„Goldene Generation“ ausgebremst von Southgate? England will 58 Jahre Leid beenden
Am Montag landete die englische Nationalmannschaft auf deutschem Boden und bezog ihr Quartier im EM-Vorbereitungscamp in Blankenhain. Das Abenteuer EURO 2024 startet für die Three Lions mit jeder Menge Druck, so knüpfte Trainer Gareth Southgate seine Zukunft bereits vor dem Turnier an ein erfolgreiches Abschneiden. Und das heißt drei Jahre nach der bitteren Niederlage im Endspiel gegen Italien: Eine Reise, die mit dem Silberpokal am 14. Juli in Berlin enden und nach der endlich ein Schlussstrich unter 58 titellose Jahre gezogen werden soll.
Bereits vor dem Abflug von der britischen Insel hatte Rekordtorjäger Harry Kane zu Protokoll gegeben: „Wir wissen, wie viel das diesem Land und den Fans bedeutet. Die Nation kommt zusammen in diesen Momenten.“ Trotz der holprigen Vorbereitung inklusive Niederlage gegen Island gilt die Mannschaft von Southgate als einer der großen Titelfavoriten. „Wir müssen beweisen, dass wir zu den Besten gehören“, attestierte Kane, der vor seinem fünften großen Turnier steht und mit 30 Jahren auch persönlich noch auf einen bedeutenden Titel in seiner Laufbahn wartet.
„Wir wollen Geschichte schreiben. Wir sagen das immer wieder, aber wir haben ein Team und einen Trainer, die wirklich daran glauben“, bekräftigte quasi parallel auch Mittelfeldspieler Declan Rice vom FC Arsenal, gefragt nach dem Anspruch, mit dem sich die Mannschaft auf den Weg nach Deutschland machte. Doch kann das Team, das seit dem WM-Titel 1966 auf einen Triumph wartet, den Makel der Titellosigkeit endlich abschütteln? Transfermarkt wirft einen Blick auf den mit 1,52 Mrd. Euro wertvollsten Kader der EURO 2024.
„Wenn man sich die englische Mannschaft ansieht, strotzt sie nur so vor hochkarätigen Talenten. Es lässt sich durchaus die These vertreten, dass die stärksten Spieler aus der Premier League, der Bundesliga und der LaLiga momentan aus England stammen: Phil Foden, Harry Kane und Jude Bellingham. Zudem weiß Southgate mit Bellingham (180 Mio. €), Foden (150 Mio. €), Bukayo Saka (140 Mio. €) und Rice (120 Mio. €) aktuell vier der zehn wertvollsten Spieler der Welt in seinen Reihen“, sagt Ben Littlemore, England-Experte von Transfermarkt.co.uk, und führt an: „Es handelt sich im Moment sicherlich um eine goldene Generation – abgesehen vielleicht von der Abwehr.“
Littlemore bemüht dabei einen Begriff, der in England zuletzt mit den Mannschaften der 2000er-Jahre assoziiert wurde. Ob die 2000er-Auswahl von Kevin Keegan, die in Belgien und der Niederlande in der Gruppe scheiterte, die Three Lions um David Beckham, Paul Scholes, Steven Gerrard, Frank Lampard, John Terry, Ashley Cole, Michael Owen, Sol Campbell und den aufstrebenden Wayne Rooney, die sich 2004 beim Turnier in Portugal im Viertelfinale die Zähne am Gastgeber ausbiss sowie jener Mannschaft, die bei der WM 2006 abermals im Elfmeterschießen an den Portugiesen scheiterte – allesamt eint auf der Insel heute das Image der „Underachiever“, der Generation, die weit unter ihren Möglichkeiten blieb. Der frühere Kapitän Lampard sollte den Begriff der „Goldenen Generation“ Jahre später als Belastung für die Spieler kritisieren – als Gründe für den ausbleibenden Durchbruch führten Experten und Spieler rückblickend u. a. Arroganz, taktische Inflexibilität, die Unfähigkeit von Lampard und Steven Gerrard, im Mittelfeld zusammen zu spielen sowie das Fehlen eines durchsetzungsfähigen Trainers an.
