade nach dem eher klassisch gewonnen Frankreich-Spiel. Dennoch schafft es Dreierkettenfan Nagelsmann sein Spiel mit einer Dreierkette in der offiziell genannten Viererkette zu „verstecken“, möglicherweise auch, weil gerade das zweite Spiel zu einer unglücklichen Sendezeit kommt und von vielen gar nicht gesehen wird. Füllkrug rettet die Ergebnisse.
Es folgt der vermutlich schlechteste einzelne Länderspielehrgang, an den ich mich erinnern kann. Nagelsmann packt die komplette Experimentpalette aus, sinnbildlich Havertz´ Rolle gegen die Türkei als ….. LV? Oder doch Schienenspieler? Schaut euch mal das Aufstellungsschema gegen die Türkei auf kicker.de an. Und das ist noch nicht mal so schräg, wie es dann auf dem Platz aussah.
Gegen Österreich versucht man es dann mit dem ZM Gündogan/Goretzka und den Schienenspielern Havertz und Brandt. Lief nicht gut. Im Prinzip hat JN ein halbes Jahr vor dem Heimturnier schon nach vier Spielen fertig, zu katastrophal war das, was er versucht hatte und wofür niemand eine Erklärung hat.
Ach ja. Manuel Neuer machte aufgrund von Verletzungen im gesamten Jahr 2023 kein einziges Länderspiel.
Phase 13: Worker und andere Banalitäten: die EM 2024
Irgendwann zwischen dem Österreich- und Frankreich-Spiel vollführt Nagelsmann einen kompletten U-Turn. Er holt Kroos zurück und trifft die Entscheidungen, die notwendig sind, damit Kroos in einem 4-2-3-1 überhaupt funktionieren könnte: er installiert einen klar defensiv orientierten Sechser, der Kroos´ defenisve Mängel abfedern soll. Als Folge wird Kimmich auf RV gesetzt (als echter RV!). Gündogan bekommt eine klare Rolle im offensiven Mittelfeld. Er lässt Spieler links liegen, die im Verdacht stehen, nur als Stammspieler in einem Turnier zu funktionieren (Goretzka, Hummels). Nichts davon ist Raketenwissenschaft.
Allerdings: Nachdem Manuel Neuer wegen Verletzungen auch die ersten beiden Länderspiele gegen FRA und die NED verpasst hatte, kehrt er natürlich pünktlich zu den Vorbereitungsspielen und den Turnierspielen wieder ins Tor zurück (und damit erstmals seit der WM 2022).
Ich gehöre zu denen, die glauben, dass es gar nicht mal Kroos´ Spiel war, was der Mannschaft am meisten geholfen hat (gegen Spanien geriet er in einigen Aspekten an seine Grenzen). Ich glaube es war wichtig, Kimmich als RV zu stellen und mit Goretzkas Nichtnominierung die ewigen Versuche, ihn mit Kimmich im ZM zu installieren, (scheinbar) beendet wurden. Müller im Kader zu halten, hätte ich nicht gebraucht.
Dennoch: Nagelsmanns neue Anordnung funktioniert von Beginn an. Die Abläufe sind klar, die Kette spielt klassisch aber funktional, man frisst kaum noch Konter und am Ende steht ein unglückliches Aus gegen Spanien, das problemlos auch ein Sieg hätte sein können. Das Ergebnis ist nicht ideal, aber der Weg scheint definitiv der richtige zu sein.
Phase 14: Gelernt ist gelernt (NL 2024)
Auch ohne die zurückgetretenen Kroos, Gündogan (und Müller und Neuer…), wird der zu Beginn des Jahres eingeschlagene Weg fortgeführt. Kimmich bleibt echter RV, das ZM ist für die Balance zuständig und vorne schafft man es sogar, Verletzungen aufzufangen und mit Kleindienst einen neuen MS passend zu integrieren. Ungarn und Bosnien, die nicht dafür bekannt waren/sind, sich abschießen zu lassen werden mit 5-0 und 7-0 heimgeschickt, auch die Niederlande schlägt man trotz Personalsorgen, auswärts spielt man 2-2 hat aber auch Schiri-Pech. Man gewinnt erstmals seine NL-Gruppe. Nichts deutet darauf hin, dass es einen Grund gäbe, von diesen Plänen abzuweichen.
Am Ende hat man im Jahre 2024 nur ein Spiel verloren (gegen SPA n.V.)
Phase 15: Verletzungspech und Restauration (NL VF+HF 2025)
Für die NL-Viertelfinalspiele gegen Italien fallen leider Wirtz und Havertz aus. Was man noch nicht weiß: Musiala wird sein letztes Länderspiel bis zur direkten WM-Vorbereitung bestreiten, Havertz erst im März ´26 wieder zurückkehren. Tim Kleindienst wird sogar seine letzten Spiele bis dato machen. Dennoch hätte man systematisch bei der Erfolgsformel von 2024 bleibenn können, doch schon in diesem Lehrgang beginnt JN ohne größere Erklärung den Weg zurück nach 2023.
So ist z.B. Leon Goretzka wieder dabei. Die erste Halbzeit des Hinspiels ist nicht gut, das Mittelfeld weist Lücken auf, man ist sehr konteranfällig. Burkardt in der Spitze funktioniert nicht wie gewünscht. In der zweiten Halbzeit stellt er mit der Einwechslung von Schlotterbeck auf eine Quasidreierkette um, sodass er Goretzka auf eine 10erPosition schieben kann, ohne dass dieser deswegen den Spielmacher geben muss. Die Tore von Kleindienst und Goretzka drehen das Spiel. Goretzka, der als besonders kopfballstark und torgefährlich gerühmt wird, schießt dabei ein Kopfballtor – es ist sein erstes (und bis heute letztes) Länderspieltor seit der EM ´21 (wann er in der N11 sein letztes Kopfballtor geschossen hat, weiß ich nicht). Die Lobeshymnen (trotz der eher mauen ersten Halbzeit) danach sind unüberhörbar (Fuss am Rande eines Bayernspiels: Goretzka habe ein „episches Länderspiel gegen Italien“ absolviert.
Ein paar Tage später folgt die wohl beste Halbzeit der Nagelsmann-Ära. Goretzka auf der 10, Stiller im ZM und hinten eine Dreierkette (das beste Dreierkettenspiel der N11 seit….. immer?).
Umso spektakulärer der Einbruch: nach einem schnellen Gegentor und einem wilden Dreifachwechsel, zittert man ein Unentschieden nach Hause (und geht so Norwegen in der WM-Quali aus dem Weg….). Nach den Spielen wird bekannt, dass der DFB und Sandro Wagner beschlossen haben, nach dem NL-Final-Four getrennte Wege zu gehen.
Im Nachgang scheint die schlechte zweite Halbzeit des Rückspiels für JN aber kaum noch eine Rolle gespielt zu haben.
Gegen Portugal beginnt man mit einer Dreierkette, zwar kommt immerhin Wirtz hinzu, der kommt aber auch aus einer Verletzung. Woltemade erhält noch vor der U21-EM sein Debut. Ter Stegen kommt ebenfalls wieder dazu und zeigt zwei starke Leistungen.
Hinten spielt mit Koch und Anton eher die zweite Garde, Goretzka spielt wieder die halbe 10 und Pavlovic alleinigen 6er. Das Spiel ist von beiden Seiten nicht gut, doch Deutschland geht glücklich in Führung. Doch in einer Situation, in der es eher um Ball halten und oder Konter geht, macht JN einen Dreifachwechsel und bringt unter anderem Gosens und Füllkrug (beides eher keine Ballbesitzspieler, um eine Führung zu verwalten und NF eher auch nicht für Konter zu gebrauchen) für Mittelstädt und Woltemade. Neun Minuten später ist das Spiel verloren.
Gegen Frankreich setzt man auf eine Viererkette und Woltemade UND Füllkrug und eigentlich muss man nach 20 Minuten 2-3 Tore geschossen haben. FRA geht aber in Führung, Woltemade wird absprachegemäß ausgewechselt und nach dem Seitenwechsel läuft man in einen Konter nach dem anderen. Am Ende des Spiels rückt Kimmich wieder ins ZM, womit der Versuch Nagelsmanns beginnt, einen weiteren Punkt aus dem Jahr 2024 wieder zurückzudrehen.
Auch die Medien und die Öffentlichkeit werden hibbelig. Aus einer Halbfinalteilnahme wird ein „letzter Platz“ und auch die Verletzten werden nicht als Erklärung (zumindest für manche Dinge) gelten gelassen.
Phase 16: Ein Desaster, viele Siege aber null Wagner (WM-Quali 2025)
Vor dem Slowakeispiel sind die offensiven Hoffnungsträger immer noch verletzt, JN verzichtet auch auf Nmecha und Pavlovic, da die nach Verletzungen noch zu wenig Minuten gesehen hätten. In der Slowakei verliert man mit 0-2. Kimmich spielt wieder im ZM – ganz in der Nähe (wieder als nicht Spiel gestaltender 10) Leon Goretzka, womit ein neuer Versuch unternommen wird, die beiden im Mittelfeld unterzubringen und 2024 vergessen zu machen. Das Spiel entgleitet völlig. Debutant Collins wird verheizt, Rüdiger ist in katastrophalem Zustand, das Mittelfeld findet keinerlei Zugriff. Mittelstädt, der noch eine vergleichsweise unfallfreie erste Halbzeit hinter sich gebracht hat, muss die zweite Halbzeit als RV zubringen – und taucht (wie Collins) danach nie wieder in der N11 auf. Stiller wird ausgewechselt und ist danach für JN absoluter Streichkandidat.
Gegen Nordirland gibt es dann wieder Dreierkette mit Kimmich im ZM (Leweling dann rechts) und man gewinnt verdient, aber glanzlos und sichtlich verunsichert.
Gegen Luxemburg (ab jetzt wieder mit Kimmich auf RV) gewinnt man ungefährdet, gegen Nordirland ein Spiel, das hauptsächlich 2,50 Meter über dem Boden stattfindet.
Woltemade besorgt hier, wie auch im Rückspiel gegen Luxemburg den Sieg. Man kann in allen Spielen schon erahnen (auch wenn man es nicht wahrhaben will wie ich), dass JN keinen größeren Sinn mehr in einem 8er sieht, der in der Zentrale mitspielt. Goretzka gibt den zweiten 10er. Ab da hängt die deutsche Spielanlage davon ab, ob der Gegner den alleinigen deutschen Sechser abschneiden kann und wie sich die IV im Spielaufbau anstellen. Gegen Luxemburg wird es eine furchtbare erste Halbzeit (ohne Kimmich), in der man mit der Niederlage flirtet, erst Woltemades Tore sichern den Sieg.
Es folgt das 6-0 gegen die Slowakei. Alles funktioniert, auch der Plan mit Sané, Woltemade festigt seinen Platz als der neue Mittelstürmer und Nagelsmann hat offensichtlich die Bestätigung, dass seine Ausrichtung die richtige ist.
Auch ziemlich gut während der gesamten Qualifikation: Oliver Baumann.
Womöglich schmerzlich vermisst: ein Co-Trainer mit bändigendem Einfluss auf JN.
Phase 17: WTF…? (März 2026)
Das Slowakeispiel weckte Hoffnung und dennoch hallte die zähe Quali noch nach. Und in dieser Situation beschloss Nagelsmann, ein Interview im Kicker zu geben. Ein sehr langes Interview. 7(!) Seiten. Überschrift (in der Printausgabe) übrigens: „Ich habe tausend verschiedene Ideen“. Treffender hätte man im Rückblick die letzten 18 Monate kaum zusammenfassen können (auch wenn im Kontext was anderes gemeint war). Und JN hatte wenig Hemmungen, viele dieser Ideen zu präsentieren und über seine Spieler, Anforderungen etc. zu sprechen. Das ist toll für die Medien und auch hier wird darüber gerne diskutiert, aber du machst dir halt unzählige Einfalltore aus und lehnst dich an so vielen Stellen aus dem Fenster, dass es gar nicht ausbleiben KANN, dass du bei bestimmten Positionen zurückruderst und dann als – im besten Fall -wankelmütig dastehst.
Als Beispiel nur ein Zitat auf die Frage nach der Position hinter Oliver Baumann: „Hier hat Andreas Kronenberg als Torwarttrainer den Hut auf. (…) Am Ende entscheidet Krone. Eine Torwartgruppe ist sehr speziell, wie so eine kleine Familie in der großen Familie, die sehr viel Zeit nur mit sich verbringt. Da muss es einfach gut zusammenpassen. Da bringt es nichts, wenn man nur die drei besten Torhüter mitnimmt.“ Nun ja.
Und damit war der Boden bereitet für die beiden Spiele, die man auch tatsächlich gewann. Zwei schwierige Spiele mit vielen Ausfällen gerade im Mittelfeld, die man nach Rückschlägen noch gezogen hat und gerade ein Sieg gegen die Schweiz auswärts ist gar nicht mal sooo einfach. Hat kaum jemand gejuckt. Stattdessen ging es eine Woche lang nur um Kommunikation. JN lobt angepisst Sané für ein im besten Fall mäßiges Spiel, nur um ihn dann doch gegen Ghana auf die Bank zu setzen, dazu seine legendäre Unzufriedenheit mit dem Siegtorschützen Undav. Anstatt mit Rückenwind in die USA zu rauschen, gräbt er ein Schlagloch nach dem anderen.
Phase 18: How to throw away a tournament: Die WM 2026
In der Zwischenzeit hatte Manuel Neuer ein sehr gutes Spiel gegen Real Madrid, bei dem er zeigte, dass er an seltenen, einzelnen Tagen, wenn die Bälle in Bodennähe bleiben noch glänzen kann. Und die Medienlandschaft wurde wuschig. Jeder der vor 10-12 Jahren mal mit MN gepsielt hatte wurde zu seiner Meinung befragt und auch das Rückspiel gegen Real verlangsamte den Medien-Hypetrain nur wenig. Und als JN dann die Botschaft verkündete gab es zig Umfragen, in denen die Euphorie der Fans ob Neuers Rückkehr zum Ausdruck gebracht werden konnte. Nur dass diese diese Umfragen dazu nutzten, ihr Unverständnis zum Ausdruck zu bringen. War JN und den Medien egal, denn man hatte eine unschlagbare Erklärung, die so wachsweich ist, dass man schlicht nicht mit Fakten dagegen anargumentieren kann: Aura. Das Globulikügelchen unter den Torwartfähigkeiten.
Auch der Kader warf Fragen auf: Es gab sehr viele ZMs, aber kaum echte Flügel. Und nur einen RV (Kimmich). Im Nachhinein alles konsequent, da es in Nagelsmanns System eigentlich keinen RV gab, sondern nur einen RIV (der dann auch eher von einem IV gespielt wird) und eigentlich auch keine echten Flügelstürmer, sondern RA, der in der Hauptsache nach innen ziehen und irgendwie mit nach hinten arbeiten soll. Und für LA hatte er mit Wirtz einen Spielmachertyp vorgesehen.
Pech kam dann mit der Verletzung Karls (und später Schlotterbeck) dann auch noch dazu.
Baumann bekam noch zwei Henkersmahlzeitspiele, während Neuer seine Wade auskurierte, Sané war wieder Stammspieler (nichts gegen Sané, er hat gespielt, was er sollte und war zwar nicht gut, aber mMn viel zu sehr der Blitzableiter, der für viele an allem Schuld war).
Zum Turnier braucht man nicht mehr viel sagen. Die Fehde mit Undav setzte sich fort und als sich ein Momentum zu entwickeln begann, killte JN das im Spiel gegen Ecuador wieder, indem er Wechsel entgegen des Spielverlaufs vornahm, um Geschenke zu verteilen, womit er die Beschenkten zu den Gesichtern der Niederlage machte, Woltemade wohl endgültig brach und das Team mit Zweifel und schlechter Laune gegen Paraguay ins Rennen schickte.
Das Spiel war dann die Zusammenfassung von Nagelsmanns erratischem Kurs. Am Ende sollten es Flanken richten, die aber nicht die beiden deutschen Top-Flankengeber Raum (blieb auf der Bank) oder Kimmich (wurde ins ZM geschoben) bringen sollten, sondern Wirtz (ok, aber kann halt nur invers aus dem Halbfeld) und Anton. Und obwohl JN ein denkwürdig großes Portfolio an ZMs nominert hatte (2022 waren es nur drei), endete die Partie (ab Min. 73) mit dem ZM-Duo Kimmich/Goretzka. War das die Hauptursache? Nein, aber es ist symptomatisch, dass man am Ende der Geschichte wieder genau an diesem Punkt anlangte. Neuer hielt noch einen Elfmeter.
Ich denke jeder kann sich aus diesen Abläufen seine Gründe raussuchen, es dürfte auch rausgekommen sein, wo ich Fehler sehe, die sich eventuell auch wiederholt haben:
1) Nebenkriegsschauplätze.
2018 bekam man die „Foto-Affäre“ nicht in den Griff, mMn nach unter anderem auch, weil man einen Präsidenten hatte, dem sein eigener Antagonismus zu den betroffenen Spielern wichtiger war als der Rest des Turniers. 2022 lief man in die Binden-Debatte, ohne sich offensichtlich vorher bewusst zu sein, dass das Thema auch in der Mannschaft nicht einhellig betrachtet wurde. 2026 vermied man zwar die politischen Fallstricke, dafür gab JN im Kicker viel zu viele Einblicke, die ihn (auch für die Spieler) angreifbar machten. Und jedes Mal war man es selbst, der die Themen anschleppte und dafür sorgte, dass sie Problem schufen.
2) Zuerst Namen, dann das System.
Löw hatte ab 2019 versucht, eine neue Idee zu implementieren, aber durch die Pleite 2018 war er nicht mehr stark genug bei Rückschlägen (Spanien, Nordmazedonien) das durchzuziehen, sodass das Turnier 2021 zu einem einzigen Feldversuch wurde, wie man vorgegebene Namen in ein System zwängen kann. Doch auch Flick und JN hatte ihre Aktien in diesem Vorgehen. Füllkrug hätte zwischen 2022 und 2024 ein viel klarerer Stammspieler sein müssen, aber er hatte nicht den Namen, den andere hatten. Dafür taucht dann Müller auf Positionen auf, auf denen er zum letzten Mal 2014 Impact hatte. Eine Einwechslung von Goretzka für Gündogan gegen Japan ist eine Sabotage an der Spielidee, weil man einen Namen befriedigen wollte. Das ständige Hin- und Herschieben von Kimmich, so dass es scheint, dass es eigentlich egal ist, wo er spielt, wichtig ist nur DASS er spielt. Die ständigen Positionswechsel von Gündogan: 6er, 10er, 8er? Einmal dann sogar Linksaußen.
Wenn man schon Namen vor System priorisiert und damit im Prinzip nur Heldenfußball spielen kann, müssen die Spieler unzweifelhaft diese Priorisierung wert sein – sie müssen Helden sein. Das war nicht der Fall, womit ich bei Punkt 3 wäre.
