12.02.2026 - 16:45 | Quelle: Transfermarkt | Lesedauer: unter 10 Min.
1.FC Nürnberg
Piet Scobel
Nürnberg-Youngster im Interview 

Erst Ausstieg, dann Aufstieg: Scobels ungewöhnlicher Weg zum Club-Durchbruch

1. FC Nürnberg: Scobels ungewöhnlicher Weg zum Club-Durchbruch
©IMAGO

Vier Startelfeinsätze in den ersten Wochen 2026 – für Piet Scobel vom 1. FC Nürnberg ist das immer noch ein bisschen unwirklich. Der bodenständige Youngster aus Pinneberg, der sich 2024/25 mit 26 Scorern in 17 Partien der Oberliga Hamburg in den Fokus des Clubs spielte, sprach mit Transfermarkt u. a. über die intensiven letzten Wochen, sein erstes Jahr als Nordlicht im Frankenland und die Zusammenarbeit mit Trainer Miroslav Klose.


Marktwert
Piet Scobel
P. Scobel Mittelstürmer
600 Tsd. €


Zudem reflektiert der 20-Jährige, warum er während der Corona-Zeit im NLZ des FC St. Pauli den Spaß am Fußball verlor, zwischenzeitlich sogar ganz mit dem Kicken aufhörte und erklärt, wie er über den Amateurbereich den Weg zurückfand bis im Januar 2025 der Wechsel nach Nürnberg zustande kam.



„Ich fühle mich ziemlich gut – auf jeden Fall deutlich besser, als ich es noch am Anfang des Jahres erwartet hätte. Ich gehe nach wie vor mit den gleichen Gedanken auf den Platz: Ich möchte ein gutes Spiel machen und im Idealfall ein Tor schießen. (lacht) Da ist es egal, ob ich in eine Zweitligapartie oder in ein Regionalliga- oder Oberligaspiel gehe. Aber es macht natürlich schon ein Stück weit mehr Spaß, wenn man in so ein großes Stadion einläuft, die Fans dich anfeuern und einfach eine ganz andere Atmosphäre herrscht“, erzählt Scobel zu Beginn des Gesprächs. Seinem positiven Empfinden liegen entsprechende Zahlen auf dem Papier zugrunde: Scobel kommt in der 2. Bundesliga 2025/26 bis dato auf acht Einsätze und zwei Tore, vier Mal in Folge durfte er zuletzt von Beginn an ran, bei seinem Startelf-Debüt traf er doppelt.



Elf Tore und fünf Vorlagen standen in der laufenden Saison zuvor für die Zweitvertretung der Franken in der Regionalliga Bayern zu Buche. Auf die Frage nach seinen ersten Eindrücken von den Profis landet Scobel schnell bei der Kulisse im Max-Morlock-Stadion. „Als ich das erste Mal in dieses Stadion eingelaufen bin, das war natürlich ein besonderer Moment. Wenn du da reinkommst und ‚Die Legende lebt‘ wird eingespielt – da hatte ich schon Gänsehaut und dachte: ‚Ok, jetzt geht's los‘. Als ich dann nach fünf Minuten das erste Kopfball-Duell gewann, habe ich gedanklich erstmal ein bisschen durchgeatmet, weil ich wusste: ‚Ok, es gibt auch Dinge, die in der zweiten Liga möglich sind …‘“, berichtet er lachend. Der im Nürnberger Rund durch die Tartanbahn vergleichsweise größere Abstand zu den Tribünen habe ihm anfangs auch geholfen, „da ich die Zuschauer so ein bisschen ausblenden konnte und die Aufregung dadurch nicht so groß war“.


Mittlerweile kann der 1,91 Meter große Angreifer die positiven Aspekte einer solchen Atmosphäre aber ohne Ehrfurcht aufsaugen und genießen. Beim alles andere als ereignisarmen 3:2-Heimsieg gegen Elversberg habe er „das erste Mal wirklich gespürt, wie so eine Kulisse dich auf dem Platz mitreißen kann“. Sein Coach attestierte Scobel im Anschluss „ein fantastisches Spiel“ und prognostizierte: „Du kannst so einen Jungen nicht daran hindern, besser zu werden.“ Worte, die man als junger Stürmer von einem WM-Rekordtorschützen gerne hören dürfte und die zugleich das Nürnberger Vertrauen in die Personalie widerspiegeln. Der Durchbruch Scobels war dem Vernehmen nach ein zentraler Grund dafür, warum der Club im Winter im Sturmzentrum nicht nochmal nachlegte.



