Deutsches Torwarttalent mit 17 nach Mexiko: Koye eifert Ochoa beim Club América nach
Im Januar 2024 wechselte Julian Koye, zuvor ein Jahr in der Jugend von Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg, zum Club América in die mexikanische Hauptstadt. Dort möchte sich der 18 Jahre alte Schlussmann, der sowohl die deutsche als auch die mexikanische Staatsbürgerschaft besitzt, den Traum vom Profifußball erfüllen. Im Interview mit Transfermarkt spricht Koye über seinen Alltag, die Besonderheiten und die Hürden in Mexiko.
Auf den ersten Blick scheint der Wechsel des gebürtigen Münchners im Sommer 2024 unüblich, doch bei genauerer Betrachtung schließt sich ein Kreis, denn sein Vater stammt aus Mexiko. „Dass ich beim Club América gelandet bin, hängt auch damit zusammen, dass ich mit dem mexikanischen Fußballverband seit meiner Zeit in Regensburg immer wieder in Kontakt stand und hier eine fußballerische Ausbildung auf Top-Niveau möglich ist“, erklärt Koye den Schritt.
Erst 2022 wechselte er in die B-Jugend Jahn Regensburgs, in der U17-Bundesliga stand Koye für den Jahn in sechs Partien auf dem Platz und konnte einmal zu null spielen. „Für mich war die Zeit unfassbar schön. Zum einen, weil der Verein eine unglaublich warme und familiäre Atmosphäre versprüht, und zum anderen, weil ich mich hier gut entwickeln konnte. Mit Jan Kroll hatte ich einen fantastischen Torwarttrainer, der mich gefördert hat. Dank ihm konnte ich mich im Bereich Selbstbewusstsein und als Torwart hervorragend weiterentwickeln.“
Unübliche Trikotnummer: Koye trägt die 231
Obwohl er mexikanische Wurzeln hat, gab es für Koye in den ersten Wochen einige Herausforderungen zu bewältigen. „Zum einen war die Sprache eine Hürde. Für mich war es eine große Umstellung, jeden Tag nur Spanisch zu sprechen. Ich musste auch schnell die ganzen fußballbezogenen Begriffe lernen.“ Doch die sprachliche Barriere war nicht das einzige Problem. „Was weitaus schlimmer war, ist die Tatsache, dass sich Mexiko-Stadt auf einer Höhe von 2.240 Metern befindet und somit die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist. Jede Trainingseinheit war doppelt so anstrengend.“
Auch der Fußball in Mexiko unterscheidet sich deutlich von dem in Deutschland, wie Koye feststellen musste. „Generell wird der Fokus mehr auf das Umschaltspiel und Kontersituationen gelegt. Das Spiel lebt auch von den Emotionen. Es geht häufig hitzig zur Sache. Diese Emotionalität merkt man bereits im Jugendfußball, Trashtalk ist hier Normalität. Der Fußball ist hier eine Religion. Auffällig ist die Strenge der Schiedsrichter: Es wird meistens eher abgepfiffen, als laufen gelassen.“
Koye trägt die Trikotnummer 231, was in Deutschland unvorstellbar ist. „Hier in Mexiko ist das Normalität. Jeder hat seine eigene Nummer. Diese Zahl ist an die Spielberechtigung geknüpft, mit der man beim Ligaverband für die Saison registriert wird. Jugendspieler haben eine dreistellige Nummer und die Profis eine zwischen 1 und 35. In der neuen Saison würde ich entsprechend eine niedrigere erhalten, da diese an die Jugendmannschaften geknüpft ist, für die man eingesetzt werden darf“, erklärt Koye.
Koye schwärmt vom Club América: „Wie der FC Bayern in Deutschland“
Die Erfahrungen aus Deutschland und Mexiko haben ihn variabler gemacht, glaubt Koye. „Die Trainingsinhalte in Mexiko und Deutschland sind unterschiedlich. In Deutschland hieß es im Training immer: Es ist egal, ob der Ball im Tor landet, achte zunächst auf die Sauberkeit in der Ausführung und auf die Genauigkeit und Schärfe beim Passspiel. Hier geht es darum, Tore zu verhindern, egal wie. Sauberkeit spielt eine untergeordnete Rolle. Hier wird der Fokus auf Schnelligkeit und Reflexe gelegt. Eine Übung besteht häufig aus drei, vier Folgeaktionen. Eine gute, spektakuläre Parade hat einen höheren Stellenwert als ein sauberer Pass im Spielaufbau. Mir kommt zugute, dass ich die deutsche Torwartschule verinnerlicht habe und eine Art Hybrid bin, der das Beste aus den beiden Welten vereint“, so der Torwart.
In Deutschland ist der Stellenwert des Fußballs besonders hoch, doch in Mexiko ist es eine Art Religion, besonders beim Club América. Kein Verein gewann öfter den CONCACAF Champions Cup, das nordamerikanische Äquivalent zur Champions League. Viele mexikanische Stars wie Zaguinho, Pável Pardo oder Guillermo Ochoa spielten für CA. „Club América ist vom Stellenwert und der Historie innerhalb Mexikos mit dem FC Bayern in Deutschland vergleichbar. Die Fanbase ist riesengroß. Hier ist alles noch mal extremer. Die Fans zelebrieren das regelrecht, sie warten mit Trommeln, mit Musik, mit Fahnen, quasi mit einer Party auf die Profis. Was zudem auffällig ist, sind die riesengroßen Plakate, die von Hochhäusern herunterhängen und auf denen entweder nur die Spieler zu sehen sind oder auf denen für das nächste Spiel geworben wird“, erzählt Koye.