3) Zu langes Festhalten an Spielern, es wird nicht einfach nur nach Namen sortiert, es wird auch noch beibehalten, wenn die Namen nicht (mehr) gut genug sind. Das ist etwas, was Löw, Flick und Nagelsmann mMn in unterschiedlicher Schattierung gemeinsam haben. Löw hat zu lange die 14er für unantastbar erklärt und damit den Kader gespalten. Und als er etwas geändert hat, war es insofern zu spät, als dass er als lame Duck nicht mehr unter dem Damoklesschwert der großen Namen, die doch zur Rettung aller schreiten könnten, wegkam und die Entscheidung nicht mehr durchziehen konnte. Bei Flick und Nagelsmann war es u.a. das Festhängen an Namen, mit denen sie beim FCB erfolgreich waren. Müller blockierte drei Turnier lang einen Platz, ohne dass es was gebracht hätte. Goretzka wurde immer wieder in der Startelf gehievt, ohne dass sich entscheidend etwas besserte. Das Duo Kimmich/Goretzka sollte zum Funktionieren gebracht werde. Immer wieder Sané, den ich als Typen mag, der aber damit auch viele Chancen bekam, an denen andere Spieler hätten wachsen können. Süle, der immer wieder Chancen bekommt. Und natürlich Neuer. Womit wir bei Punkt 4 wären.
4) Permanente Sabotage an der Hierarchie. 2018 gab man eine Hierarchie vor und den Jungen kaum Chancen, sich reinzuspielen. Markantestes Beispiel. Nach nahezu zwei Jahren Pause muss MAtS umstandslos den Platz räumen, weil MN wieder gesund ist (nicht fit, nicht in Form, nur gesund). Ab 2021 beginnen dann die Rückholaktionen, oft orchestriert von den Medien, z.T. aber auch dankbar aufgenommen von den Trainern. Müller kommt 21 zurück, macht dann 23 ein halbes Jahr Pause, kommt dann wieder zurück. Hummels kommt 21 zurück. Wird dann wieder aussortiert, wird vor der WM 22 heftig gefordert. Darf dann 23 nochmals Spiele machen. Wird wieder aussortiert. Wird vor der EM 24 wieder zu einem lästigen Thema. Kroos tritt 21 zurück und wird 24 zurückgeholt. Goretzka wird eigentlich relativ unmissverständlich aussortiert, weil er als Bankspieler problematisch sein könnte. Kommt nach einem Jahr wieder zurück und landet (wenn auch zu Recht) im Turnier dort, wo der gleiche Trainer ihn eigentlich für inkompatibel hält: auf der Bank. Neuer kommt 2018, 2024 und 2026 jeweils nach Minimum 18 Monaten Pause wieder zurück und darf Turnier spielen (sieh unten).
Und natürlich stiegen all diese Spieler bei ihren (teils mehrfachen) Comebacks für die Trainer immer wieder ganz oben in der Hackordnung ein. Der eine hatte Aura, der andere war unverzichtbar fürs Pressing, der nächste war zwar langsam aber ein Leader oder ein Kämpfer (weil er sich in Abwesenheit der Konkurrenten seinen Platz im Verein zurückgeholt hat). Unbeweisbare Softskills, gegen die man als Konkurrent im Training nicht anstinken kann, weil sie als gegeben betrachtet werden. Auch so kann man Hierarchien zerstören und das Wachsen eines Teamgefüges verhindern oder zumindest verlangsamen.
4b)
an dieser Stelle noch mal ein paar gesonderte Anmerkungen zu Manuel Neuer. Für mich war sein letztes gutes Turnier 2016. Seine Spielbilanz seither:
- Zwischen EM 16 und WM 18 macht er die ersten drei Spiele und verpasste dann 17 Spiele (18,5 Monate) ehe er direkt zu den Vorbereitungsspielen wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Zwischen der WM 22 und der EM 24 verpasste er alle 13 Spiele (18 Monate) ehe er direkt zu den Vorbereitungsspielen wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Zwischen EM 24 und WM 26 verpasste er alle 18 Spiele und dieses Mal sogar die beiden Testspiele ehe er wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Selbst vor der WM 22 verpasste er die beiden Länderspiele der Saison und stieg dann wieder zum einzigen Vorbereitungsspiel wieder ein – und spielte alle Turnierspiele.
- Und selbst in der kompletten Zeit zwischen 2018 und 2022 machte er von 42 Spielen nur 28 und das war nach 2016 seine Produktivste Phase.
Zusammengefasst: Neuer absolvierte 19 von 19 Turnierspielen und 7 von 9 Turniervorbereitungsspielen. Aber bei den anderen steht er seit 2016 bei 31/93 (vor den Turnieren 18,24 und 26 bei 3/51). Unter Nagelsmann war Neuer somit nicht ein einziges Mal bei einem regulären Lehrgang dabei (alle neun Turnierspiele und 2 Vorbereitungsspiele)
Überspitzt formuliert hat es sich der DFB geleistet, in den letzten 10 Jahren einen Turniertorwart zu unterhalten und eine Handvoll Torhüter, die den Rest erledigen durften. Ich bleibe dabei, über diesen Zeitraum ist das nichts, was einer Hierarchie oder der Stimmung in einer Mannschaft zuträglich wäre. Vor allem nicht bei dem, was leistungsmäßig dann zurückkam.
5) Leider hat der DFB einige Zeit verschwendet, weil die Trainer zu diesen Zeitpunkten Getrieben waren, die ohne jede Stärke agieren mussten/konnten. Bei Löw waren es drei Jahre, in denen permanent sein Job auf der Kippe stand. Flick produzierte in diesem Zustand das kaum Verstehbare erste Halbjahr 2023 und selbst Nagelsmann war seit der Niederlage gegen die Slowakei im permanenten Jobsicherungsmodus mit allerlei merkwürdigen Ideen und womöglich war das fatale Kicker-Interview sogar ein Produkt dieser Sorge und als mediale Charmeoffensive angelegt. Je nach Sichtweise waren das 3,5-4,5 dieser zehn Jahre, in den die Trainer sich mehr um sich kümmern mussten als um eine vernünftige Entwicklung. Das ist zuviel Ballast.
6) Ein letzter Grund, der sich nicht direkt aus den von mir beschrieben Zeiträumen ableiten lässt: Die Bayern-Dominanz. Ich halte es für problematisch, dass der Verein, der die meisten Spieler stellt, im Prinzip nur noch im März und April relevante Spiele hat und den Rest auch mit 80-90% in der Regel hinbekommt, während bei den anderen in der Buli beschäftigten Nationalspieler der Titel schon gar keine Rolle mehr spielt, sondern es reicht wenn man sich seinerseits mit 80-90% auf die CL-Plätze rettet. CL ist nett, aber ein Ausscheiden ist dann auch kein Problem. Diese zementierte Hierarchie, der Abotitel und die mittlerweile fast komplett fehlenden ernsthaften Titelambitionen der anderen Spieler in der Liga untergraben auf allen Ebenen die Wettkampfhärte. Nur meine Meinung. Aber diese Entwicklung läuft parallel zu den schlechten Turnierergebnissen.
So, was meint ihr? Elemente wie Nachwuchsarbeit etc. habe ich jetzt bewusst rausgelassen.
Ok, ok, der Titel ist sehr melodramatisch. Aber ihr sollt ja auch klicken….
Worum geht es in diesem Thread?
Es gibt ja nun schon einige Threads, die sich mit der Zukunft der N11 beschäftigen und wie man wieder besser werden könnte. Dieser Thread hier soll sich mit der Vergangenheit beschäftigen.
Die N11 befindet sich gerade ergebnistechnisch in der längsten Durstrecke – zumindest seit es WMs und EMs gibt, das letzte Halbfinale bei einem großen Turnier (exclusive NL und Confed-Cup) erreichte man 2016. Das Verrückte: dieser von mir jetzt mal Jahrzehnt der Finsternis genannte Zeitraum schloss sich nahtlos an die eine echte Erfolgsära an: 6 ununterbrochene Halbfinalteilnahmen zwischen 2006 und 2016 (Rekord), 4 Halbfinalteilnahmen bei WMs in Folge (2002-2014) – Weltrekord!
Was also ging schief, was sind die Gründe für diesen nahtlosen drastischen Umschwung? Das soll in diesem Thread diskutiert werden.
Dazu werde ich zunächst die Phasen seit 2016 einzeln in Erinnerung rufen und rekapitulieren (da vieles wahrscheinlich in Vergessenheit geraten ist).
Sollte ich da irgendwas vergessen oder falsch in Erinnerung haben oder eurer Meinung nach auch nur falsch bewerten: korrigiert und ergänzt mich gerne. Am Ende werde ich dann versuchen meine Hauptgründe für das Scheitern des letzten Jahrzehnts herauszufiltern – in der Hoffnung, dass ihr dann eure Gründe darlegt – und vielleicht sogar aus unseren Erkenntnissen Lösungsmöglichkeiten herleiten könnt.
Phase 1: Fast ein Rekord, der letzte Titel und erste Risse (2016-2018)
Nach der EM folgte eine Phase von 22 ungeschlagenen Spielen (die zweitlängste Serie der DFB-Geschichte) und ich bin ehrlich, nach dem 1-1 gegen Spanien war ich überzeugt, dass beide Teams bei der WM das Halbfinale erreichen werden. Was also ging schief?
Zunächst einmal gewann man mit der B-Elf den Confed-Cup und im Nachhinein scheint ein Grund für alles, was folgte, in diesem Sieg zu liegen. Eine neue Generation an Spielern zog aus diesem Titel Ansprüche (z.B. der damals sehr gut spielende Goretzka) und sie erhielten in den Spielen auch durchaus Spielzeit. Aber dennoch wurden sie eben nur als Platzhalter gesehen und betrachtet man dann die WM, waren sie das auch und die noch vorhandenen Weltmeister blieben für Löw, wie es aussieht, unverhandelbare Stammspieler.
Für Außenstehende war das zunächst nicht erkennbar, aber man bekam einen ersten Blick auf das Problem bei Kroos´ legendärem Interview nach der Serie beendenden Niederlage gegen Brasilien, als er feststellte, dass in der auf sieben Positionen (im Vergleich zum Spanien-Spiel) geänderten Mannschaft viele „ihre Chance nicht genutzt“ hätten. Vor allem die Newcomer durften sich da natürlich angesprochen fühlen.
Es war das letzte Spiel vor der direkten Vorbereitung und das Interview setzte den Ton zwischen Platzhirschen und Newcomern. Und die bekamen in der Vorbereitung auf die Mütze. Sané wurde überraschend aussortiert (damals war das wirklich unglaublich), Wagner hatte das Nachsehen und die mMn fragwürdigste Entscheidung: MAtS musste den Platz räumen für einen Spieler, der ein Jahr lang verletzt gewesen war, keinerlei Leistungsnachweis zeigen musste und seit der EM 2016 lediglich drei Länderspiele (3x WM-Quali 2016) bestritten hatte.
Phase 2: Der Ur-Super-GAU: Die WM 2018
Zu den oben genannten Problemen gesellten sich politische Probleme: Der Ehrenspielführer des DFB, Lothar Matthäus, hatte ein Foto mit Wladimir Putin machen lassen, welches natürlich nun das Hauptthema war. Nein, war Spaß, das Foto des Özil/Gündogan-Kritikers gab es zwar, aber selbstverständlich war das nur ein Randaspekt. Es dominierte die allseits bekannte Özil/Gündogan-Thematik.
Die Ergebnisse sind bekannt. Man startete mit allen sieben möglichen Weltmeistern gegen Mexico und schonte (!) Marco Reus für den weiteren Turnierverlauf. Toni Kroos (später Fußballer des Jahres 2018) hatte beim Gegentor keine Lust zu sprinten (allerdings machte bis auf Özil eigentlich niemand groß Anstalten, den Konter zu unterbinden) und viel Ballbesitz führte zu wenig Chancen. Im zweiten Spiel gab es dann einen Nervensieg gegen Schweden und es war klar, dass man mit einem 2-0 (je nach Parallelspiel reichte auch ein einfacher Sieg) auf jeden Fall noch weiterkommen würde.
Im entscheidenden Spiel gegen Südkorea tauchte dann plötzlich Confed-Cup-Gewinner Goretzka in der Startelf auf (nominell Rechtsaußen, aber fragt mich nicht, was es tatsächlich war und warum man ausgerechnet in diesem Spiel auf einen echten Offensiven zugunsten Goretzkas verzichtete).
Man vergab seine Chancen, kassierte späte Gegentore und schied aus. Der Ur-Super-GAU dieses Jahrzehnts. Nach dem Turnier wurde das sehr viel realistischere (und bis heute verwendete ELO-System in der Weltrangliste eingeführt und das deutsche Team bekam auch dort die nackte Wahrheit vermittelt: Absturz von Platz auf Platz.
Von den Weltmeistern erklärten nur Özil und Khedira ihren Rücktritt, das reichte der Öffentlichkeit, die Sündenböcke unter den Spielern waren gefunden.
Auch Löw blieb (DAS wiederum war extremst umstritten), trotz der Probleme in der Mannschaft (Jung gegen Alt), trotz der arroganten (Reus) und später dann leicht panisch wirkenden Aufstellungen.
Phase 3: Schuld und Sühne (NL 2018)
Bis auf die Zurückgetretenen nahm Löw nahezu alle Spieler mit in die neugeschaffene Nations League. Ich habe das damals durchaus verstanden, da man schon auch eine gewisse Resthoffnung haben durfte, dass die WM ein spektakulärer Ausrutscher war, die Mannschaft aber mit einigen Nachjustierungen durchaus konkurrenzfähig sein sollte. Nach zwei Siegen in Freundschaftsspielen und vier sieglosen Spielen gegen FRA und NED (auch wenn nicht alles schlecht war) war aber klar, dass das Problem doch tiefer lag, die Stimmen, die Löws Ablösung forderten, mehrten sich.
Der trat die Flucht nach vorne an und goss die Erkenntnisse und Probleme des letzten Dreivierteljahres in eine Neuausrichtung des Kaders: Boateng, Hummels und Müller wurden in der Winterpause 2018/19 aussortiert.
Für mich damals die richtige Entscheidung. Die Mannschaft hatte ihre zweite Chance erhalten und gezeigt, dass sie sich überlebt hatte und mit der Entscheidung hatte man auch den Jung gegen Alt-Konflikt entschieden und Platz geschaffen für ein neues Gerippe. Dennoch hatte man schon damals das Gefühl, dass auch gewisse Kreise der Medien nur darauf warteten, die abgesägten Spieler wieder zurückschreiben zu können.
Phase 4: Neue Spielidee (2019 EM-Quali)
In den Spielen des Jahres 2019 (Testspiele und EM-Quali) konnte man erkennen, dass Löw den Spiel neu justieren wollte. Das Klein-klein wurde deutlich zurückgeschraubt, für die Balance wurde jetzt ein dritter ZM oder auch mal eine Dreierkette zur Dauerlösung und vorne wollte man auf Tempo setzen, indem man Mischungen aus Reus-Sané-Werner-Gnabry installierte (bis zu Sanés Verletzung). Es begann gut mit einem Sieg in den Niederlanden, das Rückspiel war dann eher ein Rückschlag, aber insgesamt konnte man einen Paradigmenwechsel erkennen und auch eine Weiterentwicklung. Das 6-1 zum Jahresabschluss gegen Nordirland war ein positiver Schlusspunkt, der massiv in die richtige Richtung im Hinblick auf die EM zeigte, auch wenn manche personelle Entscheidungen immer noch experimentell anmuteten (Goretzkas Rolle in einigen Spielen z.B.). Und obwohl Löw mit dieser Neuausrichtung durchaus Lernbereitschaft gezeigt hatte, wurde das nur in Teilen anerkannt. Angesichts der soliden bis guten Leistungen hielt man sich mit den Forderungen nach Rückholaktionen aber noch weitgehend zurück.
Phase 5: Coronaspiele und das Ende vom Ende des Endes (2020; NL 2020)
Es folgte die unwirkliche Phase der Pandemie. Die N11 wurde auf Eis gelegt, parallel pflügte der FC Bayern durch Europa und war der heißeste Schei** auf dem Kontinent – und mit ihm seine (Ex)Nationalspieler.
Man mag mir widersprechen, aber das beendete letztlich die Hoffnungen, dass man das klägliche Ende der „Generation 2014“ von 2018 für beendet hätte erklären können.
Zunächst einmal bedeutete das, dass man zwischen dem 3.9. und 17.11. acht Länderspiele absolvieren musste (NL und Tests). Am Ende des Jahres stand eine Bilanz von 3-4-1, was nicht gut aber auch nicht katastrophal war und angesichts der Umstände eigentlich weit weniger dramatisch hätte eingeordnet werden sollen, als man es tat.
Aber der Reihe nach.
Da der Spielplan vollgestopft war und Löw nach 2018 nicht mehr mächtig/stark genug war den Vereinen die Stirn zu bieten, ließ man sich auf einen Kompromiss ein, der besagte, dass von jedem Verein nur eine gewisse (gleiche) Zahl an Spielern für die N11 nominiert werden durfte.
Es folgten wilde Spiele (zwei Mal gab man den Sieg in der Schlussminute ab) und noch wildere Aufstellungen, man wechselte munter zwischen Dreierkette und Viererkette (je nachdem, wen man bei der Proporznominierung zur Verfügung hatte) und das alles gipfelte dann in jenem Spiel, dass Löw endgültig über die Kante schubste: dem 0-6 gegen Spanien. Jedem, der das nicht mehr auf dem Schirm hatte, empfehle ich einen Blick auf die Bank der nicht eingewechselten Spieler.
Realistisch hätte man auch medial sagen müssen: Schwamm drüber, wir haben hier das Interesse der Vereine priorisiert, also sollte man die Ergebnisse und die Spiele auch mit einer gewissen Milde beurteilen. Meiner Erinnerung nach, gab es jedoch (auch jenseits des Spanienspiels) keinen Corona-Nominierungs-Rabatt, sondern man tat einfach so, als sei das, was da die acht Spiele runterreißen musste, wirklich DIE N11.
Und das wichtigste Thema: wann kommen endlich Hummels, Boateng und vor allem Müller zurückfordern, denn ohne sie klappt es ja nicht.
Wie gesagt ich empfand das als unfair und nicht nur das. Es war mutwillig widersinnig, einen Bayernspieler zu fordern und sich über dessen Nichtberücksichtigung zu ärgern, in einer Zeit, in der sowieso die meisten Bayernspieler aufgrund des Coronaproporzes gar nicht nominiert wurde. Aber es ging vordergründig mMn nur noch darum Löw loszuwerden.
Noch vor den nächsten Länderspielen im Jahr 2021 erklärte Löw, dass er nach der EM zurücktreten werde.
Phase 6: Eine Niederlage zu viel und Rückholaktionen (Frühjahr 2021; Beginn WM-Quali)
Dennoch blieb Löw zunächst bei seiner Entscheidung, die Aussortierten aussortiert zu lassen.
Doch nach zwei guten Siegen in der WM-Quali (ein 3-0 gegen Island ein Auswärtssieg beim potenziell stärksten Gegner Rumänien) sorgte eine Niederlage gegen Nordmazedonien dafür, dass Hummels und Müller wieder zurück durften. Es war ein Freak-Spiel, das man niemals hätte verlieren dürfen, aber wie schon mehrfach erwähnt, die Lame Duck Löw musste nachgeben.
Und so versuchte man sich an der Quadratur des Kreises. Hummels ist über die Jahre nochmals langsamer geworden und Müller funktioniert eigentlich nur noch zentral hinter einem (Weltklasse)Mittelstürmer. Das scheitert schon daran, dass man einen solchen im eigentlichen Sinne nicht hat (Volland, Werner). Zudem ist der Fixpunkt im MF Toni Kroos, der in der 21er-Version wenig Defensivdenken mitbringt und in einem Dreier-MF eigentlich am besten aufgehoben ist (dann allerdings mit einem echten 6er, den gibt es im Kader nur bedingt). Außerdem sollte man Gündogan und Kimmich noch unterbringen und wenn der zu Beginn des Turniers verletzte Goretzka auch noch seine Minuten bekäme, wäre das auch schön.
