Slomka über Manager-Job & Karriere: „Warum habe ich Idiot das öffentlich gemacht?“
Mirko Slomka erlebte den hochemotionalen FC Schalke 04, erfolgreiche Zeiten bei Hannover 96, den „Auf-Biegen-und-Brechen“-Klassenerhalt mit dem Hamburger SV und ein sehr kurzes Kapitel in Karlsruhe. Und, nicht zu vergessen, immer wieder „kribbelige“ Diskussionen mit Alphatieren. Heute ist der 57-Jährige als Experte für den Pay-TV-Sender „Sky“ im Einsatz. Im großen Transfermarkt-Interview spricht Slomka über seine Manager-Ambitionen und Trainerkarriere, sein vieldiskutiertes Verhältnis zu Jörg Schmadtke und den Umgang mit einem besonders sensiblen Spieler. Zudem verrät der Hildesheimer, wie er junge Cheftrainer unterstützen würde, wie er heute über seine Entlassungen denkt und wobei er in der Vergangenheit wie ein „Idiot“ agierte.
Transfermarkt: Herr Slomka, im Dezember 2023 haben Sie Ihre Trainer-Karriere für beendet erklärt. Hand aufs Herz: Gab es in den vergangenen Jahren nicht irgendwelche Angebote, die Sie stark ins Grübeln gebracht haben?
Mirko Slomka: (lacht) Ja, die gab es tatsächlich und gibt es immer wieder. Und sie bringen mich nach wie vor ins Wanken, weil ich innerlich noch immer den Gedanken in mir trage, auf dem Platz eine ganze Menge verändern zu können. Es kann alles passieren, gerade in dieser hitzigen Zeit, in der wir viele und überraschende Trainerwechsel erlebt haben, siehe Friedhelm Funkel in Köln. Diese Themen haben mich schon bewegt. Auf der anderen Seite habe ich mich für etwas Neues entschieden, das ebenfalls spannend ist – ohne das Alte völlig abzulegen. Ich habe in meinen letzten Trainerjahren das Gefühl entwickelt, dass mein Einfluss im Sportmanagement groß sein kann, wenn es darum geht, eine Unternehmenskultur in einem Verein zu implementieren und eine Haltung wiederzugeben. Mir ist aufgefallen, dass es in manchen Klubs teilweise recht unterschiedliche Wertevorstellungen gibt – vielleicht ließen sich diese Themen noch etwas klarer oder einheitlicher gestalten.
Transfermarkt: Bevor wir darauf näher eingehen: Was für ein Trainerjob würde Sie denn zum Umfallen bringen?
Slomka: Eine richtig ernsthafte Anfrage. Wenn ein Verein auf mich zukommt und sagt: ‚Sie sind genau der, den wir brauchen, um unseren Klub nach vorne zu bringen – weil wir gesehen haben, wie Sie spielen lassen, wie Sie auftreten und wofür Sie stehen. Wir suchen jemanden mit Profil, Haltung und einer klaren Linie, der unsere Werte mit Überzeugung und Leidenschaft nach innen und außen vertritt.‘ Das könnte ich mir sehr gut vorstellen.
Transfermarkt: Sind Sie noch nicht im Management eines Klubs tätig, weil Sie noch zu sehr als Cheftrainer wahrgenommen werden?
Slomka: Das ist tatsächlich noch nicht überall angekommen, zumindest habe ich den Eindruck. Aber ich durfte mit zwei ambitionierten Vereinen schon sehr intensive Verhandlungen führen, bin aufgrund meiner nicht vorhandenen Erfahrungen in der letzten Auswahlrunde allerdings nicht genommen worden – einmal ging es um den Posten des Sportvorstands. Das muss ich akzeptieren und kann ich verstehen, weil eine Vorstandsposition noch größere Verantwortung bedeutet. Bei der Gremienarbeit sehe ich mich ohnehin nicht unbedingt.
