Bestes Team in DFB-Nachwuchsliga
Bochumer U19 noch ungeschlagen: Was hinter der „Wahnsinnsrunde“ der VfL-Talente steckt
©IMAGO
Während der VfL Bochum in der Bundesliga um den Klassenerhalt kämpft, sind die A-Junioren die Überraschungsmannschaft der U19 DFB-Nachwuchsliga. In 19 Spielen blieben die Talente des Revierklubs ungeschlagen – als einziges Team deutschlandweit. Als „Wahnsinnsrunde“ bezeichnete Trainer David Siebers zu Recht die Leistung seiner Schützlinge, „die wir vor der Saison gar nicht so haben kommen sehen und sicherlich etwas ganz Besonderes ist.“
Die Vorrunde beendeten die Bochumer in der Gruppe E mit elf Siegen und nur drei Remis souverän als Tabellenerster vor dem Werder-Nachwuchs. Neben den großen Akademien von Bayern, Dortmund und Gladbach blieb der VfL ohne Niederlage. Und obwohl die Winterpause ganze zwei Monate dauerte, ließ Bochum in der Gruppe C der Hauptrunde nicht nach – ganz im Gegenteil. Nach fünf Spielen stehen fünf Siege zu Buche, das gelang keinem anderen Team in dem Wettbewerb. Die drei anderen Klubs mit weißer Weste mussten zudem längst eine Niederlage hinnehmen.
Der VfL, der in der vergangenen Saison vor der Reform in der U19-Bundesliga West nur auf Rang elf von 14 einlief, überzeugt dabei regelmäßig gegen Top-Teams wie Bayer Leverkusen (4:1) oder den amtierenden A-Junioren-Meister TSG Hoffenheim, der auswärts mit 5:2 entthront wurde. Am Mittwoch konnte auch die Frankfurter U19 (2:1) bezwungen werden. „Es war eine herausragend kämpferische Leistung von uns“, zeigte sich Siebers mal wieder stolz. „Vom Kampf und der Liebe, die die Jungs in der zweiten Halbzeit auf dem Platz gelassen haben, war es am Ende – denke ich – auch hochverdient.“
„Es wird gerade viel über die Mannschaft gesprochen“, sagt Philipp Rentsch, der die Bochumer mit „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“ eng begleitet. Das sei zuvor nicht immer der Fall gewesen. Einen großen Anteil hat dabei auch Siebers, der im vergangenen April für den zu den Profis aufgerückten Heiko Butscher (heute Trainer des Oberliga-Teams) übernahm. Seitdem sammelte die Bochumer U19 in 24 Partien im Schnitt 2,5 Punkte. Anders als Butscher hat der erst 37-Jährige keine Profierfahrung.
Schon in jungen Jahren sammelte Siebers bei unterklassigen Teams im Dortmunder Raum Erfahrungen als Coach. Nachdem er als Assistent in der BVB-Jugend aktiv war, landete er als DFB-Stützpunkttrainer und über den Nachwuchs des Hombrucher SV in Bochum, wo er seit 2014 verschiedene Positionen im Talentwerk bekleidete und als Co-Trainer auch schon bei den Profis Erfahrungen sammeln konnte. Seit 2021 ist er in Besitz der Fußballlehrer-Lizenz.
„Siebers besitzt in Bochum einen sehr guten Ruf und gilt sogar als potenzieller Kandidat, um eines Tages mal die Profis zu übernehmen“, sagt Rentsch. „Er ist äußerst akribisch, zielstrebig und ehrgeizig. In nun über zehn Jahren ist er innerhalb des Klubs immer weiter aufgestiegen. Er redet auch bei der Kaderplanung ein Wort mit.“ Es gehe nicht nur um Erfolge, sondern Siebers „verbessert seit Jahren seine Teams, seine Talente“, fasst der VfL-Experte zusammen – so auch in der U19.
VfL Bochums U19 individuell besser, aber Fokus auf Teamleistung
Rauspicken lassen sich einige Namen wie etwa Torjäger Luis Pick (17), der in 19 Einsätzen schon 17-mal einnetzte. Ebenfalls besonders torgefährlich zeigt sich Innenverteidiger Daryl Tschoumy-Nana (18), der – auch als sicherer Elfmeterschütze – schon auf 13 Treffer kommt. Rechtsverteidiger Kacper Koscierski (17) sammelte in 15 Spielen ganze 19 Scorer (fünf Tore, 14 Assists), gegen Erfurt (9:0) gelangen ihm fünf Vorlagen in einem Spiel. Auch der im Sommer mit Profiperspektive vom VfL Wolfsburg abgeworbene Alessandro Crimaldi (17) überzeugt in der Offensive.
Auch wenn es ansonsten keine hochkarätigen Neuzugänge gab, sei das Team „individuell besser besetzt als in der Vergangenheit“, meint Rentsch. „Die Mannschaft profitiert auch davon, dass sie letzte Saison in Teilen ein Jungjahrgang war. Sie hatte ein Jahr, um zu reifen, konnte länger zusammenspielen. Zudem gibt es eben diese drei, vier herausragenden Talente, die für ihr Alter sehr weit sind.“
Siebers selbst möchte den Fokus aber weniger auf die individuellen Leistungen legen. Seine Mannschaft sei so stark, weil sich die Jungs permanent gegenseitig anstacheln würden, sie noch „einen Schritt mehr gehen“ als die Gegner, erklärte er jüngst der „WAZ“. Entschlossenheit, Geschlossenheit und Teamgeist seien die wichtigsten Faktoren. „Diese Mannschaft hat das Wort Mannschaft verdient“, unterstrich Siebers die stets „wunderbare Teamleistung“.
Ähnlich wird es auch in der TM-Community gesehen. „Diese Mannschaft zeichnet sich durch eine sehr hohe Einsatzbereitschaft und Willen aus. Wie man körperlich bessere Teams wie Bremen oder nun auch Frankfurt zum Ende bespielt, ist schon echt stark“, schreibt VfL-Fan „Zwetschge10“ im Bochum-Forum. Das Team harmoniere sehr gut „und flacht nicht auf einzelnen Positionen ab.“ Die Leistungen in der starken Hauptrunden-Gruppe seien „ein Ausrufezeichen“, das „immer mehr Scouts (…), mittlerweile aus ganz Deutschland“, anlocke – und Profitrainer Dieter Hecking.
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Immer wieder schnuppern Talente wie Crimaldi, Kapitän Luc Dabrowski (19) – Sohn von Ex-RWE-Trainer und VfL-Ikone Christoph Dabrowski – oder Cajetan Lenz (18) ins Training des Bundesliga-Teams rein. Der Sprung zu den Profis kann den Youngsters nach Reaktivierung der VfL-Reserve, die in der Oberliga Westfalen als Tabellenerster beste Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga West hat, in Zukunft leichter gemacht werden. Vorerst geht der Blick aber auf die Finalphase der U19-Meisterschaft. Die Bochumer können bei zehn Punkten Vorsprung auf Rang fünf quasi mit dem Achtelfinale planen. Als Erster der Gruppe C würde der Vierte der Gruppe D warten – aktuell die SpVgg Unterhaching, doch Reviernachbar BVB hat nur einen Punkt mehr.
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