Es darf sich jeder gerne den Kader von 2021 zur Brust nehmen und versuchen, all die von mir genannten Voraussetzungen zu erfüllen. Schwierig.
Phase 7: Nicht Fisch nicht Fleisch (EM 2021)
Am Ende spielte man ohne echten 6er, aber mit Dreierkette (um Hummels Langsamkeit und Kroos´ Zweikampfschwäche zu kaschieren), Kimmich gab den Schienenspieler und Müller spielte Rechtsaußen (weil er halt spielen musste, auch wenn es seine Position gar nicht mehr gab).
Man hatte ein gutes Spiel (gegen Portugal), Hummels schoss ein Eigentor zur Niederlage, Müller ließ gegen England alleine vor dem Torwart den Ausgleich liegen und obwohl man tatsächlich schwierige Gegner hatte, hatte zumindest ich das Gefühl, dass man sich selbst einen Rucksack aufgeladen hatte, der alles noch viel schwieriger gemacht hatte, indem man als Priorität hatte, bestimmte Spieler in der Mannschaft zu haben, ob das dann systematisch Sinn ergab oder nicht.
An der Stelle sein noch erwähnt, dass Goretzka tatsächlich seine wichtigste Szene für die N11 in diesem Turnier hatte (der späte Ausgleich gegen Ungarn), der blutjunge Musiala dort auch seine Füße im Spiel hatte (und unverständlicherweise gegen England dann erst in der Nachspielzeit kam) und Neuer so anonym spielte wie er es mMn in der N11 seit 2016 im besten Fall tat.
Und auch Löw hatte sich zwischen seiner Rücktrittsankündigung und seiner personellen Rolle rückwärts verloren. Ach ja, Toni Kroos erklärte seinen Rücktritt.
Ein Turnier,
Phase 7: Flicks Einstieg (Herbst 2021 WM Quali)
Mit Hansi Flick übernahm die logische Lösung. Erfahrung beim DFB (inkl. Turniererfahrung), große Erfolge in München und mittlerweile sagte man über ihn in Bezug auf Löw das, was man zu Beginn über Löw zu Beginn in Bezug zu Klinsmann gesagt hatte: er sei das eigentliche Gehirn der Erfolge gewesen.
Es standen die restlichen Spiele in der WM-Quali an und alle acht wurden z.T. klar gewonnen, auch wenn die Gegner natürlich nicht aus der ersten Riege stammten.
Und: Flick verzichtet auf Hummels.
Insgesamt reagiert die Öffentlichkeit positiv: die Ergebnisse stimmen, Löw ist weg, die meisten sind halbwegs beruhigt – auch wenn man doch noch erst abwarten will und sich fragt, wie es gegen die Großen läuft.
Phase 8: Das Siegen verlernt (NL 2022)
Die Antwort lautet: keine Ahnung. In den acht Spielen, bis zur direkten WM-Vorbereitung holt man zwei Siege (darunter ein überzeugender gegen Italien B, fünf Unentschieden (2x Eng, 1 x ITA, 1x NED) und eine Niederlage gegen Ungarn (Flicks erster), mit der man die Chance erstmals in der NL weiterzukommen, liegen ließ. Auch hier gab es unter den Unentschieden hergeschenkte Siege, bei denen man durchaus Flicks Wechsel und Ausrichtung kritisch bewerten konnte.
Allerdings bei aller Kritik stand eben auch die Bilanz, dass man seit der EM eben auch nur ein einziges Spiel verloren hatte.
Phase 9: Ein Aus zum Kopfschütteln: die WM 2022
Zwei Monate nach dem letzten Länderspiel gab es vor der Winter-WM nur ein Testspiel: Flick nutzte es, um eine durchgewürfelte Mannschaft aufzustellen und dort dann auch noch sechs Mal zu wechseln (Mats Hummels war trotz großer Medienunterstützung allerdings nicht dabei). Der nach langem (für mich aber durchaus verständlichen Zögern) nominierte Füllkrug traf zum Sieg.
Hat aber niemand interessiert, weil der mediale Fokus in erster Linie auf der Frage lag, wie sich die N11 zur politischen Lage äußern soll. Leider lag wohl auch die Mannschaft in dieser Frage über Kreuz. Wer eine Auffrischung der Thematik braucht, sollte sich nochmals die Viertelstunde vor dem ersten Spiel anschauen und die mMn schon leicht hysterische Moderation von Tom Bartels anhören, der sinngemäß verlauten ließ, dass „wir alle“ in erster Linie wissen wollen, was die N11 nun machen werde und nach der Mundgeste dann auch leicht pampig verlauten ließ, dass das ja das Mindeste gewesen sei, nachdem man etwas angekündigt habe.
Das Spiel selbst geht verloren. Ich denke immer noch, dass dieses Spiel von allen Turnierniederlagen, die der DFB je einstecken musste, die unnötigste war. Nach 60 Minuten wäre ein 3-0 kein Ergebnis gewesen, das irgendeiner Erklärung bedurft hätte, man hatte (gerade zu Beginn der zweiten Halbzeit) Chancen für zwei Spiele. Spätestens als mit Gündogan der Taktgeber im ZM zugunsten Goretzkas ausgetauscht wurde, gab es aber einen Bruch und man verlor die Kontrolle (im Nachhinein gab es dann die Gerüchte, dass Flick den enttäuschten Goretzka zur Stimmungspflege gebracht habe).
Das 1-2 wird dann durch Stellungsfehle eingeleitet, ist aber für mich am langen Ende ein klarer Torwartfehler, des kurz vor dem Turnier aus einer Verletzung ins DFB-Tor zurückgekehrten Neuer, der unerklärlicherweise nach innen abkippt und somit den Platz zwischen sich und Pfosten öffnet.
Es folgen ein gutes 1-1 gegen Spanien und ein 4-2 Sieg gegen CRI, bei dem man es auch nochmals spannend machte. Prinzipiell sind das aber zwei normale Ergebnisse, sodass das Ausscheiden letztlich an den 20 Minuten gegen Japan lag. Klar, kann man sagen, dass man Spanien im Fernduell mehr hätte unter Druck setzen können, wenn man mit der geeigneten Aufstellung (Füllkrug) von Anfang an auf möglichst viele Tore gegangen wäre, aber der Kontrollverlust gegen Japan und die inneren politischen Konflikte dürften es eher gewesen sein.
Vergleicht man dieses Aus mit dem von 2018 würde ich behaupten, dass man 2022 sehr viel unglücklicher ausschied und da wirklich viel zusammenkommen musste.
Leider sah man das naturgemäß in den Medien und der Öffentlichkeit nicht so. Manchmal hatte man das Gefühl, dass man gar nicht mehr mitbekommen hatte, dass man noch drei Tore geschossen hatte.
Beide Turnierleistungen wurden ohne Differenzierung in einen Topf geworfen. Bierhoff trat zurück und Flick blieb in der Löw-Rolle als Lame Duck.
Phase 10: Aktionismus trifft Panik (Testspiele 2023; 1. Halbjahr)
Es begann das Jahr 2023 und in seiner Gesamtheit war es leistungstechnisch das wohl schlimmste Jahr seit ich die N11 verfolge und emotional nur deshalb vielleicht (aber nur vielleicht) nicht der emotionale Tiefpunkt, weil es kein Turnier gab, bei dem man ausscheiden konnte: 3 Siege (verteilt auf drei Trainer!), zwei Remis und sechs Niederlagen (in den 2,5 Jahren seither gab es insgesamt fünf…). Und jede dieser Niederlagen auf ihre Art und Weise grusliger als die andere. Den Anfang durfte Flick noch machen, der nach der WM offensichtlich all die falschen Lehren gezogen hatte. Es wurde mit Dreierketten experimentiert, mit Viererketten, die in der Offensive zu Dreierketten wurde, gegen Kolumbien durfte Musiala im ZM Goretzkas Vorstöße absichern, Gündogan tauchte im gleichen Spiel auf Linksaußen auf, Füllkrug bekam trotz starker Leistungen nicht immer die Spielzeit, die man sich gewünscht hätte und immer wieder wurde versucht, das über Jahre misslungene Experiment Kimmich und Goretzka in die Zentrale zu setzen am Leben erhalten. Thomas Müller bekam die ersten fünf Spiele eine Pause.
Phase 11: Es gibt nur ein Mal Rudi Völler (FRA)
Nach dem Desaster gegen Japan wird Flick von seinen Aufgaben entbunden. Völler übernimmt gegen FRA – und gewinnt. Die Mannschaft spielt Karo einfach, rechts hinten spielt ein IV, auf der sechs ein defensiver 6er. Man geht früh in Führung (Müller) und lässt die Franzosen im weiteren Verlauf abtropfen. Ein Spielplan als Antithese zu den sechs Spielen davor. Einer der neuen Co-Trainer: Sandro Wagner (mit Hannes Wolf). Völler macht aber klar, dass er nur dieses eine Spiel zur Verfügung stand.
Phase 12: Nagelsmanns Lernstunden (Testspiele 2023 Teil 2)
Nagelsmann erhält den schwierigen Auftrag, die Mannschaft für das Heimturnier fit zu machen. Es beginnt mit der Amerika-Reise (gegen Mexiko und die USA) – und Mats Hummels, der wieder sein Comeback feiern darf. Eigentlich hat die Öffentlichkeit keinen Bock mehr auf Experimente, gerade nach dem eher klassisch gewonnen Frankreich-Spiel. Dennoch schafft es Dreierkettenfan Nagelsmann sein Spiel mit einer Dreierkette in der offiziell genannten Viererkette zu „verstecken“, möglicherweise auch, weil gerade das zweite Spiel zu einer unglücklichen Sendezeit kommt und von vielen gar nicht gesehen wird. Füllkrug rettet die Ergebnisse.
Es folgt der vermutlich schlechteste einzelne Länderspielehrgang, an den ich mich erinnern kann. Nagelsmann packt die komplette Experimentpalette aus, sinnbildlich Havertz´ Rolle gegen die Türkei als ….. LV? Oder doch Schienenspieler? Schaut euch mal das Aufstellungsschema gegen die Türkei auf kicker.de an. Und das ist noch nicht mal so schräg, wie es dann auf dem Platz aussah.
Gegen Österreich versucht man es dann mit dem ZM Gündogan/Goretzka und den Schienenspielern Havertz und Brandt. Lief nicht gut. Im Prinzip hat JN ein halbes Jahr vor dem Heimturnier schon nach vier Spielen fertig, zu katastrophal war das, was er versucht hatte und wofür niemand eine Erklärung hat.
Ach ja. Manuel Neuer machte aufgrund von Verletzungen im gesamten Jahr 2023 kein einziges Länderspiel.
Phase 13: Worker und andere Banalitäten: die EM 2024
Irgendwann zwischen dem Österreich- und Frankreich-Spiel vollführt Nagelsmann einen kompletten U-Turn. Er holt Kroos zurück und trifft die Entscheidungen, die notwendig sind, damit Kroos in einem 4-2-3-1 überhaupt funktionieren könnte: er installiert einen klar defensiv orientierten Sechser, der Kroos´ defenisve Mängel abfedern soll. Als Folge wird Kimmich auf RV gesetzt (als echter RV!). Gündogan bekommt eine klare Rolle im offensiven Mittelfeld. Er lässt Spieler links liegen, die im Verdacht stehen, nur als Stammspieler in einem Turnier zu funktionieren (Goretzka, Hummels). Nichts davon ist Raketenwissenschaft.
Allerdings: Nachdem Manuel Neuer wegen Verletzungen auch die ersten beiden Länderspiele gegen FRA und die NED verpasst hatte, kehrt er natürlich pünktlich zu den Vorbereitungsspielen und den Turnierspielen wieder ins Tor zurück (und damit erstmals seit der WM 2022).
Ich gehöre zu denen, die glauben, dass es gar nicht mal Kroos´ Spiel war, was der Mannschaft am meisten geholfen hat (gegen Spanien geriet er in einigen Aspekten an seine Grenzen). Ich glaube es war wichtig, Kimmich als RV zu stellen und mit Goretzkas Nichtnominierung die ewigen Versuche, ihn mit Kimmich im ZM zu installieren, (scheinbar) beendet wurden. Müller im Kader zu halten, hätte ich nicht gebraucht.
Dennoch: Nagelsmanns neue Anordnung funktioniert von Beginn an. Die Abläufe sind klar, die Kette spielt klassisch aber funktional, man frisst kaum noch Konter und am Ende steht ein unglückliches Aus gegen Spanien, das problemlos auch ein Sieg hätte sein können. Das Ergebnis ist nicht ideal, aber der Weg scheint definitiv der richtige zu sein.
Phase 14: Gelernt ist gelernt (NL 2024)
Auch ohne die zurückgetretenen Kroos, Gündogan (und Müller und Neuer…), wird der zu Beginn des Jahres eingeschlagene Weg fortgeführt. Kimmich bleibt echter RV, das ZM ist für die Balance zuständig und vorne schafft man es sogar, Verletzungen aufzufangen und mit Kleindienst einen neuen MS passend zu integrieren. Ungarn und Bosnien, die nicht dafür bekannt waren/sind, sich abschießen zu lassen werden mit 5-0 und 7-0 heimgeschickt, auch die Niederlande schlägt man trotz Personalsorgen, auswärts spielt man 2-2 hat aber auch Schiri-Pech. Man gewinnt erstmals seine NL-Gruppe. Nichts deutet darauf hin, dass es einen Grund gäbe, von diesen Plänen abzuweichen.
Am Ende hat man im Jahre 2024 nur ein Spiel verloren (gegen SPA n.V.)
Phase 15: Verletzungspech und Restauration (NL VF+HF 2025)
Für die NL-Viertelfinalspiele gegen Italien fallen leider Wirtz und Havertz aus. Was man noch nicht weiß: Musiala wird sein letztes Länderspiel bis zur direkten WM-Vorbereitung bestreiten, Havertz erst im März ´26 wieder zurückkehren. Tim Kleindienst wird sogar seine letzten Spiele bis dato machen. Dennoch hätte man systematisch bei der Erfolgsformel von 2024 bleibenn können, doch schon in diesem Lehrgang beginnt JN ohne größere Erklärung den Weg zurück nach 2023.
So ist z.B. Leon Goretzka wieder dabei. Die erste Halbzeit des Hinspiels ist nicht gut, das Mittelfeld weist Lücken auf, man ist sehr konteranfällig. Burkardt in der Spitze funktioniert nicht wie gewünscht. In der zweiten Halbzeit stellt er mit der Einwechslung von Schlotterbeck auf eine Quasidreierkette um, sodass er Goretzka auf eine 10erPosition schieben kann, ohne dass dieser deswegen den Spielmacher geben muss. Die Tore von Kleindienst und Goretzka drehen das Spiel. Goretzka, der als besonders kopfballstark und torgefährlich gerühmt wird, schießt dabei ein Kopfballtor – es ist sein erstes (und bis heute letztes) Länderspieltor seit der EM ´21 (wann er in der N11 sein letztes Kopfballtor geschossen hat, weiß ich nicht). Die Lobeshymnen (trotz der eher mauen ersten Halbzeit) danach sind unüberhörbar (Fuss am Rande eines Bayernspiels: Goretzka habe ein „episches Länderspiel gegen Italien“ absolviert.
Ein paar Tage später folgt die wohl beste Halbzeit der Nagelsmann-Ära. Goretzka auf der 10, Stiller im ZM und hinten eine Dreierkette (das beste Dreierkettenspiel der N11 seit….. immer?).
Umso spektakulärer der Einbruch: nach einem schnellen Gegentor und einem wilden Dreifachwechsel, zittert man ein Unentschieden nach Hause (und geht so Norwegen in der WM-Quali aus dem Weg….). Nach den Spielen wird bekannt, dass der DFB und Sandro Wagner beschlossen haben, nach dem NL-Final-Four getrennte Wege zu gehen.
Im Nachgang scheint die schlechte zweite Halbzeit des Rückspiels für JN aber kaum noch eine Rolle gespielt zu haben.
Gegen Portugal beginnt man mit einer Dreierkette, zwar kommt immerhin Wirtz hinzu, der kommt aber auch aus einer Verletzung. Woltemade erhält noch vor der U21-EM sein Debut. Ter Stegen kommt ebenfalls wieder dazu und zeigt zwei starke Leistungen.
Hinten spielt mit Koch und Anton eher die zweite Garde, Goretzka spielt wieder die halbe 10 und Pavlovic alleinigen 6er. Das Spiel ist von beiden Seiten nicht gut, doch Deutschland geht glücklich in Führung. Doch in einer Situation, in der es eher um Ball halten und oder Konter geht, macht JN einen Dreifachwechsel und bringt unter anderem Gosens und Füllkrug (beides eher keine Ballbesitzspieler, um eine Führung zu verwalten und NF eher auch nicht für Konter zu gebrauchen) für Mittelstädt und Woltemade. Neun Minuten später ist das Spiel verloren.
Gegen Frankreich setzt man auf eine Viererkette und Woltemade UND Füllkrug und eigentlich muss man nach 20 Minuten 2-3 Tore geschossen haben. FRA geht aber in Führung, Woltemade wird absprachegemäß ausgewechselt und nach dem Seitenwechsel läuft man in einen Konter nach dem anderen. Am Ende des Spiels rückt Kimmich wieder ins ZM, womit der Versuch Nagelsmanns beginnt, einen weiteren Punkt aus dem Jahr 2024 wieder zurückzudrehen.
Auch die Medien und die Öffentlichkeit werden hibbelig. Aus einer Halbfinalteilnahme wird ein „letzter Platz“ und auch die Verletzten werden nicht als Erklärung (zumindest für manche Dinge) gelten gelassen.
Phase 16: Ein Desaster, viele Siege aber null Wagner (WM-Quali 2025)
Vor dem Slowakeispiel sind die offensiven Hoffnungsträger immer noch verletzt, JN verzichtet auch auf Nmecha und Pavlovic, da die nach Verletzungen noch zu wenig Minuten gesehen hätten. In der Slowakei verliert man mit 0-2. Kimmich spielt wieder im ZM – ganz in der Nähe (wieder als nicht Spiel gestaltender 10) Leon Goretzka, womit ein neuer Versuch unternommen wird, die beiden im Mittelfeld unterzubringen und 2024 vergessen zu machen. Das Spiel entgleitet völlig. Debutant Collins wird verheizt, Rüdiger ist in katastrophalem Zustand, das Mittelfeld findet keinerlei Zugriff. Mittelstädt, der noch eine vergleichsweise unfallfreie erste Halbzeit hinter sich gebracht hat, muss die zweite Halbzeit als RV zubringen – und taucht (wie Collins) danach nie wieder in der N11 auf. Stiller wird ausgewechselt und ist danach für JN absoluter Streichkandidat.
Gegen Nordirland gibt es dann wieder Dreierkette mit Kimmich im ZM (Leweling dann rechts) und man gewinnt verdient, aber glanzlos und sichtlich verunsichert.
Gegen Luxemburg (ab jetzt wieder mit Kimmich auf RV) gewinnt man ungefährdet, gegen Nordirland ein Spiel, das hauptsächlich 2,50 Meter über dem Boden stattfindet.
Woltemade besorgt hier, wie auch im Rückspiel gegen Luxemburg den Sieg. Man kann in allen Spielen schon erahnen (auch wenn man es nicht wahrhaben will wie ich), dass JN keinen größeren Sinn mehr in einem 8er sieht, der in der Zentrale mitspielt. Goretzka gibt den zweiten 10er. Ab da hängt die deutsche Spielanlage davon ab, ob der Gegner den alleinigen deutschen Sechser abschneiden kann und wie sich die IV im Spielaufbau anstellen. Gegen Luxemburg wird es eine furchtbare erste Halbzeit (ohne Kimmich), in der man mit der Niederlage flirtet, erst Woltemades Tore sichern den Sieg.