In Karlsruhe und in Hannover: Trainer Slomka ließ sich überreden
Transfermarkt: Warum wollen Sie grundsätzlich kein Trainer mehr sein? Beim KSC und HSV sowie zuletzt bei Ihrem zweiten Anlauf in Hannover konnten Sie nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. Hat das auch eine Rolle bei Ihrer Entscheidung gespielt?
Slomka: Gar nicht. Ich finde, ganz viel hängt davon ab, wie man die Rekrutierung eines Top-Teams händelt. Auf Managementebene heißt es, dass wir High Performance Teams brauchen. In Karlsruhe habe ich mich von Oliver Kreuzer, den ich nach wie vor sehr schätze, und beim zweiten Mal in Hannover überzeugen lassen, Mannschaften zu übernehmen, die ich nicht ausreichend kannte und von denen ich nicht sicher sein konnte, dass sie zu den High Performern gehören. Das hat für mich eine große Bedeutung.

Transfermarkt: Was erwies sich noch als problematisch?
Slomka: Ich wollte unbedingt Zlatan Bajramovic als Co-Trainer mit nach Hannover nehmen, was aber am letzten Tag am Veto von Martin Kind scheiterte. Das würde ich heute so nicht mehr zulassen. Es ist relevant, Mitarbeitende um sich zu haben, die dafür sorgen, dass die Jobs erledigt werden. Die nicht in Harmonie mit dir zusammenarbeiten, sondern Risiken mit dir eingehen. Man muss sich widersprechen und Dinge sagen dürfen, ohne dass sofort öffentlich darüber diskutiert wird – das gilt vor allem auch für die Sportdirektoren- oder Vorstandsebene. Konflikte können als Chance begriffen werden, es braucht Lösungen. Bei meinen letzten Stationen war das nicht ideal.
Transfermarkt: Wo und wann gestaltete sich das Arbeiten besonders herausfordernd?
Slomka: (lacht) Meine erste Phase in Hannover war geprägt von extrem erfolgreichen Alphatieren: Jörg Schmadtke, Martin Kind, Gregor Baum und Dirk Roßmann (beide sind 96-Gesellschafter; d. Red.). Es war kribbelig, mit diesen Persönlichkeiten zu diskutieren. Aber das war eine sehr gute Gruppe zum Kämpfen, weil wir alle eine Meinung hatten, die ausdiskutiert werden musste. Da gab es klare Regeln und Verantwortlichkeiten – das war entscheidend.
Transfermarkt: Mit Manager Schmadtke sollen Sie nicht zurechtgekommen sein.
Slomka: Das wurde immer so gesagt. Ich habe mich erstklassig mit ihm verstanden, weil wir sehr kontrovers diskutieren konnten. Jörg Schmadtke hat dafür gesorgt, dass die Spielertypen gefunden und verpflichtet wurden, die zu unserer Spielweise passten. Und Martin Kind sagte: ‚Okay, Herr Schmadtke, wenn das die Typen sind, die wir brauchen, dann holen wir einen Didier Ya Konan, Mohammed Abdellaoue oder wen auch immer.‘ Auf dieser Ebene war es fantastisch.

Transfermarkt: Also alles fein mit Schmadtke?
Slomka: Wir haben uns neulich wieder mal getroffen und über die guten Zeiten gesprochen und darüber, wie es damals in Diskussionen mit Martin Kind lief. Wir hatten eine sehr schöne und besondere Zeit, wollten Hannover 96 transformieren und weiterentwickeln. Im sportlichen Bereich hat es super gematcht. Es gab bloß ein Thema, das alle beschäftigt hat: França, der als ‚Schrumpf-Brasilianer‘ bezeichnet wurde, weil ich einen Sechser wollte, der mindestens 1,85 Meter groß ist – und plötzlich war er viel kleiner. Das war ein Streitpunkt. Und ein klarer Fehler von mir. Warum habe ich Idiot das öffentlich gemacht und nicht Jörg gefragt, wen er da eigentlich geholt hat? (lacht) Man hätte das Thema auch weglächeln und sagen können: ‚Dann ziehen wir ihm eben lange Stollen an.‘ Das ist ein klares Learning.
