26.12.2024 - 11:05 | Quelle: Transfermarkt.de | Lesedauer: unter 19 Min.
Weltmeisterschaft
Erik Durm
Aus dem Archiv 

Durm erzählt seine WM-Story: „Weiß gar nicht, ob ich das alles schon richtig verarbeitet habe“

Weltmeister Erik Durm über WM 2014 in Brasilien: „Erlebnis meines Lebens“
©TM/IMAGO


Zum Jahresausklang holen wir einige unserer Interview-Highlights von 2024 noch einmal aus dem Archiv. Den Artikel zu unserem Gespräch mit Erik Durm veröffentlichten wir im Juli dieses Jahres.


Die Frage, was er mit Spielern wie Frank Mill, Helmut Kremers, Andreas Köpke, Ulrich Biesinger und Günter Hermann gemeinsam hat, braucht man Erik Durm zehn Jahre nach dem Titelgewinn bei der Weltmeisterschaft in Brasilien eigentlich gar nicht mehr stellen. Zu oft wurde er schon damit konfrontiert. „Das kommt in jedem Interview.“ Was in der Natur der Sache liegt: Der größte sportliche Moment seines Lebens war nun einmal die Teilnahme an der Endrunde 2014. Als Mario Götzes Geniestreich in der Verlängerung gegen Argentinien für diesen einen Moment im Maracanã-Stadion sorgte, der sich ins Gedächtnis einbrannte. Durm erlebte als einer von fünf Weltmeistern ohne Einsatzminute den Triumph hautnah mit. Insgesamt durften sogar 18 deutsche Spieler von 1954, 1974, 1990 und 2014 den WM-Pokal in die Höhe stemmen, ohne auf dem Platz gestanden zu haben.


Der 32 Jahre alte Durm, der im vergangenen Januar seine Profikarriere bei seinem Herzensverein 1. FC Kaiserslautern beendete, blickt im Gespräch mit Transfermarkt auf das Highlight WM 2014 zurück und lässt weitere Stationen seiner Laufbahn Revue passieren. Dabei gibt der in Pirmasens geborene Fußballer auch tiefe Einblicke in schwierige Phasen. Zunächst aber folgt im ersten Teil des TM-Interviews der Blick ein Jahrzehnt zurück.


„Ich war so jung damals. Für mich für mich war es einfach das Geilste, dabei zu sein. Jeder hat mich danach immer gefragt, ob ich mich trotzdem als Weltmeister fühle. Ich durfte mitfahren und alles miterleben. Ich hätte auch nie Ansprüche gestellt, spielen zu müssen. Dieser Teamgeist war 2014 mitentscheidend für den Titel. Es war einfach keiner dabei, der sich beschwert hat, sondern immer versucht hat, die anderen zu pushen“, sagt Durm und erzählt seine Geschichte.


„Der Tagesspiegel“ bezeichnete den Rechtsfuß 2017 als den „unbekannten Weltmeister“. „Damit war wohl gemeint, dass ich medial nicht so präsent war und in dieser Zeit nicht so viele Interviews gegeben habe“, kommentiert Durm die Schlagzeile. „Ich bin keiner, der unbedingt das Rampenlicht gesucht hat, denn ich habe lieber auf dem Platz Fußball gespielt und war eigentlich froh, wenn nicht zu viel über mich geschrieben wurde. Ich wollte mein Ding machen – und das war der Fußball. Ich war gerne für mich und bei meiner Familie und habe es nicht gebraucht, in der Zeitung zu stehen.“



