12.07.2026 - 18:24 | Quelle: Transfermarkt | Lesedauer: unter 9 Min.
FC Toulouse
Jens Berthel Askou
Karrieresprung nach Motherwell-Erfolg 

Martínez-Nachfolger Berthel Askou in Toulouse: „Schielen aufs internationale Geschäft“

Berthel Askou in Toulouse: „Schielen aufs internationale Geschäft“
©IMAGO

Jens Berthel Askou führte den schottischen Erstligisten Motherwell überraschend ins internationale Geschäft. Nun geht es zum FC Toulouse in eine Top-Liga, wo er den neuen Leverkusener Coach Carles Martínez beerbt. Bei Transfermarkt spricht der Däne über seinen Umweg über Färöer, den Erfolg in Schottland und die Ziele in Frankreich.


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Während in diesen Tagen die Fußballwelt auf die Weltmeisterschaft schaut, starten die ersten Mannschaften bereits in die Vorbereitung auf die neue Saison. „Mir war es wichtig, frühzeitig meinen Vertrag bei Toulouse zu unterschreiben, um die besten Voraussetzungen für die Vorbereitung zu schaffen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten Wochen die Grundlage für eine erfolgreiche Saison legen werden“, sagt Berthel Askou und erklärt: „Die Vorbereitung ist wichtig, um den Jungs meine Spielidee vorzustellen und meine Prinzipien und Werte zu verdeutlichen. Dennoch sollte jedem klar sein, die Vermittlung meiner Spielidee hört nicht mit dem Ende der Vorbereitung auf, sondern geht danach es erst richtig in die Tiefe.“



Der Däne hat sich über Jahre hinweg intensiv in die Trainerthematik eingearbeitet und unter anderem eine eigene „Fußball-Bibel“ geschrieben. „Ich habe mir irgendwann die Frage gestellt, was braucht eine Mannschaft, um wirklich erfolgreich zu sein – und damit meine ich in jeder Phase des Spiels bei möglichen Eventualitäten. Am Ende ist ein Dokument rausgekommen, welches circa 300 Seiten umfasst. Mit Beschreibungen zu Überzahl-, Unterzahl-Situationen, zu Situationen, wenn 10-gegen-10 gespielt wird, im Ballbesitz, im Spiel gegen den Ball. Ich möchte, dass meine Mannschaft auf alles vorbereitet ist“, erklärt der 43-Jährige.


Berthel Askou betont aber auch, seine Spieler nicht überladen zu wollen. „Es gibt für einen Spieler nichts Schlimmeres als einen Trainer, der einen komplett überfrachtet im Spielerischen wie im Taktischen. Am Ende müssen der Fußball und die Ansprache einfach gehalten sein. Mein Anspruch ist, dass meine Spieler jeden Tag mit Freude und Neugier ins Training kommen. Ich möchte, dass wir einen Fußball spielen, bei dem man als Außenstehender erkennt, die Jungs auf dem Platz haben wirklich Freude – und das wiederum steckt natürlich auch die Fans an.“


Der frühere Profi, der mehr als 100 Partien in der dänischen Superliga absolviert hat und auch in England und der Türkei aktiv war, lernte von einigen Trainern, unter anderem von einem deutschen Kulttrainer. „Während meiner Zeit in der Türkei bei Kasimpasa habe ich kurze Zeit unter Werner Lorant trainiert. Ich fand ihn sehr ehrlich als Trainer. Wenn du mitgezogen hast, dann hat er dir viele Freiheiten eingeräumt. Aber natürlich war sein Training so hart“, lacht der Däne.


Über Monate kein Angebot: Berthel Askou wich nach Färöer aus


Nach seiner aktiven Karriere sammelte Berthel Askou zunächst als Co-Trainer Erfahrungen. 2019 folgte dann der Schritt auf die Färöer-Inseln zu HB Tórshavn. Mit an seiner Seite; der ehemalige Werder-Profi Kevin Schindler. „Eigentlich hatte ich nie vor, auf die Färöer-Inseln zu wechseln. Zuvor war ich Trainer beim dänischen Erstligisten Vendsyssel FF und war davon überzeugt, das Angebot aus Dänemark reinkommen würden, aber es kam über Monate nichts. Irgendwann hinterfragt man sich, zweifelt und entscheidet dann auch als Familienvater, der seine Familie ernähren muss. Die Verantwortlichen von HB Tórshavn waren sehr hartnäckig und deshalb entschied ich mich den Weg zu gehen.“


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Mittlerweile spricht Berthel Askou mit großer Begeisterung von diesem Engagement. „Ich kann jedem empfehlen die Färöer-Inseln zu besuchen. Es gab unzählige Momente, in denen ich verstanden habe, dass wir eins mit der Natur sind und dass wir in der Natur nur ein kleines Element sind. Generell wird der Fußball absolut geliebt. Obwohl der Großteil der Spieler arbeitete oder noch zur Schule ging, haben wir jeden Tag trainiert. Teilweise haben wir als Trainer um 6 Uhr das Frühstück vorbereitet. Es wurde zusammen gefrühstückt sowie eine Einheit im Kraftraum absolviert. Dann sind die Jungs zur Arbeit oder Schule gefahren und am Nachmittag wurde anschließend auf dem Platz trainiert. In der gesamten Zeit gab es keinen Spieler, der gemeckert oder sich aufgeregt hat. Alle haben mitgezogen.“