Es folgt das 6-0 gegen die Slowakei. Alles funktioniert, auch der Plan mit Sané, Woltemade festigt seinen Platz als der neue Mittelstürmer und Nagelsmann hat offensichtlich die Bestätigung, dass seine Ausrichtung die richtige ist.
Auch ziemlich gut während der gesamten Qualifikation: Oliver Baumann.
Womöglich schmerzlich vermisst: ein Co-Trainer mit bändigendem Einfluss auf JN.
Phase 17: WTF…? (März 2026)
Das Slowakeispiel weckte Hoffnung und dennoch hallte die zähe Quali noch nach. Und in dieser Situation beschloss Nagelsmann, ein Interview im Kicker zu geben. Ein sehr langes Interview. 7(!) Seiten. Überschrift (in der Printausgabe) übrigens: „Ich habe tausend verschiedene Ideen“. Treffender hätte man im Rückblick die letzten 18 Monate kaum zusammenfassen können (auch wenn im Kontext was anderes gemeint war). Und JN hatte wenig Hemmungen, viele dieser Ideen zu präsentieren und über seine Spieler, Anforderungen etc. zu sprechen. Das ist toll für die Medien und auch hier wird darüber gerne diskutiert, aber du machst dir halt unzählige Einfalltore aus und lehnst dich an so vielen Stellen aus dem Fenster, dass es gar nicht ausbleiben KANN, dass du bei bestimmten Positionen zurückruderst und dann als – im besten Fall -wankelmütig dastehst.
Als Beispiel nur ein Zitat auf die Frage nach der Position hinter Oliver Baumann: „Hier hat Andreas Kronenberg als Torwarttrainer den Hut auf. (…) Am Ende entscheidet Krone. Eine Torwartgruppe ist sehr speziell, wie so eine kleine Familie in der großen Familie, die sehr viel Zeit nur mit sich verbringt. Da muss es einfach gut zusammenpassen. Da bringt es nichts, wenn man nur die drei besten Torhüter mitnimmt.“ Nun ja.
Und damit war der Boden bereitet für die beiden Spiele, die man auch tatsächlich gewann. Zwei schwierige Spiele mit vielen Ausfällen gerade im Mittelfeld, die man nach Rückschlägen noch gezogen hat und gerade ein Sieg gegen die Schweiz auswärts ist gar nicht mal sooo einfach. Hat kaum jemand gejuckt. Stattdessen ging es eine Woche lang nur um Kommunikation. JN lobt angepisst Sané für ein im besten Fall mäßiges Spiel, nur um ihn dann doch gegen Ghana auf die Bank zu setzen, dazu seine legendäre Unzufriedenheit mit dem Siegtorschützen Undav. Anstatt mit Rückenwind in die USA zu rauschen, gräbt er ein Schlagloch nach dem anderen.
Phase 18: How to throw away a tournament: Die WM 2026
In der Zwischenzeit hatte Manuel Neuer ein sehr gutes Spiel gegen Real Madrid, bei dem er zeigte, dass er an seltenen, einzelnen Tagen, wenn die Bälle in Bodennähe bleiben noch glänzen kann. Und die Medienlandschaft wurde wuschig. Jeder der vor 10-12 Jahren mal mit MN gepsielt hatte wurde zu seiner Meinung befragt und auch das Rückspiel gegen Real verlangsamte den Medien-Hypetrain nur wenig. Und als JN dann die Botschaft verkündete gab es zig Umfragen, in denen die Euphorie der Fans ob Neuers Rückkehr zum Ausdruck gebracht werden konnte. Nur dass diese diese Umfragen dazu nutzten, ihr Unverständnis zum Ausdruck zu bringen. War JN und den Medien egal, denn man hatte eine unschlagbare Erklärung, die so wachsweich ist, dass man schlicht nicht mit Fakten dagegen anargumentieren kann: Aura. Das Globulikügelchen unter den Torwartfähigkeiten.
Auch der Kader warf Fragen auf: Es gab sehr viele ZMs, aber kaum echte Flügel. Und nur einen RV (Kimmich). Im Nachhinein alles konsequent, da es in Nagelsmanns System eigentlich keinen RV gab, sondern nur einen RIV (der dann auch eher von einem IV gespielt wird) und eigentlich auch keine echten Flügelstürmer, sondern RA, der in der Hauptsache nach innen ziehen und irgendwie mit nach hinten arbeiten soll. Und für LA hatte er mit Wirtz einen Spielmachertyp vorgesehen.
Pech kam dann mit der Verletzung Karls (und später Schlotterbeck) dann auch noch dazu.
Baumann bekam noch zwei Henkersmahlzeitspiele, während Neuer seine Wade auskurierte, Sané war wieder Stammspieler (nichts gegen Sané, er hat gespielt, was er sollte und war zwar nicht gut, aber mMn viel zu sehr der Blitzableiter, der für viele an allem Schuld war).
Zum Turnier braucht man nicht mehr viel sagen. Die Fehde mit Undav setzte sich fort und als sich ein Momentum zu entwickeln begann, killte JN das im Spiel gegen Ecuador wieder, indem er Wechsel entgegen des Spielverlaufs vornahm, um Geschenke zu verteilen, womit er die Beschenkten zu den Gesichtern der Niederlage machte, Woltemade wohl endgültig brach und das Team mit Zweifel und schlechter Laune gegen Paraguay ins Rennen schickte.
Das Spiel war dann die Zusammenfassung von Nagelsmanns erratischem Kurs. Am Ende sollten es Flanken richten, die aber nicht die beiden deutschen Top-Flankengeber Raum (blieb auf der Bank) oder Kimmich (wurde ins ZM geschoben) bringen sollten, sondern Wirtz (ok, aber kann halt nur invers aus dem Halbfeld) und Anton. Und obwohl JN ein denkwürdig großes Portfolio an ZMs nominert hatte (2022 waren es nur drei), endete die Partie (ab Min. 73) mit dem ZM-Duo Kimmich/Goretzka. War das die Hauptursache? Nein, aber es ist symptomatisch, dass man am Ende der Geschichte wieder genau an diesem Punkt anlangte. Neuer hielt noch einen Elfmeter.
Ich denke jeder kann sich aus diesen Abläufen seine Gründe raussuchen, es dürfte auch rausgekommen sein, wo ich Fehler sehe, die sich eventuell auch wiederholt haben:
1) Nebenkriegsschauplätze.
2018 bekam man die „Foto-Affäre“ nicht in den Griff, mMn nach unter anderem auch, weil man einen Präsidenten hatte, dem sein eigener Antagonismus zu den betroffenen Spielern wichtiger war als der Rest des Turniers. 2022 lief man in die Binden-Debatte, ohne sich offensichtlich vorher bewusst zu sein, dass das Thema auch in der Mannschaft nicht einhellig betrachtet wurde. 2026 vermied man zwar die politischen Fallstricke, dafür gab JN im Kicker viel zu viele Einblicke, die ihn (auch für die Spieler) angreifbar machten. Und jedes Mal war man es selbst, der die Themen anschleppte und dafür sorgte, dass sie Problem schufen.
2) Zuerst Namen, dann das System.
Löw hatte ab 2019 versucht, eine neue Idee zu implementieren, aber durch die Pleite 2018 war er nicht mehr stark genug bei Rückschlägen (Spanien, Nordmazedonien) das durchzuziehen, sodass das Turnier 2021 zu einem einzigen Feldversuch wurde, wie man vorgegebene Namen in ein System zwängen kann. Doch auch Flick und JN hatte ihre Aktien in diesem Vorgehen. Füllkrug hätte zwischen 2022 und 2024 ein viel klarerer Stammspieler sein müssen, aber er hatte nicht den Namen, den andere hatten. Dafür taucht dann Müller auf Positionen auf, auf denen er zum letzten Mal 2014 Impact hatte. Eine Einwechslung von Goretzka für Gündogan gegen Japan ist eine Sabotage an der Spielidee, weil man einen Namen befriedigen wollte. Das ständige Hin- und Herschieben von Kimmich, so dass es scheint, dass es eigentlich egal ist, wo er spielt, wichtig ist nur DASS er spielt. Die ständigen Positionswechsel von Gündogan: 6er, 10er, 8er? Einmal dann sogar Linksaußen.
Wenn man schon Namen vor System priorisiert und damit im Prinzip nur Heldenfußball spielen kann, müssen die Spieler unzweifelhaft diese Priorisierung wert sein – sie müssen Helden sein. Das war nicht der Fall, womit ich bei Punkt 3 wäre.
3) Zu langes Festhalten an Spielern, es wird nicht einfach nur nach Namen sortiert, es wird auch noch beibehalten, wenn die Namen nicht (mehr) gut genug sind. Das ist etwas, was Löw, Flick und Nagelsmann mMn in unterschiedlicher Schattierung gemeinsam haben. Löw hat zu lange die 14er für unantastbar erklärt und damit den Kader gespalten. Und als er etwas geändert hat, war es insofern zu spät, als dass er als lame Duck nicht mehr unter dem Damoklesschwert der großen Namen, die doch zur Rettung aller schreiten könnten, wegkam und die Entscheidung nicht mehr durchziehen konnte. Bei Flick und Nagelsmann war es u.a. das Festhängen an Namen, mit denen sie beim FCB erfolgreich waren. Müller blockierte drei Turnier lang einen Platz, ohne dass es was gebracht hätte. Goretzka wurde immer wieder in der Startelf gehievt, ohne dass sich entscheidend etwas besserte. Das Duo Kimmich/Goretzka sollte zum Funktionieren gebracht werde. Immer wieder Sané, den ich als Typen mag, der aber damit auch viele Chancen bekam, an denen andere Spieler hätten wachsen können. Süle, der immer wieder Chancen bekommt. Und natürlich Neuer. Womit wir bei Punkt 4 wären.
4) Permanente Sabotage an der Hierarchie. 2018 gab man eine Hierarchie vor und den Jungen kaum Chancen, sich reinzuspielen. Markantestes Beispiel. Nach nahezu zwei Jahren Pause muss MAtS umstandslos den Platz räumen, weil MN wieder gesund ist (nicht fit, nicht in Form, nur gesund). Ab 2021 beginnen dann die Rückholaktionen, oft orchestriert von den Medien, z.T. aber auch dankbar aufgenommen von den Trainern. Müller kommt 21 zurück, macht dann 23 ein halbes Jahr Pause, kommt dann wieder zurück. Hummels kommt 21 zurück. Wird dann wieder aussortiert, wird vor der WM 22 heftig gefordert. Darf dann 23 nochmals Spiele machen. Wird wieder aussortiert. Wird vor der EM 24 wieder zu einem lästigen Thema. Kroos tritt 21 zurück und wird 24 zurückgeholt. Goretzka wird eigentlich relativ unmissverständlich aussortiert, weil er als Bankspieler problematisch sein könnte. Kommt nach einem Jahr wieder zurück und landet (wenn auch zu Recht) im Turnier dort, wo der gleiche Trainer ihn eigentlich für inkompatibel hält: auf der Bank. Neuer kommt 2018, 2024 und 2026 jeweils nach Minimum 18 Monaten Pause wieder zurück und darf Turnier spielen (sieh unten).
Und natürlich stiegen all diese Spieler bei ihren (teils mehrfachen) Comebacks für die Trainer immer wieder ganz oben in der Hackordnung ein. Der eine hatte Aura, der andere war unverzichtbar fürs Pressing, der nächste war zwar langsam aber ein Leader oder ein Kämpfer (weil er sich in Abwesenheit der Konkurrenten seinen Platz im Verein zurückgeholt hat). Unbeweisbare Softskills, gegen die man als Konkurrent im Training nicht anstinken kann, weil sie als gegeben betrachtet werden. Auch so kann man Hierarchien zerstören und das Wachsen eines Teamgefüges verhindern oder zumindest verlangsamen.
4b)
an dieser Stelle noch mal ein paar gesonderte Anmerkungen zu Manuel Neuer. Für mich war sein letztes gutes Turnier 2016. Seine Spielbilanz seither:
- Zwischen EM 16 und WM 18 macht er die ersten drei Spiele und verpasste dann 17 Spiele (18,5 Monate) ehe er direkt zu den Vorbereitungsspielen wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Zwischen der WM 22 und der EM 24 verpasste er alle 13 Spiele (18 Monate) ehe er direkt zu den Vorbereitungsspielen wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Zwischen EM 24 und WM 26 verpasste er alle 18 Spiele und dieses Mal sogar die beiden Testspiele ehe er wieder einstieg und alle Turnierspiele absolvierte.
- Selbst vor der WM 22 verpasste er die beiden Länderspiele der Saison und stieg dann wieder zum einzigen Vorbereitungsspiel wieder ein – und spielte alle Turnierspiele.
- Und selbst in der kompletten Zeit zwischen 2018 und 2022 machte er von 42 Spielen nur 28 und das war nach 2016 seine Produktivste Phase.
Zusammengefasst: Neuer absolvierte 19 von 19 Turnierspielen und 7 von 9 Turniervorbereitungsspielen. Aber bei den anderen steht er seit 2016 bei 31/93 (vor den Turnieren 18,24 und 26 bei 3/51). Unter Nagelsmann war Neuer somit nicht ein einziges Mal bei einem regulären Lehrgang dabei (alle neun Turnierspiele und 2 Vorbereitungsspiele)
Überspitzt formuliert hat es sich der DFB geleistet, in den letzten 10 Jahren einen Turniertorwart zu unterhalten und eine Handvoll Torhüter, die den Rest erledigen durften. Ich bleibe dabei, über diesen Zeitraum ist das nichts, was einer Hierarchie oder der Stimmung in einer Mannschaft zuträglich wäre. Vor allem nicht bei dem, was leistungsmäßig dann zurückkam.
5) Leider hat der DFB einige Zeit verschwendet, weil die Trainer zu diesen Zeitpunkten Getrieben waren, die ohne jede Stärke agieren mussten/konnten. Bei Löw waren es drei Jahre, in denen permanent sein Job auf der Kippe stand. Flick produzierte in diesem Zustand das kaum Verstehbare erste Halbjahr 2023 und selbst Nagelsmann war seit der Niederlage gegen die Slowakei im permanenten Jobsicherungsmodus mit allerlei merkwürdigen Ideen und womöglich war das fatale Kicker-Interview sogar ein Produkt dieser Sorge und als mediale Charmeoffensive angelegt. Je nach Sichtweise waren das 3,5-4,5 dieser zehn Jahre, in den die Trainer sich mehr um sich kümmern mussten als um eine vernünftige Entwicklung. Das ist zuviel Ballast.
6) Ein letzter Grund, der sich nicht direkt aus den von mir beschrieben Zeiträumen ableiten lässt: Die Bayern-Dominanz. Ich halte es für problematisch, dass der Verein, der die meisten Spieler stellt, im Prinzip nur noch im März und April relevante Spiele hat und den Rest auch mit 80-90% in der Regel hinbekommt, während bei den anderen in der Buli beschäftigten Nationalspieler der Titel schon gar keine Rolle mehr spielt, sondern es reicht wenn man sich seinerseits mit 80-90% auf die CL-Plätze rettet. CL ist nett, aber ein Ausscheiden ist dann auch kein Problem. Diese zementierte Hierarchie, der Abotitel und die mittlerweile fast komplett fehlenden ernsthaften Titelambitionen der anderen Spieler in der Liga untergraben auf allen Ebenen die Wettkampfhärte. Nur meine Meinung. Aber diese Entwicklung läuft parallel zu den schlechten Turnierergebnissen.
So, was meint ihr? Elemente wie Nachwuchsarbeit etc. habe ich jetzt bewusst rausgelassen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Dreisambock am 21.07.2026 um 21:43 Uhr bearbeitet
22.07.2026 - 13:24 Uhr
Im Grunde relativ einfach:
Man hat es nicht geschafft, sich von der Weltmeistermannschaft von 2014 weiter zu entwickeln. Viel zu lange hat man "alte Stars" durchgezogen und viel zu spärlich neue Spieler integriert. An der alten Clique um Löw, Flick und Bierhoff hat man zu lange festgehalten. Das spiegelt sich auch medial wieder: Sobald auch nur einer der Weltmeisterspieler von 2014 in der Nähe des Spielfelds ist - v.a. auch im Studio mit Kramer, Mertesacker und Schweinsteiger - wird darüber reminisziert und Vergleiche gestellt und so weiter. Hat 1990 noch jemand von der 74er Mannschaft gesprochen? 74 von der 54er Mannschaft?
Und nachdem man tatsächlich festgestellt hat, dass es eine Änderung braucht, und man mit Völler und dann Nagelsmann einen Umbruch eingeleitet hat, hat man diesen gleich wieder aufgehalten und Nagelsmann hat wieder auf dieselbe Strategie wie unter Flick und Löw gesetzt und auf "altes, bewährtes" gesetzt.
Hinzu kommt auch der Bundesliga-Exklusiv-Blick: Deutsche Spieler aus internationalen Ligen die nicht in der allerersten Reihe spielen werden konsequent ignoriert. Das zieht sich seit zehn Jahren durch alle Bundestrainer und jede Auswahl.
Man hat es nicht geschafft, sich von der Weltmeistermannschaft von 2014 weiter zu entwickeln. Viel zu lange hat man "alte Stars" durchgezogen und viel zu spärlich neue Spieler integriert. An der alten Clique um Löw, Flick und Bierhoff hat man zu lange festgehalten. Das spiegelt sich auch medial wieder: Sobald auch nur einer der Weltmeisterspieler von 2014 in der Nähe des Spielfelds ist - v.a. auch im Studio mit Kramer, Mertesacker und Schweinsteiger - wird darüber reminisziert und Vergleiche gestellt und so weiter. Hat 1990 noch jemand von der 74er Mannschaft gesprochen? 74 von der 54er Mannschaft?
Und nachdem man tatsächlich festgestellt hat, dass es eine Änderung braucht, und man mit Völler und dann Nagelsmann einen Umbruch eingeleitet hat, hat man diesen gleich wieder aufgehalten und Nagelsmann hat wieder auf dieselbe Strategie wie unter Flick und Löw gesetzt und auf "altes, bewährtes" gesetzt.
Hinzu kommt auch der Bundesliga-Exklusiv-Blick: Deutsche Spieler aus internationalen Ligen die nicht in der allerersten Reihe spielen werden konsequent ignoriert. Das zieht sich seit zehn Jahren durch alle Bundestrainer und jede Auswahl.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von de_Lek am 22.07.2026 um 13:26 Uhr bearbeitet
22.07.2026 - 13:31 Uhr
Super Beitrag, Dreisambock! Ich schätze hier hat noch niemand geantwortet, weil das einfach so umfassend und erschlagend ist.
Ich will aber auch einen Diskussionsbeitrag beitragen. In einem Punkt bin ich nicht deiner Meinung. Ich glaube nicht, dass JN vor der WM im Job-Erhaltungs-Modus war, sondern es vielmehr das Gegenteil war. Eine überhöhte Selbstsicherheit in seinem Tun. Das ist gar nicht rein negativ zu verstehen, aber ich hatte das Gefühl, dass JN uns aufklären wollte, warum er es besser weis.
