Bayerns U17-Nationalspieler Mike exklusiv: „Ich möchte einfach meine Füße sprechen lassen“
Bei der U17-Weltmeisterschaft in Katar gehört Bayern Münchens Linksaußen Wisdom Mike zu den wertvollsten Spielern des Turniers. Der 17-Jährige, der im September zum zweitjüngsten Debütanten in der Geschichte des Rekordmeisters avancierte, sprach vor dem letzten und entscheidenden Gruppenspiel der DFB-Youngster am Montag gegen El Salvador (ab 14:30 Uhr live) exklusiv bei Transfermarkt über den schwierigen Start in die WM, seine Lehren aus den ersten Profi-Einsätzen in München und seine persönliche Rolle in der Nationalelf von Coach Marc-Patrick Meister. Zudem gibt er Einblicke in seinen Umgang mit dem jüngsten Wirbel um seine Person.
Zwei Remis stehen aus den ersten beiden Auftritten der U17 gegen Kolumbien sowie Nordkorea zu Buche, in der Gruppe G belegt der Titelverteidiger damit vor dem letzten Spieltag den zweiten Platz – punktgleich mit den drittplatzierten Südamerikanern und einen Zähler vor dem kommenden Gegner El Salvador.
Das 1:1 gegen den Tabellenführer aus Asien hatte Coach Meister am Freitag als „große Enttäuschung“ bezeichnet. Zwar hatte Flügelstürmer Mike die DFB-Auswahl in der 62. Minute in Führung bringen können, neun Minuten vor Abpfiff gelang den Nordkoreanern jedoch der Ausgleich. Im TM-Interview attestiert auch der Torschütze dem U17-Team noch Luft nach oben: „Kolumbien und Nordkorea waren beide sehr unangenehme Gegner, die vor allem körperlich sehr gut waren und auch am Ball hatten sie gute Individualisten. Wir müssen in der Offensive bessere Entscheidungen im letzten Drittel treffen. Das haben wir im Training auch nochmal thematisiert. Ich bin überzeugt davon, dass wir gegen El Savador unsere Leistung abliefern werden.“
Mike bei der U17-Nationalelf: „Sehe mich auch als Führungsspieler“
Die Basics hätten gegen Nordkorea gefehlt, hatte Trainer Meister seiner Mannschaft angekreidet und wissen lassen: „Für mich ist das völlig unerklärlich, zumal der Gegner uns das nicht aufgezwungen hat. Zu wissen, dass die Jungs es besser können, ist heute Abend nur ein schwacher Trost.“
Vor dem Kräftemessen mit El-Salvador blicke man aber optimistisch nach vorne, erklärt Mike gegenüber Transfermarkt und macht sein Ziel für den weiteren Turnierverlauf in Katar klar: „Ich möchte mit der Mannschaft das Turnier bestmöglich abschließen. Im Idealfall natürlich das Finale erreichen. (...) Auch wenn der Start schwierig war, wollen wir nach wie vor jedes Spiel gewinnen, so lange wie möglich hierbleiben und den Titel holen. Dafür müssen wir aber erstmal unser Spiel morgen gewinnen.“ Auf die Frage, welche Rolle ihm innerhalb der DFB-Elf zukomme, sagt er selbstbewusst: „Ich versuche auch neben dem Platz Verantwortung zu übernehmen und sehe mich auch als Führungsspieler.“
„Das Niveau und die Qualität hier ist sehr hoch. Man sollte keine Nation unterschätzen. Bei Nordkorea hat man zum Beispiel gesehen, dass sie, auch wenn sie keine Fußballnation sind, trotzdem gute Spieler in der Mannschaft haben“, so Mike weiter mit Blick auf die Konkurrenz in Katar, wo Deutschland in der vergangenen Woche als amtierender Weltmeister an den Start gegangen war. Auf die Frage, welche Nationen der DFB-Elf den Titel diesmal am ehesten streitig machen könnten, sagt der Bayern-Youngster: „Belgien, Brasilien und Argentinien.“
Mike hatte in der laufenden Saison unter Bayern-Trainer Vincent Kompany erste Profiluft in der Bundesliga sowie der Champions League schnuppern dürfen. Zudem lief er für die Zweitvertretung in der Regionalliga Bayern sowie für den Nachwuchs der Bayern u. a. in der UEFA Youth League auf, insgesamt stehen drei Scorer aus sieben Pflichtspielen zu Buche. Mit genau 17 Jahren und zwei Tagen war der Flügelstürmer bei seinem Debüt im Oberhaus Ende September der zweitjüngste Bayern-Debütant der Geschichte und auf Platz zehn in der Bundesliga seit 1963. Medienberichten aus der vergangenen Woche zufolge winkt ihm beim FC Bayern bei Erreichen des 18. Lebensjahres bereits der erste Profivertrag – ohne Ausstiegsklausel.
Beim Münchner Starensemble habe Mike in den vergangenen Wochen vor der WM „vieles neues gelernt.“ Er versuche das „und meine Erfahrung auch an die Mannschaft hier weiterzugeben sowie meine Stärken in unser Spiel einzubinden.“ Dass er jüngst zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit stand und sich ein nach den ersten Profi-Auftritten auch medial ein Hype um seine Person entwickelte, sehe er gelassen. „Mich setzt das nicht wirklich unter Druck, am Ende des Tages bin ich hier, um Fußball zu spielen. Das, was von außen kommt, versuche ich so gut wie möglich zu ignorieren. Ich möchte einfach meine Füße sprechen lassen“, so Mike gegenüber Transfermarkt.
Text und Interview: Thomas Deterding
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