Mit der U19 hat er schon einige besondere Momente gehabt, doch einer bleibt unvergesslich: „Vor einigen Monaten erzielte ich in einem Ligaspiel einen Kopfballtreffer in der Nachspielzeit. Das Tor ging über die Social-Media-Kanäle des Club América so viral, dass ich ein paar Tage später am Flughafen von Kindern angesprochen und um Fotos sowie Autogramme gebeten wurde. Einer der Jungs hatte sich dafür extra ein Deutschland-Trikot besorgt.“
Koyes Ziel: Minuten im Tor vom Club América sammeln
Von besonderer Brisanz sind die Duelle gegen den Erzrivalen Deportivo Guadalajara. „Bei solchen Spielen stehen die Fans Kilometer vor dem Stadion an den Straßen. Jeder Fan trägt ein Trikot. Wer keines trägt, wird komisch angeschaut und gilt als Aussätziger. Besonders beliebt sind die Lucha Libre, Wrestling-Masken, die von vielen Fans getragen werden. Wir spielen im Aztekenstadion und wenn das ausverkauft ist, hört man sein eigenes Wort nicht mehr, das ist eine unbeschreibliche Atmosphäre. Ich habe mitbekommen, dass Fans sich für die Spiele mitten in der Nacht anstellen, da die Karten unmittelbar nach Öffnung der Verkaufsportale ausverkauft sind“, sagt Koye. Das Duell im September konnte CA mit 1:0 für sich entscheiden.
An jeder Straßenecke in Mexiko-Stadt sieht man Logos des Club América und Poster der Stars. Auch die Nationalmannschaft sorgt in der Hauptstadt für große Begeisterung. „Das Land ist unfassbar sportverrückt. Wenn Fußball läuft, dann sind alle Mexikanerinnen und Mexikaner vor dem Fernseher und es spielt keine Rolle, ob du Fan bist oder nicht. Genauso verhält es sich, wenn der Boxer Sául Álvarez boxt. Dann sitzen Millionen vor dem TV.“
In der Liga MX ist die Anzahl der ausländischen Profis pro Verein auf zehn begrenzt, doch weil er einen mexikanischen Pass hat und schon vor seinem 18. Lebensjahr im Ligasystem registriert wurde, fällt Koye nicht darunter. Zuletzt spielte er sich in den Fokus der mexikanischen U20-Auswahl, eine Einladung könnte demnächst folgen. „Mit dem Torwartkoordinator des mexikanischen Fußballverbands, Roberto Navajas, hatte ich mehrfachen Kontakt. Von ihm kann ich viel lernen, schließlich hat er mit Torwartlegenden wie Claudio Bravo oder Guillermo Ochoa zusammengearbeitet. Tatsächlich gab es vor kurzem aber auch einen Austausch mit dem DFB“, sagt Koye.
Als er beim Club América einen Profivertrag unterschrieben hat, ist Koye mit dem Ziel angetreten, Minuten in der ersten Mannschaft zu sammeln. Aktuell hütet Luis Malagón das Tor, der auch in der mexikanischen Nationalmannschaft steht. Koye eifert jedoch einem anderen Schlussmann nach: „Guillermo Ochoa ist hier im Klub natürlich präsent, da hier seine Karriere Fahrt aufgenommen hat. Wenn man mir sagen würde, ich dürfte eine ähnliche Karriere wie er einschlagen, würde ich das sofort unterschreiben. Derzeit ist mein Ziel, möglichst viel aufzusaugen und jeden Tag von den Profis zu lernen. Aber natürlich ist mein langfristiges Ziel, die Nummer eins beim Club America zu werden.“
Text und Interview: Henrik Stadnischenko
Hinweis: Wenn du etwas googelst, bekommst du neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn du Transfermarkt als bevorzugte Quelle hinterlegst, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für dich auf. Füge Transfermarkt hier als bevorzugte Quelle hinzu.
Letzte Beiträge Newsforum
Da werde ich nun hin und wieder mal einen Blick drauf werfen, wie es für ihn läuft.
Und: Als erstes habe ich nach unten gescrollt. "Das kann doch nur von Henrik Stadnischenko sein." Natürlich 😉
Sehr interessanter Artikel, vielen Dank.
„Was weitaus schlimmer war, ist die Tatsache, dass sich Mexiko-Stadt auf einer Höhe von 2.240 Metern befindet und somit die Luftfeuchtigkeit extrem hoch ist. Jede Trainingseinheit war doppelt so anstrengend.“
Hier hat er allerdings evtl. etwas falsch verstanden. Das Training in der Höhe ist anstrengender, weil die Luft "dünner" ist, also weniger Sauerstoff enthält. Die Luftfeuchtigkeit ist in der Höhe niedriger weil der Luftdruck niedriger ist.
Hatte mich über die Passage auch gewundert. Hohe Luftfeuchtigkeit ist eher ein Problem auf Meereshöhe, aber üblicherweise nicht in großer Höhe.
Für sowas liebe ich Transfermarkt, sinnvolle und nützliche Informationen auch außerhalb des Fußballs - danke Männer!

- Geb./Alter:
- 25.11.2006 (19)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- Vereinslos
- Vertrag bis:
- -
- Position:
- Torwart
- Marktwert:
- -
- Gesamtmarktwert:
- 100,65 Mio. €
- Wettbewerb:
- Liga MX Apertura
- Tabellenstand:
- 1.
- Trainer:
- Guillermo Almada
- Kadergröße:
- 31
- Letzter Transfer:
- Edwin Cerrillo