Wenn ich an die letzten 10 Jahre denke, dann sollten wir dies unbedingt auch als Vorwarnung für die Zukunft verstehen. Es gibt jetzt wieder viel Vorfreude auf neue Talente - die wird sicherlich haben - aber warnend würde ich erwähnen, dass die Nach-WM-Generation vom oberen Ende Antonio Rüdiger bis Kai Havertz am unteren Ende auf individueller Ebene viele sehr starke Talente hatten, die ihr Potential aus unterschiedlichen Gründen nie oder nur für geringe Zeitspannen (und das zumeist nicht überlappend) erreichen konnten. Wenn man sich nur die die 95/96er-Jahrgänge anschaut, dann waren dies (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Kimmich, Sane, Gnabry, Goretzka, Süle, Brandt, Werner (der war mal der nächste große Stürmer mit einer Riesenquote), Tah, Amiri, Anton, Undav und sicher noch einige mehr. Das sind ja trotz allem keine gescheiterten Spieler, sondern haben größtenteils bei den größten Vereinen gespielt und auch (zumindest phasenweise) geliefert. Wir freuen uns beispielsweise alle über El Mala, aber ein 20-jährliger Sane war Stammspieler bei einem europäischen Top-Verein und war bis zu seinem Kreuzbandriss auf dem Weg in die Weltklasse. Das Spielmaterial war zu dieser Zeit nicht vergleichbar mit dem während des Tiefpunkts zum Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre.
Man sieht bei deiner Auflistung wie stark Wohl und Weh bei Turnieren von kleinen Fehlern abhängen. Ich bin bis heute der Meinung, dass wenn Löw 2018 Sane mitnimmt und sei es nur als einen der ersten Einwechsler, wir nicht in der Vorrunde rausgehen.
2022 ist für mich das größte What-if-Turnier. Ich rede jetzt nicht vom Titelgewinn, aber das deutsche Team hatte eine immense Offensiv-Power und ein Halbfinale hätte mich nicht überrascht. Das Turnier geht für mich klar auf Neuer. Es war was Leistung und Alter betrifft, der Höhepunkt der 95er/96er-Generation.
Ich wäre erst einmal vorsichtig das kommende Spielermaterial als besser zu bewerten. Letztendlich wird sehr viel an der Entwicklung von Wirt und Musiala in den kommenden 2 Jahren hängen. Falls sie nicht wieder in Spur finden und zumindest in die erweitere Weltklasse kommen, wird es auch in den kommenden beiden Turnieren schwer werden mehr als ein Viertelfinale zu realisieren.
Ich will aber auch einen Diskussionsbeitrag beitragen. In einem Punkt bin ich nicht deiner Meinung. Ich glaube nicht, dass JN vor der WM im Job-Erhaltungs-Modus war, sondern es vielmehr das Gegenteil war. Eine überhöhte Selbstsicherheit in seinem Tun. Das ist gar nicht rein negativ zu verstehen, aber ich hatte das Gefühl, dass JN uns aufklären wollte, warum er es besser weis.
Wenn ich an die letzten 10 Jahre denke, dann sollten wir dies unbedingt auch als Vorwarnung für die Zukunft verstehen. Es gibt jetzt wieder viel Vorfreude auf neue Talente - die wird sicherlich haben - aber warnend würde ich erwähnen, dass die Nach-WM-Generation vom oberen Ende Antonio Rüdiger bis Kai Havertz am unteren Ende auf individueller Ebene viele sehr starke Talente hatten, die ihr Potential aus unterschiedlichen Gründen nie oder nur für geringe Zeitspannen (und das zumeist nicht überlappend) erreichen konnten. Wenn man sich nur die die 95/96er-Jahrgänge anschaut, dann waren dies (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Kimmich, Sane, Gnabry, Goretzka, Süle, Brandt, Werner (der war mal der nächste große Stürmer mit einer Riesenquote), Tah, Amiri, Anton, Undav und sicher noch einige mehr. Das sind ja trotz allem keine gescheiterten Spieler, sondern haben größtenteils bei den größten Vereinen gespielt und auch (zumindest phasenweise) geliefert. Wir freuen uns beispielsweise alle über El Mala, aber ein 20-jährliger Sane war Stammspieler bei einem europäischen Top-Verein und war bis zu seinem Kreuzbandriss auf dem Weg in die Weltklasse. Das Spielmaterial war zu dieser Zeit nicht vergleichbar mit dem während des Tiefpunkts zum Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre.
Man sieht bei deiner Auflistung wie stark Wohl und Weh bei Turnieren von kleinen Fehlern abhängen. Ich bin bis heute der Meinung, dass wenn Löw 2018 Sane mitnimmt und sei es nur als einen der ersten Einwechsler, wir nicht in der Vorrunde rausgehen.
2022 ist für mich das größte What-if-Turnier. Ich rede jetzt nicht vom Titelgewinn, aber das deutsche Team hatte eine immense Offensiv-Power und ein Halbfinale hätte mich nicht überrascht. Das Turnier geht für mich klar auf Neuer. Es war was Leistung und Alter betrifft, der Höhepunkt der 95er/96er-Generation.
Ich wäre erst einmal vorsichtig das kommende Spielermaterial als besser zu bewerten. Letztendlich wird sehr viel an der Entwicklung von Wirt und Musiala in den kommenden 2 Jahren hängen. Falls sie nicht wieder in Spur finden und zumindest in die erweitere Weltklasse kommen, wird es auch in den kommenden beiden Turnieren schwer werden mehr als ein Viertelfinale zu realisieren.
22.07.2026 - 17:40 Uhr
Zitat von rebelxl
Super Beitrag, Dreisambock! Ich schätze hier hat noch niemand geantwortet, weil das einfach so umfassend und erschlagend ist.
Super Beitrag, Dreisambock! Ich schätze hier hat noch niemand geantwortet, weil das einfach so umfassend und erschlagend ist.
Stimmt schon, es ist sehr viel und als ich fertig habe ich mir schon überlegt, ob ich nicht deutlich kürzen sollte. Andererseits denke ich wirklich, wie ich es schrieb, dass es sinnvoll ist am Anfang des Threads diese 10 Jahre auch nochmals nachzuzeichnen, weil das doch nicht jeder alles noch im Gedächtnis hat. Man muss ja auch gar nicht direkt darauf antworten, sondern kann es als Steinbruch für die eigenen Vermutungen nutzen.
Zitat von rebelxl
Super Beitrag, Dreisambock!
Ich will aber auch einen Diskussionsbeitrag beitragen. In einem Punkt bin ich nicht deiner Meinung. Ich glaube nicht, dass JN vor der WM im Job-Erhaltungs-Modus war, sondern es vielmehr das Gegenteil war. Eine überhöhte Selbstsicherheit in seinem Tun. Das ist gar nicht rein negativ zu verstehen, aber ich hatte das Gefühl, dass JN uns aufklären wollte, warum er es besser weis.
Super Beitrag, Dreisambock!
Ich will aber auch einen Diskussionsbeitrag beitragen. In einem Punkt bin ich nicht deiner Meinung. Ich glaube nicht, dass JN vor der WM im Job-Erhaltungs-Modus war, sondern es vielmehr das Gegenteil war. Eine überhöhte Selbstsicherheit in seinem Tun. Das ist gar nicht rein negativ zu verstehen, aber ich hatte das Gefühl, dass JN uns aufklären wollte, warum er es besser weis.
Das ist möglich, wir alle sehen nur vor den Kopf, insofern kann ich seine Aktionen auch missinterpretiert haben. Andererseits war da seine extreme Gereiztheit, die für mich immer eher ein Zeichen für den Verteidigungsmodus ist.
Aber was es auch war: geholfen hat es sicher nicht.
Zitat von rebelxl
Wenn ich an die letzten 10 Jahre denke, dann sollten wir dies unbedingt auch als Vorwarnung für die Zukunft verstehen. Es gibt jetzt wieder viel Vorfreude auf neue Talente - die wird sicherlich haben - aber warnend würde ich erwähnen, dass die Nach-WM-Generation vom oberen Ende Antonio Rüdiger bis Kai Havertz am unteren Ende auf individueller Ebene viele sehr starke Talente hatten, die ihr Potential aus unterschiedlichen Gründen nie oder nur für geringe Zeitspannen (und das zumeist nicht überlappend) erreichen konnten. Wenn man sich nur die die 95/96er-Jahrgänge anschaut, dann waren dies (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Kimmich, Sane, Gnabry, Goretzka, Süle, Brandt, Werner (der war mal der nächste große Stürmer mit einer Riesenquote), Tah, Amiri, Anton, Undav und sicher noch einige mehr. Das sind ja trotz allem keine gescheiterten Spieler, sondern haben größtenteils bei den größten Vereinen gespielt und auch (zumindest phasenweise) geliefert. Wir freuen uns beispielsweise alle über El Mala, aber ein 20-jährliger Sane war Stammspieler bei einem europäischen Top-Verein und war bis zu seinem Kreuzbandriss auf dem Weg in die Weltklasse. Das Spielmaterial war zu dieser Zeit nicht vergleichbar mit dem während des Tiefpunkts zum Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre.
Man sieht bei deiner Auflistung wie stark Wohl und Weh bei Turnieren von kleinen Fehlern abhängen. Ich bin bis heute der Meinung, dass wenn Löw 2018 Sane mitnimmt und sei es nur als einen der ersten Einwechsler, wir nicht in der Vorrunde rausgehen.
2022 ist für mich das größte What-if-Turnier. Ich rede jetzt nicht vom Titelgewinn, aber das deutsche Team hatte eine immense Offensiv-Power und ein Halbfinale hätte mich nicht überrascht. Das Turnier geht für mich klar auf Neuer. Es war was Leistung und Alter betrifft, der Höhepunkt der 95er/96er-Generation.
Ich wäre erst einmal vorsichtig das kommende Spielermaterial als besser zu bewerten. Letztendlich wird sehr viel an der Entwicklung von Wirt und Musiala in den kommenden 2 Jahren hängen. Falls sie nicht wieder in Spur finden und zumindest in die erweitere Weltklasse kommen, wird es auch in den kommenden beiden Turnieren schwer werden mehr als ein Viertelfinale zu realisieren.
Wenn ich an die letzten 10 Jahre denke, dann sollten wir dies unbedingt auch als Vorwarnung für die Zukunft verstehen. Es gibt jetzt wieder viel Vorfreude auf neue Talente - die wird sicherlich haben - aber warnend würde ich erwähnen, dass die Nach-WM-Generation vom oberen Ende Antonio Rüdiger bis Kai Havertz am unteren Ende auf individueller Ebene viele sehr starke Talente hatten, die ihr Potential aus unterschiedlichen Gründen nie oder nur für geringe Zeitspannen (und das zumeist nicht überlappend) erreichen konnten. Wenn man sich nur die die 95/96er-Jahrgänge anschaut, dann waren dies (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Kimmich, Sane, Gnabry, Goretzka, Süle, Brandt, Werner (der war mal der nächste große Stürmer mit einer Riesenquote), Tah, Amiri, Anton, Undav und sicher noch einige mehr. Das sind ja trotz allem keine gescheiterten Spieler, sondern haben größtenteils bei den größten Vereinen gespielt und auch (zumindest phasenweise) geliefert. Wir freuen uns beispielsweise alle über El Mala, aber ein 20-jährliger Sane war Stammspieler bei einem europäischen Top-Verein und war bis zu seinem Kreuzbandriss auf dem Weg in die Weltklasse. Das Spielmaterial war zu dieser Zeit nicht vergleichbar mit dem während des Tiefpunkts zum Ende der 90er/Anfang der 00er Jahre.
Man sieht bei deiner Auflistung wie stark Wohl und Weh bei Turnieren von kleinen Fehlern abhängen. Ich bin bis heute der Meinung, dass wenn Löw 2018 Sane mitnimmt und sei es nur als einen der ersten Einwechsler, wir nicht in der Vorrunde rausgehen.
2022 ist für mich das größte What-if-Turnier. Ich rede jetzt nicht vom Titelgewinn, aber das deutsche Team hatte eine immense Offensiv-Power und ein Halbfinale hätte mich nicht überrascht. Das Turnier geht für mich klar auf Neuer. Es war was Leistung und Alter betrifft, der Höhepunkt der 95er/96er-Generation.
Ich wäre erst einmal vorsichtig das kommende Spielermaterial als besser zu bewerten. Letztendlich wird sehr viel an der Entwicklung von Wirt und Musiala in den kommenden 2 Jahren hängen. Falls sie nicht wieder in Spur finden und zumindest in die erweitere Weltklasse kommen, wird es auch in den kommenden beiden Turnieren schwer werden mehr als ein Viertelfinale zu realisieren.
Hier gebe ich dir recht, sowohl was das Abwarten bezüglich der Entwicklung angeht, als auch die WM 2022 betreffend.
22.07.2026 - 18:15 Uhr
Zunächst müsste man mal von der Erwartungshaltung runter. Auch ein Viertelfinale ist schon ein Erfolg. Nationalmannschaften sind schwer planbar, es hängt auch viel an einzelnen Spielern bzw. ihrer Form sowie am Turnierbaum. Auch "entwickelt" man Mannschaften nur bedingt, denn ein oder zwei wichtige Ausfälle und schon ist der Wettbewerb im Eimer.
Schon vor 2014 hat man in Deutschland auf immer komplexeren Fußball gesetzt. Passt halt nur nicht zu Mannschaften, die unregelmäßig trainieren. Defensiv sicher stehen, Standards und Einzelaktionen sind nämlich ein einfaches Erfolgsrezept, mit dem selbst kleine Nationen große richtig ärgern können. Trainiert man EIN Spielsystem ein, was halbwegs zum Kader passt, so ist man schon nicht chancenlos. Wilde Wechselspielchen oder Systemwechsel zwischen den einzelnen Spielen klappen selbst in der Bundesliga nur bedingt. Wie soll das bei einem Team klappen, das dann im Turnier erst paar Wochen zusammenspielt? Wer hat den wirklich ansehnlichen Fußball in den letzten 3 WMs gespielt. Frankreich (die haben die Einzelspieler), teilweise Argentinien (die hatten immer einige mit großer Klasse) und teilweise Spanien (die haben "ihr" Kurzpassspiel seit der Jugend oft gespielt). So wirklich viele darüber hinaus fallen mir nicht ein, und alle Teams hatten auch ihre Schwächephasen. Und bei jeder Mannschaft, die gut spielte, waren die notwendigen Grundlagen im Defensivverhalten und Standardsituationen auch irgendwie erkennbar. Die sind halt als Mannschaft aufgetreten. Das reicht schon für den Titel (der aber damit kein Automatismus ist).
Der deutsche Kader mag 2018/2022/2026 schlechter als 2014 gewesen sein. Daran lags aber nicht. Einen Großteil der Spieler hätten uns die kleineren Nationen gerne abgenommen, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten.
Schon vor 2014 hat man in Deutschland auf immer komplexeren Fußball gesetzt. Passt halt nur nicht zu Mannschaften, die unregelmäßig trainieren. Defensiv sicher stehen, Standards und Einzelaktionen sind nämlich ein einfaches Erfolgsrezept, mit dem selbst kleine Nationen große richtig ärgern können. Trainiert man EIN Spielsystem ein, was halbwegs zum Kader passt, so ist man schon nicht chancenlos. Wilde Wechselspielchen oder Systemwechsel zwischen den einzelnen Spielen klappen selbst in der Bundesliga nur bedingt. Wie soll das bei einem Team klappen, das dann im Turnier erst paar Wochen zusammenspielt? Wer hat den wirklich ansehnlichen Fußball in den letzten 3 WMs gespielt. Frankreich (die haben die Einzelspieler), teilweise Argentinien (die hatten immer einige mit großer Klasse) und teilweise Spanien (die haben "ihr" Kurzpassspiel seit der Jugend oft gespielt). So wirklich viele darüber hinaus fallen mir nicht ein, und alle Teams hatten auch ihre Schwächephasen. Und bei jeder Mannschaft, die gut spielte, waren die notwendigen Grundlagen im Defensivverhalten und Standardsituationen auch irgendwie erkennbar. Die sind halt als Mannschaft aufgetreten. Das reicht schon für den Titel (der aber damit kein Automatismus ist).
Der deutsche Kader mag 2018/2022/2026 schlechter als 2014 gewesen sein. Daran lags aber nicht. Einen Großteil der Spieler hätten uns die kleineren Nationen gerne abgenommen, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten.
22.07.2026 - 19:55 Uhr
Zitat von Dreisambock
Das Jahrzehnt der Finsternis: Eure Gründe
Ok, ok, der Titel ist sehr melodramatisch. Aber ihr sollt ja auch klicken….
So, was meint ihr? Elemente wie Nachwuchsarbeit etc. habe ich jetzt bewusst rausgelassen.
Das Jahrzehnt der Finsternis: Eure Gründe
Ok, ok, der Titel ist sehr melodramatisch. Aber ihr sollt ja auch klicken….
So, was meint ihr? Elemente wie Nachwuchsarbeit etc. habe ich jetzt bewusst rausgelassen.
Ein fundierter und ausführlicher Beitrag mit viel Aufwand und Recherche!
Den Titel hätte ich nicht gewählt, weil er keinen Platz für ein negatives Superlativ lässt, wenn es tatsächlich angebracht ist. So schlecht war das Jahrzehnt aus meiner Sicht nicht, dass man es finster bezeichnen kann. 🫠 Wie sollen die Italiener z.B. dann ihre Durststrecke bei der Weltmeisterschaft, die EM ausgenommen, seit 2006 nennen? Doppeldekade des reinen Grauens? 😁
Allgemein betrachtet, ohne in die Tiefe zu gehen, lässt sich feststellen, dass jede große Fußballnation ihre Durstrecke hatte oder hat, zumal ja wie du selbst geschrieben hast, die 14 Jahre davor eine Rekordzahl an Halbfinalteilnahmen mit einem Weltrekord bei Weltmeisterschaften erbrachten. Mit acht WM-Finalteilnahmen ist Deutschland immer noch Rekordhalter.
Die Gründe für den Leistungsabfall hast du vielschichtig dargestellt. Als Quintessenz lässt sich daraus ableiten, dass das System Vorrang vor Namen und aktuelle Leistung Vorrang vor Verdiensten haben muss, auch wenn kein Bundestrainer diesem Zwang oder dieser Falle des Letzteren entkommen konnte (außer Berti Vogts bei Mathäus 1996), was menschlich nachvollziehbar, aber nicht leistungsfördernd oder gemeinschaftsstärkend ist. Im Fall Neuers betraf das gleich drei Bundestrainer, die das Leistungsprinzip außer Kraft setzten.
Wir können hoffen, dass Klopp nicht in all diese Fallen tappt, das möglichst passende Personal für sein Spielstil unabhängig von Namen aussucht, die Spieler taktisch nicht überfrachtet und nach Besonderheiten im Spielsystem sucht, um es zu zelebrieren, sondern es möglichst einfach, mit klarer Rollenverteilung hält und vor Turnierern auf Teambuilding Wert legt, um eine turnierfähige Mannschaft zu formen, da es einen wesentlichen Unterschied zwischen guten Leistungen in einzelnen NL-, Quali- oder Vorbereitungsspielen und Konstanz in einem wochenlangen Turnier gibt.
Nagelsmann konnte aufgrund bestimmter Faktoren, darunter des Heimvorteils, für die EM 2024 noch ein Team formen, für die WM misslang es ihm aus den von dir genannten Gründen.
23.07.2026 - 10:02 Uhr
@Dreisambock : Das ist ein sehr guter Thread mit einem sehr guten Eröffnungsthread.
