Strobl nimmt Besio mit nach Wolfsburg – „Unsere gemeinsame Zeit war sehr erfolgreich“
Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Trainer Tobias Strobl und Stürmer Alessio Besio geht weiter. Der 22-Jährige verlässt den SC Freiburg und wechselt zum VfL Wolfsburg. Beim Bundesliga-Absteiger, bei dem er der sechste Neuzugang ist, unterschrieb [...]
Dass es einen Abstieg gebraucht hat dass man endlich mal sinnstiftende Transfers macht..
Was meinst du denn mit sinnstiftenden Transfers? Es ist ja nicht so, dass Wolfsburg auf dem Papier nicht auch in der Vergangenheit gute und oftmals sehr vielversprechende junge Spieler geholt hat.
Das Grundproblem war doch seit Jahren, dass man es mit sehr wenigen Ausnahmen nie geschafft hat, eine richtige Mannschaft mit Identität und Zusammenhalt herauszubilden. Überdotierte Verträge, extrem hohe Ablösesummen, dafür gabs dann Dienst nach Vorschrift und kaum Flair.
Und sorry, dass ich das sage, aber ich habe den Eindruck, dass man nicht wirklich gelernt hat bei Wolfsburg. Man kauft sich wieder für verhältnismäßig viel Geld für die Liga eine Mannschaft zusammen, die quasi das Who-Is-Who der letzten 5 Unterhaus-Saisons darstellt, viele Charaktere mit ordentlich Standing und stark ausgeprägten Eigeninteressen. Allein der Reese-Transfer schreit für mich danach, entweder super zu funktionieren oder wirklich so hart in die Hose zu gehen wie wenige Transfers der letzten Jahre im Unterhaus.
Auch einen Besio zu holen, klingt auf dem Papier super, zumal der Trainer ihn kennt. Aber letzten Endes riecht das dann auch etwas danach, dass es dann am Ende am Trainer hängt. Und Strobl ist sicherlich ein Trainer-Talent, aber erstens hat er bei seinen bisherigen Trainerstationen ausschließlich mit Spielern gearbeitet, die überwiegend jung und sehr hungrig waren, meist aus unteren Ligen in seine Mannschaften kamen und sehr lernbegierig waren. Zweitens waren die bisherigen Umfelder was völlig anderes als Wolfsburg, das wird die mediale Wolfshöhle der kommenden Saison, die Fallhöhe ist riesig und die Medien haben richtig Bock drauf.
Ich bin einigermaßen skeptisch, ein richtiges zum Trainer passendes Konzept sehe ich nicht. Der Trainer hat bisher vor allem junge Spieler ausgebildet, jetzt ist er in eine Liga höher dazu verdammt, ein Starensemble zur Meisterschaft zu coachen. Man wettet quasi drauf, dass Liga-Stars wie Reese, Glatzel und Hornby ein letztes Mal zusammenreißen... Platz 10 nach 17 Spieltagen? Entlassung für Strobl so gut wie sicher. Und dann beginnt die Spirale wie beim HSV und Schalke einst.
Was positiv ist, dass sie frühzeitig so viel klarmachen wollen wie möglich, was die Vorbereitung und die Akklimatisierung natürlich begünstigt. Trotzdem bin ich einigermaßen skeptisch...
Das sind wir alle in Wolfsburg. Die einzige Konstante hier ist die Unkonstanz. Es ist nie gelungen, Erfolg zu konservieren, aus Fehlern nachhaltig zu lernen oder eine klare Philosophie aufzubauen.
Wenn wir gute Jahre haben und Leistungsträger anschließend gehen, fehlt uns ein echter Plan B, wie wir darauf reagieren und die Entwicklung fortführen wollen. Die letzte Phase, in der wir wirtschaftlich sinnvoll und konstant solide gearbeitet haben, war unter Schmadtke – und selbst da lief nicht alles rund.
Dass es erst eines Abstiegs bedurfte, um die Geschäftsführung grundlegend zu erneuern, ist zumindest ein Anfang. Wenn es jetzt noch gelingt, im Aufsichtsrat mehr sportliche Kompetenz zu verankern, statt ihn primär mit politischen oder wirtschaftlichen Vertretern zu besetzen, könnten wir uns wieder eine bessere Ausgangslage erarbeiten.
Die Transfers wirken auf Außenstehende vielleicht chaotisch. Tatsächlich schließen wir damit aber vor allem Lücken, die seit drei bis vier Jahren bestehen. Ich gehe davon aus, dass spätestens nach der WM mehrere Abgänge folgen werden – bisher ist es in dieser Hinsicht noch auffallend ruhig.
Grundsätzlich fehlt es dem Verein an Fantasie, Vision und einem klaren Plan. Durch Volkswagen sind wir finanziell komfortabel aufgestellt – doch das bringt wenig, wenn es an Ideen fehlt, wie man diese Möglichkeiten sinnvoll nutzt. In den letzten 30 Jahren wurde vieles nicht konsequent genug entwickelt, vor allem infrastrukturell: Trainingszentren für Männer, Frauen und Nachwuchs, eine moderne Akademie und weitere Themen. Stattdessen hat man häufig auf große Namen wie Draxler, Schürrle und Co. gesetzt, um sich mit dem Glanz deutscher Nationalspieler zu schmücken.
Das man mit Strobl ein Risiko eingeht ist klar und ich hoffe wir haben die nötige Geduld, um davon auch die Früchte zu ernten. Die Transfers an sich sehe bis jetzt aber sehr stimmig aus.