Stürmer Scobel über erstes Treffen mit Klose: „Wie so ein Fan-Moment“


Seine erste Begegnung mit Klose sei „natürlich erstmal wie so ein Fan-Moment“ gewesen, berichtet Scobel schmunzelnd und führt mit Blick auf sein Verhältnis zum Coach aus: „Miroslav Klose ist eine Riesenpersönlichkeit. Immer, wenn er mir im Training etwas sagt und Tipps gibt, dann weiß ich einfach auch, wo diese Dinge herkommen – er war ein Weltklasse-Stürmer und bringt eine unglaubliche fußballerische Erfahrung mit. Er ist sehr kommunikativ und nimmt sich die Zeit, um mir immer wieder Dinge zu erklären und aufzuzeigen, was ich in bestimmten Situationen besser machen kann.“


Mitarbeiter
Miroslav Klose
M. Klose Alter: 48
1.FC Nürnberg
1.FC Nürnberg
Alle Saisons -
Alle Wettbewerbe
Spiele
73
Gewonnen
29
Unentschieden
16
Verloren
28


„Das Spiel in der Box, der schnelle Abschluss und natürlich der Kopfball – diese Dinge würde ich schon zu meinen Stärken zählen. Aber natürlich gibt es viel, was ich noch verbessern und woran ich weiter arbeiten möchte. Insbesondere im Bereich Technik und Athletik, Schnelligkeit, Explosivität – da kann ich noch viel drauf packen“, erzählt der Angreifer reflektiert. Er wolle „möglichst viele Spiele machen – und möglichst viele Spiele davon auch gut“, sagt er im Gespräch mit TM. Eine Marke in Sachen Tore setze sich der in Hamburgs Oberliga als beeindruckender Goalgetter bekannte Stürmer nie.



1. FC Nürnberg: Wie Scobel über Umwege in den Profi-Fußball fand


Dass Scobel heute in der 2. Bundesliga Tore schießt, ist die vorläufige Pointe einer Geschichte, die einmal eine ganz andere Wendung zu nehmen schien. 2020 endete seine Zeit im Nachwuchsleistungszentrum des FC St. Pauli – mitten in der Corona-Phase, „die damals für mich, genau wie für andere junge Spieler, nicht immer leicht war“, blickt er zurück. „Generell war der Alltag im NLZ sehr durchgetaktet: Man geht zur Schule, dann fährt man zum Training und dann geht man ins Bett. Das ist schon relativ viel und es hat mir irgendwann nicht mehr so viel Spaß gemacht, wie am Anfang. Der Spaß ist für mich aber ein zentraler Faktor beim Fußballspielen. Als ich gemerkt habe, dass der immer seltener gegeben war, entschied ich zu diesem Zeitpunkt, dass es mir das nicht wert ist.“


Piet Scobel nach seinem Startelf-Debüt für den 1. FC Nürnberg Anfang Januar 2026.
Piet Scobel nach seinem Startelf-Debüt für den 1. FC Nürnberg Anfang Januar 2026.


Dass er die Schuhe danach überhaupt nochmal aus dem Schrank holte, sei Zufall gewesen, „weil ein Freund mich fragte, ob ich bei seiner Mannschaft aushelfen kann. So bin ich wieder eingestiegen“. Scobel berichtet das mit einer bei jungen Spielern im Profi-Business vergleichsweise ungewöhnlichen Gelassenheit. Der Youngster, der sich selbst ungern in den Fokus stellt und Trubel eher weniger mag, habe nie Zweifel an seinen Entscheidungen gehabt.


„Ich war immer sehr klar mit den Wegen, die ich eingeschlagen habe. Rückblickend bin ich zufrieden und stehe voll hinter meinen Entscheidungen. (...) Natürlich frage ich mich manchmal, was wohl gewesen wäre, wäre ich im NLZ geblieben – wie hätte ich mich dort wohl entwickelt? Hätte ich den Sprung zu den Profis geschafft? Wäre ich vielleicht sogar deutlich besser als jetzt? Solche Gedanken sind aber nie negativ besetzt und ich glaube auch ganz normal – ich bin sehr glücklich, wie bis hierhin alles gelaufen ist.“


Leistungsdaten
Piet Scobel
P. Scobel Mittelstürmer
Gesamte Leistungsdaten
Oberliga Hamburg
Spiele
45
Tore
34
Vorlagen
13