Auch die Southgate-Teams, zumindest Finalist bei der EM 2021 und Viertelfinalist bei der WM 2022 in Katar, waren in den vergangenen Jahren von ähnlicher Kritik nie ganz frei. „Es gibt viele offensive Superstars in der Mannschaft, aber es besteht in der Heimat nach wie vor die Befürchtung, dass der konservative Stil von Southgate nicht das Optimum aus ihnen herausholt. Der Trainer hat während seiner Amtszeit bei großen Turnieren normalerweise einen eher defensiven Ansatz verfolgt. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass Englands Stärke im Angriff liegt und die Schwäche in der Abwehr“, sagt Littlemore.
Der Experte bemängelt insbesondere die fehlende Qualität in der zweiten Defensivreihe: „Obwohl John Stones ein Weltklasse-Innenverteidiger ist, gibt es hinter ihm keine hochkarätigen Alternativen, da Marc Guehi, Lewis Dunk und Joe Gomez allesamt nicht über Erfahrung auf internationalem Top-Niveau verfügen. Die Three Lions haben auch ein Problem auf der linken Abwehrseite, da Luke Shaw möglicherwiese nicht richtig fit wird, was bedeutet, dass Rechtsverteidiger Kieran Trippier möglicherweise auf der linken Seite der Viererkette einspringen muss. Dennoch wird die unheimliche Geschwindigkeit von Kyle Walker England in der Defensive wahrscheinlich das ein oder andere Mal vor Schwierigkeiten bewahren.“
Am Dienstagnachmittag absolvierten die Engländer in Jena eine öffentliche Übungseinheit, ab Mittwoch wird in Blankenhain trainiert. Das erste EM-Spiel steht an diesem Sonntag in Gelsenkirchen gegen Serbien auf dem Programm. Am Montag hatte gar Prinz William das Team in Burton-on-Trent vor der Abreise nach Deutschland besucht, um für die Mission EM-Titel allen Spielern persönlich Glück zu wünschen. Einer, dem der Makel der Three Lions auch auf Klubebene seit Jahren anhängt, ist Bayerns Rekordtransfer Kane. Zwar hat der 30 Jahre alte Ausnahmestürmer allerlei persönliche Auszeichnungen gewonnen und Bestmarken aufgestellt, einen bedeutenden Titel aber hat er auch im fortgeschrittenen Fußballer-Alter nicht vorzuweisen – nicht einmal nach einem Jahr in München.
Kane, mit 63 Toren aus 91 Länderspielen Englands Top-Torjäger, ist noch unvollendet. Doch in der fußballverrückten Heimat gibt es – im Gegensatz zu Southgate oder der oft wackligen Defensive – keinerlei Zweifel am Kapitän. Und auch der 30-Jährige selbst hat in all den titellosen Jahren keineswegs das Selbstbewusstsein verloren. „Ich bin ein Gewinner, und das ist immer so, egal, was ich mache. Ob auf dem Spielfeld oder bei einer Schachpartie mit meinen Mitspielern, ich will immer gewinnen. Dieser Modus setzt immer ein, egal, was ich tue“, sagte der Vater von vier Kindern in einem von der FIFA veröffentlichten Interview.
Das Turnier in Deutschland ist bereits das fünfte, bei dem der Angreifer im Mittelpunkt steht. Bei der WM 2018 in Russland spielte er sich als Torschützenkönig ins Rampenlicht. 2022 in Katar führte er England mit starken Leistungen zwar an, verschoss aber beim Aus im Viertelfinale gegen Frankreich einen wichtigen Elfmeter. Southgate hofft darauf, dass Kane von seinem Wechsel nach Deutschland profitiert.
EM 2024: Viele englische Hoffnungen liegen auf Kane
„Für ist ihn ist die Erfahrung und die Umstellung, für einen großen Verein zu spielen, wo man jede Woche gewinnen muss, gut. Das müssen unsere Spieler spüren – denn das ist unsere Welt“, sagte Southgate der „Sport Bild“. In der Tat führen die Buchmacher England neben Frankreich als Titelfavoriten. Das liegt auch daran, dass mit Bellingham bereits ein Nachfolger für Kane bereitsteht. Der gerade einmal 20 Jahre alte Champions-League-Sieger wird langfristig als Kapitän und Aushängeschild der Three Lions gehandelt.