Transfermarkt: Quizfrage: Welcher Trainer schaffte es zuletzt, mindestens bei 100 Spielen in Folge bei Schalke an der Seitenlinie zu stehen?
Slomka: Diese Zahl dürfte ich geschafft haben. (lacht)
Transfermarkt: Korrekt. Sie waren das. Zwischen Januar 2006 und April 2008 kamen Sie auf 108 Spiele. Wie ist es als Cheftrainer möglich, in einem Umfeld wie Schalke dauerhaft zu bestehen?
Slomka, Rutten & Co. Alle Trainer des FC Schalke 04 Zur langen Liste Slomka: Es ist immer hochemotional und extrem schnelllebig im Umfeld von Schalke 04 – mit Diskussionen in alle Richtungen. Aber es gibt eine Fan-Basis, die zu dir und deiner Mannschaft steht – wenn du nicht kompletten Unsinn machst. Schalke ist sehr mächtig und druckvoll. Ich glaube, dass man das als Trainer nutzen kann. Meine erste Zeit bei S04 war ebenfalls von totalen Alphatieren um mich herum geprägt. Auch dort gab es eine gute Diskussionskultur. Jeder, der dort arbeitete, hat sich getraut, Clemens Tönnies zu sagen: ‚So geht es nicht, wir müssen es anders machen.‘ Mit Andreas Müller lief das genauso. Teams können harmonisch sein, müssen es aber nicht unbedingt. Was überhaupt nicht geht, sind egoistische Züge, Misstrauen, Neid, Angst oder Gleichgültigkeit. Das wäre der Tod eines Klubs und Wirtschaftsunternehmens. Wenn ich zurückschaue, sind mir aber auch Fehler bei Schalke passiert.
Transfermarkt: Welche?
Slomka: Schalke war meine erste Station. In meinem ersten halben Jahr standen wir im UEFA-Cup-Halbfinale gegen den FC Sevilla. Das Hinspiel zuhause endete 0:0. Warum? Weil ich ein Idiot war. Damals war ich noch nicht erfahren genug zu sagen, dass es mir für den Erfolg egal ist, was in der Trainingswoche passierte. Kevin Kuranyi und Lincoln standen nicht in der Startelf, weil ich einen Vorfall im Training nicht hinnehmen wollte. Heute würde ich das komplett anders machen und in der Sache mit den Spielern ein persönliches Gespräch führen. Kritisch, aber zielführend. Am Ende haben wir 0:1 in der Verlängerung in Sevilla verloren. Entscheidungen unter Druck sind für Trainer sehr besonders. Diese Phase der Entwicklung habe ich erst danach erlebt. Deswegen ist es manchmal wichtig, auf erfahrene Trainer zu setzen. Das Bauchgefühl lebt von Erlebnissen und Erfahrungen. Ein Friedhelm Funkel entscheidet aus dem Bauch heraus ganz viel richtig.

Slomka spricht über den Einsatz von künstlicher Intelligenz
Transfermarkt: Routinier Dieter Hecking setzt in Bochum auf DI statt KI, Dieters Intelligenz statt künstliche Intelligenz. Ist diese Haltung noch zeitgemäß?
Slomka: Es braucht sicherlich beides. KI würde ich in meine Gedanken einbeziehen, aber wenn sich während des Spiels ein wichtiger Spieler verletzt, musst du auch deinen Bauch und deine Mitarbeiter entscheiden lassen – und zwar schnell. Es bleibt nur wenig Zeit. Aber ich denke, es gibt keine bessere Möglichkeit, als die KI zu befragen, welcher Spielertyp am besten zu Hannover 96, Schalke oder zum HSV passt, wenn man sehr genau mit seinen Angaben ist. Das ist ein zukunftsorientiertes Tool, das man auf keinen Fall ad acta legen darf.
Als Trainer würde ich immer etwas mehr Risiko eingehen wollen, das würde der Verein aber nicht mitmachen.