Für seine Bodenständigkeit spricht auch, dass er neben dem Fußball sein Studium der Wirtschaftsmathematik weiterführen will. „Natürlich gibt es manchmal Termine oder Klausuren, die beispielsweise mit unseren Trainingszeiten kollidieren. Aber ich versuche, solange es geht, dranzubleiben. Eine Klausur habe ich in diesem Jahr schon geschrieben und plane auch demnächst eine weitere. Dann wird die Frage irgendwann sein, ob ich es bis zum Bachelor-Abschluss durchziehen kann. Ich werde es definitiv versuchen.“


Nach dem NLZ-Aus beim FCSP folgten für Scobel beeindruckende Jahre in der Oberliga Hamburg, wo er im Trikot von Union Tornesch und dem Eimsbütteler TV den gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehrte. Die Liga und auch die alten Vereine habe er „auf jeden Fall noch im Blick: Ich war tatsächlich kürzlich beim Spiel des ETV gegen Sasel und auch mal bei Union Tornesch in den vergangenen Monaten. Also ich habe super Erinnerungen an die Zeit in der Oberliga Hamburg. Ich habe dort mit sehr vielen tollen Menschen zusammengespielt und der Austausch ist nach wie vor da.“


Piet Scobel bejubelt 2024 einen Treffer im Trikot des Eimsbütteler TV.
Piet Scobel bejubelt 2024 einen Treffer im Trikot des Eimsbütteler TV.


Scobel: „Lösung schon im Kopf haben, bevor man den Ball überhaupt hat“


Angesprochen auf die größten Unterschiede zwischen Oberliga und 2. Bundesliga nennt Scobel „die Zeit, die man auf dem Platz hat, um Entscheidungen zu treffen. Alles geht viel schneller und ist deutlich intensiver. Man muss die Lösung eigentlich schon im Kopf haben, bevor man den Ball überhaupt hat. In der Oberliga konnte man leichter nochmal den Körper reinstellen und sich so nochmal eine Sekunde länger zum Überlegen verschaffen. Das geht jetzt nicht mehr. Und natürlich steht man ausschließlich mit Profis auf dem Platz – die sind alle komplett durchtrainiert, physisch stark und können über 90 Minuten das volle Tempo gehen. Fitness, Körperlichkeit, Schnelligkeit des Spiels und Intensität – das sind die größten Unterschiede, die ich festmachen würde“.



Den Traum vom Profi-Fußball hegte auch Scobel in seiner Kindheit, „aber ich bin ehrlicherweise nie davon ausgegangen, dass das wirklich möglich ist. Ich bin eher mathematisch gepolt und weiß um die Wahrscheinlichkeit und die geringe Zahl derjeniger, denen der Sprung zum Profi letztlich gelingt. Erst mit dem Wechsel zu Nürnberg habe ich diesen Gedanken tatsächlich wieder zugelassen“.


Der erste Kontakt mit dem FCN sei „ein bisschen aus dem Nichts“ gekommen: „Ich wurde Mitte, Ende Dezember das erste Mal angerufen und dann ging alles ziemlich schnell. Wir haben als nächstes einen Zoom-Call gemacht und anschließend habe ich Olaf Rebbe in Hamburg getroffen, weil auch er über die Feiertage im Norden war. Die Gespräche waren sehr gut und vielversprechend. Anfang Januar war ich dann das erste Mal in Nürnberg, habe das Vereinsgelände angeschaut und auch Miroslav Klose zum ersten Mal getroffen. Direkt danach erfolgte dann auch schon der Umzug und alles war in trockenen Tüchern.“


Piet Scobel nach seinem Wechsel zum 1. FC Nürnberg mit Nachwuchschef Michael Wiesinger.
Piet Scobel nach seinem Wechsel zum 1. FC Nürnberg mit Nachwuchschef Michael Wiesinger.


Als Nordlicht ins Frankenland: „Natürlich hatte ich anfangs auch Respekt“


Abseits des Platzes habe Scobel keine großen Eingewöhnungsprobleme gehabt, erzählt er im Gespräch mit Transfermarkt. „Ich wohne auch tatsächlich in einer WG mit zwei Mitbewohnern, die ebenfalls aus Hamburg stammen. Die Verknüpfung zur Heimat ist also auch zuhause gegeben“, berichtet er schmunzelnd. Der Dialekt, die früheren Schließzeiten der Supermärkte – alles Dinge die für den fokussierten Jungprofi nicht ins Gewicht fallen. Die Entfernung zur Heimat wog im Zuge der Wechselentscheidung hingegen schwerer.