Die Zeit im Inselstaat war von großem Erfolg geprägt: Neben Berthel-Askous sagenhaftem Punkteschnitt von 2,45 wurde der Klub Double-Sieger. „Die Zeit hat mich als Trainer reifen lassen, weil ich viele Dinge ausprobieren konnte, die woanders nicht möglich gewesen wären. Die Art von Offensivfußball, die ich mir vorstelle, könnte ich hier ausprobieren. Da es auf den Färöer-Inseln kein NLZ gibt, mussten wir 16-,17-Jährige kontinuierlich einbauen. Als Trainer hier eine Balance zu finden, wie man die jungen Spieler zu Stammspielern aufbaut, war extrem spannend und zugleich lernreich.“


Champions League mit Sparta gegen Man City: „Beeindruckend“


Nach einem erfolgreichen Engagement beim damaligen dänischen Zweitligisten AC Horsens und dem Aufstieg in die erste Liga folgte die Station beim IFK Göteborg. Eine Zusammenarbeit, die eigentlich längerfristiger ausgelegt war, jedoch lockte der tschechische Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer Sparta Prag mit der Rolle als Co-Trainer und legte für den Dänen sogar eine Ablöse auf den Tisch. „Als junger Trainer bekommt man nicht immer die Chance auf Champions-League-Niveau Erfahrungen zu sammeln“, bekundet Berthel Askou. „Die Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Natürlich war ich Co-Trainer unter Lars Friis, aber gleichzeitig hat mir Lars viel Freiheit und Spielraum gelassen. Ich konnte meine Ideen einbringen und individuell vor allem mit den Defensivspielern arbeiten. Besonders die Partie in der Champions League gegen Manchester City ist mir in Erinnerung geblieben.“


Über die Partie gegen den englischen Top-Klub sagt Berthel Askou: „Die waren so gut organisiert, Alle Rädchen haben ineinandergepasst. Als Trainer von Sparta Prag war ich natürlich angefressen, als Trainer, der den Fußball liebt, begeistert. Ich fand es beeindruckend, wie ein John Stones innerhalb von 30 Sekunden nach Anpfiff selbstreflektierend eingegriffen und seine Mitspieler anders positioniert hat. Oder wie ein Erling Haaland trotz Doppeldeckung seine Tore erzielt hat.“ Am Ende siegten die Skyblues gegen die Tschechen mit 5:0.


Großen Wert legt Berthel Askou auf Reflektion, klare Prozess- statt Ergebnisorientierung und eine gute Fehlerkultur. „Ohne Fehler im Leben kann es keine Entwicklung geben“, betont er. „Aus Fehlern können die schönsten Momente entstehen. Wenn man Fahrradfahren lernt, fällt man ständig hin. In dem Augenblick, wo man ohne Hilfe fahren kann, steht einem die Welt offen. Wir müssen dahin kommen, dass wir Fehler erwarten, dass aber gleichzeitig auf Fehler vorbereitet sind. Leider hat sich die Gesellschaft so entwickelt, dass wir Angst vor der Angst haben. Angst, dass etwas Negatives passieren könnte. Was würde aber passieren, wenn wir alle anfangen etwas Positives zu erwarten?“


Erfolg mit Motherwell: „Innovativer, cleverer und smarter arbeiten“


Seinem Ruf als Menschenfänger wurde Berthal Askou auch bei Motherwell gerecht. Die Ankunft war ein Wendepunkt in der Geschichte des Vereins. Zu jenem Zeitpunkt galt Motherwell als Kandidat für den Abstieg. Doch der Trainer krempelte vieles um. „Es geht nicht darum, wie groß der Verein ist, in dem du arbeitest. Es geht darum, dass die Idee in deinem Kopf groß ist. Du kannst alles beeinflussen. Wenn du weniger Geld hast, musst du innovativer, cleverer und smarter arbeiten. Gleichzeitig habe ich großes Vertrauen vom gesamten Verein bekommen, sodass ich meine Spielphilosophie implementieren konnte. Es wird immer Phasen in einer Saison geben, in denen die Resultate nicht passen und genau in diesen Phasen braucht ein Trainer die Unterstützung.“


Berthel Askou will alles daransetzen, den Menschen hinter dem Sportler zu verstehen und von einem gemeinsamen Weg zu überzeugen. „Als Trainer setzt man die Leitplanken, dazwischen erhalten die Spieler ihre Freiheiten. Der Druck, der auf den Spielern lastet, wird von Jahr zu Jahr größer. Entsprechend muss ich als Trainer einen Raum für Vertrauen schaffen. Dieses Vertrauen, welches von beiden Seiten gelebt werden muss, muss jeden Tag neuerworben werden.“