Transfermarkt: Ein Trainer braucht Spieler für kurzfristigen Erfolg, der Manager muss die Perspektive des Vereins und damit auch die Finanzen im Blick haben. Beißen sich diese Sichtweisen?
Slomka: Ja, natürlich. Als Trainer würde ich immer etwas mehr Risiko eingehen wollen, das würde der Verein aber nicht mitmachen. Deswegen ist es wichtig, mit den Verantwortlichen darüber zu sprechen, welches wirtschaftliche Risiko mit Blick auf die Zukunft vertretbar ist. Es gibt auch in der neuen Zweitliga-Saison ganz viele Vereine wie Hannover und Nürnberg, von denen man sagen würde: Wenn die vielleicht noch einen Stürmer holen, der deutlich über dem Etat liegt und 15 Tore garantiert, kann das den Unterschied ausmachen. Nicolò Tresoldi, ein toller aufstrebender Stürmer, war mit sieben Treffern bester Torschütze bei 96. Die Anzahl an Toren reicht nicht zum Aufsteigen. Das habe ich vor der Saison als gutgemeinten Hinweis auch so kommuniziert, wofür es Kritik gab. Tresoldi wechselt nun zum belgischen Meister Club Brügge und Hannover braucht einen Torjäger.
Transfermarkt: Ist ein Trainer im Profibusiness zu häufig allein auf sich gestellt?
Slomka: Das ist genau der Punkt, der mich angetrieben hat, auf die Sportmanagement-Ebene zu gehen. Ich hatte persönlich auch stets das Problem: Mit wem rede ich – neben meinen Assistenten – als Trainer darüber, was jetzt der richtige Weg ist? Wer ist also der Coach an der Seite eines Coaches? Du suchst vertrauensvolle Gesprächspartner, Impulsgeber und Unterstützer, die mit einem ganz anderen Blick an die Sache herangehen. Viele junge Trainer benötigen eine positive Arbeitsatmosphäre. Sie hätten in mir als Sportdirektor einen passenden Ansprechpartner. Ich will ihren Job nicht, habe diesen aber lange ausgeübt. Ich habe vom Nachwuchs bis zur Champions League alles erlebt. Wir wären ein Team und müssten diesen Weg gemeinsam erfolgreich beschreiten. Das wäre hochspannend. Ich wäre ungern der alleinige starke Mann, sondern lieber Teil einer sehr erfolgreichen Gruppe. Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich viele Entscheidungen des Trainers glaubwürdig begleiten könnte.
Transfermarkt: Sie bekommen als „Sky“-Experte mit, wie Interviews mit unter Druck stehenden Trainern geführt werden. Wie blicken Sie auf diese Situationen?
Slomka: Ich habe den Fußball-Lehrer in einer Phase gemacht, in der es noch kein Medientraining gab. Das habe ich im Anschluss persönlich nachgeholt. Ich bin mir sehr bewusst, dass das, was ich als Trainer tue und sage, öffentlich wahrgenommen wird. Deshalb wähle ich meine Worte mit Bedacht. Es geht mir nicht darum, auf jede Frage direkt zu antworten, sondern das zu vermitteln, was mir wichtig ist – das, was am Ende hängenbleiben soll. Ich respektiere die Arbeit der Medien, aber ich habe auch die Verantwortung, meine Botschaft gezielt zu setzen. Wenn ich mit einem Spieler auf dem Platz diskutiere, passiert das offensichtlich und ich weiß genau, dass morgen ein Foto davon zu sehen ist. Danach gibt es Diskussionen und du hast viele Varianten, um darauf zu reagieren. Die besonderen Momente sind die Entscheidungen unter Druck. Da brauchst du jemanden wie Jörg Schmadtke an deiner Seite, der das Thema einfach mal wegdrückt.
Nach einem schönen Pass schaute ein Spieler zur Seitenlinie und brauchte von uns Bestätigung für den nächsten schönen Pass. Irgendwann war das anstrengend und irrsinnig für mich, immer auf ihn zu gucken.