„Natürlich hatte ich anfangs auch Respekt aufgrund der Entfernung und war mir auch nicht sicher, ob ich diesen Schritt gehen und meinen Lebensmittelpunkt, meine Familie, meine Freunde verlassen möchte. Zumal es ja auch nicht klar war, ob meine Chancen auf den Profi-Fußball dadurch steigen. Aber ich hatte vom ersten Kontakt an ein gutes Gefühl und insgesamt kann ich nach einem Jahr sagen, dass ich mich in Nürnberg sowohl auf als auch neben dem Platz sehr wohl fühle und gut angekommen bin.“



Seine Teamkameraden, „eigentlich die ganze Mannschaft, haben mir gerade in der Anfangszeit und bei den ersten Spielen sehr geholfen und mir immer ein gutes Gefühl und Sicherheit gegeben. Gerade im ersten Spiel hatte ich sehr viele gute Möglichkeiten und musste aufpassen, dass ich nicht zu verkopft agiere und darüber nachdenke, dass ich meine Chancen verballere. Aber da waren immer drei, vier Leute, die sofort zu mir kamen und mir Mut machten und sagten: ‚Einfach weitermachen, dein Tor kommt noch.‘ Das hilft dann natürlich sehr.“


Piet Scobel Anfang Januar 2026 im Kreise seiner Mitspieler beim 1. FC Nürnberg.
Piet Scobel Anfang Januar 2026 im Kreise seiner Mitspieler beim 1. FC Nürnberg.


Zuletzt blieb der Club drei Spiele in Folge ohne Sieg, richtungsweisende Wochen stehen bevor. „In den nächsten Spielen wollen wir definitiv eine Reaktion zeigen und punkten, gerade, weil es auch gegen direkte Konkurrenten in der Tabelle geht“, sagt Scobel. Auf seine eigene sportliche Zukunft blickt das im Süden angekommene Nordlicht zum Abschluss des Gesprächs erfrischend unbekümmert: „Das vergangene Jahr ging so schnell und war so ereignisreich, dass ich mir überhaupt noch keine Gedanken darüber gemacht habe, wie es jetzt in meiner potenziellen Karriere eventuell noch weitergehen könnte. Geschweige denn, wie langfristige Ziele aussehen könnten. Erstmal möchte ich dafür sorgen, dass ich hier bei Nürnberg weiterhin Spiele machen darf, Einsatzminuten bekomme und mich fußballerisch weiterentwickele. Darauf liegt mein Fokus.“


Text und Interview: Thomas Deterding


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Trikotsammler SC Eilbek II Trikotsammler 13.02.2026 - 10:43
In Eimsbüttel macht man viel richtig mit den Möglichkeiten, die man hat. Mit Scobel über die Oberliga und Njinmah über die U17/19 und jetzt auch Sinanovic aus der Oberliga zu Hannover II und Trainer Fricke zur U19 nach Wolfsburg hat man sich mittlerweile deutschlandweit einen Namen gemacht. Mit den Nachwuchsmannschaften ist man regelmäßig in oder an der Tür zur Bundesliga bzw. jetzt Nachwuchsrunde. Man holt wirklich alles raus aus dem Verein, Chapeau!
Autor
uchterjung
Thomas Deterding
TM-Username: uchterjung

Alle Beiträge des Autors
Piet Scobel
1.FC Nürnberg
Piet Scobel
Geb./Alter:
22.04.2005 (21)
Nat.:  Deutschland
Akt. Verein:
1.FC Nürnberg
Vertrag bis:
30.06.2029
Position:
Mittelstürmer
Marktwert:
600 Tsd. €
Miroslav Klose
1.FC Nürnberg
Miroslav Klose
Geb./Alter:
09.06.1978 (48)
Nat.:  Deutschland
Akt. Verein:
1.FC Nürnberg
Aktuelle Funktion:
Trainer
Vertrag bis:
30.06.2028
Im Amt seit:
01.07.2024
1.FC Nürnberg
Gesamtmarktwert:
39,65 Mio. €
Wettbewerb:
2. Bundesliga
Tabellenstand:
1.
Kadergröße:
29
Letzter Transfer:
Andrea Ceresoli
Eimsbütteler TV
Gesamtmarktwert:
175 Tsd. €
Tabellenstand:
13.
Trainer:
Can Schultz
Kadergröße:
34
Letzter Transfer:
Gabriel Michalek
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