Seine Spieler will der 43-Jährige davor bewahren, abzuheben. „Das Spiel wird bereits neben dem Platz entschieden“, weiß Berthel Askou. „Es gibt viele Dinge, auf die ich als Trainer achte und entsprechend eingreifen muss. Wenn ein Spieler zehn Minuten früher vom Krafttraining abhaut, wenn ein Spieler seine Kaffeetasse irgendwo stehen lässt, wenn ein Spieler den Hausmeister oder die Mitarbeiter aus dem Büro nicht grüßt. Solche Dinge führen dazu, dass einem auch auf dem Platz bestimmte Dinge egal sind und sie können dazu führen, dass wir nicht konsequent genug im Spiel sind.“


Die Überzeugungskraft ist für Berthel Askou elementar, denn er implementierte ein konsequentes aggressives Gegenpressing und Umschaltspiel – mit großem Erfolg. Mit nur 36 Gegentoren in der gesamten Erstliga-Saison kassierte Motherwell so wenige Treffer wie seit 1932 nicht mehr. Die Mannschaft stellte einen neuen Vereinsrekord auf, indem sie neun Heimspiele in Folge ohne Gegentor blieb. Darüber hinaus stand mit Calum Ward der beste Torhüter der Liga in den eigenen Reihen und hielt sage und schreibe 17-mal den Kasten sauber.


Blick auf Marktwerte: Berthel Askou sieht Trainer in der Pflicht


Der Kaderwert bei Motherwell steigerte sich um mehr als 27 Prozent. Spieler wie Elijah Just, Tawanda Maswanhise oder Ibrahim Said wurden zu Leistungsträgern. „Besonders für kleine Vereine ist die Marktwertsteigerung unabdingbar. Zum einen ist sie ein Messinstrument für die Entwicklung der Spieler, zum anderen hilft sie den Vereinen, Spieler zu verkaufen. Aus dem Verkauf kann Wachstum für den Gesamtverein generiert werden. Ich finde, die heutigen Trainer sind noch mehr in der Pflicht eine gute Talentförderung voranzutreiben. Meine Aufgabe sollte es sein, die Talente vom Spieler frühzeitig zu identifizieren, zu analysieren und gemeinsam zum Leuchten zu bringen. Es gibt doch nichts schöneres, als die eigenen Spieler auf die nächste Stufe zu bringen.“


Berthel Askou ergänzt: „Für mich hat ein Trainer folgende Schlüsselaufgaben: Er steht für Erfolg und Entwicklung. Gleichzeitig gibt er seinen Spielern Freiheit, Freude und Inspiration, sodass eine Trainingsatmosphäre geschaffen wird, in der die Spieler wachsen können.“


Ziel in Toulouse: „Dass sich die Menschen in unseren Klub verlieben“


Aufgrund des Erfolgs mit Motherwell rückte Askou in den Fokus mehrerer Vereine. Neben Celtic Glasgow waren Gerüchten zur Folge auch deutsche Vereine an ihm interessiert, doch am Ende entschied er sich für den FC Toulouse. Sein Vorgänger Carles Martínez Novell leistete erfolgreiche Arbeit in Frankreich und verließ den Klub nach dem Ende seines Vertrages im Sommer 2026. Er wechselte direkt in die deutsche Bundesliga und unterschrieb als neuer Cheftrainer bei Bayer 04 Leverkusen.


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Carles Martínez
C. Martínez Alter: 42
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„Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe“, versichert Berthel Askou. „Natürlich sind wir ein klassischer Ausbildungsverein und unser Anspruch ist es, auf möglichst viele Jungs aus der eigenen Akademie zu setzen. Gleichzeitig möchten wir den nächsten Schritt gehen und schielen auf das internationale Geschäft. Darüber hinaus haben wir aber noch ein wichtigeres Ziel: Wir wollen, dass sich die Menschen in Toulouse und der Umgebung in unseren Klub verlieben und Bock drauf haben ins Stadium Municipal zu kommen.“


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Sauerland04 FC Schalke 04 Sauerland04 12.07.2026 - 22:33
Interessantes Interview. Erinnert mich in der Sache total an Miron Muslic. Der hat ähnliche Ansprüche und achtet genau auf diese Sachen. Wie gehe ich mit dem zeugwart, der Geschäftsstellenmitarbeiterin etc. um. Dazu eine klare Idee und Leitplanken innerhalb derer alles ok ist. Brüder im Geiste.
Johnny_TL Olympique Lyon Johnny_TL 12.07.2026 - 13:55
Wirklich sehr interessanter und guter Beitrag.

Gerade Toulouse ist eine Rugby-Hochburg, wo es der Fußball schwer haben kann. Aber die Entwicklung in den letzten Jahren ist sehr positiv und sie sollten auch nächste Saison zumindest nichts mit dem Abstieg zu tun haben.
Jens Berthel Askou
FC Toulouse
Jens Berthel Askou
Geb./Alter:
19.08.1982 (44)
Nat.:  Dänemark
Akt. Verein:
FC Toulouse
Aktuelle Funktion:
Trainer
Im Amt seit:
01.07.2026
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Wettbewerb:
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Letzter Transfer:
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15,98 Mio. €
Tabellenstand:
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Kadergröße:
28
Letzter Transfer:
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