Erik Durms positive WM-Erfahrungen: „Schön, wenn ich darauf angesprochen werde“


Noch heute wird Durm hin und wieder mit den Geschehnissen bei der WM 2014 konfrontiert. Vor allem beim Amateursport. „Ich habe angefangen, bei der SG Rieschweiler in der Landesliga zu kicken. Die Vorbereitung ist losgegangen und ich freue mich darauf, die Schuhe zu schnüren, mit den Jungs zu trainieren und ein paar Spiele zu machen. Es sind viele Junge dabei, von denen auch der eine oder andere immer mal wieder nach der WM fragt. Das sind ja auch durchweg positive Erfahrungen, die ich nie vergessen werde. Deswegen ist es schön, wenn ich darauf angesprochen werde.“ Unabhängig davon genießt Durm die Zeit ohne den knallharten Ergebnisdruck im Scheinwerferlicht. „Ich kenne die Jungs und jeden, der im Sportheim sitzt. Sportlich ist es natürlich ein Riesenunterschied zu früher. Aber es macht Spaß und das ist genau das, was ich mir als Ausklang gewünscht habe. Zurück zum Heimatverein, back to the roots. Bis zu meinem 14. Lebensjahr habe ich dort gespielt und wurde immer unterstützt. Ihnen etwas zurückzugeben finde ich cool. Über meine Position bin ich mir noch nicht ganz im Klaren, aber es zieht mich eher wieder in die Offensive, vielleicht als Doppelspitze. Mal gucken, ob ich das Tor noch treffe. Normalerweise verlernt man sowas nicht.“


Wagner, Klopp & Co. Durms Leistungsdaten nach Trainern Hier geht's lang! Durm war Stürmer, bevor er im Profifußball ins kalte Wasser geworfen wurde – und sich bei Borussia Dortmund 2013/14 als Linksverteidiger freischwamm. Innerhalb eines Jahres rauschte er von der 3. Liga mit dem BVB II unter Trainer David Wagner bis ganz nach oben. Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, gesetzt unter Jürgen Klopp, die WM als Krönung. Mehr geht nicht. „Ich hatte damals schon im Winter bei Dortmund in der Regionalliga unterschrieben. Dave (Trainer Wagner; d. Red.) meinte, dass sie mich gerne für die zweite Mannschaft holen würden. Bei diesem Gespräch kam auch Kloppo dazu, was für mich ein Riesending war. Ich fragte mich, wieso er sich dazusetzt, wenn es um einen Spieler für die zweite Mannschaft geht. Allein diese Aura, als er hereingekommen ist… Das Gesamtpaket macht ihn zum Welttrainer, der er ist. Wie hätte ich da nicht in Dortmund unterschreiben können? Dass er sich für mich die Zeit nimmt, war etwas Besonderes. Das zeigte seine menschliche Seite und das, was diesen Verein ausmacht“, verrät Durm.



Für den Rechtsfuß lief es nach seinem Transfer vom 1. FSV Mainz 05 II nach Dortmund 2012 zunächst keineswegs reibungslos: „Ich habe mich relativ schnell für mehrere Monate verletzt. Als ich zurückkam, war mit Bálint Bajner ein großer kräftiger Mittelstürmer verpflichtet worden. Für mich war es unheimlich schwer, mich in der 3. Liga körperlich gegen abgezockte und erfahrene Spieler durchzusetzen. Kloppo sagte mir offen und ehrlich, als Stürmer würde es für mich schwer werden, aber er könne sich vorstellen, dass die Position als Außenverteidiger sehr gut passen könnte, weil ich schnell sei und viel renne. Darüber sollte ich mir Gedanken machen. Ich brauchte dafür nicht viel Zeit. Als ich diese Chance erhielt, war es mir egal, auf welcher Position. Nach der Drittliga-Saison, in der wir Gottseidank nicht abgestiegen sind, ging alles relativ schnell.“ Durm startete durch und empfahl sich 2013 für höhere Aufgaben.


Erstes BVB-Traininingslager mit den Profis: Durm hatte „ein bisschen Bammel“


„Bevor ich das erste Mal mit der ersten Mannschaft ins Trainingslager durfte, hatte ich ein bisschen Bammel. Als Stürmer war mir klar, dass ich an Toren gemessen werde. Ich wusste aber gar nicht, wie ich als Außenverteidiger agieren sollte. Das war die einzige Position, die ich in meinem Leben noch nie gespielt hatte. Ich bin dann in die Videoanalyse mit dem Trainerteam gegangen und habe mit auch Schmelle (Marcel Schmelzer; d. Red.), Piszu (Lukasz Piszczek; d. Red.) oder Kevin (Großkreutz; d. Red.) geredet. Durch Freundschaftsspiele habe ich Erfahrungen sammeln können und versucht, mich in die Position hineinzufinden. Das ging deutlich schneller, als ich dachte, und hat von Anfang an echt Spaß gemacht. Ich musste viel laufen, was zum Glück nie ein Problem für mich war. Ich bin einfach die Bahn rauf und runter marschiert, bis ich umfalle. So durfte ich gegen Augsburg (am 10. August 2013; d. Red.) mein erstes Profispiel machen. Das Jahr verlief surreal, es war für mich wie im Märchen.“