Transfermarkt: Ron-Robert Zieler ist der Spieler mit den meisten Einsätzen unter Ihnen. Welcher Profi war für Sie die denn größte Herausforderung und hat Sie als Trainer fast zur Verzweiflung gebracht?
Slomka: Ich kann natürlich keine Namen nennen. Wir haben bei Schalke, in Hamburg und in Hannover mit dem Reiss-Profil gearbeitet und Persönlichkeitstests machen lassen. Dadurch wusste ich, wie ich mit Spielern umzugehen habe. Es gab welche, die permanent Zustimmung benötigt haben. Beispiel: Nach einem schönen Pass schaute ein Spieler zur Seitenlinie und brauchte von uns Bestätigung für den nächsten schönen Pass. Irgendwann war das anstrengend und irrsinnig für mich, immer auf ihn zu gucken. Also habe ich wen aus meinem Mitarbeiterteam bestimmt und ihm gesagt: ‚Du schaust nur auf ihn und jedes Mal, wenn er guckt, deutest du ihm: Weiter so – toll!‘ Er hat den Spieler persönlich betreut. Du musst die Jungs packen, damit sie emotionalisiert auf den Platz gehen und ihre Top-Leistung abrufen können.
Transfermarkt: Mit dem HSV haben Sie 2014 die Bundesliga gehalten, obwohl die letzten fünf Saisonspiele verloren gingen und Ihr Team mit zwei Remis und Ach und Krach in der Relegation gegen Fürth über die Ziellinie kam.
Slomka: Das war auf Biegen und Brechen. Ich habe gerne auf Schwarmintelligenz gesetzt und das auch bei Hannover und Schalke immer so gehalten, obwohl wir ein paar Superstars hatten. In Hamburg gab es noch echte Alphatiere. Die darauf einzuschwören, dass wir eine Gruppe von Spielern brauchen, die nach den Misserfolgen im Saisonfinale in den Relegationsspielen zusammenarbeitet... Weil sich René Adler verletzte, hatten wir auch noch einen Torwartwechsel. Das war in dieser Phase natürlich dramatisch, aber Jaroslav Drobný hat sehr stabil gespielt. Gerade in Hamburg ist das Umfeld sehr prägend. Nach dieser Hamburg-Zeit habe ich mich sehr intensiv damit beschäftigt, wie man Teams vor der Saison zusammenstellt und entwickelt. Alphatiere alter Prägung braucht es heute eigentlich nicht mehr. Ein Jamal Musiala, Joshua Kimmich oder Florian Wirtz lösen das heute auf andere Art.

Transfermarkt: Ihren Horizont haben Sie durch ein Sportmanagement-Studium 2023 in St. Gallen erweitern können. Was ist besonders hängengeblieben?
Slomka: Das Wertvollste war das Zusammenarbeiten mit einer vielfältig und vielschichtig zusammengestellten Gruppe. Die 32 Studierenden kamen aus unterschiedlichsten Richtungen, nicht nur aus dem Sport. Hauptsächlich ging es um Strategie und Führung und darum, wie ich einen Kader – ein High Performance Team – zusammenstelle. Die Dozenten waren überragend. Zudem war beeindruckend für mich zu sehen, wie man auf ein Team einwirken kann und wie man richtig verhandelt.
Transfermarkt: Sie schrieben kürzlich beim Business-Netzwerk LinkedIn: „Nach über 30 Jahren als Trainer (…) hat sich mein Blick auf den Fußball verändert.“ Bedeutet?
Slomka: Ich schaue, ob ich mit nachhaltiger Arbeit tatsächlich eine positive Veränderung in einem Verein erreichten könnte. Das muss man besprechen, bevor man irgendetwas unterschreibt. Der Fokus liegt für mich nicht auf dem Hier und Jetzt, sondern auf der Transformation und Weiterentwicklung. Das A und O ist: Wie kann ich diesen Wandel erreichen, um erfolgreich zu sein? Es braucht Kapazitäten für strategisch-inhaltliche Themen.