Persönlich sehe ich viele Dinge ähnlich, auch wenn nicht alle. Zum Beispiel glaube ich bei einigen Dingen, die öffentlich sehr stark diskutiert wurden, dass sie intern gar nicht so eine große Rolle gespielt haben, während andere Dinge da viel eher relevant waren. Beispiele, bei denen ich denke, dass sie nicht so relevant waren, wären für mich die Undavdebatte 2026 und die komische Hand vor den Mund Geste 2024.
Ich glaube, wäre die WM 2014 nicht von Erfolg gekrönt gewesen (das hätte ja im AF so sein können), hätte man hinterher auch solche Sachen rausgesucht, zum Beispiel der Unfall in den Alpen mit Benni Höwedes. Hinterher sucht man halt immer irgendwelche Dinge, an denen es gelegen hat. Das bringt dann aus der Perspektive der Öffentlichkeit nicht viel, weil man ja nicht weiß, was tatsächlich passiert ist.
Tatsächlich glaube ich bei einigen anderen Punkten, die du schon genannt hast, dass diese viel wichtiger gewesen sind, als es öffentlich diskutiert wurde. Vor allem die Hierarchieproblematik mit den ganzen Rückholaktionen ist in manchen der letzten Turniere relevant gewesen. Ich glaube aber, dass man hier jedes Turnier einzeln betrachten muss. 2018 gab es keinen Teamgeist in der Mannschaft mit zu vielen, die Ansprüche angemeldet haben. Für 2026 habe ich eher das Gegenteil im Kopf, die Stimmung in der Mannschaft schien super, alle haben sich gut verstanden, aber hier sind von außen betrachtet zu wenige Spieler wirklich als "Anführer" in Erscheinung getreten.
Wie auch immer, ich glaube aber, dass man diese Geschichte auf diese Art nicht nur bis 2017 sondern bis auf ewig zurückerzählen kann. Es ist tatsächlich immer alles mögliche schiefgegangen und es gab ja auch in Hochphasen des Erfolgs extreme Tiefpunkte und Misserfolge, sowie handwerkliche Fehler des Personals, vor allem der Trainer. Im Nachhinein könnte man wohl über jedes Turnier, erfolgreich oder nicht, eine Doku über die absurdesten Fehleinschätzungen, Kommunikationsprobleme usw. machen. Zuletzt gab es ja auch die Doku über die verkorkste WM 1994 in den öffentlich/rechtlichen, in der nochmal gezeigt wurde, wie absurd das Zusammenleben der Mannschaft mit dem Trainer und den Medien damals war. Dagegen waren die Fehler, die z.B. 2026 gemacht wurden, eher vernachlässigbar.
Und trotzdem ist man 1994 als Gruppensieger (mit Spanien in der Gruppe) bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Und ich glaube, da liegt der eigentliche Punkt: Die Konkurrenz ist extrem zusammengerückt und man kann sich diese Dinge, die man sich vor einigen Jahren noch erlauben konnte, nun nicht mehr erlauben. Und man muss da gar nicht so weit zurückgehen, denn bis 2014 waren zum Beispiel afrikanische oder asiatische Mannschaften trotz allem noch weiter zurück als jetzt. Und auch innerhalb Europas war man noch nicht so ausgeglichen. Nicht, weil alle Mannschaften um die Turnierkrone mitspielen, sondern weil man fast keine Mannschaft zu 80-90 % schlägt, auch wenn man haushoch überlegen ist. Und das war früher anders.
Die WM 2026 hat für mich gezeigt, dass 2 Dinge zum Erfolg geführt haben: Entweder man hat einen Starstürmer/cheat-code in der Mannschaft, oder die Mannschaft selbst ist extrem homogen und eingespielt.
Beides haben wir nicht. Das Interessante ist aber, dass diese beiden Faktoren die Mannschaften, die diese Faktoren hatten, nicht davor geschützt haben, massive Probleme gegen Mannschaften wie Paraguay, Kap Verde usw. zu bekommen. Wenn man sich die 4 Halbfinalteilnehmer ansieht, stellt man fest, dass alle 4 diese Probleme hatten. Das Finale wurde auch erst in der Verlängerung durch Spanien gewonnen, obwohl Argentinien genauso wie Paraguay aufgetreten ist. Gleiches gilt für Frankreich gegen Paraguay.
Der Unterschied ist aber, dass Spanien gewonnen hat und kein Tor kassiert hat (die haben das gleiche in der Vorrunde gegen Uruguay übrigens auch schon mal geübt). Und Frankreich ebensowenig gegen Paraguay. Und so bleibt die Frage offen, wie der DFB gegen Frankreich im Achtelfinale ausgesehen hätte. Zum Zeitpunkt des Spiels gegen Ecuador waren hier im Forum alle davon überzeugt, dass man gegen Frankreich untergehen würde. Ich bin mir nach der Ansicht der KO-Spiele von Frankreich da ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, ob man da wirklich chancenlos gewesen wäre.
Hätte man nicht gegen Paraguay dieses bescheuerte Tor kassiert.
Tja, und ich glaube, da liegt der Punkt. Früher sind solche Spiele bei Turnieren fast immer für uns ausgegangen, weil der Gegner zwar schwierig zu bespielen war, aber kaum gegen uns getroffen hat. ODER solche Gegner kamen nur in den Vorrunden vor (1986 Uruguay oder 1990 Kolumbien wären solche Beispiele) und wir konnten uns den Ausrutscher erlauben. ODER wir sind gar nicht erst auf solche Gegner getroffen, was aber jetzt in einem 48er Feld nicht mehr vorkommen wird.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir gegen aktive Mannschaften mit guten Offensiven jederzeit in der Lage sind, ein oder mehrere Tore zu erzielen. Gegen solch geschlossen starke defensiven Mannschaften tun wir uns aber extrem schwer. Da steht dann oft der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag. Und wenn dann noch schlechte Trainerentscheidungen dazu kommen, macht es das nicht besser. Uns fehlt dann oft auch einfach der Spieler, der so ein Spiel mit einer Einzelaktion entscheiden kann. Den haben wir aber auch noch nie gehabt.
Spanien hat gegen Argentinien aber gewonnen, wobei ich in diesem Spiel Argentinien nicht besser sah als es Paraguay gegen uns war. Der Unterschied bei Argentinien war lediglich, dass mit Messi ein Versprechen auf dem Platz stand, das Spanien immer im Auge behalten musste.
Spanien hat aber gewonnen, weil Argentinien kein Tor erzielt hatte und bis zum 1:0 der Spanier genau kein Mal aufs Tor geschossen hat. Das hat zwar viel mit der Spielweise von Argentinien zu tun, aber eben auch mit der Qualität und der Eingespieltheit und Aggressivität der Spanier in der Abwehr. Und trotzdem musste auch Spanien in die Verlängerung, in der sie dann gewannen (wobei das die deutsche Mannschaft gegen Paraguay auch hätte schaffen können, aber lassen wir das).
Diese Eingespieltheit und dieses kollektive Abwehrverhalten fehlt uns. Und das liegt an vielen Dingen. Zum Teil ist das Pech, siehe Verletzungen. Zum Teil ist das aber auch ein konstantes hausgemachtes Problem, das Du schon genannt hast: Wir stellen Spieler auf Positionen, weil wir sie unterbringen müssen, und nicht weil sie die Position gut ausfüllen. Das Problem ist aber, dass ich hierzu ehrlich gesagt an manchen Stellen fast keine Alternative sehe:
Die Außenverteidigerposition gibt es beim DFB eigentlich erst seit den frühen Nullerjahren. Bis 2000 haben wir immer mit Libero gespielt und es gab Schienenspieler wie Brehme, Reuter, Ziege usw. Aber keine echten AV. Seit ca. 2002-2004 spielen wir eigentlich dauerhaft mit AV. Und seitdem hatten wir fast keinen gelernten AV, der diese Position auch wirklich gut ausgefüllt hat. Stattdessen wurden immer Spieler umfunktioniert, hauptsächlich DMs und IVs. 2004-2014 gab es immer Lahm (der ja eigentlich ein DM war) + einen anderen, der eigentlich immer Notnagel und die Schwachstelle war: 2006 Friedrich, 2008 Jansen/Fritz, 2010 Badstuber/Boateng, 2012 Bender/Schmelzer/Boateng, 2014 zunächst beide Seiten (Höwedes/Boateng/Mustafi). Dann hat Lahm aufgehört und es kam zwar Hector, der seine Sache "solide" gemacht hat, die andere Seite war dann aber zunächst mit Kimmich besetzt, der die RV-Rolle zwar oft auch gut ausgefüllt hat, aber eben kein echter RV ist. Zumindest nicht die Qualitäten von Lahm besitzt, auch wenn es da Parallelen gibt. Was also tun? Einen echten AV da hinstellen, auch wenn dieser nicht die Qualität für die Nationalmannschaft hat? Das haben wir 2018 gegen Mexiko mit Plattenhardt versucht - und ist kräftig in die Hose gegangen. Die Mannschaft hat sich in diesem Spiel geweigert, Plattenhardt überhaupt anzuspielen. Später wurden diese Experimente mit allen möglichen Leuten (Wolf, Max, Vagnoman, Baku wer auch immer) wiederholt, aber da gab es nie wirklich eine Möglichkeit. Und so kommt es dann, dass Löw, Flick und Nagelsmann hier immer wieder herumexperimentiert haben. Du hast hier Havertz auf AV genannt, aber alle 3 hatten solche Dinge versucht, die mal mehr, mal weniger funktioniert hatten. Bei Flick war Hofmann ganz oft AV, Löw hatte es bei der EM 21 sogar mal mit Volland versucht. Ich glaube, diese beinahe kontinuierliche Schwachstelle hat zu einem großen Teil zu den Problemen mit der fehlenden Eingespieltheit beigetragen.
Die Spanier hatten über die Jahre auch keine perfekten AV (eigentlich hat fast keine Top-Mannschaft wirklich 2 gute AV). Das kann also eigentlich nicht das Problem sein. Und 2024 war es auch keins, weil Nagelsmann diese Experimentiererei gelassen hat, sich ein halbes Jahr zuvor auf Kimmich als einen echten AV festgelegt hat und auf der anderen Seite mit Raum oder Mittelstädt einen akzeptablen AV gefunden hatte. So war es zunächst mal gut, aber das Problem, dass wir dauerhaft konteranfällig geblieben sind, ist dann geblieben, so dass sich Nagelsmann in sein Vercoache reinmanövriert hat und den eigentlich mehr oder weniger funktionierenden echten AV Kimmich in einen verkappten RIV geändert hat. Konter haben wir dann nicht mehr bekommen, aber stabiler wurden wir dadurch auch nicht. Und die Breite ist uns dadurch vollkommen abhanden gekommen. Ich glaube, das war der taktische Kardinalfehler im Turnier 2026, der aber gar nicht im Zusammenhang mit den schlechten Ergebnissen bei den Turnieren zuvor steht. Und ich glaube, dass dieser taktische Fehler in den Jahren 2004 - 2010 uns bei weitem nicht so viel gekostet hätte, wie er es jetzt getan hat. Schlussfolgerung: Waren solche Dinge früher noch durch die Qualitätsunterschiede zum Gegner aufzufangen, kann man sich heute solche Fehler nicht mehr erlauben. Einen Qualitätsunterschied mag es auf dem Papier noch geben. Der ist aber viel kleiner geworden, weil alle Gegner mittlerweile gut ausgebildet sind. Und die Qualität ist im Vergleich zur mannschaftlichen Ausrichtung weniger wichtig geworden. Es sei denn, man hat Leute wie Haaland, Kane oder Messi. Die haben wir aber nicht (und auch noch nie gehabt).
Letztendlich werden solche Turniere immer von hinten erzählt. Bei den Spaniern wird nun erzählt, wie toll eingespielt die doch von den U-Mannschaften auch eingespielt sind, weil sie immer an ihrem System festhalten und alle Spieler sich diesem System unterordnen. Das hat jetzt funktioniert. Gegen Kap Verde hat man aber gesehen, dass ein dauerhaftes Festhalten an Plan A und ein komplettes Fehlen eines alternativen Plans dann auch komplett in die Hose gehen kann. Es ist bei Spanien gut gegangen, hauptsächlich, weil der Plan A zu extrem wenig Chancen für den Gegner führt. Wer wenige Gegentore kassiert, hat gute Chancen auf die Weltmeisterschaft. In den KO-Spielen muss man dann aber auch das Glück des Tüchtigen (z.B. in Form von Merino) haben. Ein Scheitern der Spanier z.B. gegen Belgien lag im Bereich des Möglichen, wäre das passiert, hätten Marca und Co. die Mannschaft auch in Grund und Boden geschrieben.
Woran liegt es also? Ich glaube, man kann die einzelnen Turniere 2018-2026 nicht in einen Topf werfen und man muss jedes Turnier einzeln betrachten. Aber grundsätzlich gilt für alle Turniere:
- Die Gegner sind besser ausgebildet, disziplinierter und wissen genau wie man gegen uns spielen muss
- Uns fehlt auf einigen Positionen Qualität und uns fehlt der eine Cheat-Code, den man gegen solche Gegner braucht, wenn man diese nicht durch mannschaftliche Geschlossenheit schlägt
- Ein handwerklicher Fehler des Trainers ist heute nur noch schwer zu kompensieren.
Man sieht, dass auch andere Mannschaften ähnliche Probleme haben. Ich denke da an Italien oder Brasilien. Ich glaube auch nicht daran, dass man heute noch ein Halbfinal-Abo wie früher haben kann, weil es einfach so ist, dass zuviele andere Nationen da auch mitspielen. Und ich glaube, dass wir eine Chance haben, weil die Spitze gar nicht so weit weg ist, wie es manchmal scheint.
Helfen würde natürlich ein Kane oder ähnliches...
Persönlich sehe ich viele Dinge ähnlich, auch wenn nicht alle. Zum Beispiel glaube ich bei einigen Dingen, die öffentlich sehr stark diskutiert wurden, dass sie intern gar nicht so eine große Rolle gespielt haben, während andere Dinge da viel eher relevant waren. Beispiele, bei denen ich denke, dass sie nicht so relevant waren, wären für mich die Undavdebatte 2026 und die komische Hand vor den Mund Geste 2024.
Ich glaube, wäre die WM 2014 nicht von Erfolg gekrönt gewesen (das hätte ja im AF so sein können), hätte man hinterher auch solche Sachen rausgesucht, zum Beispiel der Unfall in den Alpen mit Benni Höwedes. Hinterher sucht man halt immer irgendwelche Dinge, an denen es gelegen hat. Das bringt dann aus der Perspektive der Öffentlichkeit nicht viel, weil man ja nicht weiß, was tatsächlich passiert ist.
Tatsächlich glaube ich bei einigen anderen Punkten, die du schon genannt hast, dass diese viel wichtiger gewesen sind, als es öffentlich diskutiert wurde. Vor allem die Hierarchieproblematik mit den ganzen Rückholaktionen ist in manchen der letzten Turniere relevant gewesen. Ich glaube aber, dass man hier jedes Turnier einzeln betrachten muss. 2018 gab es keinen Teamgeist in der Mannschaft mit zu vielen, die Ansprüche angemeldet haben. Für 2026 habe ich eher das Gegenteil im Kopf, die Stimmung in der Mannschaft schien super, alle haben sich gut verstanden, aber hier sind von außen betrachtet zu wenige Spieler wirklich als "Anführer" in Erscheinung getreten.
Wie auch immer, ich glaube aber, dass man diese Geschichte auf diese Art nicht nur bis 2017 sondern bis auf ewig zurückerzählen kann. Es ist tatsächlich immer alles mögliche schiefgegangen und es gab ja auch in Hochphasen des Erfolgs extreme Tiefpunkte und Misserfolge, sowie handwerkliche Fehler des Personals, vor allem der Trainer. Im Nachhinein könnte man wohl über jedes Turnier, erfolgreich oder nicht, eine Doku über die absurdesten Fehleinschätzungen, Kommunikationsprobleme usw. machen. Zuletzt gab es ja auch die Doku über die verkorkste WM 1994 in den öffentlich/rechtlichen, in der nochmal gezeigt wurde, wie absurd das Zusammenleben der Mannschaft mit dem Trainer und den Medien damals war. Dagegen waren die Fehler, die z.B. 2026 gemacht wurden, eher vernachlässigbar.
Und trotzdem ist man 1994 als Gruppensieger (mit Spanien in der Gruppe) bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Und ich glaube, da liegt der eigentliche Punkt: Die Konkurrenz ist extrem zusammengerückt und man kann sich diese Dinge, die man sich vor einigen Jahren noch erlauben konnte, nun nicht mehr erlauben. Und man muss da gar nicht so weit zurückgehen, denn bis 2014 waren zum Beispiel afrikanische oder asiatische Mannschaften trotz allem noch weiter zurück als jetzt. Und auch innerhalb Europas war man noch nicht so ausgeglichen. Nicht, weil alle Mannschaften um die Turnierkrone mitspielen, sondern weil man fast keine Mannschaft zu 80-90 % schlägt, auch wenn man haushoch überlegen ist. Und das war früher anders.
Die WM 2026 hat für mich gezeigt, dass 2 Dinge zum Erfolg geführt haben: Entweder man hat einen Starstürmer/cheat-code in der Mannschaft, oder die Mannschaft selbst ist extrem homogen und eingespielt.
Beides haben wir nicht. Das Interessante ist aber, dass diese beiden Faktoren die Mannschaften, die diese Faktoren hatten, nicht davor geschützt haben, massive Probleme gegen Mannschaften wie Paraguay, Kap Verde usw. zu bekommen. Wenn man sich die 4 Halbfinalteilnehmer ansieht, stellt man fest, dass alle 4 diese Probleme hatten. Das Finale wurde auch erst in der Verlängerung durch Spanien gewonnen, obwohl Argentinien genauso wie Paraguay aufgetreten ist. Gleiches gilt für Frankreich gegen Paraguay.
Der Unterschied ist aber, dass Spanien gewonnen hat und kein Tor kassiert hat (die haben das gleiche in der Vorrunde gegen Uruguay übrigens auch schon mal geübt). Und Frankreich ebensowenig gegen Paraguay. Und so bleibt die Frage offen, wie der DFB gegen Frankreich im Achtelfinale ausgesehen hätte. Zum Zeitpunkt des Spiels gegen Ecuador waren hier im Forum alle davon überzeugt, dass man gegen Frankreich untergehen würde. Ich bin mir nach der Ansicht der KO-Spiele von Frankreich da ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, ob man da wirklich chancenlos gewesen wäre.
Hätte man nicht gegen Paraguay dieses bescheuerte Tor kassiert.
Tja, und ich glaube, da liegt der Punkt. Früher sind solche Spiele bei Turnieren fast immer für uns ausgegangen, weil der Gegner zwar schwierig zu bespielen war, aber kaum gegen uns getroffen hat. ODER solche Gegner kamen nur in den Vorrunden vor (1986 Uruguay oder 1990 Kolumbien wären solche Beispiele) und wir konnten uns den Ausrutscher erlauben. ODER wir sind gar nicht erst auf solche Gegner getroffen, was aber jetzt in einem 48er Feld nicht mehr vorkommen wird.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir gegen aktive Mannschaften mit guten Offensiven jederzeit in der Lage sind, ein oder mehrere Tore zu erzielen. Gegen solch geschlossen starke defensiven Mannschaften tun wir uns aber extrem schwer. Da steht dann oft der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag. Und wenn dann noch schlechte Trainerentscheidungen dazu kommen, macht es das nicht besser. Uns fehlt dann oft auch einfach der Spieler, der so ein Spiel mit einer Einzelaktion entscheiden kann. Den haben wir aber auch noch nie gehabt.