Joachim Löws Kader für die WM in Brasilien: So wurden die Nominierten um Manuel Neuer, Philipp Lahm und Miroslav Klose am 8. Mai 2014 vorgestellt
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Der BVB-Profi spielte sich in der WM-Saison in der Stammelf fest, Bundestrainer Joachim Löw nahm Notiz von den Leistungen des Newcomers auf der eigentlich „falschen“ Position. Durm war auf der perfekten Welle unterwegs. „Eigentlich will ich keinen Moment besonders herausheben. Ich habe viele tolle Momente erlebt, wunderbare Mitspieler und Menschen kennenlernen dürfen. 2014 war für mich persönlich aber das schönste Jahr und das Highlight. Ich wurde von Kloppo reingeschmissen und er hat mir komplette Rückendeckung gegeben. Diese Menschlichkeit von ihm gibt es sehr selten im Sport. Er war der beste Trainer, den ich hatte, weil einfach alles gepasst hat. Ich konnte frei aufspielen, weil ich dachte: ‚Was hast du zu verlieren?‘ Wenn ich mal einen Fehler beging, machte mir keiner einen Vorwurf. Wenn ich jetzt an Cristiano Ronaldo und Gareth Bale gegen Real Madrid im Bernabéu denke, kriege ich Gänsehaut. Ich habe das aufgesaugt, jeden Moment genossen und versucht, immer alles zu geben.“


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Cutter78 1.FC Heidenheim 1846 Cutter78 26.12.2024 - 15:26
Zitat von Knpfl
Zitat von petergrunewald

zitat:,, Ich hätte auch nie Ansprüche gestellt, spielen zu müssen.''

sehr schöne geschichte, aber diese aussage finde ich eines profis nicht würdig. eigentlich sollte man den maximalen ehrgeiz und den anspruch haben sich zu behaupten. das unterscheidet die denkweise von anderen spielern.
irgendwie wirken die spieler aus der bundesliga schnell satt und beenden früh ihre karrieren zb. schürrle, durm, jansen, hector, kruse, özil, rudy etc.

vor spielern wie pirlo, chiellini, jesus navas, giroud, ibrahimovic, joaquin, david silva, buffon oder pepe ziehe ich meinen hut.

bis ins hohe alter top-motiviert und zeigten immer ihre leistung. sehr ehrgeizige kicker, was man an ihren erfolgen und status auch feststellen kann


Aus diesem Holz ist Durm wohl nicht geschnitzt.

Entweder war er fussballerisch oder mental limitiert, um weiter vorne anzugreifen, was er erkannt hatte oder er hatte eben keine Winnermentalität, mit dem Willen, sich immer mit den Besten der Welt zu messen, in schwierigen Lagen Lösungen zu finden und vor allem gewinnen zu wollen.
Sein Selbstvertrauen und die mentale Stärke war mMn nicht sehr stark ausgeprägt.

Was ein dämlicher Kommentar,der Junge hat es damals geschafft wovon 80 Mios wohl nur Träumen dürfen!
Sorry 0,0 Verständnis für solch Schwachsinn...
Nico2702 FC Bayern München Nico2702 13.07.2024 - 12:14
Zitat von petergrunewald
zitat:,, Ich hätte auch nie Ansprüche gestellt, spielen zu müssen.''

sehr schöne geschichte, aber diese aussage finde ich eines profis nicht würdig. eigentlich sollte man den maximalen ehrgeiz und den anspruch haben sich zu behaupten. das unterscheidet die denkweise von anderen spielern.
irgendwie wirken die spieler aus der bundesliga schnell satt und beenden früh ihre karrieren zb. schürrle, durm, jansen, hector, kruse, özil, rudy etc.