Kann das gemeinsam auf 280 Millionen Euro taxierte Duo England in diesem Sommer in Deutschland zum langersehnten Titel führen? Littlemore meint: „Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass England bei der EM 2024 über einen der stärksten Kader verfügt und alles andere als der Einzug ins Halbfinale würde bei Fans und Medien gleichermaßen massive Enttäuschung hervorrufen. Obwohl vor allem Serbien, Slowenien und Dänemark England gefährlich werden können, sind die Three Lions klare Favoriten auf den Sieg in Gruppe C. Das würde ihnen im Achtelfinale wahrscheinlich ein leichteres Spiel bescheren, aber sie könnten wie bei der WM 2022 im Viertelfinale auf Frankreich treffen ...“ Ob es gegen den Rivalen dieses Mal reichen könnte, dahingehend lässt sich auch der Experte nicht zu einer klaren Prognose hinreißen: „Dieses Mal könnte England stark genug sein, um die Franzosen zu schlagen – falls Kylian Mbappé und Co. ihre Schwächen in der Abwehr nicht eiskalt ausnutzen.“
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Letzte Beiträge Newsforum
Für mich sind mit Belgien und Österreich zwei andere die Geheimfavoriten. Tedesco und Rangnick haben da beide jeweils richtig gute Arbeit geleistet und ich gehe davon aus, dass minimum einer im HF stehen wird.
Bin ich der einzige dem dieses ständige "der wertvollste Kader der EM" auf den Nerv geht?
Es gibt keinen Zweifel, dass England aktuell einige gute Kicker hat, allen voran Bellingham, Kane und Foden, aber die TM-Marktwerte sind vor allem aufgrund der "Homegrown"-Regel der PL derart hoch. Ansonsten würden die Engländer mit Sicherheit einiges an MW einbüßen.
Naja genug off-topic.
Auf ein gutes Turnier 🤘
Bin der gleichen Meinung, zumal was viele leider oft vergessen: der Marktwert sagt nicht zwingend was über die Leistung des Spielers aus, am Ende des Tages es ist es irgendwo auch nur eine von TM generierte Zahl.
Ich glaube, dass allgemein durch die Kaderwerte oft ein falsches Bild herrscht, über die Stärken der Mannschaften.
Bin ich der einzige dem dieses ständige "der wertvollste Kader der EM" auf den Nerv geht?
Es gibt keinen Zweifel, dass England aktuell einige gute Kicker hat, allen voran Bellingham, Kane und Foden, aber die TM-Marktwerte sind vor allem aufgrund der "Homegrown"-Regel der PL derart hoch. Ansonsten würden die Engländer mit Sicherheit einiges an MW einbüßen.
Naja genug off-topic.
Auf ein gutes Turnier 🤘
Liegt vllt an deiner persönlichen Abneigung gegen England?
England hätte so oder so den wertvollsten Kader der EM, da sie die vielversprechendsten Talente der EM und die meisten (potentiellen) Weltklassespieler unter 30 haben mit:
- Stones
- Alexander-Arnold
- Rice
- Mainoo
- Bellingham
- Palmer
- Foden
- Saka
- Kane (ok, gerade 30)
die einzigen, die da halbwegs mithalten können sind Frankreich mit:
- Saliba
- Theo Hernandez
- Tchouameni
- Camavinga
- Zaire-Emery
- Mbappe
und Portugal mit:
- Dias
- Antonio Silva
- Nuno Mendes
- Joao Neves
- Vitinha
- Bruno Fernandes
- Bernardo Silva
- Leao (wobei da jetzt langsam mehr kommen muss, sonst würde ich den da ähnlich wie Dembele nicht mehr dazuzählen...)
- Geb./Alter:
- 03.09.1970 (55)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- Vereinslos
- Aktuelle Funktion:
- Trainer
- Gesamtmarktwert:
- 1,47 Mrd. €
- Wettbewerb:
- UEFA Nations League A
- Trainer:
- Thomas Tuchel
- Kadergröße:
- 26