Spanien hat gegen Argentinien aber gewonnen, wobei ich in diesem Spiel Argentinien nicht besser sah als es Paraguay gegen uns war. Der Unterschied bei Argentinien war lediglich, dass mit Messi ein Versprechen auf dem Platz stand, das Spanien immer im Auge behalten musste.
Spanien hat aber gewonnen, weil Argentinien kein Tor erzielt hatte und bis zum 1:0 der Spanier genau kein Mal aufs Tor geschossen hat. Das hat zwar viel mit der Spielweise von Argentinien zu tun, aber eben auch mit der Qualität und der Eingespieltheit und Aggressivität der Spanier in der Abwehr. Und trotzdem musste auch Spanien in die Verlängerung, in der sie dann gewannen (wobei das die deutsche Mannschaft gegen Paraguay auch hätte schaffen können, aber lassen wir das).
Diese Eingespieltheit und dieses kollektive Abwehrverhalten fehlt uns. Und das liegt an vielen Dingen. Zum Teil ist das Pech, siehe Verletzungen. Zum Teil ist das aber auch ein konstantes hausgemachtes Problem, das Du schon genannt hast: Wir stellen Spieler auf Positionen, weil wir sie unterbringen müssen, und nicht weil sie die Position gut ausfüllen. Das Problem ist aber, dass ich hierzu ehrlich gesagt an manchen Stellen fast keine Alternative sehe:
Die Außenverteidigerposition gibt es beim DFB eigentlich erst seit den frühen Nullerjahren. Bis 2000 haben wir immer mit Libero gespielt und es gab Schienenspieler wie Brehme, Reuter, Ziege usw. Aber keine echten AV. Seit ca. 2002-2004 spielen wir eigentlich dauerhaft mit AV. Und seitdem hatten wir fast keinen gelernten AV, der diese Position auch wirklich gut ausgefüllt hat. Stattdessen wurden immer Spieler umfunktioniert, hauptsächlich DMs und IVs. 2004-2014 gab es immer Lahm (der ja eigentlich ein DM war) + einen anderen, der eigentlich immer Notnagel und die Schwachstelle war: 2006 Friedrich, 2008 Jansen/Fritz, 2010 Badstuber/Boateng, 2012 Bender/Schmelzer/Boateng, 2014 zunächst beide Seiten (Höwedes/Boateng/Mustafi). Dann hat Lahm aufgehört und es kam zwar Hector, der seine Sache "solide" gemacht hat, die andere Seite war dann aber zunächst mit Kimmich besetzt, der die RV-Rolle zwar oft auch gut ausgefüllt hat, aber eben kein echter RV ist. Zumindest nicht die Qualitäten von Lahm besitzt, auch wenn es da Parallelen gibt. Was also tun? Einen echten AV da hinstellen, auch wenn dieser nicht die Qualität für die Nationalmannschaft hat? Das haben wir 2018 gegen Mexiko mit Plattenhardt versucht - und ist kräftig in die Hose gegangen. Die Mannschaft hat sich in diesem Spiel geweigert, Plattenhardt überhaupt anzuspielen. Später wurden diese Experimente mit allen möglichen Leuten (Wolf, Max, Vagnoman, Baku wer auch immer) wiederholt, aber da gab es nie wirklich eine Möglichkeit. Und so kommt es dann, dass Löw, Flick und Nagelsmann hier immer wieder herumexperimentiert haben. Du hast hier Havertz auf AV genannt, aber alle 3 hatten solche Dinge versucht, die mal mehr, mal weniger funktioniert hatten. Bei Flick war Hofmann ganz oft AV, Löw hatte es bei der EM 21 sogar mal mit Volland versucht. Ich glaube, diese beinahe kontinuierliche Schwachstelle hat zu einem großen Teil zu den Problemen mit der fehlenden Eingespieltheit beigetragen.
Die Spanier hatten über die Jahre auch keine perfekten AV (eigentlich hat fast keine Top-Mannschaft wirklich 2 gute AV). Das kann also eigentlich nicht das Problem sein. Und 2024 war es auch keins, weil Nagelsmann diese Experimentiererei gelassen hat, sich ein halbes Jahr zuvor auf Kimmich als einen echten AV festgelegt hat und auf der anderen Seite mit Raum oder Mittelstädt einen akzeptablen AV gefunden hatte. So war es zunächst mal gut, aber das Problem, dass wir dauerhaft konteranfällig geblieben sind, ist dann geblieben, so dass sich Nagelsmann in sein Vercoache reinmanövriert hat und den eigentlich mehr oder weniger funktionierenden echten AV Kimmich in einen verkappten RIV geändert hat. Konter haben wir dann nicht mehr bekommen, aber stabiler wurden wir dadurch auch nicht. Und die Breite ist uns dadurch vollkommen abhanden gekommen. Ich glaube, das war der taktische Kardinalfehler im Turnier 2026, der aber gar nicht im Zusammenhang mit den schlechten Ergebnissen bei den Turnieren zuvor steht. Und ich glaube, dass dieser taktische Fehler in den Jahren 2004 - 2010 uns bei weitem nicht so viel gekostet hätte, wie er es jetzt getan hat. Schlussfolgerung: Waren solche Dinge früher noch durch die Qualitätsunterschiede zum Gegner aufzufangen, kann man sich heute solche Fehler nicht mehr erlauben. Einen Qualitätsunterschied mag es auf dem Papier noch geben. Der ist aber viel kleiner geworden, weil alle Gegner mittlerweile gut ausgebildet sind. Und die Qualität ist im Vergleich zur mannschaftlichen Ausrichtung weniger wichtig geworden. Es sei denn, man hat Leute wie Haaland, Kane oder Messi. Die haben wir aber nicht (und auch noch nie gehabt).
Letztendlich werden solche Turniere immer von hinten erzählt. Bei den Spaniern wird nun erzählt, wie toll eingespielt die doch von den U-Mannschaften auch eingespielt sind, weil sie immer an ihrem System festhalten und alle Spieler sich diesem System unterordnen. Das hat jetzt funktioniert. Gegen Kap Verde hat man aber gesehen, dass ein dauerhaftes Festhalten an Plan A und ein komplettes Fehlen eines alternativen Plans dann auch komplett in die Hose gehen kann. Es ist bei Spanien gut gegangen, hauptsächlich, weil der Plan A zu extrem wenig Chancen für den Gegner führt. Wer wenige Gegentore kassiert, hat gute Chancen auf die Weltmeisterschaft. In den KO-Spielen muss man dann aber auch das Glück des Tüchtigen (z.B. in Form von Merino) haben. Ein Scheitern der Spanier z.B. gegen Belgien lag im Bereich des Möglichen, wäre das passiert, hätten Marca und Co. die Mannschaft auch in Grund und Boden geschrieben.
Woran liegt es also? Ich glaube, man kann die einzelnen Turniere 2018-2026 nicht in einen Topf werfen und man muss jedes Turnier einzeln betrachten. Aber grundsätzlich gilt für alle Turniere:
- Die Gegner sind besser ausgebildet, disziplinierter und wissen genau wie man gegen uns spielen muss
- Uns fehlt auf einigen Positionen Qualität und uns fehlt der eine Cheat-Code, den man gegen solche Gegner braucht, wenn man diese nicht durch mannschaftliche Geschlossenheit schlägt
- Ein handwerklicher Fehler des Trainers ist heute nur noch schwer zu kompensieren.
Man sieht, dass auch andere Mannschaften ähnliche Probleme haben. Ich denke da an Italien oder Brasilien. Ich glaube auch nicht daran, dass man heute noch ein Halbfinal-Abo wie früher haben kann, weil es einfach so ist, dass zuviele andere Nationen da auch mitspielen. Und ich glaube, dass wir eine Chance haben, weil die Spitze gar nicht so weit weg ist, wie es manchmal scheint.
Helfen würde natürlich ein Kane oder ähnliches...
23.07.2026 - 13:10 Uhr
@matteagle95: Ich finde du hast Recht, was die Stürmer angehen, aber ich finde bei den AV machst du selbst den Punkt, warum das eigentlich nicht so ins Gewicht fällt: Die wenigsten Nationen haben 2 Top-AV.
Darüber sehe ich unsere AV historisch besser als ihr Ruf:
- Lahm ist vielleicht der beste AV seiner Generation
- Friedrich war nicht spektakulär, aber defensiv wirklich gut
- Kimmich sehen wir (zurecht) primär als ZM, aber das ändert nichts daran, dass er die RV-Position auf höchstem Niveau gut bekleidet hat. Der Mangel an Geschwindigkeit ist auch bei Weitem nicht so groß, wie es gemacht wird. Ja, mit den Supersprintern auf Außen kann er nicht mithalten, aber er ist ganz sicher kein langsamer Spieler
- Hector war ein guter LV von internationalem Format, der das in Köln nie zeigen konnte
- Raum, Mittelstädt und Brown ist in der Breite und Spitze eine Ansammlung auf der LV-Position, die sich auch international nicht verstecken braucht
Ich habe sicher auch den ein oder anderen vergessen. Um was es mir vor allem geht, ist zu zeigen, dass wir zwar selten beiden AV-Position auf Top-Niveau besetzt hatten, aber zumindest einen AV von gehobenen Niveau hatten wir eigentlich schon immer. Das sind größtenteils keine spektakulären Offensiv-AVs, sondern andere Spielertypen, aber in der Summe durchaus solide.
Darüber sehe ich unsere AV historisch besser als ihr Ruf:
- Lahm ist vielleicht der beste AV seiner Generation
- Friedrich war nicht spektakulär, aber defensiv wirklich gut
- Kimmich sehen wir (zurecht) primär als ZM, aber das ändert nichts daran, dass er die RV-Position auf höchstem Niveau gut bekleidet hat. Der Mangel an Geschwindigkeit ist auch bei Weitem nicht so groß, wie es gemacht wird. Ja, mit den Supersprintern auf Außen kann er nicht mithalten, aber er ist ganz sicher kein langsamer Spieler
- Hector war ein guter LV von internationalem Format, der das in Köln nie zeigen konnte
- Raum, Mittelstädt und Brown ist in der Breite und Spitze eine Ansammlung auf der LV-Position, die sich auch international nicht verstecken braucht
Ich habe sicher auch den ein oder anderen vergessen. Um was es mir vor allem geht, ist zu zeigen, dass wir zwar selten beiden AV-Position auf Top-Niveau besetzt hatten, aber zumindest einen AV von gehobenen Niveau hatten wir eigentlich schon immer. Das sind größtenteils keine spektakulären Offensiv-AVs, sondern andere Spielertypen, aber in der Summe durchaus solide.
23.07.2026 - 14:59 Uhr
Zitat von matteagle95
@Dreisambock : Das ist ein sehr guter Thread mit einem sehr guten Eröffnungsthread.
Persönlich sehe ich viele Dinge ähnlich, auch wenn nicht alle. Zum Beispiel glaube ich bei einigen Dingen, die öffentlich sehr stark diskutiert wurden, dass sie intern gar nicht so eine große Rolle gespielt haben, während andere Dinge da viel eher relevant waren. Beispiele, bei denen ich denke, dass sie nicht so relevant waren, wären für mich die Undavdebatte 2026 und die komische Hand vor den Mund Geste 2024.
Ich glaube, wäre die WM 2014 nicht von Erfolg gekrönt gewesen (das hätte ja im AF so sein können), hätte man hinterher auch solche Sachen rausgesucht, zum Beispiel der Unfall in den Alpen mit Benni Höwedes. Hinterher sucht man halt immer irgendwelche Dinge, an denen es gelegen hat. Das bringt dann aus der Perspektive der Öffentlichkeit nicht viel, weil man ja nicht weiß, was tatsächlich passiert ist.
Tatsächlich glaube ich bei einigen anderen Punkten, die du schon genannt hast, dass diese viel wichtiger gewesen sind, als es öffentlich diskutiert wurde. Vor allem die Hierarchieproblematik mit den ganzen Rückholaktionen ist in manchen der letzten Turniere relevant gewesen. Ich glaube aber, dass man hier jedes Turnier einzeln betrachten muss. 2018 gab es keinen Teamgeist in der Mannschaft mit zu vielen, die Ansprüche angemeldet haben. Für 2026 habe ich eher das Gegenteil im Kopf, die Stimmung in der Mannschaft schien super, alle haben sich gut verstanden, aber hier sind von außen betrachtet zu wenige Spieler wirklich als "Anführer" in Erscheinung getreten.
Wie auch immer, ich glaube aber, dass man diese Geschichte auf diese Art nicht nur bis 2017 sondern bis auf ewig zurückerzählen kann. Es ist tatsächlich immer alles mögliche schiefgegangen und es gab ja auch in Hochphasen des Erfolgs extreme Tiefpunkte und Misserfolge, sowie handwerkliche Fehler des Personals, vor allem der Trainer. Im Nachhinein könnte man wohl über jedes Turnier, erfolgreich oder nicht, eine Doku über die absurdesten Fehleinschätzungen, Kommunikationsprobleme usw. machen. Zuletzt gab es ja auch die Doku über die verkorkste WM 1994 in den öffentlich/rechtlichen, in der nochmal gezeigt wurde, wie absurd das Zusammenleben der Mannschaft mit dem Trainer und den Medien damals war. Dagegen waren die Fehler, die z.B. 2026 gemacht wurden, eher vernachlässigbar.
Und trotzdem ist man 1994 als Gruppensieger (mit Spanien in der Gruppe) bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Und ich glaube, da liegt der eigentliche Punkt: Die Konkurrenz ist extrem zusammengerückt und man kann sich diese Dinge, die man sich vor einigen Jahren noch erlauben konnte, nun nicht mehr erlauben. Und man muss da gar nicht so weit zurückgehen, denn bis 2014 waren zum Beispiel afrikanische oder asiatische Mannschaften trotz allem noch weiter zurück als jetzt. Und auch innerhalb Europas war man noch nicht so ausgeglichen. Nicht, weil alle Mannschaften um die Turnierkrone mitspielen, sondern weil man fast keine Mannschaft zu 80-90 % schlägt, auch wenn man haushoch überlegen ist. Und das war früher anders.
@Dreisambock : Das ist ein sehr guter Thread mit einem sehr guten Eröffnungsthread.
Persönlich sehe ich viele Dinge ähnlich, auch wenn nicht alle. Zum Beispiel glaube ich bei einigen Dingen, die öffentlich sehr stark diskutiert wurden, dass sie intern gar nicht so eine große Rolle gespielt haben, während andere Dinge da viel eher relevant waren. Beispiele, bei denen ich denke, dass sie nicht so relevant waren, wären für mich die Undavdebatte 2026 und die komische Hand vor den Mund Geste 2024.
Ich glaube, wäre die WM 2014 nicht von Erfolg gekrönt gewesen (das hätte ja im AF so sein können), hätte man hinterher auch solche Sachen rausgesucht, zum Beispiel der Unfall in den Alpen mit Benni Höwedes. Hinterher sucht man halt immer irgendwelche Dinge, an denen es gelegen hat. Das bringt dann aus der Perspektive der Öffentlichkeit nicht viel, weil man ja nicht weiß, was tatsächlich passiert ist.
Tatsächlich glaube ich bei einigen anderen Punkten, die du schon genannt hast, dass diese viel wichtiger gewesen sind, als es öffentlich diskutiert wurde. Vor allem die Hierarchieproblematik mit den ganzen Rückholaktionen ist in manchen der letzten Turniere relevant gewesen. Ich glaube aber, dass man hier jedes Turnier einzeln betrachten muss. 2018 gab es keinen Teamgeist in der Mannschaft mit zu vielen, die Ansprüche angemeldet haben. Für 2026 habe ich eher das Gegenteil im Kopf, die Stimmung in der Mannschaft schien super, alle haben sich gut verstanden, aber hier sind von außen betrachtet zu wenige Spieler wirklich als "Anführer" in Erscheinung getreten.
Wie auch immer, ich glaube aber, dass man diese Geschichte auf diese Art nicht nur bis 2017 sondern bis auf ewig zurückerzählen kann. Es ist tatsächlich immer alles mögliche schiefgegangen und es gab ja auch in Hochphasen des Erfolgs extreme Tiefpunkte und Misserfolge, sowie handwerkliche Fehler des Personals, vor allem der Trainer. Im Nachhinein könnte man wohl über jedes Turnier, erfolgreich oder nicht, eine Doku über die absurdesten Fehleinschätzungen, Kommunikationsprobleme usw. machen. Zuletzt gab es ja auch die Doku über die verkorkste WM 1994 in den öffentlich/rechtlichen, in der nochmal gezeigt wurde, wie absurd das Zusammenleben der Mannschaft mit dem Trainer und den Medien damals war. Dagegen waren die Fehler, die z.B. 2026 gemacht wurden, eher vernachlässigbar.
Und trotzdem ist man 1994 als Gruppensieger (mit Spanien in der Gruppe) bis ins Viertelfinale vorgestoßen. Und ich glaube, da liegt der eigentliche Punkt: Die Konkurrenz ist extrem zusammengerückt und man kann sich diese Dinge, die man sich vor einigen Jahren noch erlauben konnte, nun nicht mehr erlauben. Und man muss da gar nicht so weit zurückgehen, denn bis 2014 waren zum Beispiel afrikanische oder asiatische Mannschaften trotz allem noch weiter zurück als jetzt. Und auch innerhalb Europas war man noch nicht so ausgeglichen. Nicht, weil alle Mannschaften um die Turnierkrone mitspielen, sondern weil man fast keine Mannschaft zu 80-90 % schlägt, auch wenn man haushoch überlegen ist. Und das war früher anders.
War das früher tatsächlich anders? Gerade die von dir erwähnte WM 1994 zeigte eine größere Leistungsdichte und die deutsche Mannschaft erlaubte sich gegen Außenseiter Bulgarien Fehler , die nicht kompensierbar waren.
Wenn ich in die Geschichte der Weltmeisterschaften blicke, finde ich dort zahlreiche Beispiele dafür, dass die Kleinen die Großen, inklusive Deutschland vor Probleme gestellt haben: Tunesien gegen Deutschland WM 1978, Algerien gegen Deutschland WM 1982, Kamerun gegen Italien und Polen WM 1982, Marokko WM 1986 Gruppensieger vor den Europäern aus England, Polen und Portugal und 0:1 gegen Deutschland im AF nach einem ausgeglichenen Spiel, Kamerun bei der WM 1990 usw.. Mögen das nur Ausreißer gewesen sein, weil heutzutage die Anzahl dieser Kleinen, die Probleme bereiten können, aufgrund besserer, flächendeckender Ausbildung und zunehmender Professionalisierung größer geworden ist, zeigen obige Beispiele, dass auch früher Glück und Pech oder Kleinigkeiten über Erfolg und Misserfolg entscheiden konnten und die "kleinen" Gegner einem schon damals alles abverlangen konnten.
Zitat von matteagle95
Die WM 2026 hat für mich gezeigt, dass 2 Dinge zum Erfolg geführt haben: Entweder man hat einen Starstürmer/cheat-code in der Mannschaft, oder die Mannschaft selbst ist extrem homogen und eingespielt.
Beides haben wir nicht. Das Interessante ist aber, dass diese beiden Faktoren die Mannschaften, die diese Faktoren hatten, nicht davor geschützt haben, massive Probleme gegen Mannschaften wie Paraguay, Kap Verde usw. zu bekommen. Wenn man sich die 4 Halbfinalteilnehmer ansieht, stellt man fest, dass alle 4 diese Probleme hatten. Das Finale wurde auch erst in der Verlängerung durch Spanien gewonnen, obwohl Argentinien genauso wie Paraguay aufgetreten ist. Gleiches gilt für Frankreich gegen Paraguay.