vor spielern wie pirlo, chiellini, jesus navas, giroud, ibrahimovic, joaquin, david silva, buffon oder pepe ziehe ich meinen hut.
bis ins hohe alter top-motiviert und zeigten immer ihre leistung. sehr ehrgeizige kicker, was man an ihren erfolgen und status auch feststellen kann

Du vergleichst hier überdurchschnittliche Profis aus der Bundesliga mit absoluten Weltstars (Ausnahme Özil, der nie für harte Arbeit belannt war), die natürlich - und das zeigt schon der Karriereweg mehr arbeiten, professioneller leben und ehrgeiziger sein müssen als die anderen von dir genannten. Nenn doch einen Hummels, Müller, Neuer oder auch Kahn als Beispiele.
DerJogi Hamburger SV DerJogi 12.07.2024 - 20:04
Zitat von petergrunewald
zitat:,, Ich hätte auch nie Ansprüche gestellt, spielen zu müssen.''

sehr schöne geschichte, aber diese aussage finde ich eines profis nicht würdig. eigentlich sollte man den maximalen ehrgeiz und den anspruch haben sich zu behaupten. das unterscheidet die denkweise von anderen spielern.
irgendwie wirken die spieler aus der bundesliga schnell satt und beenden früh ihre karrieren zb. schürrle, durm, jansen, hector, kruse, özil, rudy etc.

vor spielern wie pirlo, chiellini, jesus navas, giroud, ibrahimovic, joaquin, david silva, buffon oder pepe ziehe ich meinen hut.
bis ins hohe alter top-motiviert und zeigten immer ihre leistung. sehr ehrgeizige kicker, was man an ihren erfolgen und status auch feststellen kann


Ich weiß ja nicht, wann du angefangen hast, Fußball zu schauen, aber ich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich das lesen muss.
Durm war nie dafür eingeplant oder hatte die Qualität, Stammspieler in der N11 zu sein, und war nicht mehr als ein Ergänzungsspieler.
Das hat nichts mit fehlendem Ehrgeiz zu tun, sondern nennt sich Selbstreflektion.
Das Gegenteil davon hat man bei Max Kruse gesehen und nennt sich Selbsttäuschung.
Einen Profifußballer/Nationalspieler hier mangelnden Ehrgeiz zu unterstellen, ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.
Autor
PhilippMrq
Philipp Marquardt
TM-Username: PhilippMrq

Alle Beiträge des Autors
Erik Durm
SG Rieschweiler
Erik Durm
Geb./Alter:
12.05.1992 (34)
Nat.:  Deutschland
Akt. Verein:
SG Rieschweiler
Vertrag bis:
30.06.2026
Position:
Rechter Verteidiger
Marktwert:
-
Miroslav Klose
Karriereende
Miroslav Klose
Geb./Alter:
09.06.1978 (48)
Nat.:  Deutschland
Akt. Verein:
Karriereende
Vertrag bis:
-
Position:
Mittelstürmer
Marktwert:
-
Deutschland
Gesamtmarktwert:
962,00 Mio. €
Kadergröße:
26
Borussia Dortmund
Gesamtmarktwert:
529,20 Mio. €
Wettbewerb:
Bundesliga
Trainer:
Niko Kovac
Kadergröße:
28
Letzter Transfer:
Joey Veerman
Weltmeisterschaft

Finale   |  So., 13.07.2014    | 21:00 Uhr

Finale
13.07.14
21:00 Uhr

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Halbfinale   |  Di., 08.07.2014  |  22:00 Uhr

Halbfinale
08.07.14
22:00 Uhr

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Viertelfinale   |  Fr., 04.07.2014  |  18:00 Uhr

Viertelfinale
04.07.14
18:00 Uhr

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Achtelfinale   |  Mo., 30.06.2014  |  22:00 Uhr

Achtelfinale
30.06.14
22:00 Uhr

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Gruppe G   |  Do., 26.06.2014  |  18:00 Uhr

Gruppe G
26.06.14
18:00 Uhr

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Gruppe G   |  Sa., 21.06.2014  |  21:00 Uhr

Gruppe G
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21:00 Uhr

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Gruppe G
16.06.14
18:00 Uhr

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