Transfermarkt: Trainer sind Ihrer Meinung nach immer häufiger die Sündenböcke, die durchschnittliche Amtszeit nehme weiter ab. Sind die Vereine zu nervös geworden?
Slomka: Ich würde es anders angehen: Vielleicht war die Wahl des Trainers nicht die richtige und man müsste sich im Verein viel länger mit diesem Prozess beschäftigen. Es geht um die Frage: Wofür steht der Klub? Schalke wird aufgrund seiner Historie immer für Ärmelhochkrempeln und intensiven Einsatz, aber auch für eine klare Haltung zu Themen in der Öffentlichkeit stehen. Wenn man sich lange mit Trainern beschäftigt, kann man den dafür passenden Coach finden. Vielleicht sind Christian Titz in Hannover und Miron Muslic bei Schalke genau die Richtigen, ich kann das nicht beurteilen. Die Verantwortlichen werden sich damit beschäftigt haben.
So blickt Slomka heute auf seine Entlassungen bei Schalke und in Hamburg
Transfermarkt: Was ist noch zu berücksichtigen?
Slomka: Ich würde als Sportdirektor meinem Trainer immer sagen: ‚Du bist so lange mein Trainer, bis es nicht mehr geht.‘ Aber ich würde ihm auch verständlich machen, dass ich mich immer auch mit anderen Trainern beschäftige und mich mit ihnen treffe. Das gehört zu meiner Jobbeschreibung.
Transfermarkt: Wenn Sie mit Ihren Management-Skills im Gepäck zurückblicken: Können Sie Ihre Entlassungen von früher inzwischen nachvollziehen?
Slomka: Ich blicke heute anders darauf. Aber Schalke hat niemand so richtig verstanden. Wenn du als Tabellendritter und direkt nach dem Aus gegen Barcelona in der Champions League entlassen wirst, hinterlässt das Fragen. Nicht nur für mich, sondern für alle Beteiligten. Hamburg war damals, denke ich, eine sehr persönliche Entscheidung von Dietmar Beiersdorfer (Vorstandsvorsitzender; d. Red.). Oliver Kreuzer war als Sportdirektor entlassen worden. Ich war neulich bei Dietmar Beiersdorfer zu Besuch in Ingolstadt und es war großartig, mit ihm über seine Entwicklung zu reden. Damals konnte der Didi mich nicht einschätzen. Nach dem dritten Spieltag war es schon vorbei. Ich fand das sehr früh, nachdem wir in der Transferperiode mehrere Spieler verpflichtet hatten, die wir gemeinsam entwickeln wollten. Ich hätte gerne nachhaltig etwas beim HSV verändert. Diese Chance gab es nicht. Darüber ist man als Trainer immer enttäuscht.
Interview: Philipp Marquardt
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Er will also nur mit Highperformern arbeiten und wusste damals nicht das der KSC und Hannover diese Spieler nicht hat.
Was hat er denn zu bieten für die High-Performance Teams?
Zuletzt bei jeder seiner Stationen krachend gescheitert.
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Ich weiß nicht, ob du den Begriff high Performance richtig verstehst: es geht hier nicht um hohe Qualität oder gute Mannschaften. Jede Mannschaft kann ein High Performance Team sein. Auch in der Regionalliga oder bspw. Ein Abstiegskandidat kann ein High Performance Team sein.
Ich würde z.b. aus der letzten Bundesliga Saison auch ein Bayern München nicht als High Performance Team bezeichnen.
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Steht doch im Text, er wird den Verein nach vornebringen, wegen der Art, wie er spielen lässt, wie er auftritt und wofür er steht. Slomka ist ein Mann mit Profil, Haltung und einer klaren Linie, der seine Werte mit Überzeugung und Leidenschaft nach innen und außen vertritt.
- Geb./Alter:
- 12.09.1967 (58)
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Nat.:
- Akt. Verein:
- Vereinslos
- Aktuelle Funktion:
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- Geb./Alter:
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- Vereinslos
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- Gesamtmarktwert:
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