Der Unterschied ist aber, dass Spanien gewonnen hat und kein Tor kassiert hat (die haben das gleiche in der Vorrunde gegen Uruguay übrigens auch schon mal geübt). Und Frankreich ebenso wenig gegen Paraguay. Und so bleibt die Frage offen, wie der DFB gegen Frankreich im Achtelfinale ausgesehen hätte. Zum Zeitpunkt des Spiels gegen Ecuador waren hier im Forum alle davon überzeugt, dass man gegen Frankreich untergehen würde. Ich bin mir nach der Ansicht der KO-Spiele von Frankreich da ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, ob man da wirklich chancenlos gewesen wäre.
Die WM 2026 hat für mich gezeigt, dass 2 Dinge zum Erfolg geführt haben: Entweder man hat einen Starstürmer/cheat-code in der Mannschaft, oder die Mannschaft selbst ist extrem homogen und eingespielt.
Beides haben wir nicht. Das Interessante ist aber, dass diese beiden Faktoren die Mannschaften, die diese Faktoren hatten, nicht davor geschützt haben, massive Probleme gegen Mannschaften wie Paraguay, Kap Verde usw. zu bekommen. Wenn man sich die 4 Halbfinalteilnehmer ansieht, stellt man fest, dass alle 4 diese Probleme hatten. Das Finale wurde auch erst in der Verlängerung durch Spanien gewonnen, obwohl Argentinien genauso wie Paraguay aufgetreten ist. Gleiches gilt für Frankreich gegen Paraguay.
Der Unterschied ist aber, dass Spanien gewonnen hat und kein Tor kassiert hat (die haben das gleiche in der Vorrunde gegen Uruguay übrigens auch schon mal geübt). Und Frankreich ebenso wenig gegen Paraguay. Und so bleibt die Frage offen, wie der DFB gegen Frankreich im Achtelfinale ausgesehen hätte. Zum Zeitpunkt des Spiels gegen Ecuador waren hier im Forum alle davon überzeugt, dass man gegen Frankreich untergehen würde. Ich bin mir nach der Ansicht der KO-Spiele von Frankreich da ehrlich gesagt nicht mehr so sicher, ob man da wirklich chancenlos gewesen wäre.
Chancenlos sicher nicht, doch in einem vermutlich torreichen Spiel hätten wir einen offensiven Schlagabtausch gegen Frankreich verloren und die Defensive hätte das Spiel kaum gewonnen. Selbst im Fall einer funktionierenden Offensive wäre man nach einem Weiterkommen gegen Paraguay mit dieser Defensive und Nagelsmanns Ideen im Turnier nicht weit gekommen.
Was die Einschätzung der Leistungen der Konkurrenz betrifft, erwarten wir als Konsumenten nahezu Perfektion, glaube ich. Jeder qualitativ unterlegene Gegner muss souverän besiegt werden und darf keine Probleme bereiten. Ein knapper Sieg oder eine Verlängerung trotz großer Dominanz stellen gleich ein Makel dar. Das wird teilweise auch von der eigenen Mannschaft erwartet. Ich bin mir sicher, dass es trotz eines gewonnenen Elfmeterschießens gegen Paraguay Kritik gehagelt hätte, nach dem Motto, dieser limitierte Gegner muss in der regulären Spielzeit besiegt werden.
Zitat von matteagle95
Hätte man nicht gegen Paraguay dieses bescheuerte Tor kassiert.
Tja, und ich glaube, da liegt der Punkt. Früher sind solche Spiele bei Turnieren fast immer für uns ausgegangen, weil der Gegner zwar schwierig zu bespielen war, aber kaum gegen uns getroffen hat. ODER solche Gegner kamen nur in den Vorrunden vor (1986 Uruguay oder 1990 Kolumbien wären solche Beispiele) und wir konnten uns den Ausrutscher erlauben. ODER wir sind gar nicht erst auf solche Gegner getroffen, was aber jetzt in einem 48er Feld nicht mehr vorkommen wird.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir gegen aktive Mannschaften mit guten Offensiven jederzeit in der Lage sind, ein oder mehrere Tore zu erzielen. Gegen solch geschlossen starke defensiven Mannschaften tun wir uns aber extrem schwer. Da steht dann oft der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag. Und wenn dann noch schlechte Trainerentscheidungen dazu kommen, macht es das nicht besser. Uns fehlt dann oft auch einfach der Spieler, der so ein Spiel mit einer Einzelaktion entscheiden kann. Den haben wir aber auch noch nie gehabt.
Hätte man nicht gegen Paraguay dieses bescheuerte Tor kassiert.
Tja, und ich glaube, da liegt der Punkt. Früher sind solche Spiele bei Turnieren fast immer für uns ausgegangen, weil der Gegner zwar schwierig zu bespielen war, aber kaum gegen uns getroffen hat. ODER solche Gegner kamen nur in den Vorrunden vor (1986 Uruguay oder 1990 Kolumbien wären solche Beispiele) und wir konnten uns den Ausrutscher erlauben. ODER wir sind gar nicht erst auf solche Gegner getroffen, was aber jetzt in einem 48er Feld nicht mehr vorkommen wird.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass wir gegen aktive Mannschaften mit guten Offensiven jederzeit in der Lage sind, ein oder mehrere Tore zu erzielen. Gegen solch geschlossen starke defensiven Mannschaften tun wir uns aber extrem schwer. Da steht dann oft der Aufwand nicht im Verhältnis zum Ertrag. Und wenn dann noch schlechte Trainerentscheidungen dazu kommen, macht es das nicht besser. Uns fehlt dann oft auch einfach der Spieler, der so ein Spiel mit einer Einzelaktion entscheiden kann. Den haben wir aber auch noch nie gehabt.
Ich finde, dass es solche Spieler in den letzten 40-50 Jahren immer wieder gab, Gerd Müller, Rummenigge, Matthäus, auch Thomas Müller oder Sammer mit seiner Antreiberqualität. Möglicherweise ist die Qualität Turniermannschaft abhanden gekommen, weil auch Führungsfiguren fehlen und die Konkurrenz gerade in puncto Geschlossenheit, Disziplin, Willen, Führungsspieler aufgeholt und teilweise überholt hat.
Zitat von matteagle95
Letztendlich werden solche Turniere immer von hinten erzählt. Bei den Spaniern wird nun erzählt, wie toll eingespielt die doch von den U-Mannschaften auch eingespielt sind, weil sie immer an ihrem System festhalten und alle Spieler sich diesem System unterordnen. Das hat jetzt funktioniert. Gegen Kap Verde hat man aber gesehen, dass ein dauerhaftes Festhalten an Plan A und ein komplettes Fehlen eines alternativen Plans dann auch komplett in die Hose gehen kann. Es ist bei Spanien gut gegangen, hauptsächlich, weil der Plan A zu extrem wenig Chancen für den Gegner führt. Wer wenige Gegentore kassiert, hat gute Chancen auf die Weltmeisterschaft. In den KO-Spielen muss man dann aber auch das Glück des Tüchtigen (z.B. in Form von Merino) haben. Ein Scheitern der Spanier z.B. gegen Belgien lag im Bereich des Möglichen, wäre das passiert, hätten Marca und Co. die Mannschaft auch in Grund und Boden geschrieben.
Woran liegt es also? Ich glaube, man kann die einzelnen Turniere 2018-2026 nicht in einen Topf werfen und man muss jedes Turnier einzeln betrachten. Aber grundsätzlich gilt für alle Turniere:
- Die Gegner sind besser ausgebildet, disziplinierter und wissen genau wie man gegen uns spielen muss
- Uns fehlt auf einigen Positionen Qualität und uns fehlt der eine Cheat-Code, den man gegen solche Gegner braucht, wenn man diese nicht durch mannschaftliche Geschlossenheit schlägt
- Ein handwerklicher Fehler des Trainers ist heute nur noch schwer zu kompensieren.
Man sieht, dass auch andere Mannschaften ähnliche Probleme haben. Ich denke da an Italien oder Brasilien. Ich glaube auch nicht daran, dass man heute noch ein Halbfinal-Abo wie früher haben kann, weil es einfach so ist, dass zuviele andere Nationen da auch mitspielen. Und ich glaube, dass wir eine Chance haben, weil die Spitze gar nicht so weit weg ist, wie es manchmal scheint.
Helfen würde natürlich ein Kane oder ähnliches...
Letztendlich werden solche Turniere immer von hinten erzählt. Bei den Spaniern wird nun erzählt, wie toll eingespielt die doch von den U-Mannschaften auch eingespielt sind, weil sie immer an ihrem System festhalten und alle Spieler sich diesem System unterordnen. Das hat jetzt funktioniert. Gegen Kap Verde hat man aber gesehen, dass ein dauerhaftes Festhalten an Plan A und ein komplettes Fehlen eines alternativen Plans dann auch komplett in die Hose gehen kann. Es ist bei Spanien gut gegangen, hauptsächlich, weil der Plan A zu extrem wenig Chancen für den Gegner führt. Wer wenige Gegentore kassiert, hat gute Chancen auf die Weltmeisterschaft. In den KO-Spielen muss man dann aber auch das Glück des Tüchtigen (z.B. in Form von Merino) haben. Ein Scheitern der Spanier z.B. gegen Belgien lag im Bereich des Möglichen, wäre das passiert, hätten Marca und Co. die Mannschaft auch in Grund und Boden geschrieben.
Woran liegt es also? Ich glaube, man kann die einzelnen Turniere 2018-2026 nicht in einen Topf werfen und man muss jedes Turnier einzeln betrachten. Aber grundsätzlich gilt für alle Turniere:
- Die Gegner sind besser ausgebildet, disziplinierter und wissen genau wie man gegen uns spielen muss
- Uns fehlt auf einigen Positionen Qualität und uns fehlt der eine Cheat-Code, den man gegen solche Gegner braucht, wenn man diese nicht durch mannschaftliche Geschlossenheit schlägt
- Ein handwerklicher Fehler des Trainers ist heute nur noch schwer zu kompensieren.
Man sieht, dass auch andere Mannschaften ähnliche Probleme haben. Ich denke da an Italien oder Brasilien. Ich glaube auch nicht daran, dass man heute noch ein Halbfinal-Abo wie früher haben kann, weil es einfach so ist, dass zuviele andere Nationen da auch mitspielen. Und ich glaube, dass wir eine Chance haben, weil die Spitze gar nicht so weit weg ist, wie es manchmal scheint.
Helfen würde natürlich ein Kane oder ähnliches...
Solche Spieler kann man sich nicht backen, nur hoffen, dass ein Talent entdeckt und richtig ausgebildet wird.🙂
Helfen würden aber bestimmte Faktoren, die für ein Turnier relevant sind, wie Struktur, Einheit, klare Spielidee, zum Personal passende Taktik, um wieder eine Turniermannschaft zu werden, die mit Glück und Geschick weit kommen kann. Diese Faktoren sind seit 2018 mit Ausnahme der Heim-EM verloren gegangen.
23.07.2026 - 16:23 Uhr
Als einen weiteren, möglichen Grund für die Analyse des Themas will ich die Rolle der Medien und die entstehende Erwartungshaltung ergänzen, die eine Auswirkung auf die Stimmung in der Mannschaft auf dem und außerhalb des Spielfeldes haben kann.
Wenn ich mich an die Medienkampagne 2018 nach dem Vorfall mit Gündogan und Özil erinnere, als Maß und Mitte in der Berichterstattung überwiegend verloren gingen und eine Doppelmoral gezeigt wurde. Dazu gab der DFB in Person des Präsidenten Grindel wegen dessen Ressentiments eine schlechte Figur ab. Diese Faktoren sorgten für schlechte Stimmung innerhalb und außerhalb und diese war für das gesamte Turnier im Eimer.
2020 holte Löw auch auf medialen Druck Hummels und Müller zurück, die bei der EM 2021 wieder Stamm waren und keinen Mehrwert lieferten.
2022 wurde vom Team neben sportlicher Leistung auch ein politisches Zeichen erwartet, was die Aufgabe des DFB gewesen wäre.
2026 wurde Neuer wohl auch aufgrund des öffentlichen Drucks zurückgeholt und ich erinnere mich an keine kritische Stimme der Öffentlichkeit selbst angesichts seines Kaltstarts ins Turnier ohne ein Spiel in der Vorbereitung. Dazu kam die für mich unverständliche Erwartungshaltung und Einordnung nach dem 7:1 gegen Curacao. Selbstverständlich müssen auch gegen diesen Gegner erstmal so viele Tore erzielt werden, wie Nagelsmann nach dem Spiel zurecht anmerkte und Curacao spielte danach 0:0 gegen Ecuador, dennoch vermisste ich eine realistische Einordnung dieses Ergebnisses und der Tenor ging in Richtung "es kann weit gehen" und Titelkandidat und ein gewisser Hype brach aus. Nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste galt Undav nahezu als Messias unter den Jokern und selbst die Sportredaktion des ARD Videotextes berichtete darüber, dass Undav (2 Spiele) mehr Scorer habe als Messi (1 Spiel). Nach der Niederlage gegen Ecuador kippte die mediale Stimmung, die Kritik am Bundestrainer wuchs wieder, teilweise zurecht. Dennoch lautete die Einschätzung, Paraguay müsse geschlagen werden und es wurde über Frankreich als Achtelfinalgegner sinniert.
Klopp täte als Bundestrainer gut daran, neben einer anderen Kommunikation, die er meistern wird, die Erwartungen zu bremsen und zu erklären, dass er Zeit für Erfolge brauchen wird und niemand Wunderdinge erwarten darf.
Wenn ich mich an die Medienkampagne 2018 nach dem Vorfall mit Gündogan und Özil erinnere, als Maß und Mitte in der Berichterstattung überwiegend verloren gingen und eine Doppelmoral gezeigt wurde. Dazu gab der DFB in Person des Präsidenten Grindel wegen dessen Ressentiments eine schlechte Figur ab. Diese Faktoren sorgten für schlechte Stimmung innerhalb und außerhalb und diese war für das gesamte Turnier im Eimer.
2020 holte Löw auch auf medialen Druck Hummels und Müller zurück, die bei der EM 2021 wieder Stamm waren und keinen Mehrwert lieferten.
2022 wurde vom Team neben sportlicher Leistung auch ein politisches Zeichen erwartet, was die Aufgabe des DFB gewesen wäre.
2026 wurde Neuer wohl auch aufgrund des öffentlichen Drucks zurückgeholt und ich erinnere mich an keine kritische Stimme der Öffentlichkeit selbst angesichts seines Kaltstarts ins Turnier ohne ein Spiel in der Vorbereitung. Dazu kam die für mich unverständliche Erwartungshaltung und Einordnung nach dem 7:1 gegen Curacao. Selbstverständlich müssen auch gegen diesen Gegner erstmal so viele Tore erzielt werden, wie Nagelsmann nach dem Spiel zurecht anmerkte und Curacao spielte danach 0:0 gegen Ecuador, dennoch vermisste ich eine realistische Einordnung dieses Ergebnisses und der Tenor ging in Richtung "es kann weit gehen" und Titelkandidat und ein gewisser Hype brach aus. Nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste galt Undav nahezu als Messias unter den Jokern und selbst die Sportredaktion des ARD Videotextes berichtete darüber, dass Undav (2 Spiele) mehr Scorer habe als Messi (1 Spiel). Nach der Niederlage gegen Ecuador kippte die mediale Stimmung, die Kritik am Bundestrainer wuchs wieder, teilweise zurecht. Dennoch lautete die Einschätzung, Paraguay müsse geschlagen werden und es wurde über Frankreich als Achtelfinalgegner sinniert.
Klopp täte als Bundestrainer gut daran, neben einer anderen Kommunikation, die er meistern wird, die Erwartungen zu bremsen und zu erklären, dass er Zeit für Erfolge brauchen wird und niemand Wunderdinge erwarten darf.
23.07.2026 - 16:32 Uhr
Denke da kommen viele Sachen zusammen: Schwächen in der Ausbildung, ein schlechtes Bild vom Verband aber auch der N11 und deren Umfeld nach außen, zunehmende Politisierung.
In Sachen Jugendarbeit wurden die Weichen ab 2023 anders gestellt-aber das wird noch dauern. Alles andere wird man jetzt sehen.
Ob der DFB und das Umfeld gelernt hat. Nur den Trainer austauschen-auch wenn es bei Nagelsmann nicht mehr weitergehen konnte-bringt nichts. Dazu hat Klopp auch klare Ansprüche gestellt und Erwartungen an den Verband.
Vieles werden wir morgen wohl erfahren.
Ansonsten: Ich finde auf manchen Positionen-wie etwa im MS-sind wir jetzt deutlich besser aufgestellt. Mit Tresoldi hat man sogar ein großes Talent in der Pipeline.
Auch auf der Torwartposition merkt man, dass junge Leute da kratzen.
Wo der Schuh drückt ist halt weiterhin die AV Position. Solange es keinen besseren als Kimmich als RV gibt, wird er da wohl auch spielen. Das ist alles nicht optimal, aber da müssen wir jetzt halt durch.
Was ich mir wünschen würde, ist mehr Durchlässigkeit bei den Talenten in ihren Vereinen. Wenn ich etwa nach Leverkusen schaue, wo fast die ganze Start 11 aus nicht DFB Spielern besteht.... Das ist mir ehrlich gesagt zu wenig.
Und da sind die großen Vereine mal mehr in die Pflicht genommen, mal mehr auf ihre Talente zu setzen.
In Sachen Jugendarbeit wurden die Weichen ab 2023 anders gestellt-aber das wird noch dauern. Alles andere wird man jetzt sehen.
Ob der DFB und das Umfeld gelernt hat. Nur den Trainer austauschen-auch wenn es bei Nagelsmann nicht mehr weitergehen konnte-bringt nichts. Dazu hat Klopp auch klare Ansprüche gestellt und Erwartungen an den Verband.
Vieles werden wir morgen wohl erfahren.
Ansonsten: Ich finde auf manchen Positionen-wie etwa im MS-sind wir jetzt deutlich besser aufgestellt. Mit Tresoldi hat man sogar ein großes Talent in der Pipeline.
Auch auf der Torwartposition merkt man, dass junge Leute da kratzen.
Wo der Schuh drückt ist halt weiterhin die AV Position. Solange es keinen besseren als Kimmich als RV gibt, wird er da wohl auch spielen. Das ist alles nicht optimal, aber da müssen wir jetzt halt durch.
Was ich mir wünschen würde, ist mehr Durchlässigkeit bei den Talenten in ihren Vereinen. Wenn ich etwa nach Leverkusen schaue, wo fast die ganze Start 11 aus nicht DFB Spielern besteht.... Das ist mir ehrlich gesagt zu wenig.
Und da sind die großen Vereine mal mehr in die Pflicht genommen, mal mehr auf ihre Talente zu setzen.
Post-Optionen
Den kompletten Thread wirklich löschen?
Paten-Optionen
Möchtest Du den Beitrag wirklich löschen?
Diesen Beitrag alarmieren
Diesen Beitrag alarmieren
Diesen Beitrag alarmieren
Lesezeichen
Abonnierte Threads
Guter Beitrag
Guter Beitrag
Guter Beitrag
Post-Optionen
Nutze die Thread-Suche, wenn Du diesen Post in einen anderen Thread verschieben möchtest. Drücke Thread erstellen, wenn aus diesem Post ein eigenständiger Thread werden soll.





